Burgstädt ist eine Kleinstadt im Westen des Landkreises Mittelsachsen im Freistaat Sachsen und ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Burgstädt.

Geographie mini|Burgstädt, Kirche und Taurastein

Die Stadt liegt rund acht Kilometer nordöstlich von Limbach-Oberfrohna und 15 Kilometer nördlich von Chemnitz zwischen den Tälern der Flüsse Zwickauer Mulde und der Chemnitz, die nördlich der Gemeinde zusammenfließen. Sie liegt im Naturraum Mulde-Lösshügelland und hier überwiegend im Bereich Burgstädter Plateau; die Tallagen des Ortsteils Mohsdorf und Schweizerthal liegen im Naturraum Mittleres Chemnitztal.

Höhenangaben: Marktplatz 295 m ü. NN Taurastein 360 m ü. NN Muldental ca. 185 m ü. NN

Stadtgliederung Burkersdorf mit Heiersdorf Göppersdorf mit Herrenhaide Helsdorf Mohsdorf mit Schweizerthal

Nachbargemeinden

Bis auf die kreisfreie Stadt Chemnitz liegen alle Städte und Gemeinden im Landkreis Mittelsachsen.

Geschichte mini|Siegelmarke des Stadtrates Burgstädts

Mittelalter Im 12. Jahrhundert entstanden die heute nach Burgstädt eingemeindeten Waldhufendörfer Burkersdorf, Göppersdorf, Heiersdorf und Mohsdorf. Auf der Höhe, rechts des Brauselochbachs befand sich die Kirche von Burkersdorf. Auf der sich nach Osten erstreckenden Pfarrhufe entstand ein Handelsplatz, der jetzige Marktplatz, um den sich Handwerker und Händler ansiedelten. Dieser Handelsplatz war die Keimzelle der späteren Stadt Burgstädt. Das Besondere ist, dass die Stadt auf der Flur eines bereits existierenden Dorfes entstand, das Dorf nicht in der Stadt aufging, sondern als selbständige Gemeinde weiter existierte.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1378 als „zu Burkissdorf vor dem stedil“, wo das „stedil“ nur Burgstädt darstellen kann. Als Namensherkunft wird auf die Personennamen Burghart, Burgwart hingewiesen.Ernst Eichler, Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte. Faber und Faber, Leipzig 2007, S. 49. Die heutige Schreibweise des Stadtnamens existiert in dieser Weise seit 1822, als man die Stadtnamen von Burkersdorf und Burgstädt klarer voneinander unterschied.

Frühe Neuzeit Ursprünglich galt in Burgstädt der Ackerbau als Haupterwerb. Die landwirtschaftlichen Produkte wie Gerste und Lein waren für die Industrie und das Gewerbe der Ausgangspunkt. So entstanden allmählich Handwerkerinnungen wie z. B. der Bäcker 1504, der Leineweber 1512 oder der Schneider 1577. Das Braurecht wurde den Einwohnern wohl bereits von Anfang an verliehen. Jahrmärkte und Volksfeste durften seit 1568 nur auf dem Anger stattfinden. Das Recht zur Durchführung von Wochenmärkten erhielt die Stadt am 22. März 1631.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Industrie vor allem in den Barockbauten der Herrenstraße. Bereits 1742 brachte der Burgstädter Zeughändler Johann Friedrich Wagner seine Waren zur Leipziger Messe und erzielte mit ihnen erfolgreiche Abschlüsse. Die Textilindustrie spielte in Burgstädt eine große Rolle. Mit der Einführung des mechanischen Webstuhles stieg das Ansehen der Textilindustrie stark an.

19. und 20. Jahrhundert 1840 nahm die erste Postagentur ihre Tätigkeit auf und beförderte Postsachen an die Fahrpost in Hartmannsdorf. 1868 wurde der erste Telegraph eingeführt und 1891 erfolgte der Anschluss an das Fernsprechnetz.

Dreieinhalb Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am 14. April 1945, nahmen US-Truppen Burgstädt ein.Bettina Junge: Als die US-Armee nach Burgstädt kam. In: Freie Presse, 14. April 2015, abgerufen am 25. Februar 2021.

