mini|Rathaus Möhringen mini|Möhringen um 1905 mini|rechts|Luftbild von Möhringen, März 1918 Möhringen (früher auch Möhringen auf den Fildern) ist ein äußerer Stadtbezirk im Süden von Stuttgart. Es grenzt an die Stuttgarter Stadtbezirke Vaihingen, Stuttgart-Süd, Degerloch und Plieningen sowie an die Stadt Leinfelden-Echterdingen (Landkreis Esslingen).
Geografie Lage mini|hochkant|Probstsee im Winter
Möhringen liegt auf der Filderebene südlich des Stuttgarter Talkessels. Im Süden durchfließt die Körsch den Stadtbezirk hin zum angrenzenden Naturschutzgebiet Weidach- und Zettachwald. Im Norden des Kernortes liegt der Riedsee, im Westen der Probstsee. Die umliegenden Felder und Streuobstwiesen verleihen dem Bezirk eine ländliche Atmosphäre.
Stadtteile Bei der Neugliederung der Stuttgarter Stadtteile zum 1. Januar 2001 wurde der Bezirk Möhringen in die Stadtteile Möhringen-Mitte, Möhringen-Nord, Möhringen-Ost, Möhringen-Süd, Sternhäule und Wallgraben-Ost und der Stadtteil Fasanenhof in die Stadtteile Fasanenhof und Fasanenhof-Ost aufgeteilt. Mit dem bereits vorher bestehenden Stadtteil Sonnenberg verwaltet das Bezirksrathaus in Möhringen seither insgesamt neun Stadtteile.
Geschichte In frühen Urkunden, zwischen 1100 und 1300, wird der Name Moringen erstmals verwendet, ein Hinweis auf alemannische Besiedlung. Ortsnamen auf -ingen sind fränkische Entsprechungen der gallischen personenbezogenen, besitzanzeigenden Ortsendung -iacon. Die Personen, auf die sie sich beziehen, waren in der Regel wohlhabende, lokal einflussreiche Persönlichkeiten. Möringen kann z. B. aus „Gut des Pferdebesitzers“ (siehe germ. *marha-) oder „Gut des Großen“ (siehe germ. *meiur) entstanden sein.
Beim Ortsadel, den Herren von Möhringen, handelte es sich ursprünglich um Ministerialen der Grafen von Calw, später der Welfen. Ihre Burg Möhringen wurde wahrscheinlich im Rahmen der Tübinger Fehde von den Pfalzgrafen von Tübingen zerstört. Angehörige des Ortsadels sind bis ins 15. Jahrhundert im Ort nachgewiesen, lebten aber in einfachen Verhältnissen. Zunächst weiteten die Pfalzgrafen von Tübingen ihren Besitz vor Ort aus, ab 1295 trat dann vor allem das Katharinenhospital Esslingen als Ortsherrschaft auf. Auch die Burggrafen von Kaltental – mutmaßlich ein Seitenzweig der Herren von Möhringen – hatten bis ins 14. Jahrhundert Besitz im Ort.
1803 kam der sich nach wie vor im Besitz des Esslinger Hospitals befindliche Ort in Folge der Mediatisierung der Reichsstadt Esslingen nach Württemberg. Im 1806 gegründeten Königreich Württemberg gehörte die Gemeinde in der Folge zunächst noch zum Oberamt Esslingen, dann ab 1807 zum Oberamt Stuttgart und vor dem Zweiten Weltkrieg ab 1938 vorübergehend zum Kreis Böblingen, bis am 1. April 1942 die Eingemeindung nach Stuttgart erfolgte. Seither ist Möhringen ein Stadtteil von Stuttgart.Stuttgart-Möhringen. Webseite Stadt Stuttgart, abgerufen am 12. Oktober 2011
Bei der Einteilung der Stadt Stuttgart in Stadtbezirke im Jahre 1956 wurde der Stadtteil Möhringen mit den Stadtteilen Fasanenhof und Sonnenberg zum Stadtbezirk Möhringen vereinigt.
Fasanenhof Der Fasanenhof wurde 1730 als Fasanerie von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg auf der Gemarkung Kleinaichen in Echterdingen angelegt und vom Nachfolger Carl Alexander erweitert.
Herzog Carl Eugen und seine Gemahlin Franziska von Hohenheim erweiterten die Anlage beträchtlich: Im Jahr 1783 ließen sie ein Lustschloss mit Gartenanlagen bauen. Das Schloss, im Mansardenstil erbaut, war ein einfaches zweigeschossiges Wohnhaus. Die gesamte Anlage erhielt den Namen Fasanenhof.
Die Gemahlin seines Bruders Friedrich Eugen (der Stammvater des württembergischen Königshauses) legte den Park neu an. Es entstand ein länglicher See mit zwei künstlichen Inseln. Auf einer der Inseln stand eine Moschee und auf der anderen ein Tempel zu Ehren der Blumengöttin Flora. Nach dieser bekam die Anlage den Namen Floride.
