Sommer in Orange ist ein deutscher Spielfilm von Marcus H. Rosenmüller aus dem Jahr 2011. Die Culture-Clash-Komödie handelt von einer Gruppe Berliner Bhagwan-Anhänger, die sich Anfang der 1980er-Jahre in der oberbayerischen Provinz niederlassen. Nach dem Kinostart im August 2011 erreichte der Film in Deutschland etwa 570.000 Zuschauer.Filmhitliste: Jahresliste national 2012, Filmförderungsanstalt, PDF, abgerufen am 25. Februar 2015.

Handlung Die Berlinerin Amrita lebt mit ihren Kindern, der zwölfjährigen Lili und dem neunjährigen Fabian, in einer Kreuzberger Sannyasin-Kommune. Als Amritas aktueller Liebhaber Siddharta einen alten Bauernhof im oberbayerischen Talbichl erbt, beschließt die Gemeinschaft, in das Dorf zu ziehen, um dort ein Therapiezentrum zu eröffnen. Die konservativen Dorfbewohner begegnen den Neuankömmlingen, die sich mit ihrer orangefarbenen Kleidung, ihren Meditationsritualen und ihrer Freizügigkeit abgrenzen, mit Misstrauen. Lili hat durch den Umzug ihre Freunde verloren, gerät in Talbichl zwischen die Fronten und wird in der Schule zur Außenseiterin. In der Folge passt sie sich dort der Kleidung und den Ritualen der Dorfbewohner an, während sie zuhause weiterhin den alternativen Lebensstil ihrer Wohngemeinschaft pflegt. Ihr kleiner Bruder Fabian dagegen erweist sich auf der Suche nach neuen Freunden eher als hinderlich, da er weiter die Ablehnung seiner Mutter gegenüber den Einheimischen teilt. Lili aber fühlt sich von ihr vernachlässigt, da Amrita dauernd mit ihren persönlichen Problemen beschäftigt ist und sich zum Bhagwan-Vertrauten Prem Bramana hingezogen fühlt. Siddharta reagiert auf diese Beziehung ebenso eifersüchtig wie das Kommunenmitglied Gopal, als sich dessen neuer Schwarm Leela mit dem örtlichen Postboten einlässt. Bei einem Dorffest kommt es zum offenen Konflikt zwischen den verschiedenen Gruppen und Personen. Die orange gekleidete Kommune trifft dort nicht nur auf die anderen Dorfbewohner, sondern auch auf Lili und Fabian, die im Trachtenanzug mit den Talbichlern musizieren. Als Prem Bramana Amrita anbietet, ihm nach Oregon zu folgen und die Kinder in eine Kinder-Kommune nach England zu schicken, flieht Lili zur Frau des Dorfbürgermeisters und verursacht weitere Verwicklungen. Doch schließlich nähern sich die gegensätzlichen Parteien einander an.

Hintergrund Drehbuch Die Drehbuchautorin Ursula Gruber und ihr Bruder, der Produzent Georg Gruber, wuchsen selbst in einer Bhagwan-Kommune in Hohenschäftlarn südlich von München auf.Isabel Meixner: Verwirrung in Orange, sueddeutsche.de vom 6. September 2011, abgerufen am 8. September 2011. Das Buch basiert auf ihren Kindheitserinnerungen. Für die Dokumentarfilmerin und studierte Ethnologin war es das erste Drehbuch.Lisa Sonnabend: Drehbuchautorin „Sommer in Orange“ – Kommune statt Kindergarten, Süddeutsche Zeitung vom 9. August 2011, abgerufen am 11. August 2011.Der Rosi, die Baghwans und ein neuer Kinofilm. Süddeutsche Zeitung vom 12. Juni 2010, abgerufen am 25. Februar 2016. Im Jahr 2008 überreichte sie es Marcus H. Rosenmüller, der sogleich sein Interesse an dem Stoff bekundete.Ursula Gruber und Marcus H. Rosenmüller im Audiokommentar der DVD/Blu-ray, nach ca. 1 Minute Rosenmüller hatte Anfang der 2000er-Jahre im indischen Pune seinen Studien-Abschlussfilm gedreht. Auf der Suche nach Filmstoffen hatte er auch den dort angesiedelten Bhagwan-Ashram besucht, war jedoch nicht fündig geworden. Sein Interesse am Buch von Sommer in Orange galt weniger dem spirituellen Aspekt als dem Gegensatz in ihm selbst widerstreitender Interessen: einerseits der Wunsch, wilder und freier zu leben, andererseits die Sehnsucht nach Regeln als Lebensbasis. Grubers Buch enthielt zunächst nicht die „ganz skurrilen, komödiantischen Elemente“; diese entwickelte Rosenmüller gemeinsam mit ihr.Ich habe manchmal Lust, eine Utopie zu zeigen – Deutschlandradio Kultur Radiofeuilleton vom 18. August 2011, abgerufen am 19. August 2011.

