mini|Das Hirtentor

Thüngersheim ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg. Sie liegt am Main und wird stark durch den Weinbau geprägt. Mit circa 270 Hektar Rebfläche ist sie eine der größten Weinbaugemeinden in Franken.

Geographie Lage Die Lage im Regenschatten von Rhön und Spessart führt zu Niederschlägen von 550 bis 600 mm pro Jahr. Damit ist das mittlere Maintal eines der niederschlagärmsten Gebiete Deutschlands. Südöstlich von Thüngersheim liegt das Naturschutzgebiet Höhfeldplatte.

Eingebettet zwischen den mit Wein bepflanzten, vor Wind schützenden Hügeln und dem Main kommen in Thüngersheim mehrere Bodenarten auf engstem Raum vor – der Muschelkalk sowie der Buntsandstein, zwei der fränkischen Trias.

Des Weiteren gibt es mehrere nach Süden und Südosten ausgerichtete Seitentäler. Thüngersheim ist der namensgebende Ort des Thüngersheimer Sattels, einer in West-Süd-West-Richtung verlaufenden Antiklinale parallel zum Maintal.

Aufgrund des mediterranen Mikroklimas finden sich ideale Bedingungen für den Weinbau wieder, auch für Rotwein auf Buntsandstein. Bekannte Lagen sind der Thüngersheimer Johannisberg (Rothlauf) sowie Scharlachberg (beide Großlage Ravensburg).

Gemeindegliederung Außer dem Pfarrdorf Thüngersheim gibt es keine weiteren Gemeindeteile.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Thüngersheim. Sie hat eine Fläche von 11,051 km² und ist in 4712 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2345,39 m² haben.

Nachbargemeinden Thüngersheim grenzt im Nordwesten an Zellingen, im Nordosten an Retzstadt, im Osten an Güntersleben, im Süden an Veitshöchheim, Margetshöchheim und im Westen an Erlabrunn (mit dem Main als westliche Gemarkungsgrenze).

Name Etymologie Der Name Thüngersheim besteht aus dem Personennamen Tuninger und dem mittelhochdeutschen Wort heim.

Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1098 Tuningersheim 1127 Tunegersheim 1144 Tunegeresheim 1282 Tuenegersheim 1303 Tunegersheim 1342 Tuenegersheim 1502 Thüngersheim

Geschichte Chronik Entstehung des Ortes während der ersten fränkischen Siedlungsphase zwischen 530 und 700 n. Chr. 1098: Thüngersheim wurde erstmals urkundlich erwähnt. 1154: Die ersten Rebstöcke wurden angepflanzt. 1614: Fertigstellung der Pfarrkirche St. Michael 1803: Thüngersheim fiel mit dem Hochstift Würzburg an das Großherzogtum Ferdinands von Toskana. 1814: Das Großherzogtum Würzburg (in dem Thüngersheim damals lag) fiel an Bayern. 1870: Bau eines Bahnhofes mit Stellwerk. Der Weintransport verlagerte sich damit vom Main auf die Schiene. 1930: Gründung der Winzergenossenschaft Thüngersheim durch 55 Winzer 1933: Bau der Staustufe Erlabrunn 1935: nationalsozialistisches Sportjugendfest in der Thüngersheimer BadeanlageChristine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 491. 1945: Am 16. März wurde der ausgelagerte Archivbestand der Gemeinde bei der Bombardierung Würzburgs zerstört. 1966: Die Mehrheit der Winzer beschloss die Durchführung der Flurbereinigung (220 ha Rebfläche in drei Abschnitten). 1998: 900 Jahre Thüngersheim900 Jahre Thüngersheim. thuengersheim.de, abgerufen am 25. Januar 2014 (PDF; 83 KB).

Religion Konfessionen Thüngersheim ist eine überwiegend katholische Gemeinde (Pfarrkirche St. Michael). Seit 2003 besteht eine Pfarreigemeinschaft mit St. Maternus Güntersleben.

