mini|hochkant=1.4|Wasserspiele auf einem Frankfurter Spielplatz mini|hochkant=1.4|Spielplatz in Berlin-Friedrichshain

Ein Spielplatz oder Kinderspielplatz ist ein Ort, an dem verschiedene Spielgeräte vorhanden sind, mit bzw. auf denen Kinder spielen können. Spielplätze liegen oft in Siedlungen oder dicht besiedelten Gebieten. In manchen Fällen gibt es einen gesonderten Platz für Ballspiele (Bolzplatz, Basketballplatz). Günstig ist die Nachbarschaft zu Grünflächen oder die Integration einer Rasenfläche. Es gibt auch Hallenspielplätze und andere wettergeschützte Spielplätze, z. B. in Einkaufszentren und Raststätten.

Die Bauordnungen der meisten deutschen Bundesländer schreiben die Anlage von Kinderspielplätzen vor. Die Bayerische Bauordnung legt beispielsweise fest, dass bereits bei der Errichtung von Gebäuden mit mehr als drei Wohnungen ein Spielplatz anzulegen ist. Alternativ vereinbart die Gemeinde mit dem Bauherrn eine Ablösungszahlung, die zur Anlage eines öffentliche Spielplatzes verwendet wird. Der Zustand öffentlicher und kommunaler Spielplätze wird üblicherweise einmal pro Jahr von einer geschulten Person überprüft.

Das zentrale Element von Spielplätzen für Kleinkinder ist der Sandkasten. Spielplätze mit weniger robuster Ausstattung werden oft nur für Kinder bis zum Alter von 14 Jahren freigegeben. Auf den meisten Spielplätzen gilt ein uneingeschränktes Hundeverbot.

mini|hochkant=1.4|Sandkasten in Erfurt um 1955 mini|hochkant=1.4|Abenteuerspielplatz in Dresden um 1975

Geschichte

Im 19. Jahrhundert entstanden erste Spielplätze, um Kinder beim Spiel vor den Gefahren der zunehmend verkehrsreichen und industrialisierten Großstadt zu bewahren. Ende des 19. Jahrhunderts richteten viele Großstädte Sandspielplätze ein. Später wurden Sandkästen nach deutschem Vorbild auch in US-amerikanischen Großstädten angelegt.Christoph Driessen: Früher war mehr Freiheit: Die Geschichte des Spielplatzes. Schweriner Volkszeitung vom 12. Juli 2018

Als Reaktion auf prekäre Lebensbedingungen in eng bebauten Stadtvierteln im 19. Jahrhundert forderte der deutsche Arzt und Architekturtheoretiker Bernhard Christoph Faust im Rahmen seiner Sonnenbaulehre die Einrichtung von Kinderspielplätzen.Wojciech Bałus: Kinder und Jugend im Volksgarten. Von den Anfängen bis zur Entstehung des Reformparks. In: Die Gartenkunst 13 (1/2001), S. 65–76;* Daniel Rimbach: Zur Etablierung von öffentlichen Freianlagen für Kinder bis zum Ende der Weimarer Republik. In: Die Gartenkunst 28 (1/2016), S. 103–112;* Peter Fibich: Von Kletterpilzen und Rutschelefanten. Öffentliche Spielplätze in der DDR. In: Die Gartenkunst 28 (1/2016), S. 119–126.

In den 1950er- bis 1970er-Jahren entwickelte sich der Spielplatz zu einem Experimentierfeld für Pädagogen, Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Künstler. Der ehemalige Profiboxer und spätere Bildhauer Joseph Brown erfand die Kletterspinne als „Zappelnetz“ zum Training des Balancegefühls. Eine vom Schweizer Künstler Yvan Pestalozzi erdachte gewundene Röhre zum Hindurchklettern – genannt „Lozziwurm“ – wurde ein Exportschlager.

Als Alternative zum einheitlichen ausgestatteten und asphaltierten Kinderspielplatz entstand der sogenannte Abenteuerspielplatz, der Kindern mehr Gestaltungsmöglichkeiten bieten sollte, indem diesen unter anderem auch Baumaterialien und Werkzeuge bereitgestellt wurden. Der erste deutsche Abenteuerspielplatz entstand 1967 zwischen den Hochhäusern des Märkischen Viertels in West-Berlin unter der Leitung eines „Playworkers“ aus London, wo ähnliche Spielplätze bereits 20 Jahre zuvor entstanden waren. In der jungen Bundesrepublik galten Abenteuerspielplätze – zeitgemäß abgekürzt mit ASP – zunächst als linke, antiautoritäre Projekte.

In den USA konnten sich Abenteuerspielplätze aufgrund hoher Schadensersatzforderungen bei Unfällen nicht durchsetzen. Die Angst vor Klagen hat dort auch zur Schließung vieler gewöhnlicher Spielplätze oder zur Beschränkung auf Spielmöglichkeiten für Kleinkinder geführt. Auch im deutschsprachigen Raum steht der Sicherheitsaspekt zunehmend im Vordergrund, Freiräume schwinden. Zeitgleich möchten Großstädte ihre Kinderfreundlichkeit auch im internationalen Wettbewerb unter Beweis stellen.