Historische Ortsnamenformen 1378: Burkirstorff vor dem stetil 1518: stetlein Burckerßdorf 1551: Burckerßtorff 1619: Burckstadt, Borckstedt 1643: Burckstedtel 1671: Burgstedt 1791: Burgstädtel, od. BurgstädtKarlheinz Blaschke (Hrsg.): Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Neuausgabe, Leipzig 2006, ISBN 3-937209-15-8, S. 134.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BurkersdorfDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 1. April 1935 Göppersdorf (mit Herrenhaide) 1. April 1935 Heiersdorf 1. Oktober 1929 Eingemeindung nach Burkersdorf HelsdorfGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt 1. Januar 1974 Mohsdorf (mit Schweizerthal)Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. April 1995

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960: 31. Dezember):

1551 – 143H. Schwabe: Mein Burgstädt – Impressionen und Informationen. Riedel-Verlag Röhrsdorf/Chemnitz 1993. 1720 – 138 1834 – 2.668 1871 – 4.628Rat der Stadt Burgstädt (Hrsg.): Burgstädt. Vergangenheit, Gegenwart und Perspektiven einer Stadt, Burgstädt 1979, S. 15. 1910 – 8.175 1930 – 9.470Chemnitzer Adreßbuch 1932, Pickenhahn & Sohn, Chemnitz 1931, Erste Abteilung, S. 38. 1) 1937 – 18.350Burgstädter Adreßbuch 1937, Pickenhahn & Sohn, Chemnitz 1936, S. 1. 1946 – 19.453 2) 1950 – 18.329 3) 1960 – 17.426 1981 – 14.190 1984 – 13.878 1998 – 12.751 1999 – 12.700 2000 – 12.642 2001 – 12.508 2002 – 12.412 2003 – 12.466 2004 – 12.297 2005 – 12.159 2006 – 12.037 2007 – 11.884 2008 – 11.751 2012 – 11.043 2013 – 10.978 2018 – 10.672 2019 – 10.643 2020 – 10.530 Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen 1) 31. März 2) 29. Oktober 3) 31. August

Gedenkstätten Ehrenhain mit zwei Plastiken und einem Gedenkstein an der Mittweidaer Straße für die Opfer des Faschismus Gedenkstein im Ortsteil Herrenhaide für den Widerstandskämpfer der Roten Kapelle Albert Hößler, der 1942 ermordet wurde. Der Stein wurde nach 1990 geschleift.

Politik

Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 22 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

+letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Freie Wähler Burgstädt e. V.838,51248,41247,4AfD522,7314,3––CDU313,3522,1418,6Gewerbe- und Handelsverein Burgstädt e. V.312,417,4SPD15,117,9210,3Grüne14,2–3,3Linke13,617,229,3FDP––––13,8Wahlbeteiligung66,3 %62,1 %48,0 %

2023 fand in Burgstädt ein Bürgerentscheid mit der Fragestellung „Sind Sie mit dem Entwurf der Vereinbarung über den Zusammenschluss der Stadt Burgstädt und der Gemeinde Taura im Wege einer Gemeindeeingliederung einverstanden?“ statt. Der Entscheidungsvorschlag wurde mit knapper Mehrheit angenommen ohne das Quorum zu erreichen und scheiterte zudem an deutlicher Ablehnung in Taura.

Bürgermeister mini|Rathaus Burgstädt mit Ortspyramide

Bürgermeister ist Lars Naumann (FWB), der Sohn seines Vorgängers Lothar Naumann. Er gewann die aktuelle Wahl vom 12. Juni 2022 mit 50,7 % gegen seine Hauptgegenkandidaten Dirk Guhl (parteilos, 14,8 %) und Steve Sarfert (SPD, 12,0 %). Die Wahlbeteiligung lag bei 53,4 %.

Im Juni 2015 wurde Naumann mit 93,6 % der Stimmen im Amt bestätigt., Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Lars NaumannFWB50,7201593,6200841,82001Lothar Naumann72,3

Klima mini|links|Niederschlagsmittelwerte für den Zeitraum von 1961 bis 1990 Der Jahresniederschlag beträgt 685 mm. Der Niederschlag liegt im mittleren Drittel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. 37 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Februar. Im Juni, dem regenreichsten Monat, fällt etwa doppelt so viel Niederschlag wie im Februar. Die jahreszeitlichen Niederschlagsschwankungen liegen im oberen Drittel. In 69 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

Wappen Das Wappen der Stadt Burgstädt zeigt in Silber (weiß) zwei rote vierfenstrige Türme mit runden Dächern, besetzt mit goldenen (gelben) bekreuzten Kugeln, verbunden durch eine spitzbedachte Mauer, ebenfalls mit einer goldenen (gelben) bekreuzten Kugel, empor führende rote Stufen und einen rotbezungten Löwen auf goldenem (gelbem) Mittelschild.