Kreuzbergwallfahrt Ein herausragendes religiöses Ereignis ist die Thüngersheimer Kreuzbergwallfahrt, die einmal im Jahr, um das Fest Kreuzerhöhung (14. September) stattfindet. Sie führt zum „heiligen Berg der Franken“, dem Kreuzberg in der Rhön. Vermutlich geht sie auf ein Gelöbnis aus der Zeit der Pest zurück und ist bereits im frühen 18. Jahrhundert nachgewiesen. Heute wird sie von der wiedergegründeten Kreuzbruderschaft durchgeführt wie auch die Würzburger Kreuzbergwallfahrt, durchgeführt von der Würzburger Kreuzbruderschaft (die Bruderschaft zum Heiligen KreuzBruderschaft zum Heiligen Kreuz.), die 1825 von König Ludwig I. die Erlaubnis erhielt, die 1803 staatlich verboteneSybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1226. fünftägige Kreuzbergwallfahrt wieder aufzunehmen. Das angestammte Gotteshaus der Kreuzbruderschaft ist in Würzburg das Neumünster (zwischen 1808, da das Neumünster zu dieser Zeit als Militärdepot verwendet wurde, und 1821 die Marienkapelle).Wolfgang Weiß: Die katholische Kirche im 19. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 430–449 und 1303, hier: S. 434.

Einwohnerentwicklung 1939: 1753 Einwohner 1950: 2345 Einwohner 1961: 2270 Einwohner 1970: 2432 Einwohner 1987: 2453 Einwohner 1991: 2443 Einwohner 1995: 2596 Einwohner 2005: 2779 Einwohner 2010: 2646 Einwohner 2015: 2689 Einwohner

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 2426 auf 2701 um 275 Einwohner bzw. um 11,3 %. 2000 hatte die Gemeinde 2767 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat hat 14 Mitglieder (ohne Ersten Bürgermeister). Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 haben von den 2221 stimmberechtigten Einwohnern in der Gemeinde Thüngersheim 1655 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 74,52 % lag.Gemeinderatswahl 2020 Parteien und Wählergemeinschaften2020AnteilSitzeUWGBürgerbewegung Thüngersheim37,275FWFreie Wähler Thüngersheim26,074GrüneBündnis 90/Die Grünen20,463CSUChristlich-Soziale Union in Bayern16,202Gesamt100,014Wahlbeteiligung in %74,5

Aktuelle Bürgermeister Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 wurde Michael Röhm mit 65,57 % der Stimmen gewählt.Bürgermeisterwahl 2020 AmtNamePartei1. BürgermeisterMichael RöhmBürgerbewegung Thüngersheim2. BürgermeisterKaren HeußnerDie Grünen3. BürgermeisterVeronika WegnerBürgerbewegung Thüngersheim

Ehemalige Erste Bürgermeister AmtszeitNamePartei1945–1956Michael UrlaubCSU1965–1972Engelbert KlüpfelUWG1984–1996Albert DausackerCSU1996–2008Wilhelm RemlingFWG2008–2020Markus HöflingCSU/Bürgerblock BB

Wappen

Partnergemeinde Eine Partnerschaft besteht seit 1995 mit Saint-Aignan-Grandlieu, einer französischen Gemeinde im Département Loire-Atlantique.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler

Zu den Baudenkmälern der Gemeinde gehört unter anderen die Pfarrkirche St. Michael. Von den ehemals vier Torhäusern der Befestigungsanlage (Mauerring um den Altort) sind noch drei erhalten: das Würzburger Tor, das Retzstadter Tor und das Hirtentor.

Im Jahr 2002 wurde der Altort zum Förderungsgebiet. In den darauf folgenden Jahren fanden mehrere Sanierungsmaßnahmen statt.

Bibliotheken Gemeindebibliothek im Alten Rathaus und Katholische Öffentliche Bücherei im Pfarrheim

Wirtschaft und Infrastruktur Thüngersheim ist Sitz der 1930 gegründeten Winzergenossenschaft Thüngersheim eG. Mit über 200 Hektar Rebfläche ist Thüngersheim eine der größten Weinbaugemeinden Frankens.

Verkehr Thüngersheim liegt an der Bundesstraße 27 und an der Bahnstrecke Würzburg–Aschaffenburg. Eine Mainlände dient als Schiffsanlegestelle für die Personenschifffahrt. Die Buslinie Würzburg-Karlstadt bzw. Würzburg-Retzstadt führt durch Thüngersheim.

