mini|Molli auf der Strecke
Die Bäderbahn Molli, auch kurz der Molli genannt, ist eine dampfbetriebene Schmalspurbahn in Mecklenburg-Vorpommern. Ihre Spurweite beträgt 900 Millimeter. Die 15,43 Kilometer lange Strecke wird heute vom Eisenbahnverkehrs- und -infrastrukturunternehmen Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH (MBB) betrieben und verbindet Bad Doberan mit Heiligendamm und dem Ostseebad Kühlungsborn. Die Fahrzeit beträgt circa 40 Minuten. Innerhalb Bad Doberans fährt die Bahn auf Rillenschienen, die im Straßenpflaster liegen, ähnlich einer Straßenbahn, durch die nach ihr benannte Mollistraße. Im weiteren Verlauf ist sie auf Vignolschienen entlang einer Lindenallee trassiert. Zwischen Heiligendamm und Kühlungsborn führt die Strecke parallel zur Ostseeküste und grenzt außerhalb der Ortschaften an Felder.
Geschichte mini|links|Lokomotive Nr. 2 mit einem Zug der Doberan-Heiligendammer-Eisenbahn um 1890 mini|links|Dampfzug der Reichsbahn im Endbahnhof Ostseebad Kühlungsborn West 1992
Am 19. Juni 1886 erteilte Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin die Konzession für Bau und Betrieb einer schmalspurigen Eisenbahn vom Bahnhof Doberan nach Heiligendamm, dieses erste Teilstück ging am 9. Juli 1886 in Betrieb.Die Geschichte der Bäderbahn „Molli“, abgerufen am 6. Juni 2011 Es wurde von der privaten Eisenbahnbau- und Betriebsunternehmung Lenz & Co GmbH aus Stettin errichtet und von der Doberan-Heiligendammer-Eisenbahn, abgekürzt DHE, geführt. Der Verkehr auf der 6,61 Kilometer langen Strecke, die als Dampfstraßenbahn betrieben und später als Kleinbahn eingestuft wurde, fand zunächst nur während der Sommersaison vom 1. Mai bis zum 30. September statt. Am 13. März 1890 verstaatlichte das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin die Bahn und gliederte sie in die Großherzoglich Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn (MFFE) ein.
Am 18. Dezember 1908 beschloss der Landtag von Mecklenburg-Schwerin in Malchin, die Schmalspurbahn bis ins Ostseebad Arendsee zu verlängern, das 1938 mit den Nachbargemeinden Brunshaupten und Fulgen zum Ostseebad Kühlungsborn zusammengeschlossen wurde. Diese Erweiterung ging am 12. Mai 1910 in Betrieb, gleichzeitig wurde der Bahnhof Heiligendamm um 200 Meter nach Süden verlegt. Im gleichen Jahr nahm die MFFE auf der nunmehr Kleinbahn Doberan–Arendsee genannten Strecke den Güterverkehr auf; die Bahn verkehrte zudem nun ganzjährig. In dieser Zeit entstanden auch Pläne, die Strecke vom Endbahnhof Arendsee zur nur wenige Kilometer entfernten und ausschließlich dem Gütertransport dienenden Schmalspurbahn Neubukow Obere Weiche–Bastorf zu verlängern. Der Erste Weltkrieg verhinderte deren Umsetzung.
Ab dem 1. April 1920 gehörte sie zur Deutschen Reichsbahn. Diese führte zum 1. Dezember 1928 erneut die (alte) 2. Klasse ein, nachdem zuvor nur Züge mit Wagen der 3. Klasse verkehrten.Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion in Mainz vom 20. Oktober 1928, Nr. 46. Bekanntmachung Nr. 589, S. 287.
In den 1930er Jahren gab es Pläne, die Strecke auf Normalspur von 1435 mm umzuspuren und teilweise neu zu trassieren, um die Ortsdurchfahrten in Bad Doberan und Kühlungsborn zu beseitigen. Aus finanziellen Gründen wurden diese Pläne jedoch nicht umgesetzt.
Das Umladen der Güter von der Regelspurstrecke Wismar–Rostock auf die Schmalspurbahn erwies sich als aufwendig und unrentabel. Der Transport von Regelspurwagen auf schmalspurigen Rollwagen, wie es zum Beispiel auf den sächsischen Schmalspurbahnen üblich war, schied aufgrund der engen Ortsdurchfahrt in Bad Doberan aus. Somit stellte die Deutsche Reichsbahn den ohnehin rückläufigen Güterverkehr zum 31. Mai 1969 ein.
