Matthias Gerhard Petzoldt (* 10. Juni 1948 in Leipzig) ist ein deutscher evangelischer Theologe mit den Forschungsschwerpunkten Fundamentaltheologie und Hermeneutik.
Werdegang Petzoldt studierte an den Kirchlichen Hochschulen Leipzig und Naumburg evangelische Theologie. 1977 wurde er zum Pfarrer der sächsischen Landeskirche ordiniert und arbeitete acht Jahre als Gemeindepfarrer in St. Petri Bautzen (Schwerpunkt Gemeindeaufbau im Neubaugebiet Bautzen-Gesundbrunnen). 1984 wurde er mit einer Arbeit zur Philosophie und Religionskritik Ludwig Feuerbachs an der Universität Leipzig zum Dr. theol. promoviert. 1992 habilitierte er sich über evangelische Fundamentaltheologie an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau. 1987 wurde er zum Dozenten für Systematische Theologie an das Theologische Seminar Leipzig berufen, 1994 zum Professor für Fundamentaltheologie und Hermeneutik an die Universität Leipzig. Dort wurde ihm 2006 der Lehrstuhl für Systematische Theologie/Dogmatik übertragen. 2013 wurde er emeritiert.
Seine Konzeption von Fundamentaltheologie als Metatheorie der Theologie (Apologetik, theologische Erkenntnistheorie, Enzyklopädie, Wissenschaftstheorie der Theologie und Religionsthematik als in sich zusammenhängender Diskurs) verfolgt auf evangelischer Seite das Ziel der Verselbständigung des Faches. Dabei müssen einerseits die Probleme und Gefahren, die sich in der Herausbildung der Fundamentaltheologie auf katholischer Seite gezeigt haben, im Auge behalten werden. Andererseits wird es umso besser gelingen, das grundlagenwissenschaftliche Problembewusstsein perspektivisch in die jeweiligen Reflexionsvollzüge aller theologischen Disziplinen einzubringen, je mehr die Fundamentaltheologie im Fächerkanon theologischer Wissenschaft institutionalisiert ist.
Auf dem interdisziplinären Gebiet der Hermeneutik ist er mit Forschungen zur Sprechakttheorie und zur Oralität als elementares Medium der Begegnung hervorgetreten.
Beiträge zur Feuerbachforschung sind bei ihm eng verbunden mit Untersuchungen zum Säkularisierungsproblem.
Ehrenämter 1995 wurde Matthias Petzoldt vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Vorsitzenden des Kuratoriums der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin berufen und übte diese Funktion bis 2012 aus. Als Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie (WGTh) leitete er 2008 bis 2011 die Fachgruppe Systematische Theologie. Seit 2007 ist er im Scientific Advisory Board der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien. Er ist Mitherausgeber der Berliner Theologischen Zeitschrift (BThZ) und der Buchreihe Theologie – Kultur – Hermeneutik (TKH). Von 1999 bis 2007 war er Mitglied der Evang.-Luth. Landessynode Sachsens und von 2003 bis 2007 Mitglied der EKD-Synode.
Schriften (Auswahl)
Weblinks
Matthias Petzoldt an der Theologischen Fakultät Leipzig
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