Gewerbebetriebe Landwirtschaftliche Betriebe 2020: 28 (davon 12 Betriebe unter fünf Hektar (ha), 9 Betriebe 5 bis 10 ha und 7 Betriebe mehr als 10 ha), 4 Betriebe im verarbeitenden Gewerbe, 2 Betriebe im Bauhauptgewerbe

Bildung Einzige Schule ist die Grundschule (bis zur vierten Klasse). Die Teilhauptschule besteht seit dem Schuljahr 2004/2005 nicht mehr.

Freizeiteinrichtungen Freibad Turnhalle Sportgelände (Fußball, Tennisplätze, Tennishalle, Handballplatz, Skaterplatz)

Persönlichkeiten Michael Wagner († 1668), Stadtarzt in Würzburg, Mergentheim und Neustadt/Saale sowie ab 1649 Medizinprofessor und Dekan (1661, 1664 und 1667) der Medizinischen Fakultät in Würzburg Georg Sebastian Urlaub (1685–1763), Barockmaler Georg Anton Urlaub (1713–1759), Barockmaler und Mitarbeiter von Giovanni Battista Tiepolo Georg Christian Urlaub (1718–1766), Barockmaler Johannes Andreas Urlaub (1735–1781), Barockmaler Johann Jacob Lauk (1804–1862), Jurist Adam Zeyer (1911–1995), Musikprofessor

Literatur Christine Brandl: Vom Härwest bis Foosenocht Wolfgang Brückner: Die Wallfahrt zum Kreuzberg in der Rhön. Echter, Würzburg, 1997. Ein Buch über die Würzburger Kreuzbergwallfahrt, enthält aber auch einige Seiten über die Thüngersheimer Wallfahrt. Gemeinde Thüngersheim (Hrsg.): Thüngersheim – Ein Winzerort in Mainfranken. Vorbereitende Untersuchungen zur Ortsanierung nach Baugesetzbuch, Bericht 1 (30. November 2000) Richard Glaab: Thüngersheim – Gegenwart und Vergangenheit einer mainfränkischen Winzergemeinde. Thüngersheim, Gde. (Hrsg.), 1982. Johann Valentin Hart: Main, Wein, Thüngersheim. 1933. Wolfgang Kümper: Georg Sebastian Urlaub. Ein mainfränkischer Barockmaler. (Mainfränkische Hefte 89, 108 Seiten, 42 Abbildungen). Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e. V., Würzburg, 1989. Inhaltsangabe (Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte) Peter Rückert: Ravensburg und Falkenberg. Die Geschichte zweier Burgen in der Stauferzeit. Würzburg, Selbstverlag der Flurbereinigungsdirektion, 74 Seiten, 1992. Inhaltsangabe (Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte) Adam Oechsner: Die Mundart von Thüngersheim. Würzburg, Univ., Diss., 1920. St. Michael Thüngersheim, Schnell Kunstführer Nr. 1565. Schnell und Steiner, München, 1986. Reinhard Leibold: Thüngersheim in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 zweite erweiterte Auflage 2020 mit dem Schicksal der Zwangsarbeiter Dr. Ludwig Remling: Die Geschichte der Pfarrei Thüngersheim in der Zeit von 1353 bis 1803 von 1969 Frank Krogmann: Die Kriegstoten der Gemeinde Thüngersheim von 1914-1918 und 1939-1945 vom 15.12.1995 Franz Remling: Übersicht der Flurnamen der Gemarkung Thüngersheim 18. Juli 2019 Hella Schwab: Geschichte und Geschichten zwischen zwei Torhäusern August Zeyer: Schöa worsch – Der Thüngersheimer August Zeyer erzählt in Mundart und Prosa aus seinem Leben. Selbstverlag, Thüngersheim, 1989. Franz-Josef Remling: Zivilarbeiter-Ostarbeiter-Zwangsarbeiter in Thüngersheim, Ergänzung zu den Ortschroniken, Mai 2020

Weblinks

Gemeinde Thüngersheim (PDF; 1,05 MB)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Würzburg Kategorie:Weinort in Franken Kategorie:Ersterwähnung 1098 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Würzburg