Die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) ist eine der umfassendsten kostenlos zugänglichen bibliografischen Datenbanken zu wissenschaftlichen elektronischen Zeitschriften. Im Jahr 2023 hatte sie über 12 Millionen Titelzugriffe und wird von fast allen größeren Bibliotheken des deutschen Sprachraums verwendet und bearbeitet.

Die EZB bot ihren Benutzern im Jahr 2024 die Metadaten (Titel, Verlag etc.) von mehr als 116.000 Zeitschriften in ebenso vielen Datensätzen. In jedem dieser Zeitschriften-Datensätze findet sich auch jeweils ein Hyperlink, der direkt zur Internetseite der gewünschten Zeitschrift führt, wo die Volltexte der einzelnen Bände gelesen werden können. Über 80.000 der 116.000 Zeitschriften sind online und kostenlos lesbare Zeitschriften. Die Volltexte der übrigen 36.000 sind gegen eine von den Verlagen verlangte Gebühr zugänglich – aber auch Benutzern einer Bibliothek, die die gewünschten Zeitschriften für ihre Benutzer lizenziert hat. Ende 2024 wurde die EZB von rund 660 Anwenderbibliotheken als Verbindung ihrer Webseiten mit den Websites der Zeitschriften genutzt.

Die EZB wird mit Steuergeldern finanziert und ist nicht kommerziell ausgerichtet. Entwickelt wurde die EZB 1997 von der Universitätsbibliothek Regensburg, von der sie auch heute noch betrieben und weiterentwickelt wird. Die bibliographischen Datensätze der verfügbaren Zeitschriften und die Links zu ihnen werden arbeitsteilig von allen Teilnehmerbibliotheken erstellt und ständig verbessert.

Die 2022 neugegründete Produktfamilie UR Library Services führt unter dem Leitgedanken Qualität durch Kooperation das Datenbank-Infosystem (DBIS), die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) sowie die Regensburger Verbundklassifikation (RVK) zusammen.

Statistiken mini|300px|Anstieg der Open-Access-Zeitschriften im Vergleich zu kostenpflichtigen im Angebot der EZBJahresberichte der EZB 2004 und 2012, abgerufen am 21. April 2014.

Datenbestand Anträge für die Aufnahme einer Zeitschrift in die EZB können über die Homepage eingebracht werden. Kriterien für eine Aufnahme sind, dass es sich um eine wissenschaftliche Zeitschrift handelt (im Gegensatz zu populärwissenschaftlichen), die Abrufbarkeit im Volltext (im Unterschied zu Zeitschriften, die nur Inhaltsverzeichnisse oder Abstracts anbieten) und dass die Volltexte über das World Wide Web zugänglich sind.Bruno Bauer: EZB, Elektronische Zeitschriftenbibliothek. 10 Fragen von Bruno Bauer an Evelinde Hutzler, Projektverantwortliche für die EZB an der Universitätsbibliothek Regensburg, 2002, S. 28.

Insgesamt bietet die EZB im Jahr 2024 Titeldatensätze zu über 116.000 wissenschaftlichen elektronischen Volltextzeitschriften, die Zahlen steigen seit der Gründung im Jahr 1997 ständig stark an. Das gilt insbesondere auch für den Anteil der „freien Zeitschriften“ (z. B. Open-Access-Zeitschriften). So sank der Anteil der kostenpflichtigen Zeitschriften von 82 % im Jahr 2000 kontinuierlich bis zu nur noch 43 % im Jahr 2012. Im selben Jahr waren über 10.500 der Zeitschriften (16 %) reine Onlinezeitschriften, die also parallel zur elektronischen Ausgabe nicht mehr im Druck erscheinen. Auch deren Anteil steigt, im Jahr 2003 waren es lediglich 11 % (2.012). Spitzenreiter unter den Fachgebieten waren 2016 mit rund 17.500 Zeitschriften die Wirtschaftswissenschaften und mit rund 14.000 Zeitschriften die Medizin.Jahresbericht der EZB 2016, abgerufen am 18. Oktober 2021. Zusätzlich zum EZB-Angebot werden in der EZB auch noch etwa 136.000 Zeitschriftentitel aus Aggregatoren (wie EBSCO oder ProQuest) verzeichnet (Stand: 2021),Wir über uns, auf der Homepage der EZB abgerufen am 18. Oktober 2021. die als „lokale Zeitschriften“ geführt werden. Es handelt sich dabei um Titel, für die die Bibliotheken die Zugriffsrechte über Aggregatoren erworben haben.Evelinde Hutzler: 10 Jahre Elektronische Zeitschriftenbibliothek. Kontinuität und Wandel einer kooperativen Dienstleistung, 2008, S. 170 und 174. Die EZB listete 2014 rund 45.000 freie wissenschaftliche Zeitschriften, das schwedische Directory of Open Access Journals hingegen nur rund 10.000. Mit ein Grund ist, dass die Anforderungen an die Qualität der Zeitschriften in der EZB niedriger sind.