Besetzung mini|hochkant=0.65|links|Hauptdarstellerin Amber Bongard (2011)

Für die Rolle des Siddharta hatte die Autorin Ursula Gruber, deren Familie ursprünglich aus Österreich stammt, schon beim Schreiben des Drehbuchs den Österreicher Georg Friedrich vorgesehen. Sie nimmt damit Bezug auf die Verhältnisse in der Kommune, in der sie selbst aufwuchs, einer „österreichische[n] Enklave in Bayern“.Ursula Gruber im Audiokommentar der DVD/Blu-ray ab Minute 3. Mit dem Casting für die weiteren Rollen waren Nessie Nesslauer und die Roxy-Mitarbeiterin Kathrin Küntzel-Sedler betraut. Amber Bongard, die jugendliche Darstellerin der Lili, hatte zuvor als Kinderdarstellerin bereits in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen an der Seite prominenter Schauspieler Dreherfahrung gesammelt. Ihren jüngeren Bruder Fabian spielt Béla Baumann in seiner ersten Filmrolle. Er stammt aus dem Bekanntenkreis des Regisseurs, denn er ist der Sohn des Filmkomponisten Gerd Baumann, der im Film zudem einen kleinen Auftritt als Lilis Vater hat.BR-Fernsehsendung Der Sound der Heimat vom 17. August 2011 über die Zusammenarbeit zwischen Marcus H. Rosenmüller und Gerd BaumannMarkus H. Rosenmüller im Audiokommentar der DVD/Blu-ray ab Minute 8:40.

Als Darstellerin der Amrita, der wichtigsten Erwachsenenrolle des Films, wurde nach umfangreichen Castings erst spät Petra Schmidt-Schaller ausgewählt. Laut Rosenmüller war mit ausschlaggebend für sie, dass ihre Art, sich beim Tanzen zu bewegen, seinen Vorstellungen von den Sannyasin-Tänzen der damaligen Zeit entsprach.Markus H. Rosenmüller im Audiokommentar der DVD/Blu-ray ab Minute 16. Mit der Produktionsfirma Roxy Film hatte Schmidt-Schaller zuvor bereits in den Filmen Das Beste kommt erst und Almanya – Willkommen in Deutschland gearbeitet. Auch Wiebke Puls, deren festes Theaterengagement nur wenige Filmarbeiten zulässt, war ursprünglich eine von zahlreichen Bewerberinnen für die Rolle der Amrita; stattdessen ist sie im Film als Chandra zu sehen.Die Große. Interview mit Wiebke Puls in: Ca:st – Das Schauspielermagazin 1/2011, S. 29 Die in Bad Cannstatt geborene Daniela Holtz wurde nach einem Casting als Schwäbin Brigitte besetzt.Als Baghwan-Fan „Shakti“ zur Erleuchtung. In: Nordbayern.de vom 3. September 2011 Thomas Loibl konnte beim Casting Autorität ausstrahlen und die Damen beeindrucken und erhielt so die Rolle des charismatischen Prem Bramana.Markus H. Rosenmüller im Audiokommentar der DVD/Blu-ray ab Minute 27:30.

Viele der weiteren Darsteller waren Rosenmüller bereits aus einer früheren Zusammenarbeit bekannt, beispielsweise Daniel Zillmann (Schwere Jungs), Brigitte Hobmeier (Die Perlmutterfarbe), Heinz-Josef Braun (Wer früher stirbt ist länger tot, Beste Zeit, Beste Gegend) und Bettina Mittendorfer (Beste Gegend).

Produktion mini|Hauptdrehort: Bauernhof in Oberbiberg mini|Der Kandlerhof und die Kirche Oberbiberg, dem Hof der Kommune gegenüber gelegen

Der Film entstand unter dem Titel Orange als Produktion von Odeon Pictures und Roxy Film, in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk und in Zusammenarbeit mit Arte. Das Budget betrug 3,3 Millionen Euro.Christoph Gröner in Film & TV Kameramann vom 14. Juli 2011: Der FilmFernsehFonds Bayern steuerte 850.000 Euro Produktions- und 130.000 Euro Verleihförderung bei. Vom Deutschen Filmförderfonds kamen etwa 536.000 EuroFörderzusagen 2010 (PDF; 325 kB), Deutscher Filmförderfonds, abgerufen am 25. Februar 2016 und von der Filmförderungsanstalt 300.000 Euro Projektförderung.FFA info 1/2011 (PDF; 1,5 MB), abgerufen am 11. Mai 2019

