Kaninchen gehören nicht zu einer systematischen zoologischen Gruppe (Taxon), denn es werden neben dem Wild- und Hauskaninchen noch einige andere nicht nahe verwandte Arten innerhalb der Familie der Hasen als Kaninchen bezeichnet. Ihre Felle werden als Kaninfelle im Rauchwarenhandel vertrieben und von Kürschnern zu Pelzen verarbeitet.
Der in der Pelzbranche noch gebräuchliche, mittelniederdeutsche Name Kanin ist die ursprüngliche Bezeichnung für das Kaninchen. Er stammt vom altfranzösischen conin aus dem lateinischen Wort cuniculus und ist letztlich vermutlich iberischen Ursprungs.Duden. Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 3-411-20907-0.
Ursprünglich wurde Kaninhaar zur Herstellung von steifen oder weichen Filzhüten für Damen und Herren verwendet. Erst etwa nach 1900 begann die Verwertung der Felle auch zu Bekleidung. Kanin gehört seitdem als preiswerter Pelz zusammen mit den Schaffellen zu den meist verarbeiteten Rohstoffen der Kürschnerei.
Der Haltbarkeitskoeffizient für Wildkaninfelle und für Hauskaninfelle wurde auf 20 bis 30 Prozent geschätzt.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Gerbung und Veredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt. Tatsächlich dürfte die Strapazierfähigkeit der Hauskaninchen, insbesondere der so genannten Kürschnerqualitäten, und hier vor allem der Sorte Rex und für gute, geschorene Felle, jedoch deutlich besser sein. Dagegen schreibt ein renommiertes Fachbuch im Jahr 1986, lange vor Beginn der Importwelle geflochtener Kanin-Kleinteile aus China: „Durch Kreuzung mit anderen Rassen hat man Rexkaninchen unterschiedlicher Färbung züchten können. Die Felle sind aber wenig haltbar.“ Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart aus dem Jahr 1955 wird das Kaninhaar, ebenfalls sehr undifferenziert, als mittelfein eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung – Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40.
mini|hochkant=1.5|Verschiedene Hauskaninfelle, naturfarben und gefärbt (alte Schautafel, 2009 bei einem Frankfurter Kaninfellhändler)
Geschichte Als Phönizier 1100 v. Chr. auf der Pyrenäenhalbinsel landeten, trafen sie dort riesige Mengen Wildkaninchen an. Bis zur Eroberung Spaniens (133 v. Chr.) war das Tier den Römern noch unbekannt, bald aber galt das Fleisch der eingeführten, in Gehegen gehaltenen Tiere dort als Leckerbissen, vor allem das der Jungtiere. Wildkaninchen wurden ausgesetzt auf Mittelmeerinseln, in Italien, auf Madeira, den Azoren und den Kanarischen Inseln.
Erst im 12. Jahrhundert kamen sie nach England und Irland. 1532 sah man in England die als geringwertig angesehen grauen Kaninchen immerhin als für Bedienstete und in Lohn stehende Yeomen geeignet an. Für die englischen Kürschner bildete neben Lammfell Kanin im 16. Jahrhundert bereits den Hauptartikel ihres Berufsstandes, der Schweizer Naturforscher Conrad Gessner sah England inzwischen als das Hauptland der Kaninchenzucht. Schwarze Kaninfelle, etwa zwölfmal so teuer wie die grauen, und auch andere seltene Sorten, wie „schwarz gesprenkelt mit weißem Haar“, wurden als fein genug angesehen, um am englischen Hof getragen zu werden. Heinrich VIII. (1491–1547) trug ein Kaninfellfutter in einem rostbraunen Samtmantel. Kanin wurde jedoch hauptsächlich als wärmendes Material eingesetzt, weniger um es auch nach außen zu zeigen.Elspeth M. Veale: The English Fur Trade in the Later Middle Ages. Clarendon Press, Oxford 1966, S. 176, 214 (englisch).J. G. Links: The Book of Fur. James Barrie, 1956, S. 91–92 (englisch) → Buchtitel und Inhaltsverzeichnis.
Anfang des 15. Jahrhunderts kamen die Kaninchen auch nach Deutschland. Heute reicht ihr Verbreitungsgebiet vom Atlantik bis zur Schwarzmeerküste. Bereits im 16. Jahrhundert existierten verschiedene Rassen der Hauskaninchen, die unter anderem in französischen Klostern gezüchtet wurden. Ursprünglich nur zur Fleischgewinnung gezüchtet, erhielten sie seit dem 17. Jahrhundert auch als Pelztier Bedeutung.