Städtepartnerschaften Ahnatal, seit 3. Oktober 1990 Pári (Ungarn), seit 5. Oktober 2008

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Teich im Wettinhain mini|hochkant|Taurasteinturm im Wettinhain mini|hochkant|Der Seigerturm am Markt

Die Stadt verfügt über einen gut erhaltenen Stadtkern. Sehenswürdigkeiten sind unter anderem das Ensemble mit Stadtkirche – Seigerturm –, das Rathaus und das Gymnasium. Städtebaulich ist die Innenstadt durch eine Abfolge von Plätzen (Markt, Brühl und weitere kleine Plätze) geprägt. Der Marktplatz wurde 2008 komplett umgestaltet und zeigt sich seitdem in einem Materialmix aus Edelstahl, sachlich-abstrakten Beleuchtungsstelen und einer Darstellung zum regionalen Sagenschatz aus Rochlitzer Porphyrtuff.

Entlang der Mittweidaer Straße befindet sich das Naherholungsgebiet Burgstädts, der Wettinhain. In diesem Park befinden sich ein Teich, ein Spielplatz, zahlreiche Sitzgelegenheiten und der Taurastein mit dem markanten Taurasteinturm. Als Wasser- und Aussichtsturm geplant wurde er 1912/13 errichtet und liegt 348,6 m über NN. Heute wird der 39 m hohe Turm als beliebtes Ausflugsziel genutzt und beherbergt eine Galerie. Die 163 Stufen wurden zur Finanzierung der Sanierung an Bürger und Firmen versteigert. Jede Stufe trägt ein Schild mit dem Namen des Sponsors.Taurasteinturm > Geschichte auf der Webseite taurasteinturm.de

An der Kreisstraße zwischen Herrenhaide und Taura wurde der Legende nach um 1250 eine Sühnekapelle zum Gedenken an den Märtyrertod von Bischof Arn von Würzburg (oft auch Arno genannt) im Jahr 892 errichtet. Seit Februar 2006 erinnert ein Denkmal bei der Brücke über die Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig daran. Der genaue Ort des Martyriums ist allerdings nicht bekannt, er wird lediglich grob im Bereich zwischen Colditz und Chemnitz vermutet.

Museen In Burgstädt gibt es ein Heimatmuseum, ein Feuerwehrmuseum und das Museum Historische Arztpraxis Dr. Böttger.Eckart Roloff und Karin Henke-Wendt: Hier wurde mit dem Fuß gebohrt. (Museum Arztpraxis Burgstädt) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 1, Norddeutschland. S. Hirzel, Stuttgart 2015, S. 182–183, ISBN 978-3-7776-2510-2.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Westlich der Stadt verläuft die B 95 und östlich die B 107. Die südlich verlaufende A 4 ist ca. 10 km entfernt und über die Anschlüsse Chemnitz-Mitte und Chemnitz-Glösa erreichbar. Auch der 2011 fertiggestellte Teil der A 72 (Planungsabschnitt 2) verläuft in der Nähe der Stadt.

Burgstädt liegt an der Bahnstrecke von Chemnitz nach Leipzig. Diese Strecke wird durch die Regionalexpresslinie RE 6 je Richtung stündlich zwischen Chemnitz und Leipzig bedient. Des Weiteren verkehrt die Bahnlinie 525 der City-Bahn Chemnitz zwischen Burgstädt und Chemnitz. Die Linie 525 wurde nach Abschluss der Umbauarbeiten am Chemnitzer Hauptbahnhof als Teil des Chemnitzer Modells durch den Chemnitzer Hauptbahnhof hindurch bis ins Chemnitzer Stadtzentrum und weiter nach Aue (jetzt als Linie C13) verlängert.

Außerdem wurde Ende 2008 in Burgstädt ein Nahverkehrsbusnetz geschaffen. Dabei fahren sogenannte Microbusse 24 zusätzlich eingerichtete Haltestellen im 30-Minuten-Takt an.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger 1895: Otto von Bismarck (1815–1898) (Ehrenbürgerschaft nach 1945 aberkannt) 1997: Ilse Reisch (1921–2010), Kunstlehrerin, verliehen für ihre Verdienste um das kulturelle Leben Burgstädts; sie war langjährige Leiterin des Kulturbundes Burgstädt e. V. und Hauptinitiatorin der Burgstädter Kulturwoche 2010: Lothar Naumann (1949–2025), Bürgermeister von 1994 bis 2008, geehrt für seine Verdienste um die Stadt 2019: Christa Uhle (* 1932/33), Erzieherin, verliehen für ihr Wirken im Dienste der Stadt; die Diakonissenschwester hatte über Jahrzehnte den kirchlichen Kindergarten geführt und in dieser Zeit hunderte Burgstädter betreut.Christof Heyden: . In: Freie Presse, 15. Mai 2019, abgerufen am 18. November 2019.