Seit 2025 ersetzt die Verwaltung der Stadt Köln den Begriff „Spielplatz“ unter anderem auf der Beschilderung durch Spiel- und Aktionsfläche.

Kunst mini|hochkant=1.4|Spielplatz Straße: Die Kinderspiele von Pieter Bruegel dem Älteren, 1560

Die wohl älteste künstlerische Darstellung eines öffentlichen Platzes, auf dem Kinder spielen, ist das um das Jahr 1560 entstandene Gemälde Die Kinderspiele des flämischen Malers Pieter Bruegel der Ältere.

Arten von Spielplätzen Hallenspielplatz

Ein Hallenspielplatz (auch Indoorspielplatz) ist ein überdachter, wettergeschützter Kinderspielplatz. Die Ausstattung erfolgt in Form von professionellen Spielgeräten, ergänzt durch Gastronomie mit Sitzplätzen für Kinder und begleitende Erwachsene, sowie Kindergeburtstagsräumen. Die Zielgruppe der Hallenspielplatzbetreiber sind Familien mit Kindern und Kindergruppen.

Abenteuerspielplatz

Abenteuerspielplätze sind in der Regel von Lehrern oder Sozialpädagogen betreut und bieten den Kindern Möglichkeiten, mit Werkzeug umzugehen (z. B.: beim Hüttenbau). Da Abenteuerspielplätze nicht frei zugänglich und betreut sind, unterliegen sie nicht den Spielplatznormen und müssen nicht abgenommen und kontrolliert werden. Die Verantwortung für die Sicherheit tragen die Betreuer.

Erlebnisspielräume

Es gibt Möglichkeiten, Spielplätze zu Erlebnisspielräumen weiterzuentwickeln. Dazu gehört eine ansprechende Geländemodellierung, der Einbezug der Vegetation, insbesondere der Bäume, die Möglichkeit mit Wasser zu spielen und zu matschen. Ruhige Bereiche sind so gestaltet, dass sie die Kommunikation und kreatives Spielen fördern. Ergänzungen mit Sinnelementen wie Waldxylophon, Summ- und Klangsteine, Barfußpfad erweitern das Erlebnisspektrum. Idealerweise enthält ein Erlebnisspielraum Angebote für alle Generationen, wie z. B. Gartenschach, Beachvolleyball, Bocciabahn.

Mehrgenerationenplatz Ein Spielplatz kann auch zu einer Nutzung für „Jung und Alt“ umgestaltet werden. Dazu lässt sich beispielsweise ein angrenzender Bereich für ältere Menschen mit speziellen Spiel- bzw. Trainingsgeräten ausstatten. Eine etwas andere Lösung sind sogenannte Bewegungsparcours, die sich an Menschen aller Altersgruppen wenden, und als Bewegungspark in öffentlichen Parkanlagen eingerichtet oder Teil eines Seniorenzentrums oder Klinikums sein können. Die Bezeichnung „Seniorenspielplatz“ benennt das Konzept eines abgegrenzten Bewegungsplatzes (Trimm-Dich-Platzes) im Freien. Solche Einrichtungen haben außerdem häufig Spielflächen, z. B. für Boccia. Ähnlich wie Spielplatzgeräte oder Sportgeräte unterliegen auch Fitness- und Trimmgeräte Sicherheitsanforderungen und Prüfintervallen, z. B. gemäß EN 16630.

Bespielbare und Besitzbare Stadt Griesheim in Hessen vermarktet sich in den 2010er Jahren als erste bespielbare Stadt Deutschlands. In einem mit dem Pädagogen Bernhard Meyer entwickelten Projekt wurden in der ganzen Stadt über 100 Spielstationen aufgestellt, die den öffentlichen Raum, der normalerweise wenig Rücksicht auf Kinder nehme, für die Kinder wieder attraktiv machen sollen. Dem Trend, dass Spielplätze für Kinder zu Inseln inmitten einer für sie langweiligen Umgebung werden, wurde in Griesheim so entgegengewirkt. Zudem besteht das Projekt „Spielstraße auf Zeit“, bei dem Anlieger von speziell ausgewiesenen Straßen von Frühjahr bis Herbst die nachmittägliche Sperrung ihrer Straße an einem Werktag beantragen können. Der sogenannte „Griesheimer“ zeigt außerdem auf von Kindern häufig frequentierten Wegen gefahrenarme Möglichkeiten zur Straßenüberquerung an.

