mini|Das Hotel Thermal in Karlsbad ist zentraler Schauplatz des Festivals (2026) Das Internationale Filmfestival Karlovy Vary (, e Kurzform KVIFF) findet jedes Jahr Anfang Juli im böhmischen Kurort Karlsbad (Karlovy Vary) statt.
Hauptveranstaltungsort ist das Hotel Thermal. Als Hauptpreis für den besten Film des Internationalen Wettbewerbs wird der Kristallglobus vergeben. Das KVIFF ist eines der ältesten Filmfestivals der Welt, zählt zu den 13 A-Festivals und hat sich zu Mittel- und Osteuropas führendem Filmevent entwickelt.
Im Jahr 2026 fand die 60. Auflage vom 3. bis 11. Juli statt.
Geschichte Das Filmfestival in Karlsbad ist eine der ältesten Filmschauen der Welt. Premiere feierte es 1946, wobei es im ersten Jahr mit Marienbad einen zweiten Austragungsort gab. In den drei folgenden Jahren fand das Festival sogar ausschließlich in Marienbad statt, ab 1950 dann nur noch in Karlsbad. Die ersten Preise wurden 1948 verliehen. Damit blicken nur die Filmfestspiele von Venedig und das Moskauer Filmfestival, die bereits in den 1930er-Jahren begründet wurden, auf eine längere Tradition zurück. Die Filmfestspiele von Cannes und das Festival von Locarno wurden ebenfalls erstmals 1946 veranstaltet, beide allerdings einige Wochen nach dem ersten Karlsbader Festival.mini|Filmfestival Karlovy Vary, 1964
Von 1967 bis 1976 wurde das Kongresshotel Thermal in Karlsbad errichtet. Der Gebäudekomplex war von Anfang an für das Internationale Filmfestival Karlovy Vary konzipiert und umfasst einen großen Kinosaal mit 1148 Sitzplätzen.
Von 1958 bis 1994 fand das Filmfestival Karlovy Vary lediglich alle zwei Jahre – im Wechsel mit dem Moskauer Filmfestival – statt. Aus diesem Grund konnten die Filmfestspiele im Jahr 2015 erst ihre 50. Austragung begehen, obwohl sie zu dem Zeitpunkt bereits 69 Jahre existierten.„Jenseits jeder Midlife-Crisis"“, Bei: Süddeutsche.de, 12. Juli 2015 Im 80. Jahr des Bestehens feierte das KVIFF 2026 ein Doppeljubiläum, da es gleichzeitig seine 60. Edition austrug. Der zweifache Jahrestag war möglich geworden, weil das Festival im Jahr 2020 wegen der COVID-19-Pandemie ausgefallen war.
Eine Zäsur bedeutete die 29. Auflage des Festivals im Jahr 1994, als auf einen jährlichen Austragungsrhythmus umgestellt wurde. Zuvor hatten das tschechische Kultusministerium, die Stadt Karlsbad und das ortsansässige Grandhotel Pupp eine Stiftung für das Festival gegründet, die den bekannten tschechischen Schauspieler Jiří Bartoška als Präsidenten des Festivals engagierte. Eine weitere personelle Stärkung erfuhr das Festival 1995 durch die Berufung der Publizistin Eva Zaoralová zur Programmdirektorin. Seither hat das Festival in Fachkreisen immer wieder Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Den Festivalmachern gelang es zudem regelmäßig, internationale Stars nach Karlsbad zu locken. Zu den Gästen zählten beispielsweise Sharon Stone, Robert Redford, Robert De Niro und Leonardo DiCaprio.
Zum 1. Januar 2011 gab die zu diesem Zeitpunkt 78-jährige Eva Zaoralová ihren Posten als Programmdirektorin ab. Zum Nachfolger wurde Karel Och bestimmt, der seit 2001 den Dokumentarfilmwettbewerb und einige Retrospektiven des Festivals (Sam Peckinpah, Michael Powell, Emeric Pressburger) kuratiert hatte.
Bei der 48. Austragung des Festivals 2013 war der iranische Dissidenten-Regisseur Jafar Panahi via Skype zugeschaltet. Wie schon die Filmfestspiele in Cannes 2011 und die Berlinale 2013, bei denen heimlich gedrehte Filme Panahis zu sehen waren, bot das Karlsbader Festival dem unter Hausarrest stehenden Filmemacher so eine Bühne.Paul Katzenberger: „Jafar Panahi: "Mein Herz ist bei Euch"“, Bei: süddeutsche.de, 8. Juli 2013
Hauptpreis des Festivals ist der Kristallglobus (Křišťálový glóbus). Der East of the West Award, mit dem seit 2005 ausschließlich Produktionen aus Osteuropa prämiert wurden, avancierte über die Jahre hinweg zum zweiten wichtigen Preis des Festivals. Er wurde 2021 das letzte Mal vergeben. 2022 wurde die Sektion "East of the West" erstmals durch die Wettbewerbsreihe "Proxima" ersetzt, die jungen Filmemachern aus der ganzen Welt mit frischen Ideen offen stehen soll. In der neuen Sektion werden drei Preise vergeben (Hauptpreis, Spezialpreis der Jury und eine lobende Erwähnung).