Der Großteil der in der EZB gelisteten kostenpflichtigen Zeitschriften wird von mindestens einer Teilnehmerbibliothek lizenziert und somit im Volltext angeboten. Einem Bericht aus dem Jahr 2002 ist aber zu entnehmen, dass damals immerhin 9 % der kostenpflichtigen Zeitschriften von keiner einzigen der teilnehmenden Bibliotheken lizenziert waren.

Die EZB listet ganze Zeitschriften. Deren Artikel sind nur teilweise erfasst, nach ihren Titeln kann also nur in Ausnahmefällen gesucht werden. Nicht in der EZB verzeichnet sind E-Books, Zeitungen, Datenbanken und Graue Literatur.

mini|300px|Titeldatenzugriffe bei der EZB im ZeitverlaufJahresberichte der EZB 2005, 2010 und 2012, abgerufen am 21. April 2014.

Zugriffe In den Jahresberichten der EZB finden sich Daten dazu, wie oft in einem Jahr einer der verfügbaren Zeitschriftentitel angeklickt wird. Von 2000 bis 2007 stieg die Anzahl der Klicks kontinuierlich von 2,5 auf 16,9 Millionen, jährlich waren es um etwa 2 Millionen mehr. Im Jahr 2008 stiegen die Zugriffe ein letztes Mal stark an und kletterten auf den bisherigen Höchststand von 22,4 Millionen. In den beiden Folgejahren sanken die Zahlen stark um jeweils 2 Millionen pro Jahr und pendelten sich danach im Bereich von 12 Millionen Titelklicks ein.

Den Grund für die sinkenden Nutzungszahlen ab 2009 sehen die EZB-Verantwortlichen unter anderem darin, dass die Volltexte elektronischer Zeitschriften immer öfter auch durch Linkingdienste (wie SFX oder auch den EZB-Linkingdienst) zugänglich wurden.Jahresbericht der EZB 2010, abgerufen am 24. Mai 2014.

mini|300px|Teilnehmerbibliotheken (blau), davon im deutschen Sprachraum gelegene (rot)Jahresberichte der EZB 2003, 2005, 2010 und 2012, abgerufen am 21. April 2014. mini|300px|alternativtext=EZB-Anwenderbibliotheken nach Staaten (Stand 2021)|EZB-Teilnehmereinrichtungen nach Staaten (Stand 2021)Jahresbericht der EZB 2020/2021, abgerufen am 2. August 2022.

Teilnehmer Genutzt wird die EZB vor allem von wissenschaftlichen Bibliotheken, aber auch von Konsortien, Forschungs- und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen, wie etwa Krankenhäusern. Ebenfalls zum Einsatz kommt die EZB in den deutschen virtuellen Fachbibliotheken sowie anderen Fachinformationsdiensten. Über die Zulassung ausländischer Institutionen wird jeweils im Einzelfall entschieden.

Die EZB ging im Oktober 1997 in Betrieb und war das Ergebnis eines im April 1997 gestarteten Projekts der Universitätsbibliothek Regensburg; Projektpartner bei der Umsetzung war die Universitätsbibliothek der Technischen Universität München. Seit 1998 traten zunächst vor allem bayerische Teilnehmerbibliotheken bei, bald jedoch auch nicht-bayerische und ausländische Bibliotheken. Im Oktober 1999 beteiligte sich mit der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek die 50. Einrichtung, bereits im Mai mit der Universitätsbibliothek Wien die 100.Evelinde Hutzler: 10 Jahre Elektronische Zeitschriftenbibliothek. Kontinuität und Wandel einer kooperativen Dienstleistung, 2008, S. 169–171. Während im Jahr 1997 noch zwei Bibliotheken an dem Dienst beteiligt waren, sind es 2021 bereits über 660 Bibliotheken und Forschungseinrichtungen.Teilnehmende Einrichtungen, auf der Homepage der EZB abgerufen am 18. Oktober 2021. Innerhalb des deutschen Sprachraums nehmen heute so gut wie alle wichtigen Universitäts- und staatlichen Bibliotheken teil, ein prominentes ausländisches Mitglied ist seit 2003 die amerikanische Library of Congress.Jahresbericht der EZB 2003, abgerufen am 25. April 2014.