Griesheim ist auch die erste besitzbare Stadt Deutschlands. In einem bundesweit einzigartigen Projekt wurden vor allem an und zwischen für alte Menschen wichtige Orte im ganzen Stadtgebiet 161 spezielle Sitzgelegenheiten aufgestellt, beispielsweise an und zwischen: Metzgern, Bäckern, anderen Geschäften, öffentlichen Einrichtungen, Kirchen, Altersheimen, dem Friedhof etc., die zum Verschnaufen einladen und die Altersmobilität fördern. Durch die speziell entwickelten Geräte ist ein selbständiges Aufstehen gewährleistet. Viele ältere Menschen würden vorher abwägen, ob sie einen bestimmten Weg bewältigen können und würden durch die Sitzgelegenheiten ermutigt, ihr Vorhaben auch in die Tat umzusetzen. Weiterhin dienen sie als Treffpunkt und ermöglichen Senioren, sich an einem interessanten Ort niederzulassen und die Umgebung zu beobachten. In: Webauftritt des „Bundes Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e. V.“, Bezirksgruppe Darmstadt-Bergstrasse. Abgerufen am 29. März 2014. [PDF; 203 kByte]. Abgerufen am 29. März 2014.

Mit diesen beiden Projekten hat die Stadt Griesheim mehrere nationale und internationale Auszeichnungen errungen In: Webauftritt der Stadt Griesheim. Abgerufen am 29. März 2014. S. 18, 19, [PDF; 177 kByte]. Abgerufen am 29. März 2014. und ist beispielhaft für die Integration von im öffentlichen Raum benachteiligten Gruppen, nämlich der Jüngsten und Ältesten.

Beispiele für die Vielgestaltigkeit von Spielplätzen

Spielplatzgestaltung Spielplatzgeräte (Auswahl) Spielgeräte sind unter anderem: Spieltürme, Kletterwände, Klettergeräte, Miniaturholzhäuser, Rutschbahnen, Schaukeln, Wippen, Sandkästen, Karusselle, Seilbahnen, Wasserspielgeräte (z. B. Matschanlagen), Balancier- und Turngeräte etc.

Alterszuordnungen Die Spiel-, Sport- und Freizeitplätze sowie deren Spielanlagen und Geräte werden in der Planungsphase in folgende Altersgruppen aufgeteilt:

Kleinkindbereich für 0–6-Jährige: nutzbare Spielfläche von mindestens 150 Quadratmeter, mindestens ausgestattet mit Sandkasten, Rutschen und einer Schaukel. Spielplätze für 6–12-Jährige: nutzbare Fläche von mindestens 2.000 Quadratmetern, ausgestattet mit unterschiedlichen Kletterkombinationen, Drehscheiben, Ballspielplätzen, Sandflächen, Hügel, Flächen für freies naturnahes Spiel, Tobeflächen, Bolzplätze. Spielplätze für 12–18-Jährige: Kletterwände, Ballspielbereiche einschließlich Tischtennisplatten, Skate-Anlagen, Sitzmöglichkeiten fürs Plaudern, Flächen für freies und naturnahes Spiel; Sport- und Fitness-Geräte; Jugendtreffpunkte.

Manche Städte bieten auch pädagogisch betreute Spielplätze mit über 4000 Quadratmetern Nutzfläche oder Wintersportanlagen wie Eis- oder Rodelbahnen an.

Neben Spielplätzen gibt es in vielen Freizeitanlagen auch Einrichtungen zum allgemeinen Gebrauch: Sitzgelegenheiten; Rasen- und Liegeflächen; Fitnessgeräte zum Trainieren von Kraft, Gleichgewicht, Beweglichkeit; Spiel mit der Familie; Trimm-dich- bzw. Vita-Parcours; Ballspielangebote inklusive Tischtennis und Boulebahnen; barrierefreie Wegeverbindungen; Flächen zum Laufen und Walken; Brettspiele; Rasenflächen für gymnastische Übungen und Meditation.Berliner Kinderspielplatzgesetz in der Fassung des Jahres 2003

Kennzeichnung mini|Hinweisschild der Stadt Köln an einem Kölner Spielplatz

Auf die Alterseinteilung sollte gegebenenfalls am Spielplatz oder den Geräten hingewiesen werden. Einige Berliner Bezirksverwaltungen sehen eine solche Kennzeichnung nicht als notwendig an und führen aus: Zur Alterskennzeichnung: Aus einem Gespräch mit dem Lichtenberger Bezirksstadtrat zum Thema Spielplätze, im Oktober 2012.

Wenn der Spielplatz auf einem Schild eindeutig bezeichnet wird, ist der Aufenthaltsort bei einem Notfalleinsatz einfach bekannt zu geben. Eine Spielplatzbeschilderung nach EN 1176 ist seit 2020 auf öffentlichen Spielplätzen vorgeschrieben.

Häufig werden Gebote und Verbote auf Schildern als Piktogramme dargestellt: Radfahrverbot, Verbot von Suchtmitteln, Hundeverbot, keine Benutzung bei Schnee und Eis sowie Ablegen von Helmen.

Da sich die Telefonnummern des zuständigen Amts oder Spielplatzbetreibers gelegentlich ändern, können diese vorteilhaft als Aufkleber angebracht werden.