mini|hochkant|Altes Stadtwappen mini|130px|Wappen von Stettin im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig

Die Geschichte der Stadt Stettin reicht bis in das 8. Jahrhundert zurück. Das seit 1945 in der polnischen Woiwodschaft Westpommern liegende Stettin (poln. Szczecin) hat eine über 700 Jahre dauernde Geschichte als deutsche Stadt.

Vorzeit Während für die bis zur Völkerwanderungszeit in der Gegend ansässigen Odermündungsgermanen kaum Siedlungsspuren gefunden wurden, kann für das 8. Jahrhundert eine slawische Siedlung auf einem Hügel oberhalb des linken Ufers der Odermündung in das Stettiner Haff nachgewiesen werden. Im Laufe des 9. Jahrhunderts entwickelte sich daraus ein mit Palisaden geschützter Burgwall. 967 wurde das Gebiet gemeinsam mit Pommern von dem polnischen Herzog Mieszko I. in Lehnsabhängigkeit gebracht. Weitere hundert Jahre später war unterhalb der Burg eine neue wendische Siedlung namens Kessin entstanden, die rasch zu einem bedeutenden Handels- und Hafenplatz wurde.

Das Königreich Polen unter der Herrscherdynastie der Piasten nahm 1091 Stettin ein.Michael North: The Baltic: A History. Harvard University Press, 2015, ISBN 0-674-42604-5, S. 34; books.google.com.au Pommern machte sich wieder frei, jedoch wurde Pommern 1119/21 unter Herzog Bolesław III. von Polen erneut angegriffen, stark verwüstet und besetzt. Dieser rief Bischof Otto von Bamberg ins Land, um die heidnischen Wenden zum Christentum zu bekehren. Von 1124 bis 1128 kam er zweimal ans Stettiner Haff, und bei seiner letzten Visite zerstörte er die heidnischen Tempel, um an ihrer Stelle eine hölzerne Kirche zu errichten. Während des Wendenkreuzzuges des Bischofs Anselm von Havelberg wurde die Burg 1147 belagert, die Einnahme konnte aber durch das Eingreifen des Camminer Bischofs abgewendet werden. Er hatte geltend gemacht, dass die Bewohner bereits zum Christentum übergetreten waren. 1173 eroberten die Dänen die Burg, zerstörten sie, bauten sie 1190 aber wieder auf. Die Dänen herrschten bis 1227 im Land.

Mittelalter mini|hochkant|links|Otto von Bamberg mini|hochkant|Herzog Bogislaw X

Inzwischen hatten sich südlich und westlich der Wendensiedlung deutsche Siedler niedergelassen, die zuerst die so genannte Oberstadt, später die Unterstadt gründeten. In der Oberstadt wurde von 1180 bis 1187 die Jakobikirche erbaut, gestiftet von dem Kaufmann Beringer von Bamberg. Mit dem Machtantritt der Herzöge aus dem Geschlecht der Greifen im zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts hatte sich Pommern mehr und mehr zu einem eigenständigen Staatsgebilde entwickelt, dessen Politik unter Barnim I. von 1226 bis 1278 einen ersten Höhepunkt erreichte. Barnim I. ging als Städtegründer in die Geschichte ein und verlieh auch der Wendensiedlung Kessin zusammen mit den deutschen Vorstädten als „oppidum Stetin“ 1243 das Stadtrecht, eine Stettiner Variante des Magdeburger Stadtrechtes. Die Tatsache, dass bereits 1220 mit Bogislaw II. erstmals ein pommerscher Herzog in der Jakobikirche beigesetzt worden war, belegt die Sonderstellung Stettins als Machtzentrum Pommerns. Sie wurde unter Barnim I. durch Zollerlass, Handelsprivilegien und Fischereirechte weiter gefördert, sodass die Stadt auch wirtschaftlich erstarkte. Zusätzlich wurde in Stettin der Oberhof für alle Städte mit Magdeburgisch-Stettiner Stadtrecht eingerichtet. 1245 erlaubte der Herzog den Bau eines Rathauses. Auf dem alten Burgwall wurde 1263 mit dem Bau der Marienkirche als Zeichen des vollendeten Zusammenwachsens der drei Siedlungen begonnen. Der Bau eines Hafens gab der Stadt einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung, der 1278 zur Mitgliedschaft in der Hanse führte. Die 1295 erfolgte Teilung Pommerns mit der Errichtung des Herzogtums Pommern-Wolgast, das Stettin von der Küste abschnitt, brachte zunächst wirtschaftliche Nachteile mit sich, die sich unter anderem in dem schwindenden Einfluss in der Hanse bemerkbar machten.

