Chengdu, nach Lessing-Othmer Tschengdu (), ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan und eine der 15 provinzunmittelbaren Städte des Landes. Der chinesische Kurzname ist Róng (蓉). Die Stadt mit Umland (Agglomeration) hat 20.937.757 Einwohner (Stand: Zensus 2020), davon waren 2010 etwa fünf Millionen in den neun Stadtbezirken und neun Millionen im Umland.2010 census Chengdu hat sich neben Chongqing zum Wirtschaftszentrum Westchinas entwickelt.

2006 kam die Stadt laut China Daily auf den vierten Platz der lebenswertesten Städte Chinas. mini|Ansicht auf Chengdu, 2009

Geographie Chengdu liegt im Osten der Provinz Sichuan in der Ebene des Sichuan-Beckens und wird vom Fu He (), einem Zufluss des Mín Jiāng () durchflossen. Die Unterprovinzstadt Chengdu hat durch das mehrfache Zusammenlegen kleinerer Verwaltungseinheiten ihre heutige Größe erreicht. Die Ost-West-Ausdehnung des Stadtgebietes beträgt 192 km, die Nord-Süd-Ausdehnung 166 km. Die Stadt Chengdu im engeren Sinne (Stadtbezirke ohne Landkreise) hat eine Einwohnerzahl von 4,52 Millionen.

Klima Das Klima ist subtropisch mild, mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 17,0 °C (15 °C im Westen, bis 18 °C im Osten). Die durchschnittliche Regenmenge liegt bei 900–1300 mm/J. Die Winter sind mild und die Sommer lang und heiß. Der Normalfall ist bedecktes und schwüles Wetter.

Geschichte Chengdu war über 2000 Jahre lang eines der kulturellen Zentren in West- und Südwestchina. Als wichtigste Stadt des durch Gebirgsketten wie dem Qinlingshan im Norden vom Rest Chinas abgetrennten roten Beckens war Chengdu im Laufe der Geschichte immer wieder Hauptstadt eigenständiger sichuanesischer Reiche.

Im frühen 4. Jahrhundert v. Chr. verlegte der Herrscher von Shu () seine Residenz an den jetzigen Ort der Stadt. In Anlehnung an die Geschichte der Hauptstadtverlegung eines Königs von Zhou nannte er sie Chengdu (deutsch: werde Hauptstadt).

316 v. Chr. wurde das Reich Shu durch die Dynastie der Qin erobert und Chengdu damit Teil des chinesischen Reichs. Die Zähmung des Min Jiang durch die Errichtung des Dujiangyan-Bewässerungssystems bis 251 v. Chr. wurde zur Grundlage der reichen landwirtschaftlichen Erträge der Gegend von Chengdu.

Während der Zeit der frühen Han wurde Chengdu mit einer Straße, die über den Zhongnan Shan und das Baoxie-Tal führte, mit der Hauptstadt Chang’an verbunden und ab 130 v. Chr. Richtung Südost mit Guangdong. Die Gegend von Chengdu war zu dieser Zeit bekannt für Gewerbe wie Eisengießerei, den Abbau von Salzbrunnen, Lackarbeiten und vor allem die Herstellung von Brokatstoffen. Letzteres hatte solche Bedeutung, dass Chengdu auch den Beinamen „Jinguancheng“ () erhielt. Zur Zeit der späteren Han hatte Chengdu 76.000 Einwohner, was es zu einer der sechs chinesischen Metropolen (die anderen waren Chang’an, Luoyang, Handan, Lintao und Wan) dieser Zeit machte. Zu jener Zeit lebten mit den Dichtern Sima Xiangru († 117 v. Chr.) und Yang Xiong († 18 n. Chr.) bekannte Verfasser von höfischer Literatur in Chengdu.

Chengdu war während der Zeit der Drei Reiche Hauptstadt des Reiches Shu Han (; 221–263), das von Liu Bei (161–223) gegründet wurde.

Während der Tang-Dynastie verbrachten die berühmten Dichter Li Bai () und Du Fu () einen Teil ihres Lebens in Chengdu. Du Fu war während seines Aufenthalts von 760 bis 765 in großen finanziellen Schwierigkeiten und lebte in einer einfachen Strohhütte. Während der das Ende der Tang einläutenden An-Lushan-Revolte 755 war auch der Kaiser Tang Xuanzong nach Chengdu geflohen.

Im 9. Jahrhundert fiel das Reich Nanzhao () regelmäßig in Sichuan ein und besetzte um 868 eine Zeitlang Chengdu.

Während der auf den Zerfall des Reichs der Tang folgenden Fünf Dynastien war Chengdu bis zur Rückeroberung 965 Hauptstadt des separatistischen Späteren Shu-Reichs (). Zu dieser Zeit wurden unter deren König Mengchang auf den Stadtmauern Hibiskus in so großer Zahl angepflanzt, dass die Stadt einen weiteren Namen erhielt: „Róngchéng“ (), die „Hibiskusstadt“. 993 bis 995 gab es Aufstände der Brokathandwerker gegen die neuerrichtete Herrschaft der Song-Dynastie, die von Wang Xiaobo und Li Shun angeführt wurden.

