Veringenstadt ist eine Stadt im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg.

Geographie Veringenstadt liegt im Tal der Lauchert, eines Nebenflusses der Donau, zwischen Gammertingen und Sigmaringen. Das Stadtgebiet erstreckt sich auf der Mittleren Flächenalb, in die sich etwa 100 m teils steilhängig das Laucherttal eingeschnitten hat, auf einer Höhe von bis . Die Gemeindefläche beträgt 3125 Hektar.Ignaz Stösser (ist): Zahlen und Fakten. In: Ders.: Wir in Veringen. In: Schwäbische Zeitung. vom 15. Januar 2011.

Stadtgliederung Die Gemeinde besteht aus der sehenswerten Altstadt sowie neu aus einer Industriesiedlung und der Siedlung mit den Häusern der dort Beschäftigten. Das 1,3 km nördlich liegende Hermentingen sowie das 1,8 km südlich befindliche Veringendorf sind Eingemeindungen. Beide Stadtteile liegen ebenfalls im Tal der Lauchert.

Wappen Stadtteil Einwohner(Stand: 15. Januar 2011) Flächeha 30px|Veringenstadt Veringenstadt (Kernstadt) 1611 1523 30px|Hermentingen Hermentingen 147 488 30px|Veringendorf Veringendorf 504 1052

Geologie mini|hochkant|Lauchert in der Altstadt am Prallhang einer S-förmigen Flussschleife

Die Lauchert hat sich im Gebiet der Stadt in Form einer großen S-Schleife in eine mächtige Massenkalkbarriere des Weißjura eingetieft. Die Altstadt liegt gedrängt auf einem Gleithang. Im Stadtgebiet überschneiden sich die beiden tektonischen Strukturen des Hohenzollerngrabens und des vor rund 5 Millionen Jahren eingebrochenen LauchertgrabensGeyer/Gwinner: Geologie von Baden-Württemberg. S. 318. Siehe Literatur. Der morphologisch markante Einbruch des Lauchertgrabens beginnt südlich der Altstadt und ist über elf Kilometer bis südlich Jungnau zu verfolgen. Auf dem Breitenberg östlich von Veringendorf befinden sich zahlreiche ehemalige Bohnerzgruben, die als Geopoint des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb ausgewiesen sind. Zudem ist am Breitenberg ein versteinertes Schwammriff des Weißjura erkennbar, das vor rund 150 Millionen Jahren entstand.Von Neandertalern und Bohnerzgruben. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch 2004, S. 5–7.

Schutzgebiete

Veringenstadt hat Anteile an den Landschaftsschutzgebieten Büttnau und Laucherttal mit Nebentälern. Die Lauchert ist zudem auch als FFH-Gebiet Gebiete um das Laucherttal ausgewiesen. Um Veringendorf liegen zudem zwei kleine Teilgebiete des Vogelschutzgebiets Südwestalb und Oberes Donautal.

Veringenstadt liegt außerdem im Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte mini|links|Blick über Veringenstadt mit Burg der Grafen von Veringen und der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus mini|hochkant|Pfarrkirche St. Nikolaus in Veringenstadt mini|Postkarte mit St. Michaelskirche in Veringendorf, 1914

Bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit war das Gebiet der heutigen Gemeinde Veringenstadt besiedelt. In den Höhlen von Veringenstadt wurden zwischen 1934 und 1948 bei Ausgrabungen von Eduard Peters einzigartige Funde aus der Zeit des Neandertalers vor etwa 50.000 Jahren entdeckt: Faustkeile in der GöpfelsteinhöhleFunde befinden sich im Heimatmuseum Veringenstadt, dem Hohenzollerischen Landesmuseum Hechingen und in der Nikolaushöhle Steinwerkzeuge und Tierknochen des Magdalénien (18.000 bis 12.000 v. Chr.).

Die Ansiedlung Veringen wurde schon um das Jahr 786 erstmals urkundlich erwähnt. Es leitet seinen Namen von einem gewissen „Fara“ oder „Faro“ ab, hieß also früher wohl „Faringa“, um 1130 Veringin, später immer Veringen.Thomas Fink: Materialien zur Geschichte der Stadt Veringen. 2016.

