mini|Blick auf Kreischa
Kreischa ist eine Gemeinde im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen und ist südlich von Dresden im Tal des Lockwitzbaches gelegen.
Geographie Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören die Ortsteile:
Wüstungen Auf Kreischaer Flur liegen die möglicherweise identischen Wüstungen Olberndorf und Pfütze. Olberndorf hatte Anteil an den Fluren von Röhrsdorf, Pfütze hatte neben Röhrsdorf auch an den Fluren von Wittgensdorf, Großborthen und Gombsen Anteil. Die Rittergüter von Röhrsdorf und Borthen übten die Grundherrschaft aus.
Geologie mini|Lauf des Quohrener Baches am Kurpark Der Landschaftsraum von Kreischa gehört der nordöstlichen Abdachung des Erzgebirges an. Die Gemeinde befindet sich im Döhlener Becken dessen Rotliegend-Sedimente die Gneise des östlichen Erzgebirges von der Elbtalkreide trennen. Die Rotliegend-Schichten enthalten Steinkohleflöze, die jedoch nach heutigen Maßstäben nicht lohnend abbaubar sind. In der Vergangenheit wurde jedoch, wenngleich in wesentlich geringerem Ausmaß als im benachbarten Freital, auch in der Gegend um Kreischa Steinkohlebergbau betrieben. Davon zeugen der ehemalige Cotta-Schacht zwischen Kleinkarsdorf und Quohren sowie der Dippold-Schacht an der Hornschänke. In einigen alten Mauern des Kirchgrundstückes und am Lungkwitzer Gut sind rötliche, geschichtete Sandsteine des Rotliegend verbaut worden, die in der Umgebung gebrochen wurden.
Geomorphologie Bei Kreischa mündet das Quohrener Wasser, das die Hauptachse des Ortes bildet, in den Lockwitzbach. Die Talungen, die diese beiden Gewässer ausgeräumt haben, werden zusammen mit dem flachwelligen Areal in der Umgebung von Kreischa als „Kreischaer Becken“ bezeichnet. Die südöstliche Grenze des Beckens wird von einem Höhenrücken nahe der Karsdorfer Verwerfungslinie mit dem Wilischberg (Basalt) gebildet. Das Naturdenkmal Babisnauer Pappel markiert in etwa den nördlichen Rand des Beckens. Das Kreischaer Becken wird durch den Lockwitzbach und seine Zuflüsse durch den Lockwitzgrund zur Elbe hin entwässert.
Klima Kreischa liegt mit seinem humiden Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone. Die Gemeinde befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima. Nach der Klimaklassifikation von Köppen-Geiger zählt Kreischa zum gemäßigten Ozeanklima (Cfb-Klima). Dabei bleibt die mittlere Lufttemperatur des wärmsten Monats unter 22 °C und die des kältesten Monats über −3 °C.
Die Niederschlagsmenge beträgt im durchschnittlichen Jahresmittel 610 mm, wobei ein Übergewicht im Sommer zu verzeichnen ist. Der Juli ist mit 80 mm der niederschlagreichste Monat. Im Februar fällt mit durchschnittlich 33 mm der wenigste Niederschlag. Über das gesamte Jahr ergibt sich eine mittlere Temperatur von 8,3 °C. Der Juli ist mit durchschnittlich 17,7 °C, aus klimatologischer Sicht, der wärmste Monat im Jahresverlauf. Im Januar sind die niedrigsten Temperaturen mit durchschnittlich −1,4 °C zu verzeichnen.
Schutzgebiete Landschaftsschutzgebiet „Lockwitztal und Gebergrund“ Landschaftsschutzgebiet „Dippoldiswalder Heide und Wilisch“ FFH-Gebiet „Lockwitzgrund und Wilisch“: Das 309 ha große europäische Schutzgebiet umfasst das Tal des Lockwitzbaches und seiner Zuflüsse Wilischbach und Hirschbach in zwei getrennten Teilbereichen. Die Lebensräume sind größtenteils bewaldete Hänge mit vielfältigen Laubholzbeständen, offenen Felsbildungen und im Norden auch Streuobstwiesen.
Verkehr Durch Kreischa führen die sächsischen Staatsstraßen 36 und 183. Nächster Autobahnanschluss ist „Heidenau/Sa.“ an der Bundesautobahn 17. Die nächste Bahnstation befindet sich mit Dresden-Niedersedlitz im Netz der S-Bahn Dresden. Bis 1977 verband die Lockwitztalbahn Kreischa mit dem Bahnhof. Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Dresdner Verkehrsbetriebe betreiben die gemeinsame Buslinie 86/386/162. Diese verbindet Kreischa im 20-Minuten-Takt mit dem S-Bahnhof Dresden-Dobritz und Prohlis. Die Linie 386 verläuft ab Kreischa nach Glashütte, die Linie 162 weiter nach Freital, während die Linie 86 in Kreischa endet.