Im Jahre 1799 wurde der Hof an den Kanzleiadvokaten Karl Ludwig verkauft. Nach dessen Tod im Jahr 1805 kaufte der Förster Johann Friedrich Hammer das Areal. Die Parkanlagen verwilderten und der Hof erhielt eine landwirtschaftliche Bestimmung. Die Waldung um das Schloss wurde fast komplett abgeholzt und für den Feldbau erschlossen. Der Boden war nicht so fruchtbar wie auf anderen Feldern der Filderebene, aber es waren ergiebige Wiesen und so konnten die Besitzer sich einen ansehnlichen Viehbestand halten. Die damalige Käserei war für ihren Münsterkäse bekannt. Die Hofdomänenkammer als Privatvermögensverwaltung der königlichen Familie kaufte den Fasanenhof 1854 von den Bauern Georg Murthum und Christoph Treiber und verpachtete ihn. Durch Zukäufe wurde das Gut auf 88,5 Hektar erweitert. Am 7. Oktober 1941 verkaufte die Hofkammer das Hofgut an die Stadt Stuttgart zu Siedlungszwecken.
Folgende Pächter bewirtschafteten den Hof: Christoph Treiber, Echterdingen (1854–1855) Michael Hahn, Köngen (1855–1858) Friedrich Reihlen & Söhne, Zuckerfabrik Stuttgart (1858–1873) Friedrich Adolph Reihlen (1873–1877) Zuckerfabrik Stuttgart (1877–1933) Gustav Ergenzinger, Kornwestheim, und dessen Schwiegersohn Karl Bodenhöfer (1933–1940)
1942 wurde der Wohnplatz Fasanenhof von der Gemeinde Echterdingen abgetrennt und in die Stadt Stuttgart eingegliedert.
mini|hochkant|Hochhaus Fasan 2 Im Jahre 1959 entstand im Stadtplanungsamt der Bebauungsplan für eine Großsiedlung mit 10.000 Einwohnern. Mit dem Fasanenhof sollte ein reines Wohngebiet entstehen, das in der Planung drei zwanzigstöckige Wohnhochhäuser und zwei Gruppen von je zwei achtstöckigen scheibenförmigen Wohngebäuden umfassen sollte. Infrastrukturell wurden eine Grund- und Hauptschule, drei Kindergärten/-tagesstätten, drei Kirchen mit Gemeindezentren, eine Seniorenwohnanlage, eine Modellwohnanlage für Körperbehinderte, ein Jugendhaus, ein Hauptzentrum mit Geschäften, zwei Nebenzentren, ein großes Angebot an Spiel- und Freizeitflächen, ein Vereinshaus mit Gaststätte und Sportanlagen geplant.
Anfang 1960 waren die ersten Wohnungen auf dem Fasanenhof bezugsfertig. Die Hauptbauphase war 1968 abgeschlossen. Heute ist der Fasanenhof geprägt von vielen Grünflächen. Es gibt nur wenig Durchgangsverkehr und die Gehsteige sind kinderwagen- und behindertengerecht abgesenkt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Stuttgarter Innenstadt in einer halben Stunde zu erreichen. Einkaufsmöglichkeiten sind ausreichend vorhanden und auch gut zu Fuß erreichbar. Das Bezirksrathaus und Bürgerbüro in Möhringen bietet nahezu alle Dienstleistungen der Stadtverwaltung und ist leicht zu erreichen. Zwei Kindergärten, eine Kindertagesstätte und die erste Ganztagesschule Stuttgarts bieten Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Dieses Angebot wird durch das Kinder- und Jugendhaus und die Kinder- und Jugendarbeit der ev. und kath. Kirchengemeinden abgerundet. Betreutes Wohnen ist schon seit Jahren auf dem Fasanenhof möglich; seit 2006 stehen weitere Wohnungen sowie ein Pflegeheim zur Verfügung.
Bei der Neuordnung des Versorgungszentrums Europaplatz wurde der alte Europaplatz 2011 abgerissen und wird durch mehrere Gebäudekomplexe bestehend aus Laden- und Dienstleistungszentrum, Gastronomie, Kindertagesstätte und Wohnungen ersetzt.. Webseite Stadt Stuttgart, abgerufen am 12. Oktober 2011
Sonnenberg mini|rechts|Luftbild von Sonnenberg, März 1918 Der Sonnenberg wurde über Jahrhunderte als Weinberg genutzt. Eine Rebkrankheit führte im späten 19. Jahrhundert zur Aufgabe des Weinbaus. Danach legte die Möhringer Brauerei Widmaier Hopfengärten auf dem Sonnenberg an. Ab 1890 gab es auch vereinzelte Obstgärten auf dem Sonnenberg, in denen vor allem Spalierobst angebaut wurde. In den Jahren 1897 und 1900 entstanden die ersten zwei Sommer- und Wochenendhäuschen auf dem Sonnenberg. 1903 wurden die ersten Wohnhäuser, villenartige Gebäude inmitten großer Grundstücke, und der heutige Gasthof Sonnenberg errichtet. Die Gaststätte in Aussichtslage machte den Sonnenberg zu einem beliebten Ausflugsziel.Sonnenberg-Verein e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Sonnenberg, 100 Jahre Sonnenberg-Verein (1903 gegründet), Festschrift, Stuttgart 2003, S. 15/16.