1309 begann Herzog Otto I. mit dem Bau eines Schlosses und machte damit Stettin offiziell zur Residenzstadt Pommerns. Sein Nachfolger Barnim III. geriet mit der Stettiner Bürgerschaft in Streit, als er begann, auf dem den Bürgern vorbehaltenen Burgplatz ebenfalls ein Schloss zu errichten. Erst der Vertrag vom 24. August 1346 brachte eine Einigung, und es entstand ein fester Steinbau, der Ursprung des heute noch bestehenden Stettiner Schlosses. Zu Ehren des Bischofs Otto von Bamberg stiftete der Herzog die Ottenkirche, die gemeinsam mit dem Schloss errichtet wurde. Am 15. Juli 1345 erwarb die Stadt vom Herzog das Münzregal und konnte damit ihre hervorragende Stellung in Pommern weiter ausbauen. Zum Ende des 14. Jahrhunderts kam es zu einem weiteren Anschub für Stettins Wirtschaft, als im Zuge des Konflikts zwischen Polen und dem Deutschen Orden sowohl Polen als auch Pommern der Stadt weitgehende Handelsprivilegien einräumten, um das vom Orden beherrschte Danzig als Handelsmetropole ablösen zu können.

Im 15. Jahrhundert stand Stettin weitgehend im Zeichen sich wiederholender Pestepidemien, denen 1451 und 1464 auch die Stettiner Herzöge Joachim der Jüngere und Otto III. zum Opfer fielen. Das 16. Jahrhundert begann mit einem neuerlichen Streit zwischen Herzog und Stadt. Die Einführung neuer Zölle und die Beschneidung des Münzrechtes durch Bogislaw X. brachte 1503 die Stettiner Bürgerschaft so sehr auf, dass sie den herzoglichen Rat unter Arrest stellten. Erst als Bogislaw die Stadt durch seine Truppen belagern ließ, fügte sich der Stadtrat. Schon 1512 waren die Parteien so weit versöhnt, dass Herzog Bogislaw mit dem Vertrag von Fraustadt vom 18. April 1512 der Stadt zur Hilfe eilte, als deren Handel durch weitgehende brandenburgische Privilegien für Frankfurt/Oder in Gefahr geriet. Durch den Vertrag musste Brandenburg seine Aktivitäten wieder rückgängig machen.

Frühe Neuzeit mini|Stettin um 1550 mini|hochkant|Stettiner Groschen von 1616, pommerscher Greif mini|hochkant|Stettiner Groschen von 1616, Wertseite mini|Stettin, südlich des Stettiner Haffs an der linken Seite der Oder, auf der Landkarte des Eilhard Lubinus von 1618 (Ausschnitt), auf der auch etliche ehemalige Eigentumsortschaften des Klosters Kolbatz in der Umgebung eingezeichnet sind, zu denen rechts der Oder das Dorf Podejuch (Poding) und die Stadt Altdamm (Damme) (einschließlich Fischereirechten im Dammschen See)Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht. Nicolai, Berlin/Stettin 1827, S. 198–199, Ziffer 1 (Google Books). ebenfalls gehört hatten 1532 wurde der der Kunst und den Wissenschaften zugetane Barnim IX. Herzog von Pommern-Stettin. Er berief den bekannten Baumeister Caspar Teiß an seinen Hof und beauftragte ihn 1538 mit dem Ausbau des Ostflügels des Schlosses. Barnim IX. war maßgeblich an der Einführung der Reformation in Pommern beteiligt, und in deren Folge gründete er 1543 als erste weltliche Hochschule in Stettin das Pädagogium, allerdings nicht als eine Universität, sondern als eine Hohe Schule. Das Pädagogium entwickelte sich zu dem angesehenen Marienstiftsgymnasium. Die Förderung der Wissenschaften wurde auch deutlich durch die Einrichtung der ersten pommerschen Druckerei in Stettin. Im Jahre 1569 erteilte Barnim IX. dem in Frankfurt an der Oder wirkenden Buchdrucker Johann Eichorn (1524–1583) eine Bestallung als Drucker; die Druckerei in Stettin wurde durch dessen Schwiegersohn Andreas Kellner († 1591) aufgebaut, der sie 1572 selbst übernahm. Der zweite Stettiner Buchdrucker war Georg Rhete, dessen erster überlieferter Druck aus dem Jahre 1577 stammt. Im Jahre 1570 wurde in Stettin ein Friedenskongress abgehalten, der zur Beendigung des Dreikronenkriegs zwischen Dänemark und Schweden durch den Frieden von Stettin führte.