2018 gab es zum ersten Mal eine Kooperation zwischen dem Internationalen Filmfestival Karlovy Vary und den Internationalen Hofer Filmtagen. 2020 wurde das Festival aufgrund der COVID-19-Pandemie abgesagt. Zum 60. Jubiläum 2026 fand erstmals anstatt des Eröffnungsfeuerwerks eine Drohnen-Show statt.
Bedeutung mini|Logo des FestivalsDas KVIFF gehört zu den von der FIAPF akkreditierten Festivals mit internationalem Wettbewerb (A-Festival) und gehört in dieser Gruppe der weltweit führenden Festivals zu den kleineren Veranstaltungen. Gemessen an der Zahl der verkauften Tickets (etwa 140.000) liegt es zwischen dem etwas größeren Festival von Locarno (147.000) und dem kleineren Warschauer Festival (108.000).
Preisträger 1940er-Jahre 1947: keine Preisverleihung 1948 – Die letzte Etappe (Ostatni etap) der Regisseurin Wanda Jakubowska 1949 – Die Stalingrader Schlacht, Teil 1 (Stalingradskaja bitwa I) des Regisseurs Wladimir Petrow
1950er-Jahre 1950 – Der Fall von Berlin, Teil 1 und 2 (Padenije Berlina I & II) des Regisseurs Micheil Tschiaureli 1951 – Ritter des goldenen Sterns (Kawaler Solotoi Swesdy) des Regisseurs Juli Raisman 1952 – Das unvergeßliche Jahr 1919 (Nesabywajemy 1919 god) des Regisseurs Micheil Tschiaureli 1954 ex aequo: Das Salz der Erde (Salt of the Earth) des Regisseurs Herbert Biberman und Reise mit Hindernissen (Wernyje drusja) des Regisseurs Michail Kalatosow 1956 – Wenn alle Menschen der Welt… (Si tous les gars du monde) des Regisseurs Christian-Jaque 1957 – Unter dem Mantel der Nacht (Jagte Raho) der Regisseure Sombhu Mitra und Amit Moitra 1958 – Der stille Don (Tichi Don) des Regisseurs Sergei Gerassimow
1960er-Jahre 1960 – Serjoscha der Regisseure Georgi Danelija und Igor Talankin 1962 – Neun Tage eines Jahres (Dewjat dnei odnowo goda) des Regisseurs Michail Romm 1964 – Der Angeklagte (Obžalovaný) der Regisseure Ján Kadár und Elmar Klos 1966 – Kristallglobus nicht vergebenSpezialpreis der Jury ex aequo an: Leben im Schloß (La vie de château) des Regisseurs Jean-Paul Rappeneau und Der Tod eines Bürokraten (La muerte de un burócrata) des Regisseurs Tomás Gutiérrez Alea 1968 – Ein launischer Sommer (Rozmarné léto) des Regisseurs Jiří Menzel
1970er-Jahre 1970 – Kes des Regisseurs Ken Loach 1972 – Bändigung des Feuers (Ukroschtschenije ognja) des Regisseurs Daniil Chrabrowizki 1974 – Romanze für Verliebte (Romans o wljubljonnych) des Regisseurs Andrei Kontschalowski 1976 – Kantate über Chile (Cantata de Chile) des Regisseurs Humberto Solás 1978 ex aequo: Shadows of a Hot Summer (Stíny horkého léta) des Regisseurs František Vláčil und Weißer Bim Schwarzohr (Bely Bim Tschornoje ucho) des Regisseurs Stanislaw Rostozki
1980er-Jahre 1980 – Die Verlobte der Regisseure Günter Reisch und Günther Rücker 1982 – Rote Glocken, Teil I: Mexiko in Flammen (Krasnyje kolokola I: Meksika w ogne) des Regisseurs Sergei Bondartschuk 1984 – Lew Tolstoi des Regisseurs Sergei Gerassimow 1986 – Die Straße des Sterbens (A Street to Die) des Regisseurs Bill Bennett 1988 – Die Stadt Hibiskus (Fu rong zhen) des Regisseurs Xie Jin
1990er-Jahre 1990 – keine Preisverleihung 1992 – Krapatchouk des Regisseurs Enrique Gabriel 1994 – Mein Seelenbruder des Regisseurs Mariano Barroso 1995 – Jízda des Regisseurs Jan Svěrák 1996 – Gefangen im Kaukasus (Кавказский пленник) des Regisseurs Sergei Bodrow 1997 – Mein Leben in Rosarot (Ma vie en rose) des Regisseurs Alain Berliner 1998 – Le Coeur au poing des Regisseurs Charles Binamé 1999 – Ha-Chaverim Shel Yana des Regisseurs Arik Kaplun
2000er-Jahre 2000 – Eu Tu Eles des Regisseurs Andrucha Waddington 2001 – Die fabelhafte Welt der Amélie des Regisseurs Jean-Pierre Jeunet 2002 – Das Jahr des Teufels des Regisseurs Petr Zelenka 2003 – Das Fenster gegenüber des Regisseurs Ferzan Özpetek 2004 – Certi bambini der Regisseure Andrea & Antonio Frazzi