Die Strecke wurde in dieser Zeit täglich mit 13 Zugpaaren bedient. Im Jahr 1976 nahm der damalige Bezirk Rostock die Schmalspurbahn in die Bezirksdenkmalliste auf. Mit Gründung der Deutschen Bahn AG zum 1. Januar 1994 wechselte die Betriebsführung der Schmalspurbahn von der Deutschen Reichsbahn in deren Hand. Ein Jahr danach, zum 1. Oktober 1995, übernahm eine Betreibergesellschaft, bestehend aus dem Landkreis Bad Doberan sowie den Städten Ostseebad Kühlungsborn und Bad Doberan, die Strecke von der Deutschen Bahn AG. Heute firmiert die gemischt-wirtschaftliche Gesellschaft als Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH mit Sitz in Bad Doberan. Der Endbahnhof Ostseebad Kühlungsborn West beherbergt das Molli-Museum und das Bahnbetriebswerk.
mini|Fahrt der Bäderbahn durch die engen Straßen Bad Doberans
Am 27. Februar 1997 gründete die Mecklenburgische Bäderbahn Molli, zusammen mit den Verkehrsunternehmen Rostocker Straßenbahn AG, DB Regio AG Nordost, Regionalverkehr Küste, Weiße Flotte und antaris, den Verkehrsverbund Warnow. Seitdem akzeptiert die Bäderbahn Molli Wochen- und Monatskarten aus dem Verbundsortiment. Damit werden die Züge als öffentliche Nahverkehrszüge betrieben und fahren offiziell unter der Linienkennzeichnung Regionalbahn RB 31. Die Unentgeltliche Beförderung für Schwerbehinderte gilt hier ebenfalls.Bäderbahn Molli auf oepnv-info.de Abgerufen am 23. Januar 2022 Fahrkarten aus dem Preissystem der Deutschen Bahn werden seit dem Betreiberwechsel hingegen nicht mehr anerkannt.
Weltweite Bekanntheit erlangte der Molli als offizielles und einziges Verkehrsmittel der Pressevertreter zum G8-Gipfel in Heiligendamm 2007.
Im Jahr 2021 zeichnete das Bündnis Allianz pro Schiene den Bahnhof Ostseebad Kühlungsborn West für seinen „außergewöhnlichen touristischen Reiz“ mit dem Sonderpreis des Bahnhofs des Jahres aus.
Pläne zur Verlängerung Mitte der 2000er Jahre wurde eine Verlängerung der Strecke nach Rerik aus technischer Sicht geprüft. Ende 2012 wurden Pläne vorgestellt, die Bahnstrecke bis nach Warnemünde zu verlängern. Vertreter der Städte Bad Doberan, Kühlungsborn und Rostock erhoffen sich davon eine deutliche Nachfragesteigerung. Die Kosten dafür werden auf einen zweistelligen Millionenbetrag veranschlagt.
Im Jahr 2022 stellte die Mecklenburgische Bäderbahn Molli Ergebnisse einer von der Technischen Universität Dresden erstellten Studie zu einer Verlängerung nach Warnemünde und Rerik vor. Im Fahrplan war bei diesem Projekt neben einzelnen Dampfzügen ein Stundentakt im Schienenpersonennahverkehr mit Triebwagen vorgesehen. Dafür waren, zum Preisstand von 2021, Investitionen von 110 Millionen Euro vorgesehen. Im September 2022 kündigte der Landrat Sebastian Constien das Ende der Planungen an, nachdem der Kreistag des Landkreises Rostock eine Erweiterung ablehnte. Der Kreistag hat auch einen Antrag abgelehnt, erst die Fördermöglichkeiten zu prüfen.
Der im April 2014 angeregte Wiederaufbau der Schmalspurbahn Neubukow Obere Weiche–Bastorf und deren Anschluss an die Bäderbahn wurde wegen der auf 33 Millionen Euro geschätzten Kosten ebenfalls abgelehnt.
Unfälle rechts|mini|Unbeschrankter Bahnübergang in Kühlungsborn-Mitte rechts|mini|Molli mit Dampflok 99 2321 auf dem Weg nach Bad Doberan in Kühlungsborn Mitte
Hauptsächlich weil manche Bahnübergänge unbeschrankt sind und die Strecke innerhalb bebauter Bereiche teils – wie bei einer Straßenbahn – auf einer gemeinsam mit Kraftfahrzeugen benutzten Trasse verläuft, kam es in der Vergangenheit gelegentlich zu Unfällen. Diese Ereignisse waren aber verhältnismäßig selten und gingen meist ohne schwere Personenschäden aus.
Am 26. September 2021 ereignete sich jedoch bei Wittenbeck ein Zusammenstoß, bei dem der Fahrer eines Wohnmobils starb und seine Beifahrerin schwer verletzt wurde, nachdem er auf einen nicht-technisch gesicherten Bahnübergang Bahnübergang gefahren war. Das Wohnmobil wurde dabei völlig zerstört, und auch an der 2008 gebauten Lokomotive 99 2324 entstand beträchtlicher Sachschaden.
Unternehmen
rechts|mini|Beschriftung der Lok 99 2324 – Mecklenburgische Bäderbahn Molli
Die Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH gehört anteilig dem Landkreis Rostock (64 %), der Stadt Bad Doberan (19,7 %), dem Ostseebad Kühlungsborn (14,8 %) sowie einer natürlichen Person (1,5 %).
