Pockau ist ein Ort im Erzgebirgskreis in Sachsen. Bis zum 31. Dezember 2013 war der Ort eine selbstständige Gemeinde, die sich am 1. Januar 2014 mit Lengefeld zur Stadt Pockau-Lengefeld zusammenschloss.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2014 Pockau liegt an der Silberstraße.
Geografie Geografische Lage Der ursprünglich als Waldhufendorf entstandene Ort Pockau liegt im Tal der Flöha am Zusammenfluss mit der Schwarzen Pockau. Nördlich davon liegen die ehemaligen Waldhufendörfer Görsdorf und Forchheim, letzterer im Tal des Haselbaches. Östlich von Pockau liegt Wernsdorf sowie im Flöhatal die Siedlung Nennigmühle. Westlich an der B 101 liegt die Siedlung Marterbüschel. Höchster Punkt der früheren Gemeinde ist der Brandhübel mit 610 m, niedrigster das Flöhatal mit rund 400 m. Nordöstlich des Ortes befindet sich die Saidenbachtalsperre.
Ehemalige Gemeindegliederung Bis zum 31. Dezember 2013 gehörten neben dem Ort Pockau die folgenden Ortsteile zur Gemeinde Pockau: Forchheim Görsdorf Nennigmühle Wernsdorf
Geschichte Pockau Der Fluss Pockau wurde 1292 in einer Urkunde des Klosters Hersfeld erstmals urkundlich erwähnt. Die erstmalige Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahre 1365 als „Packaw“. Eine Glashütte, die hier im ausgehenden 15. Jahrhundert bestand, wurde archäologisch nachgewiesen.Albrecht Kirsche: Zisterzienser, Glasmacher und Drechsler, 2005, S. 63 Mit der Reformation gelangte Pockau 1539 an die Parochie Lengefeld. Ab 1560 wurden auf der Flöha und der Pockau Flöße eingerichtet und auf den Flöhawiesen wurden Holzkohlemeiler errichtet. Eine erste Schule wurde 1671 eingerichtet. 1783 wurde die obere Ölmühle errichtet, die heute ein technisches Denkmal ist. In den Jahren 1826 bis 1830 wurde die Straße von Annaberg nach Freiberg ausgebaut. Am 25. Mai 1875 wurde die Flöhatalbahn in Betrieb genommen. Ein neues Schulhaus wurde 1877 gebaut. Die Freiwillige Feuerwehr besteht seit 1895. Während des Ersten Weltkrieges entstand durch den Holzfabrikanten Hermann Lorenz die Gemeinschaft in Christo Jesu. Die Straße nach Olbernhau wurde von 1919 bis 1925 gebaut. 1925 erfolgte die Einweihung des Rathauses. Görsdorf wurde am 1. April 1934 eingemeindet.
Zu DDR-Zeiten errichtete und unterhielt der VEB Robotron-Meßelektronik im Ort ein Betriebs-Ferienlager für die Kinder seiner Betriebsangehörigen.
Bis 2010 zählten die Gemeindeteile Pockau (Hauptort) und Görsdorf zu den staatlich anerkannten Erholungsorten.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Änderung der Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 Sächsisches Kurortegesetz (SächsKurG) vom 25. Oktober 2006 (SächsABl. S. 1012) auf: revosax.sachsen.de2010 kein Erholungsort mehr, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 13. Mai 2010 (SächsABl. S. 817) auf: revosax.sachsen.de
Wappen Blasonierung: In Silber mit schwarzem Schildbord auf dreimal in Blau und Silber geteiltem Wellenschildfuß oberer Teil eines schwarzen Mühlrades sowie sich überschneidend grüner Nadelbaum mit schwarzem Stamm und grüner Laubbaum mit schwarzem Stamm; darüber durchgehendes, oben anstoßendes schwarzes Fachwerkmuster.
Religionen Am Ortsausgang in Richtung Kalkwerk hat die Gemeinschaft in Christo Jesu (Lorenzianer) ihr Zentralheiligtum (Eliasburg).