Auch auf anderen Kontinenten wurden sie eingeführt. 1790 kamen die ersten Tiere nach Australien. Der Engländer Autin sorgte 1859 für die endgültige Verbreitung, indem er 24 Tiere im Staat Victoria, wegen der nur gering vorhandenen Jagdgelegenheiten, als Jagdwild aussetzte. Die Nachkommen vermehrten sich mangels natürlicher Feinde so schnell, dass sie sehr rasch als zu bekämpfende Landplage empfunden wurden. Ab 1864, noch ehe die Gefahr erkannt worden war, breiteten die Kaninchen sich auch auf Neuseeland sehr rasch aus. Allerdings waren Kaninfelle eine Zeitlang ein durchaus bedeutender Exportartikel Australiens.
Über weiße Kaninchenfelle hieß es 1762, dass die feinsten aus Polen kommen, mit denen man die Kleider unterfüttert und die Aufschläge damit besetzt, außerdem wurden Muffe daraus hergestellt. Die grauen Kanin gaben ein „gemeines“ (gewöhnliches, einfaches) Unterfutter ab. Blaue Kaninfelle wurden über England importiert, ebenfalls für Aufschläge und Muffe sowie für Mützen.Johann Samuel Halle: Werkstätten der heutigen Künste, Kapitel Der Kirschner. Berlin 1762, :Datei:Der Kirschner Seite 311.jpg. Auf noch vorliegenden Rechnungen der Anna Maria von der Pfalz werden Anfang des 18. Jahrhunderts mehrfach Rechnungen für Samthandschuhe mit „Englischem Kaninchenfutter“ aufgeführt, mit dem üppigen Verbrauch von fünf Kaninchen pro Paar.Jürgen Rainer Wolf (Hrsg.): Die Kabinettskassenrechnungen der Kurfürstin Anna Maria Luisa von der Pfalz (1667–1743), Band 2. Klartext Verlag, Essen, 2015, S. 650, 804, 905, ISBN 978-3-8375-1511-4.
mini|Annahmebescheinigung für 1 Kaninfell des „VE Kombinat Aufbereitung tierischer Rohstoffe und Pelztierproduktion“ der DDR, Güteklasse II, 6 Mark, und Rückkaufrecht für zugerichtete Kaninfelle in Höhe von 5 % des abgelieferten Warenwertes Das Kaninfell eignet sich gut, um Imitationen wertvollerer Pelzarten herzustellen. Es nimmt die Farbe leicht an, lässt sich auch ansonsten gut im Haar behandeln, es sieht gut aus und es ist billig. Insbesondere in Kriegszeiten und während der Inflation nahm die Verwendung und gleichzeitig auch der Fortschritt der deutschen Kaninveredlung ganz erheblich zu. Vor allem die Pelzveredlungsfirma Adolf Petzold war es, die sich bemühte, für die durch den Ersten Weltkrieg ausfallenden französischen Kanin Ersatz zu schaffen. Sie war damit so erfolgreich, dass im Leipziger Raum veredelte Kaninfelle zu einem „Welterfolg“ wurden. Die deutschen Kanin waren den französischen jetzt qualitativ weit überlegen; ein Vorsprung, der zumindest bis in den Zweiten Weltkrieg anhielt. Es wurde berichtet: „In der Vorschau musste der Verkäufer den Mantel auftrennen, da die Dame den Mantel nur nahm, wenn er aus wirklich echtem Petzold-Kanin angefertigt war“.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 4. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 355. 1928 betrug der Anteil des Kaninfells an der Weltfellproduktion 57 Prozent, von den etwa 350 Millionen Fellen, die in den Handel kamen, waren 200 Millionen Kanin.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war es den deutschen Pelzveredlern erst einmal nicht möglich, die alten Qualitäten herzustellen, vermutlich wegen des Fehlens der geeigneten chemischen Gerb- und Färbemittel der Chemieindustrie. 1949 meldete eine Pelzfachzeitschrift: „Über den neuesten Stand der Leipziger Pelzveredlung erfahren wir aus Fachkreisen, daß Leipzigs Veredlungsindustrie nach den Schwierigkeiten der vergangenen Jahre nunmehr wieder in der Lage ist, Kanin auf Seal in der alten Güte zu veredeln. Die jetzt zum Verkauf gelangenden Sealkanin-Mäntel, -Jacken und -Capes weisen die hohe Qualität der Vorkriegsjahre auf, und zwar in Bezug auf den Griff des Leders, des Haares und den Glanz des Felles. Das Färben in jeder gewünschten Tönung ist kein Problem mehr. Als Neuheit zu bewerten ist dunkelgründiges Sealkanin, das vom Ausland bevorzugt wird.“Sealkanin-Pelze in neuen Farben. In: Rund um den Pelz Heft 8, Fulde-Verlag Köln, 20. August 1949, S. 13.