Ab 2003 war die EZB in die Fachportale und Virtuellen Fachbibliotheken, die im 2011 eingestellten Vascoda-Verbund entwickelt wurden, integriert.

Abläufe und Funktionsweise Benutzung mini|300px|Die Ampelsymbole am Beispiel der Universität Salzburg

Die elektronischen Zeitschriften können von Bibliotheksbenutzern meist nicht im OPAC der Bibliothek gefunden werden. Deshalb führen von den Homepages Links auf die EZB, wo nach den lizenzierten Zeitschriften gesucht werden kann. Eine Ausnahme ist beispielsweise der Verbundkatalog Gateway Bayern, der dem Benutzer für jede elektronische Zeitschrift einen Link aus dem Katalogisat auf den EZB-Datensatz bietet. Außer allgemeinen Links auf die Startseite der EZB gibt es auch spezielle Links auf bestimmte Datensätze der EZB. So werden über Linkresolver Links angeboten, die direkt von Katalogisaten in Katalogen und Datenbanken zum gewünschten EZB-Datensatz führen. Auch der Link im EZB-Katalogisat zur Website der Zeitschrift funktioniert über Linkresolver.

Grundsätzlich sind alle in der EZB geführten Zeitschriften online im Volltext abrufbar. Die EZB zeigt ihrem Benutzer optisch an, ob er auch die Möglichkeit eines für ihn kostenlosen Zugriffs auf die Volltexte hat. Sämtlichen Zeitschriften ist dazu eines von vier möglichen Ampelsymbolen zugeordnet. Ist die Ampel auf grün, ist die betreffende Zeitschrift für jeden, ganz ohne Bedingungen abrufbar. Ist die Ampel auf gelb, so ist die jeweilige Zeitschrift für den Benutzer lesbar, weil die Bibliothek oder die Institution, über die er die EZB nutzt, eine kostenpflichtige Lizenz dieser Zeitschrift erworben hat. Ist die Ampel gleichzeitig gelb und rot, bedeutet das, dass die Zeitschrift nur in Teilen lizenziert wurde und nicht sämtliche Jahrgänge zugänglich sind (so etwa bei Moving Walls und Embargos). Leuchtet die Ampel rot, dann ist die Zeitschrift für den betreffenden Nutzer nicht im Volltext zugänglich (die Bibliothek des Nutzers verfügt nicht über die nötige Lizenz). Der Zugriff der Bibliotheksbenutzer auf die von ihrer Bibliothek lizenzierten Zeitschriften (gelbe und gelbrote Ampel) kann entweder auf Rechnern innerhalb der Bibliothek erfolgen oder mittels Virtual Private Network (VPN). Für einen Zugriff über VPN benötigt der Benutzer nur einen Internetzugang und seine von der Bibliothek bereitgestellten Zugangsdaten (Benutzername und Passwort).

Angezeigt werden dem Benutzer die Zeitschriften in alphabetischer Reihenfolge, wobei er die Anzeige aber auch auf eines von etwa 40 Themengebieten (z. B. auf biologische Zeitschriften) einschränken kann. Neben einer Schnellsuche und einer erweiterten Suchmöglichkeit, kann sich der Benutzer auch die neu in die EZB aufgenommenen Zeitschriften anzeigen lassen. Mittels weiterer Filter können auch nur die von einer bestimmten Bibliothek lizenzierten Zeitschriften oder die Open-Access-Zeitschriften aufgerufen werden.

Ein Datensatz zu einer Zeitschrift beinhaltet vor allem bibliographische Informationen, wie etwa den Titel, die URL der Zeitschrift, die ISSN, eine Fachzuordnung, die verlinkte ZDB-Nummer, den Preistyp (kostenlos oder kostenpflichtig) und den Verlag. Schlagwörter kommen zwar in manchen, aber nicht allen Datensätzen vor.

Seit Juni 2013 steht den Benutzern auch eine von der Universitätsbibliothek Regensburg entwickelte Android-App für Tablets und Smartphones zur Verfügung. , auf der Homepage der Universitätsbibliothek Regensburg abgerufen am 25. Mai 2014. Seit April 2002 ging neben der deutschen auch eine englischsprachige Benutzeroberfläche in Betrieb, nicht zuletzt im Hinblick auf fremdsprachige Teilnehmerbibliotheken.Evelinde Hutzler: 10 Jahre Elektronische Zeitschriftenbibliothek. Kontinuität und Wandel einer kooperativen Dienstleistung, 2008, S. 173 f.