Im Tee- und Salzhandel wurden ab dem 9. Jahrhundert zunehmend Wechsel als Zahlungsmittel verwendet. Das erste staatliche Papiergeld taucht im Jahr 1024 in Chengdu auf. Ohnehin ist Chengdu eines der frühen Zentren der Druckkunst. Neben frühen Ausgaben der „Vier Bücher“ und der „Fünf Klassiker“ wurde zwischen 972 und 983 der buddhistische Kanon mit einem Gesamtumfang von 1076 Werken gedruckt.

Zur Zeit der Song- und Yuan-Dynastie war Chengdu ein florierendes Zentrum der Seiden- und Brokatweberei, Papierherstellung und Buchdruckerei, sowie Verwaltungszentrum.

Im zerfallenden Reich der Ming-Dynastie eroberte der Rebellenanführer Zhang Xianzhong Chengdu. Im September 1644 verkündete er die Gründung des Großen Westreichs (Daxi), das bis 1646 als brutale Terrorherrschaft bestand. Ende 1646 ließ er Chengdu zerstören und stellte sich am 2. Januar 1647 mit seinem Heer mandschurischen Truppen, die die Schlacht gewannen und ihn töteten.

1949 war Chengdu die letzte Stadt auf dem Festland, die die Nationalrevolutionäre Armee der Kuomintang im Bürgerkrieg bis zu ihrer Flucht nach Taiwan verteidigte. Am 10. Dezember 1949 eroberten kommunistische Einheiten die Stadt.

Nach der Niederschlagung der Studentenproteste im Tian’anmen-Massaker in Peking kam es am 4. Juni 1989 auch in Chengdu zu einem Massaker an Protestierenden mit mehreren hundert Toten.

Eine geplante Modellstadt außerhalb von Chengdu namens „Great City“ soll es den etwa 80.000 vorgesehenen Bewohnern ermöglichen, komplett auf die Nutzung eines eigenen Kraftfahrzeugs zu verzichten.Alex Davies: China Is Building A Huge Eco-City Where No One Will Need To Drive. In: Business Insider vom 2. November 2012, abgerufen am 12. August 2022.

Bevölkerung Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Han. In relativ geringem abnehmendem Umfang finden sich Uiguren, Tibeter und Angehörige der südwestlichen Minderheiten wie der Yi (). Es wird der sichuanesische Dialekt (; Pinyin: sìchuānhuà) des Chinesischen gesprochen.

In der eigentlichen urbanen Agglomeration der Stadt lebten 2020 13.568.357 Einwohner.citypopulation.de: CHINA: Sìchuān, Provinz Sichuan - In der Tabelle mit der Überschrift "Die größten Städte", abgerufen am 24. September 2024. Die restliche Bevölkerung lebt im ländlichen Umland. Aufgrund der voranschreitenden Urbanisierung wird bis 2035 mit einem weiteren Anstieg in der Agglomeration gerechnet.

Bevölkerungsentwicklung der Agglomeration laut UN JahrEinwohnerzahl1950646.00019601.580.00019701.750.00019802.150.00019902.955.00020004.607.00020107.573.00020178.660.000

Administrative Gliederung Die Stadt Chengdu setzt sich aus zwölf Stadtbezirken, drei Kreisen und fünf kreisfreien Städten zusammen (Stand: Zensus 2020)citypopulation.de: CHÉNGDŪ SHÌ, Stadt, provinzunmittelbar in Sìchuān, abgerufen am 24. September 2024.:

Stadtbezirke: Qingyang (), 67 km², 955.954 Einwohner; Jinjiang (), 59 km², 902.933 Einwohner; Jinniu (), 107 km², 1.265.398 Einwohner; Wuhou (), 121 km², 1.855.186 Einwohner; Chenghua (), 108 km², 1.381.894 Einwohner; Longquanyi (), 559 km², 1.346.210 Einwohner; Qingbaijiang (), 371 km², 490.091 Einwohner; Xindu (), 499 km², 1.558.466 Einwohner; Wenjiang (), 264 km², 967.868 Einwohner; Shuangliu (), 1.064 km², 2.659.829 Einwohner; Pidu (), 435 km², 1.672.025 Einwohner; Xinjin (), 331 km², 363.591 Einwohner;Kreise: Jintang (), 1.158 km², 800.371 Einwohner; Dayi (), 1.280 km², 515.962 Einwohner; Pujiang (), 582 km², 255.563 Einwohner;

Städte: Chongzhou (), 1.091 km², 735.723 Einwohner; Qionglai (), 1.377 km², 602.973 Einwohner; Dujiangyan (), 1.204 km², 710.056 Einwohner; Pengzhou (), 1.379 km², 780.399 Einwohner. Jianyang (), 2.216 km², 1.117.265 Einwohner.