Die Grafen von Veringen waren eine der begütertsten und angesehensten Dynastenfamilien des 11. und 12. Jahrhunderts im süddeutschen Raum mit umfangreichen Besitzungen.Sebastian Locher: Regesten zur Geschichte der Grafen zu Veringen. Sigmaringen 1872Interaktive Karte der Besitzungen Sie waren Nachfahren der Grafen von Altshausen, Gaugrafen im Eritgau im nördlichen Oberschwaben, errichteten in der Nähe des Dorfes Veringen (heute Veringendorf) die Burg Veringen und nannten sich fortan nach ihrem neuen Wohnsitz Veringen. Durch gezielte Ansiedlung von Bevölkerung aus den umliegenden Weilern gelang etwa um 1250 die Stadtgründung von Veringen (heute Veringenstadt). Rudolf von Habsburg verlieh dem Ort 1285 die Marktgerechtigkeit und erwarb die Grafschaft 1291. Seine Nachfolger verpfändeten die Grafschaft, und mit ihr ging Veringenstadt nur wenige Jahre später an die Veringer zurück. Graf Heinrich von Veringen verkaufte das Pfand 1344 und 1359 an die Württemberger Verwandten, die sie wiederum 1399 an den in Trochtelfingen residierenden Grafen Eberhard von Werdenberg verpfändeten. Im Jahre 1459, nach einer Heirat zwischen den beiden Familien, verzichtete Württemberg auf sämtliche Ansprüche, wodurch Graf Johann von Werdenberg zum direkten Pfandnehmer von Habsburg-Österreich avancierte. Christoph von Werdenberg verstarb 1534, ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen. Österreich zog das Pfand sofort an sich, um es 1535 dem Grafen Karl I. von Zollern zu Lehen zu geben. Bei der zollerischen Erbteilung 1576 kam die Grafschaft Veringen zur Sigmaringer Linie. Die österreichische Lehnshoheit endete erst mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurden um das Jahr 1650 Bauernfamilien aus Tirol für Veringenstadt angeworben und hier angesiedelt.Ignaz Stösser (ist): Stadtfest Veringenstadt. Historienspiel dokumentiert das Kommen und Gehen. In: Schwäbische Zeitung. vom 24. Juni 2010. Heute noch heißt ein Viertel des Lauchertstädtchens „Tirol“.Gabriele Loges (gl): Stadtfest. Zwischen gestern und heute: Veringer feiern und spielen. In: Schwäbische Zeitung. vom 5. Juli 2010. Eine sehr strenge Selektion wurde aufgrund der Konfessionszugehörigkeit getroffen.Sabine Rösch (sr): Jahresthema. Im Prinzip sind alle Menschen Migranten. In: Schwäbische Zeitung. vom 4. Oktober 2010. Um das Jahr 1750 gab es kaum genug zum Essen, und so wanderten viele Familien in die östlichen Provinzen des Habsburger-Reiches ab, und zwar ins Donaubecken, nach Ungarn und in das Banat, und nach Russland aus. Weitere 100 Jahre später kam es zu einer weiteren Auswanderungswelle. 1827 bis 1925 gehörte Veringenstadt zum Oberamt Gammertingen. 1850 wurde es als Teil des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen preußisch und gehörte in die Provinz Hohenzollernsche Lande. Die Hungersnot und die Angst vor dem preußischen Militärdienst im fernen Koblenz trieb die jungen Männer nach Amerika. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden mittels Schacht- und Stollenanlagen Bohnerze, eisenhaltige Verwitterungsprodukte des Jurakalks, abgebaut.

Seit 1927 gehört die Gemeinde zum Landkreis Sigmaringen, seit 1945 zu Württemberg-Hohenzollern, das 1952 in Baden-Württemberg aufging. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Einwohnerzahl von Veringenstadt in den 1950er Jahren unter dem damaligen Bürgermeister Stefan Fink durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen nahezu verdoppelt und brachte einen enormen Aufschwung für die Stadt. Keine andere Gemeinde in Baden-Württemberg nahm mehr Aussiedler, Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten auf.Thomas Fink: Herkunft der Zuwanderung nach Veringenstadt 1945-1955, auf google.com

Ab 1956 kamen Gastarbeiter aus Italien nach Veringenstadt. Diese Entwicklung hielt in den 1960er und 1970er Jahren an. Das soziale und konfessionelle Bevölkerungsgefüge veränderte sich durch Zustrom und die Eingliederung der Heimatvertriebenen, so dass Veringenstadts Einwohnerstruktur, Kultur- und Vereinsleben in besonderer Weise von den „Flüchtlingen“ geprägt worden sind.Vortrag. Rößler beschreibt Ankunft. In: Schwäbische Zeitung. vom 3. November 2010.

Am 1. Februar 1972 wurde Hermentingen eingemeindet. Die Eingemeindung von Veringendorf erfolgte am 1. Januar 1975.