Talbichl ist ein fiktiver Ort. Die Dreharbeiten fanden vom 15. Mai bis 10. Juli 2010 überwiegend in Oberbiberg südlich von München statt. Der Hof, den im Film die WG bewohnt, konnte für Innen- wie Außenaufnahmen genutzt werden. Er liegt nur wenige Meter entfernt vom Kandlerhof, in dem Rosenmüller 2005 seinen Erfolgsfilm Wer früher stirbt ist länger tot gedreht hatte. Auch weitere Nachbargebäude wie die Dorfkirche wurden in die Handlung integriert, ohne dass bei den Außenaufnahmen ein Motivsplitting, also das Aufteilen von Szenen auf verschiedene Drehorte nötig gewesen wäre. Das Dorffest wurde mit zahlreichen Komparsen und der Unterstützung regionaler Trachtenvereine in Baiernrain inszeniert.Andrea Weber: , oberland.de, abgerufen am 27. Juli 2011 Als Schulhaus diente die Grundschule im Miesbacher Stadtteil Parsberg.Marcus H. Rosenmüller im Audiokommentar der DVD/Blu-ray nach ca. 9 Minuten

Die Aufnahmen entstanden auf 35-mm-Film mit Arricam LT und Cooke-S4-Optiken. Die Farbgestaltung im Szenen- und Kostümbild betont mit vorherrschenden Blautönen bei den Dorfbewohnern und Orange bei den Bewohnern der Kommune zunächst die Unterschiede, die jedoch im Verlauf des Films zunehmend aufbrechen.Marcus H. Rosenmüller im Audiokommentar der DVD/Blu-ray

Soundtrack Wie in allen Filmen Rosenmüllers seit Wer früher stirbt ist länger tot komponierte Gerd Baumann die Filmmusik. Er schrieb auch eigens für Sommer in Orange ein Geburtstagslied, da das meistens verwendete Happy Birthday to You vermeintlich noch unter Urheberrechtsschutz stand. Ebenfalls beteiligt waren Mitglieder der Bananafishbones. Das von Baumann komponierte Wunderlied singt Rosalie Eberle. Der Soundtrack erschien am 2. September 2011 bei Normal im Vertrieb Indigo auf CD.

Veröffentlichung mini|links|Marcus H. Rosenmüller bei der Premiere am 11. August 2011 Nachdem Sommer in Orange nicht zum Filmfest München 2011 eingeladen worden war,Adrian Prechtel: Rosenmüller? Abgelehnt!; in: Abendzeitung vom 9. Juni 2011, abgerufen am 10. Juli 2011 gab es am 9. und 10. Juli 2011 erste Vorpremieren bei den Musikfilmtagen OberaudorfErstmals "Sommer in Orange", Oberbayerisches Volksblatt vom 2. Juli 2011, abgerufen am 10. Juli 2011 und dem Freiburger Filmfest.Freiburger Filmfest – Sommer in Orange. In: Badische Zeitung vom 9. Juli 2011. Nach weiteren Previews, unter anderem beim Fünf Seen Filmfestival und mehreren großen Open-Air-Kinoveranstaltungen in Süddeutschland,, Wetterauer Zeitung vom 5. August 2011, abgerufen am 12. August 2011Ein bisschen Sommer am Stoa, Wasserburger Zeitung vom 8. August 2011, abgerufen am 12. August 2011Thomas Niedermair: Regisseur Marcus H. Rosenmüller über die Idee zum neuen Film, Augsburger Allgemeine vom 11. August 2011, abgerufen am 12. August 2011 fand am 11. August die offizielle Filmpremiere im Münchner Mathäser statt.„Sommer in Orange“: gehemmter Kulturen-Aufprall, Abendzeitung München, abgerufen am 12. August 2011 Am 18. August startete Sommer in Orange im Verleih von Majestic Film in 160 deutschen Kinos und erreichte mit 40.000 Besuchern am ersten Wochenende Platz neun der Kinocharts;Hilfe, die Remakes floppen! Spiegel Online vom 22. August 2011, abgerufen am 24. August 2011Deutsche Kinocharts: Sonne gegen Superhelden. Blickpunkt:Film vom 22. August 2011, abgerufen am 22. August 2011 (nicht allgemein zugänglich). über 34.000 hatten den Film zuvor bereits in Previews gesehen.Kino-Charts Deutschland für das Wochenende ab 18. August 2011 bei Filmstarts, abgerufen am 22. September 2011 Im ersten Monat nach dem Kinostart hielt er sich auf den Plätzen zwei bzw. drei der Arthouse-Kinocharts der AG Kino-Gilde, nach drei Monaten hatte er in Deutschland über 500.000Sommer in Orange bei Blickpunkt:Film, abgerufen am 15. November 2011 (nicht allgemein zugänglich). und bis Ende 2011 über 535.000 Zuschauer erreicht. Damit belegte Sommer in Orange Platz 15 der erfolgreichsten deutschen Filme des Jahres.Filmhitliste: Jahresliste national 2011, Filmförderungsanstalt, PDF, abgerufen am 25. Februar 2016 2012 erreichte der Film über 34.000 weitere Zuschauer. Mit insgesamt 569.646 Zuschauern ist Sommer in Orange nach den Besucherzahlen der Filmförderungsanstalt der zweiterfolgreichste Film Rosenmüllers nach Wer früher stirbt ist länger tot (Stand: Ende 2012).