Noch im Jahr 1903 wurde der Sonnenberg-Verein gegründet, welcher sich die Erschließung des Sonnenberg-Gebiets zur Aufgabe machte. Wenig später wurde eine Bedarfshaltestelle der Filderbahn-Gesellschaft eingerichtet, wodurch das Naherholungsziel besser erreicht werden konnte. 1910 hatte die Landhaus-Kolonie Sonnenberg, wie sie damals hieß, 27 Einwohner. Im folgenden Jahrzehnt wuchs sie nur langsam und dehnte sich in Richtung Bahnstation aus. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wohnten ein Dutzend Familien auf dem Sonnenberg. Seit 1906 gab es eine Wasserleitung und seit 1925 Gasanschluss. Örtliche Infrastruktur begann sich mit dem ersten Laden 1927 und der ersten Bäckerei 1931 zu entwickeln.Sonnenberg-Verein e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Sonnenberg, 100 Jahre Sonnenberg-Verein (1903 gegründet), Festschrift, Stuttgart 2003, S. 16–20.
Die Gemeinde Möhringen erstellte 1930 einen Ortsbauplan, woraufhin zwischen 1934 und 1936 über 200 Wohnhäuser erbaut wurden. Der Sonnenberg-Verein hat sich 1934 mit Erfolg für eine lose Bebauung mit großen Gartenflächen eingesetzt, so dass der Sonnenberg eine Ausprägung als Gartenstadt erhielt. Weitere Ausbauphasen schlossen sich an. 1936 hatte die Siedlung rund 1000 Einwohner, 1939 waren es bereits 2500 Einwohner. 1942 wurde Sonnenberg mit Möhringen nach Stuttgart eingemeindet.Sonnenberg-Verein e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Sonnenberg, 100 Jahre Sonnenberg-Verein (1903 gegründet), Festschrift, Stuttgart 2003, S. 20–22.
Im Frühjahr und Sommer 1946 musste fast der ganze Sonnenberg für Wohnzwecke der amerikanischen Besatzungsmacht geräumt werden, so dass Sonnenberg zu einer amerikanisch geprägten Siedlung wurde. Es dauerte neun Jahre, bis die Amerikaner 1955 größtenteils in den Burgholzhof auswichen und die meisten Sonnenberger in ihre Häuser zurückkehren konnten. Erst 1957 wurde das letzte Haus auf dem Sonnenberg wieder freigegeben.Sonnenberg-Verein e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Sonnenberg, 100 Jahre Sonnenberg-Verein (1903 gegründet), Festschrift, Stuttgart 2003, S. 50–54.
In der jüngeren Vergangenheit wird die einst lockere Bebauung sukzessive verdichtet.Sonnenberg-Verein e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Sonnenberg, 100 Jahre Sonnenberg-Verein (1903 gegründet), Festschrift, Stuttgart 2003, S. 24.
In der Sonnenberger Ortsmitte befindet sich das denkmalgeschützte evangelische Gemeindezentrum (erbaut 1965 von Ernst Gisel).
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Möhringer Bahnhof, angelehnt an den Württembergischen Einheitsbahnhof, Typ IIIa mini|Zentrale der Ed. Züblin AG
Verkehr Fernstraßen Durch Möhringen verläuft die vierspurige B 27 von Stuttgart nach Tübingen, im Süden tangiert die A 8 von Karlsruhe nach München den Stadtbezirk.
Bahn- und Busverkehr Der öffentliche Personennahverkehr wird durch die Stadtbahnlinien U3 (Plieningen–Vaihingen), U5 (Killesberg–Hauptbahnhof–Leinfelden), U6 (Gerlingen–Hauptbahnhof–Flughafen/Messe), U8 (Ostfildern–Vaihingen) und U12 (Remseck–Hallschlag–Hauptbahnhof–Dürrlewang) sowie durch die Buslinien 72 (Möhringen Bahnhof–Fasanenhof) und 77 (Degerloch–Harthausen) sichergestellt.
Radverkehr Eine Route aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de verbindet Möhringen über den Vaihinger Höhenrand und Stuttgart-Süd mit dem Stadtzentrum und in der anderen Richtung mit Leinfelden-Echterdingen.
Durch Sonnenberg verläuft die Hauptradroute (HRR) 10 der Stadt Stuttgart. Sie führt von Sindelfingen her kommend über Vaihingen nach Sonnenberg und weiter über Degerloch und Sillenbuch Richtung Ostfildern.
Die HRR 10.1. Sonnenberg – Möhringen – Leinfelden-Echterdingen und 10.2. Vaihingen – Möhringen sind noch nicht durchgängig beschildert. Zudem ist als Hauptradroute zweiter Ordnung eine Verbindung nach Plieningen vorgesehen (HRR 51), die aber zum Teil auf einem Waldweg verläuft.