Jahr Zugkilometer Fahrgäste Mitarbeiter Umsatz in Mio. Euro Bilanzsumme in Mio. Euro Gewinn in Mio. Euro 2009 91.969 546.415 66 4,1 15,5 0,7 2008 607.994 67 4,0 16,4 0,7 2007 84.198 609.000 68 3,6 13,5 0,5 2006 89.844 558.000 67 3,4 11,6 0,2
Fahrzeuge Dampflokomotiven rechts|mini|Dampflokomotiven beider heutigen Molli-Baureihen in Kühlungsborn West rechts|mini|99 332 steht als Denkmal am Molli-Museum
Bei der Betriebsaufnahme im Juli 1886 stand zunächst eine Lokomotive zur Verfügung, die ab 1887 eine zweite, ähnliche Maschine unterstützte. Diese beiden später in die mecklenburgische Gattung XVIII eingereihten Maschinen waren als Trambahnlokomotiven ausgelegt und bis 1915 im Einsatz. In den Jahren 1891 und 1898 wurde der Fahrzeugbestand um die dreifachgekuppelten Lokomotiven der Gattung XIX ergänzt.
Ab 1910 fuhren auf der Strecke auch die Lokomotiven der mecklenburgischen Gattung T 7 (99 301 bis 99 303). Daraufhin setzte die MFFE die Lokomotiven der Gattung XIX auf die Neubukower Rübenbahn um. Verstärkt wurde der Lokomotivpark ab 1923 durch die DR-Baureihe 99.31 (99 311 bis 99 313). Alle diese Lokomotiven musterte die MFFE bzw. die Deutsche Reichsbahn bis in die 1960er Jahre aus.
Im Jahr 1932 ließ die Deutsche Reichsbahn die deutlich größeren, schnelleren und stärkeren Lokomotiven der DR-Baureihe 99.32 (99 321 bis 99 323) bauen. Diese drei Maschinen der Bauart 1'D1' h2t stehen noch heute mit den Nummern 99 2321-0, 99 2322-8 und 99 2323-6 im Einsatz. Im Jahr 1961 kamen von den Werkbahnen der SDAG Wismut drei vierfachgekuppelte Lokomotiven zum Molli und wurden von der Deutschen Reichsbahn in der Baureihe 99.33 (99 331 bis 99 333) eingereiht. Eine der drei, die 99 331 (später 99 2331), ist noch heute betriebsfähig und dient als Reserve beziehungsweise als Zuglok im Winter auf Grund der höheren Entgleisungssicherheit. Die 99 332 steht als Denkmal am Molli-Museum im Bahnhof Kühlungsborn West; die Lokomotive 99 333 wurde verschrottet.
rechts|mini|Für die Rückfahrt mit dem Molli nach Kühlungsborn fährt Dampflok 99 2324 im Bahnhof Bad Doberan an das andere Zugende.
Von 2008 bis 2009 baute das Dampflokwerk Meiningen für den Molli die Lokomotive 99 2324 neu, bei der es sich um einen Nachbau der Einheitslokomotiven 99 321 bis 99 323 handelt. Damit entstand erstmals nach fast 50 Jahren in Deutschland wieder eine Dampflokomotive für den Regelbetrieb. Die Produktion erfolgte in Anpassung der historischen Pläne an die heutigen Fertigungsverfahren. Um einem Fotografenansturm aus dem Wege zu gehen, fuhr die neue Lok bei den Probefahrten vor der offiziellen Inbetriebnahme mit der Loknummer ihrer Schwesterlok 99 2323-6.
Diesellokomotiven rechts|mini|Die Rangier-Diesellok im Bahnhof Bad Doberan vor der Werkstatthalle
Für Ersatzleistungen und Rangierfahrten werden in den Bahnhöfen Kühlungsborn West und Bad Doberan heute jeweils Diesellokomotiven benutzt. Da Rangierfahrten mit Dampflokomotiven unwirtschaftlich sind, gestaltet sich der Einsatz einer Diesellok einfacher und kostengünstiger.
Deshalb trafen in den Jahren 1999/2000 fünf von verschiedenen 900-mm-Grubenbahnen stammende Diesellokomotiven des LKM-Typs V10C gebraucht in Bad Doberan ein. Die anfangs vorhandene Lok Nr. 1 wurde im Jahr 2000 als Ersatzteilspender zerlegt, die übrigen vier erhielten ab 2006 Ordnungsnummern der Baureihe 199. Die danach in 199 017-5 umgezeichnete Lok 7 wurde im Jahr 2012 zerlegt. Die Lok 199 016-7 (ex Nr. 8) dient regulär als Rangierlok in Bad Doberan. Die 199 015-9 und auch „Marlin“ genannte ehemalige Nr. 52 befindet sich im Eigentum des Vereins zur Traditionspflege des Molli e.V. Sie ist in Kühlungsborn West beheimatet und dient dort als Rangierlok. Die zusätzlich mit dem Namen „Otto“ versehene 199 014-2 (ex Nr. 101-04) dient als Reservelok. Die Lok „Otto“ unterscheidet sich von den anderen durch die graue Lackierung und dem groß aufgedruckten Namen. Bei „Marlin“ steht der Name klein an der Seite auf dem weißen Streifen.
Wagen