2005 – Kristallglobus: Mein Nikifor des Regisseurs Krzysztof Krauze East of the West Award: Ragin des Regisseurs Kirill Serebrennikow
2006 – Kristallglobus: SherryBaby der Regisseurin Laurie Collyer East of the West Award: Affen im Winter (Maimuni prez zimata) der Regisseurin Milena Andonowa
2007 – Kristallglobus: Jar City des Regisseurs Baltasar Kormákur Spezialpreis der Jury: Lucky Miles des Regisseurs Michael James Rowland Beste Regie: Bård Breien – Die Kunst des negativen Denkens Beste Hauptdarstellerin: Elvira Mínguez – Pudor Bester Hauptdarsteller: Sergei Puskepalis – Simple Things East of the West Award: Armin des Regisseurs Ognjen Sviličić
2008 – Kristallglobus: Terribly Happy (Frygtelig Lykkelig) des Regisseurs Henrik Ruben Genz Spezialpreis der Jury: The Photograph des Regisseurs Nan T. Achnas Beste Regie: Captive Beste Hauptdarstellerin: Martha Issová – Night Owls Bester Hauptdarsteller: Jiří Mádl – Night Owls East of the West Award: Tulpan (Tjulpan) des Regisseurs Sergei Dworzewoi
2009 – Kristallglobus: Angel at Sea (Un ange à la mer) des Regisseurs Frédéric Dumont Spezialpreis der Jury: Twenty (Bist) des Regisseurs Abdolreza Kahani Beste Regie: Andreas Dresen – Whisky mit Wodka Beste Hauptdarstellerin: Paprika Steen (Applause) Bester Hauptdarsteller: Olivier Gourmet (Angel at Sea) und Paul Giamatti (Cold Souls) East of the West Award: Room and a Half (Poltory komnaty, ili Sentimentalnoje puteschestwije na rodinu) des Regisseurs Andrei Chrschanowski
2010 – Kristallglobus: The Mosquito Net (La mosquitera) des Regisseurs Agustí Vila Spezialpreis der Jury: Kooky (Kuky se vrací) des Regisseurs Jan Svěrák Beste Regie: Rajko Grlić – Just between us (Neka ostane medju nama) Beste Hauptdarstellerin: Anaïs Demoustier – Sweet Evil (L'enfance du mal) Bester Hauptdarsteller: Mateusz Kościukiewicz und Filip Garbacz – Teresa of Cats (Matka Teresa od kotów) East of the West Award: Aurora des Regisseurs Cristi Puiu
2011 – Kristallglobus: Restoration des Regisseurs Joseph MadmonyListe der Preisträger bei kviff.com (englisch; abgerufen am 11. Juli 2011) Spezialpreis der Jury: Gypsy (Cigán) des Regisseurs Martin Šulík Beste Regie: Pascal Rabaté – Holidays by the Sea Beste Darstellerin: Stine Fischer Christensen – Cracks in the Shell (Die Unsichtbare) Bester Darsteller: David Morse – Collaborator East of the West Award: Punk’s Not Dead (Pankot ne e mrtov) des Regisseurs Vladimir Blaževski
2012 – Kristallglobus: The Almost Man (Mer eller mindre mann) des Regisseurs Martin Lund bei kviff.com, 7. Juli 2012 (englisch; abgerufen am 10. Juli 2012) Spezialpreis der Jury: Piazza Fontana: The Italian Conspiracy (Romanzo di una strage) des Regisseurs Marco Tullio Giordana Beste Regie: Rafaël Ouellet – Camion Beste Darstellerin: Leila Hatami – The Last Step (Peleh akhar) Bester Darsteller: Henrik Rafaelsen – The Almost Man (Mer eller mindre mann) und Eryk Lubos – To Kill a Beaver (Zabić bobra) East of the West Award: House with a Turret (Dom s baschenkoi) der Regisseurin Eva Neymann
2013 – Kristallglobus: Das große Heft (A nagy füzet) des Regisseurs János Szász bei kviff.com Spezialpreis der Jury: A Field in England des Regisseurs Ben Wheatley Beste Regie: Jan Hřebejk – Honeymoon (Líbánky) Beste Darstellerin: Amy Morton, Louisa Krause, Emily Meade und Margo Martindale – Bluebird Bester Darsteller: Ólafur Darri Ólafsson – XL East of the West Award: Floating Skyscrapers (Płynące wieżowce) des Regisseurs Tomasz Wasilewski
2014 – Kristallglobus: Corn Island (Simindis kundzuli) des Regisseurs Giorgi OwaschwiliListe der Preisträger bei kviff.com Spezialpreis der Jury: Free Fall (Szabadesés) der Regisseure Ferenc Pusztai und György Pálfi Beste Regie: György Pálfi – Free Fall (Szabadesés) Beste Darstellerin: Elle Fanning – Low Down