Geschichte mini|Siegelmarke der Gemeinde Kreischa Im Jahre 1282 fand sich die erste urkundliche Erwähnung des Ortes im Namen eines Heinricus de Kryschowe. Der Ortsname kann von altslawischen Wurzeln als „Dorf des Krummen, Lahmen“ interpretiert werden.
Das Dorf Kreischa bestand ursprünglich aus den Ortsteilen Niederkreischa, ein Reihendorf mit Gutsblöcken und Blockparzellen Mittelkreischa, ein einreihiges Waldhufendorf Oberkreischa, ebenfalls ein einreihiges Waldhufendorf
Im Jahr 1378 gehörte der Ort zum castrunm Dresden, um 1440 wohl an der Grenze der Pflege Dohna und der Pflege Dresden. Im Jahr 1539 wurde die erste (lutherische) Kirchgemeinde in Kreischa erwähnt. Im Jahr 1547 ist die Grundherrschaft auf zwei Rittergüter Oberkreischa und Unterkreischa aufgeteilt. Von 1547 bis 1856 gehörte Oberkreischa (1620: „Gros Kreuscha“) zum Amt Dresden, das vormals dohnaische Unterkreischa („Klein Kreuscha“) sowie der zum Rittergut Zehista gehörige Grund zum Amt Pirna. Im Jahr 1834 erhielt der Ort Marktrechte. Im Jahr 1856 gehörte Kreischa zum Gerichtsamtsbezirk Dippoldiswalde und von 1875 bis 1952 zur Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde. In dieser Zeit entwickelte sich der Ort zur Sommerfrische und zum Luftkurort vor den Toren Dresdens. Durch den Lockwitzgrund wurde eine Überlandstraßenbahn, die „Lockwitztalbahn“, gebaut, die von 1904 bis 1977 in Betrieb war.
Im Jahre 1952 wurden Kreischa und die heutigen Ortsteile Teil des Kreises Freital (später Landkreis). Eingemeindet wurden 1973 die Gemeinden Gombsen, Kleincarsdorf, Lungkwitz, Quohren und Theisewitz.
Im Jahre 1994 wurden die Gemeinden Bärenklause-Kautzsch und Sobrigau eingemeindet und Kreischa wurde Teil des neugebildeten Weißeritzkreises. Im Jahre 2001 wurde die evangelische Kirchgemeinde Kreischa in das Kirchspiel Possendorf-Kreischa integriert. Im Jahre 2008 wurde die Gemeinde Kreischa Teil des neugebildeten Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
Wappen
Entwicklung der Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl 1547 33 besessene Mann, 11 Gärtner 1764 10 besessene Mann, 16 Gärtner, 57 Häusler 1834 872 1871 1410 1890 1708 1910 2079 1925 2154 1939 2165 1946 2659 1950 2687 1964 2210 Jahr Einwohner 1990 3199 1995 3755 2000 4433 2005 4478 2010 4418 2015 4509 2020 4533
Politik
mini|hochkant=0.8|Das Rathaus (ehemaliges Herrenhaus)
Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: Freie Bürgervertretung Kreischa e. V. (FBK): 9 Sitze AfD: 5 Sitze CDU: 1 Sitz Linke: 1 Sitz +letzte GemeinderatswahlenListe202420192014 Sitze in % Sitze in % Sitze in % Freie Bürgerbewegung Kreischa e. V. 9 53,1 9 53,7 11 54,6 AfD 5 35,5 5 28,8 – – CDU 1 5,8 1 10,3 5 27,8 Linke 1 5,7 1 7,2 1 14,1 FDP––––– 3,6Wahlbeteiligung75,6 %75,2 %58,5 %
Bürgermeister Bürgermeister Frank Schöning wurde am 12. Juni 2022 mit 94,2 % der Stimmen wiedergewählt. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %) 2022 Frank Schöning FBK94,2 2015 96,6 2008 82,2 2001 63,5 1994 Günther Schmidt FBV e. V. 73,8
Städtepartnerschaften Kreischa pflegt partnerschaftliche Beziehungen zu Loffenau (Landkreis Rastatt) in Baden-Württemberg, seit 1990 Háj u Duchcova (Nordböhmen) in der Tschechischen Republik, seit 2005
mini|Klinik Bavaria mini|Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie Dresden in Kreischa (2017)
Wirtschaft Größter Arbeitgeber am Ort ist die Klinik Bavaria. Von überregionaler Bekanntheit ist zudem das Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie, ein WADA-anerkanntes Dopingkontrolllabor, das aus dem Zentralinstitut mit Rehabilitationszentrum und Dopingkontrolllabor (siehe auch: Sportmedizinischer Dienst der DDR) hervorgegangen ist.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Der Haußmannplatz