Die Innenstadt von Chengdu besteht dabei aus den Bezirken Jinjiang im Südosten, Qingyang im Westen, Chenghua im Nordosten, Jinniu im Nordwesten und Wuhou im Südwesten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Stadtpanorama mit Bergen im Hintergrund mini|Chunxi-Straße – – bei Nacht mini|Anshun-Brücke –

Chengdu sieht sich als die „Panda-Hauptstadt“ der Welt. In Chengdu gibt es im Norden der Stadt die Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding, eine Zuchtstation für den Großen Panda. Der Pandabär ist eines der nationalen Symbole Chinas.

Musik Chengdu bietet regelmäßige Aufführungen der Sichuan-Oper (), einem eng mit der Peking-Oper verwandten Theater, das Volksgeschichten im lokalen Dialekt bietet. Die Besonderheit der Sichuan-Oper sind Masken, die einfarbig gewisse Gefühlszustände ausdrücken, und die die Schauspieler im Bruchteil einer Sekunde wechseln können.

Historische und historisierte Straßenzüge/-viertel Im Zuge der modernen Bauentwicklung sind die alten Viertel Chengdus, von denen es bis zum Anfang der 1990er Jahre noch ausgedehnte Gebiete gab, überwiegend dem Bagger zum Opfer gefallen. Einige wenige, doch recht bedeutende sind als Straßenzüge mit Seitengassen restauriert, teilweise auch „historisiert“ wiederaufgebaut worden. Sie dienen als Ausflugsziele für Stadtbevölkerung wie auch Touristen und haben daher einen ausgesprochen geschäftsmäßigen Charakter – mit zahlreichen Geschäften, Boutiquen, Antiquitätenläden, Bars und Cafés – und quellen – wie überall in Chengdu – von Restaurants und Snack-Bars über. Sie bieten dennoch einen schönen Einblick in die alte Straßenkultur der bedeutendsten Stadt Südwestchinas mit zuweilen auch ruhigen, idyllischen Blickwinkeln. Am bekanntesten sind: Jinli – , beim Wuhou-Tempel Kuānzhǎi Xiàngzi – , ca. 1–1,5 km nordöstlich des Qingyang Gong Qintai Lu – , auf der Ostseite des Qingyang Gong

Bauwerke Wenshu-Kloster – : Buddhistisches Kloster mit mehreren Tempelgebäuden, über 400 Statuen, Stickereien, das seine Geschichte bis in die Tangzeit zurückführt. Darin gibt es ein vegetarisches Restaurant, das normale chinesische Gerichte mit üblichem Geschmack aber mit Kartoffeln oder Tofu als Fleischersatz anbietet, und ein Teehaus, das bei der Stadtbevölkerung sehr beliebt ist. Qingyang Gong – : Der „Palast der Grünen Ziege(n)“ ist eine berühmte daoistische Tempelanlage in der Stadt. Daci Si – : Ein kleiner buddhistischer Tempel mit Kloster, der sich neben der modernen Fußgängerzone befindet. Er gilt als der älteste buddhistische Tempel der Stadt. Im Stadtzentrum befindet sich eine Moschee, die 1742 errichtet wurde. Im westlichen Randgebiet von Chengdu befindet sich das 1943 ausgegrabene Grab von Wang Jian – oder – dem Herrscher des Früheren Shu-Reichs. Knapp 60 km nordwestlich von Chengdu befindet sich die Bewässerungsanlage von Dujiangyan, die seit über 2300 Jahren den Min bändigt und die Fruchtbarkeit Sichuans sichert. Seit 2000 ist Dujiangyan in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Im Südwesten des Verwaltungsgebiets der kreisfreien Stadt Dujiangyan befindet sich der Qingcheng Shan – . Der für Daoisten heilige Berg hat einen vorderen und hinteren Gipfel und bietet neben mehreren Tempeln auch viele Treppen, einen Vergnügungspark und ein daoistisches Kloster am Fuß des Berges. Der West Pearl Tower in Chengdu ist der vierthöchste Fernsehturm des Landes. Das New Century Global Center, nach chinesischen Angaben das größte Gebäude der Welt, das sich im Süden der Stadt an der gleichnamigen U-Bahn-Station befindet. Es beherbergt Supermärkte, viele moderne Shops, Kinos, eine Eislaufstation, Restaurants und eine Freizeitanlage sowie ein Hotel.

Parks Strohhütte des Du Fu – ; An der Stelle dieses prächtigen, Du Fu gewidmeten Parks stand früher seine Strohhütte. Die jetzige Anlage wurde 1078 zu seinem Gedenken angelegt. Die Gebäude stammen aus der Ming- und Qingzeit.