Auch in den USA mussten nach dem Krieg die meisten Amerikanerinnen „noch wohl oder übel Kaninmäntel tragen“. Im Jahr 1950 hielten die Kaninpelzfabrikanten im bekannten Ziegfeld-Theater über einige Zeit „mit einer wirklich sehenswerten Kollektion“ eine eigene Modenschau für Kaninpelze ab. Diese Modenschau „war eine regelrechte Broadway-Attraktion, mit Theater-Szenen, kleinen Sketchen, Zauberkünstlern usw.“Kanin-Mode-Schauen. In: Rund um den Pelz Nr. 9, Fulde-Verlag Köln, September 1951, S. 59.
Während in der Zeit der deutschen Teilung in der westlichen Bundesrepublik der Pelzumsatz einen bisher nicht dagewesenen Höhepunkt erreichte, herrschte in der DDR auch bei diesem Handelsartikel Mangelwirtschaft. Ein großer Teil der von den dortigen Kürschnern verarbeiteten Pelze stammte von abgelegten Jacken und Mänteln der Verwandten im Westen. Eines der wenigen in der DDR ohne Devisen verfügbaren Pelzmaterialien war das Fell der vor allem von Privatleuten zur Fleischselbstversorgung gehaltenen Kaninchen. Allerdings wurde auch diese trotzdem noch knappe Ressource durch Zuteilungen an die Kürschner vom Staat bewirtschaftet.
Wildkanin(chen) mini|Model Freja Beha Erichsen mit Innenfutter aus Wildkanin (Dänemark, 2007) mini|Kanin in Reliefschur mit phantom gefärbtem Kanin (Münster, 2015)
Das Europäische Wildkaninchen unterscheidet sich vom Europäischen Feldhasen durch seine geringere Größe, 35 bis 45 cm, Schwanzlänge 6 cm und die kürzeren Gliedmaßen. Erwähnt wird als leichtes Unterscheidungsmerkmal zum gegerbten Hasenfell auch dessen „krause“ Lederseite. Das Fell des Wildkaninchens wird im Rauchwarenhandel als Wildkanin bezeichnet.
Die Fellfarbe, zusammenfassend als erdgrau bezeichnet, ist oberseits mehr oder weniger grau; die Unterseite einschließlich der Kehle und der Innenseite der Läufe sind weiß. An den Kopfseiten, am Hals und am Nacken mischen sich gelbliche bis rostrote Tönungen bei. Die Ohrspitzen haben einen schwarzen Rand. Der Schwanz ist auf der Oberseite schwarz, unten weiß. Die Augen sind weiß umrandet. In manchen Gegenden tritt die gelblichrote Tönung verstärkt hervor. Vereinzelt kommen stärkere Farbabweichungen vor (blaugrau, fuchsrot, schwarz, weiß, gescheckt). Es ist sicher, dass es solche Mutationen gibt, es kann sich jedoch jeweils auch um entkommene Hauskaninchen handeln.
Die steifen Grannenhaare sind 2 bis 3 cm lang. Sie weisen im oberen Drittel eine Verdickung auf. Die dicht stehenden Wollhaare sind kurz, sehr dünn, wellenförmig gebogen, jedoch nicht gekräuselt. Die Leithaare sind sehr lang und borstig, zum Teil leicht gebogen. Auf einen Quadratmillimeter kommen etwa 136 Haare.
Der Fellwechsel findet hauptsächlich im Frühjahr und im Herbst statt und dauert etwa sechs bis acht Wochen. Kleinere Anteile können aber auch im Jahresverlauf gewechselt werden. Der Frühjahrshaarwechsel beginnt im Bauch, zum Rücken fortschreitend, der Herbsthaarwechsel verläuft in entgegengesetzter Richtung. Das Winterfell ist dichter, die Anzahl der Wollhaare ist in dieser Zeit vermehrt.