Einwohnerentwicklung Folgende Einwohnerzahlen der früheren Gemeinde beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007:
1982 bis 1988 1982 – 5278 1983 – 5243 1984 – 5189 1985 – 5165 1986 – 5283 1987 – 5250 1988 – 5183 1989 bis 1995 1989 – 5065 1990 – 5014 1991 – 4888 1992 – 4821 1993 – 4779 1994 – 4739 1995 – 4664 1996 bis 2002 1996 – 4659 1997 – 4627 1998 – 4621 1999 – 4570 2000 – 4523 2001 – 4490 2002 – 4421 2003 bis 2013 2003 – 4352 2004 – 4313 2005 – 4250 2006 – 4177 2007 – 4103 2009 – 3995 2013 – 3803 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
Kultur und Bauwerke mini|Technisches Museum Ölmühle mini|Kurfürstliche Amtsfischerei von 1653
Kirche mini|hochkant=0.7|Pockauer Kirche mini|Eliasburg
Pockau gehörte seit der Ortsgründung nach 1150 zur Pfarrgemeinde Lengefeld, besaß aber in der katholischen Zeit vor 1540 eine eigene Kapelle und damit das Filialrecht. Erstmals wurde 1729 ein Antrag auf eine eigene Kirche gestellt und 1734 wiederholt. Die Anträge wurden immer wieder abgelehnt. Im Jahr 1884 beantragten die Einwohner die Trennung von Lengefeld, der vom Landesherrn stattgegeben wurde. Die Christen des Ortes beschlossen nun den Bau einer eigenen Kirche und erteilten dem Baumeister Neubert aus Olbernhau den entsprechenden Auftrag. Am 28. April 1885 erfolgte die Grundsteinlegung und am 30. November 1885 die Kirchweihe des Gebäudes im neogotischen Stil.
Museen Technisches Denkmal Ölmühle Pockau: Die funktionstüchtig erhaltene Ölmühle Pockau ist die einzige Mühle in Europa, in der die Gewinnung von Leinöl nach den Verfahren des 17. Jahrhunderts gezeigt wird. Sie entstand 1783 als Wassermühle und besitzt ein von einem Wasserrad angetriebenes Stampfwerk und eine Schlägelpresse.Ölmühle Pockau mit Detaildarstellungen und Öffnungszeiten Kurfürstliche Amtsfischerei: Vom 1653 errichteten Fachwerkhaus der Amtsfischerei aus wurde einst die Fischerei in der Pockau und Flöha überwacht. Gleichzeitig erfolgte hier die Weiterverarbeitung des gefangenen Fisches. Im 21. Jahrhundert wird das Haus als Museum und Vereinshaus genutzt.
Denkmale Eine Gedenkstätte im Kulturpark erinnert an 36 namentlich genannte Opfer des Faschismus aus dem ehemaligen Kreis Marienberg Grabstätte und Holzkreuz auf dem Ortsfriedhof zur Erinnerung an zwei unbekannte KZ-Häftlinge, die aus einem Außenlager des KZ Buchenwald kommend, von SS-Männern ermordet wurden Grabstätte und Grabstein auf dem gleichen Friedhof für die ermordeten Widerstandskämpfer Willy Neubauer und Rudolf Langer
Verkehr Die Bahnstrecke Reitzenhain–Flöha wurde 1875 eröffnet, von der im Bahnhof Pockau-Lengefeld, der nördlich des Orts Pockau liegt, die Bahnstrecke nach Neuhausen abzweigt. Auf der Flöhatalbahn verkehrt die Linie RB 81 Chemnitz–Pockau-Lengefeld–Olbernhau-Grünthal der Erzgebirgsbahn Montag bis Freitag im Stundentakt, am Wochenende im Zweistundentakt.
Persönlichkeiten Ehrenbürger Heinz Neubauer (1915–1998) hat sich vor allem als Denkmalpfleger Verdienste erworben, Ehrenbürger der Gemeinde seit 1994
Söhne und Töchter des Ortes
Oswald Bieber (1874–1955), Architekt Max Roscher (1888–1940), antifaschistischer Widerstandskämpfer und Reichstagsabgeordneter (1924/II KPD) Martin Schmidt (1909–1982), evangelischer Theologe und Hochschullehrer Paul Roscher (1913–1993), Politiker (KPD/SED) Max Christoph (1918–2013), Maler Emil Jarosch (* 1922), Politiker (SED) und Wirtschaftsfunktionär Konrad Manthey (1928–2010), Generalmajor Horst Neubauer (* 1936), Botschafter der DDR in Polen
Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen Hanns-Heinz Kasper (1925–1999), Bürgermeister von 1955 bis 1959
Literatur
Die Parochie Pockau. In: Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Marienberg. Strauch Verlag, Leipzig, Sp. 625–640 (Digitalisat) Landratsamt Mittlerer Erzgebirgskreis (Hrsg.): Zur Geschichte der Städte und Gemeinden im Mittleren Erzgebirgskreis, Eine Zeittafel (Teile 1–3) Gemeindeverwaltung Pockau (Hrsg.): Wissens- und Sehenswertes über 675 Jahre Pockau. Pockau, 2010 (ohne ISBN) Frank Ludwig, Das Tal der Schwarzen Pockau – Ein Kleinod im Erzgebirge. Bildverlag Böttger GbR 2010, ISBN 978-3-937496-37-5
Weblinks
Einzelnachweise
Pockau Kategorie:Ort im Erzgebirgskreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Erzgebirgskreis) Kategorie:Ehemaliger staatlich anerkannter Erholungsort in Sachsen Kategorie:Gemeindeauflösung 2014