Bauwerke Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes Oberkreischa: um 1840/50 durch Umbau im klassizistischen Stil entstanden, heute Sitz der Gemeindeverwaltung und Bibliothek Evangelische Pfarrkirche Kreischa: Das romanische Gotteshaus wurde nach kunsthistorischer Forschung bereits nach 1150 errichtet und 1516 umgebaut. Der saalartige Grundriss und die starke Verbreitung derartiger Kirchen während der Kolonisierungsphase in der Markgrafenschaft Meißen lässt auf das hohe Alter der Pfarrkirche schließen. Etliche Architekturelemente deuten auf eine romanische Entstehungszeit. Die romanische Prägung wurde durch eine Reihe von Umbaumaßnahmen verändert. Der achteckige Turmaufsatz mit Schweifkuppe gibt dem Sakralbau ein barockes Äußeres. Gänselieselbrunnen Kreischa: 1911 zu Ehren von Ferdinand Haußmann (Besitzer des Kreischaer Rittergutes, Gemeinderat und Ortsrichter) errichtet, Bronzeplastik von Bildhauer Max Dittert Altes Sanatorium Kreischa Schloss und Stiftsgut Lungkwitz: aus einer alten Wasserburg hervorgegangene Anlage, Schloss 1619–1621 erbaut, nach längerem Leerstand erfolgte die Sanierung, welche im November 2014 fertiggestellt wurde. Das Objekt ist heute ein Wohnkomplex. Der alte Gasthof „Zum Erbgericht“ am Haußmannplatz in der Ortsmitte von Kreischa
Kreischaer Parkanlage Die Kreischaer Parkanlage im Umfeld des historischen Herrenhauses, dem heutigen Rathaus, wurde von Gräfin Fredericke von Reinhold zwischen 1786 und 1825 angelegt. Es befinden sich unter anderem zwei Büsten im Kurpark: die Robert-Schumann-Büste wurde 1997 durch den Kunst- und Kulturverein „Robert Schumann“ Kreischa e. V. errichtet, die Peter-Schreier-Büste aus Bronze von Bildhauer Hans Kazzer.
Naturdenkmäler Babisnauer Pappel (Baum) Wilisch (Berg, 476 Meter) Quohrener Kipse (Berg, 452 Meter)
Galerie
Sport Weltbekannt wurde Kreischa durch sein 1992 gegründetes Institut für Dopinganalytik und Sportchemie Kreischa. Bereits während der DDR war Kreischa nationales Zentrum für Sportchemie. 1990 wird die Rechtsträgerschaft auf die Gemeinde Kreischa übertragen. Mit Inkrafttreten des deutschen Einigungsvertrages wurde der Sportmedizinische Dienst aufgelöst. Am 4. Oktober 1990 ging auf Beschluss der Gemeindevertretung das Zentralinstitut in die Klinik Bavaria über.
Das Institut firmiert nach Neuorientierung IDAS Dresden wieder als Dopingkontrolllabor, An-Institut der TU Dresden und akkreditiertes Dopingkontrolllabor der WADA. Institutsdirektor ist Detlef Thieme.
Als Sportvereine existieren in der Gemeinde der SV Kreischa, der TSV Kreischa, der SV Zscheckwitz sowie der Tennisverein Kreischa und der Reit- und Fahrverein „Gestüt am Wilisch“.Sportvereine in Kreischa auf der Homepage der Gemeinde, abgerufen am 6. Juli 2026
Persönlichkeiten Rudolf Presl, langjähriger Geschäftsführer der Kreischaer Klinik (Die Gemeinde Kreischa verlieh ihm wegen seiner Verdienste um die Gemeinde am 12. Juli 2012 die Ehrenbürgerschaft.)Matthias Weigel: Rudolf Presl ist Kreischas erster Ehrenbürger. In: Sächsische Zeitung, 3. August 2012. Rudolf Hugo Hofmann (1825–1917), Theologe und Geheimer Kirchenrat Eberhard Schiffel (1922–2007), Ingenieur und Hochschullehrer Claus Weselsky (* 1959), Gewerkschaftsführer, wuchs in Kreischa auf und lebte dort bis 1990
Literatur Führer für Kreischa und seine Umgebung. Verlag Oswald Neubert. Kreischa 1914 Rat der Gemeinde Kreischa (Hrsg.): Kreischa – unsere Heimat gestern und heute. 700 Jahre Geschichte in Geschichten 1282–1982. Kreischa 1983
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Kategorie:Ersterwähnung 1282 Kategorie:Kategorie:Region Dresden