Politik mini|hochkant|Ältestes Rathaus von Hohenzollern, erbaut um 1415 Gemeinderat Der Gemeinderat von Veringenstadt umfasst derzeit 13 gewählte ehrenamtliche Mitglieder, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt, sowie den Bürgermeister als ebenfalls stimmberechtigten Vorsitzenden. Er wird nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt, das den einzelnen Ortsteilen von Veringenstadt jeweils eine bestimmte Anzahl an Vertretern im Gemeinderat garantiert: So sind für die Kernstadt neun, für den Ortsteil Veringendorf drei und für den Ortsteil Hermentingen ein Sitz vorgesehen. Durch Ausgleichsmandate kann sich die Gesamtzahl an Sitzen jedoch verändern.

Bei der letzten Wahl am 9. Juni 2024 traten zwei Gruppierungen an: Die Freie Liste erhielt mit 51,2 Prozent der Stimmen insgesamt sieben Sitze, die Unabhängige Liste mit 48,9 Prozent der Stimmen erhielt sechs Sitze. Vier der gewählten Mitglieder sind Frauen (2019: fünf; 2014: zwei). Die Wahlbeteiligung betrug 66,7 Prozent (2019: 64,2 Prozent, 2014: 59,0 Prozent). Bei der vorletzten Wahl 2019 hatte die Freie Liste noch 13 Mandate und die Unabhängige Liste ein Mandat erhalten.

Darüber hinaus besteht in den Ortsteilen Veringendorf und Hermentingen jeweils ein eigener Ortschaftsrat.

Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. April 2022 Maik Rautenberg. Am 30. Januar 2022 wurde er im ersten Wahlgang mit 67,5 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Zuvor amtierte vom 17. März 2003 bis zum 31. März 2022 Armin Christ als Bürgermeister. Er wurde erstmals am 22. Dezember 2002 gewählt und löste Herbert Krapf ab, der dieses Amt 24 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand bekleidet hatte. Am 19. Dezember 2010 wurde Christ mit bei einer Wahlbeteiligung von 42,34 Prozent wiedergewähltIgnaz Stösser (ist): Vertrauen: 40 Prozent wählen Armin Christ. Bei der Bürgermeisterwahl in Veringenstadt wird der Amtsinhaber bestätigt. In: Schwäbische Zeitung vom 20. Dezember 2010. und am 14. März 2011 auf die zweite Amtszeit verpflichtet.Kurt Roller (rol): Bürgermeister von Veringenstadt legt seinen Amtseid ab. Armin Christ für weitere acht Jahre verpflichtet – Dialog der Generationen soll gefördert werden. In. Schwäbische Zeitung. vom 18. März 2011. 2018 wurde er mit 81,26 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 55,3 Prozent für eine dritte Amtszeit wiedergewählt. Im Oktober 2021 kündigte Christ an, sein Amt Ende März 2022 vorzeitig niederzulegen.

1945–1966: Stefan Fink (CDU) 1966–1978: Harald Müller 1978–2002: Herbert Krapf (CDU) 2003–2022: Armin Christ (CDU) seit 2022: Maik Rautenberg

Bürgermeister seit der Stadtgründung um 1250: Liste der Bürgermeister von Veringenstadt

Ortsvorsteher Zu Ortsvorstehern sind in Veringendorf Michael WitteWebsite Veringenstadt – Ortschaftsrat Veringendorf und in Hermentingen Peter Knaus bestellt.Website Veringenstadt – Ortschaftsrat Hermentingen

Wappen

Städtepartnerschaft Veringenstadt pflegt seit 2012 eine Partnerschaft mit der Stadt Zwettl an der Rodl in Österreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Chor der St.-Nikolaus-Kirche mini|hochkant|St.-Michaels-Kirche in Veringendorf mini|Historische Altstadt auf dem Gleithang des Flussbogens der Lauchert. Vorne: Grundsaniertes, aktuelles Fachwerk-Rathaus mini|Wallfahrtskirche Maria Deutstetten in Veringenstadt

Veringenstadt liegt an der Hohenzollernstraße, am „Hohenzollerischen Jakobsweg“ und ist Teil der Ferienregion „Im Tal der Lauchert“.

Museen Das Heimatmuseum Veringenstadt befindet sich im Obergeschoss des Rathauses von 1415 (ältestes Rathaus von Hohenzollern). Kernpunkte der Ausstellung sind prähistorische Funde der Früh- und Altsteinzeit, das „Hexenhemd von Veringenstadt“ der Bader-Ann, die das letzte Opfer der Hexenverfolgung in Veringenstadt war und am 8. Juni 1680 hingerichtet wurde, sowie Ausstellungsstücke der Alamannen, des Mittelalters und des Zunftwesens bis zu Gebrauchsgegenständen des 19. Jahrhunderts. Strübhaus – Haus der Malkunst, um 1500 erbaut: ehemaliges Wohnhaus und Werkstatt der Malerfamilie Strüb „Meister von Veringen“. Das Gebäude am Kirchberg ist heute ein Museum mittelalterlicher Malkunst.