Einen Rückschlag musste die Stadt hinnehmen, als 1572 das Handelshaus Loitz in Konkurs ging und damit als wichtiger Finanzier ausfiel. Nur mit Hilfe des Herzogs konnte der finanzielle Zusammenbruch der Stadt vermieden werden, unter anderem dadurch, dass 1580 Stettin das Privileg erhielt, die für Pommern neu eingeführten Münzen zu schlagen.

In den Jahren 1575 bis 1577 wurde auf Veranlassung des seit 1560 herrschenden Herzogs Johann Friedrich das Herzogsschloss im reinen Renaissance-Stil umgebaut. In diesem Rahmen wurde auch die Ottenkirche abgerissen und durch die neue Schlosskirche zu Stettin ersetzt. Weitere Bauarbeiten am Schloss ließ Herzog Philipp II. durchführen, der seine Regentschaft 1606 antrat. Er war in hohem Maße wissenschaftlich und künstlerisch interessiert und hatte eine umfangreiche Bibliothek und Kunstsammlung angelegt. Zu deren Unterbringung fügte er dem Schloss einen Westflügel an. Zusätzlich baute er 1612 anstelle des ehemaligen Kartäuserklosters Grabow das Sommerschloss Oderburg, in dem er eine Bildergalerie einrichtete. Dies alles ließ sich nur durch erhöhte Abgaben der pommerschen Städte finanzieren, die Stettin durch die Einführung einer Biersteuer kompensieren wollte. Das veranlasste vom 16. bis 18. Juli 1616 einen Volksaufstand, in dessen Folge die Steuer wieder zurückgenommen und eine herzogliche Finanzkommission für die Stadt eingesetzt wurde.

Elisabeth von Doberschütz wurde am 17. Dezember 1591 in einem Hexenprozess verurteilt und auf dem Stettiner Heumarkt enthauptet. Die adlige Jungfer Sidonia von Borcke wurde 1619 der Hexerei bezichtigt und am 28. September 1620 in Stettin enthauptet und verbrannt.

Dreißigjähriger Krieg bis zum Frieden von Stockholm Der 1618 ausgebrochene Dreißigjährige Krieg berührte Stettin zunächst nicht. Erst am Theatrum Europaeum: Band 2, S. 238 (Digitalisat der Universität Augsburg) besetzten die Schweden unter Gustav Adolf die Stadt und richteten in der Oderburg ihr Quartier ein. Den 1637 nach dem Aussterben des Greifengeschlechts gemäß dem Vertrag von Grimnitz vorgesehenen Übergang Pommerns und damit auch Stettins an Brandenburg verweigerten sie kraft ihrer militärischen Überlegenheit. Während ihrer Besatzungszeit verstärkten die Schweden die Befestigungsanlagen Stettins. Auch nach dem Westfälischen Frieden von 1648 blieb es in ihrer Hand. Im Nordischen Krieg zogen sich die Schweden 1676 nach ihrem gescheiterten Einfall in Brandenburg nach Stettin zurück. Kurfürst Friedrich Wilhelm eroberte es nach zweijähriger Belagerung am 6. Januar 1678. Der Friedensvertrag von St. Germain zwang ihn jedoch, es 1679 an Schweden zurückzugeben. Während des Nordischen Krieges zwischen Schweden und Russland belagerten 1713 die Russen Stettin. Mit dem Frieden von Stockholm 1720 gelang es dem König Friedrich Wilhelm I., Stettin für Preußen zu erwerben.

Provinzhauptstadt in Preußen mini|Stettin in Pommern, südlich der Pommerschen Bucht, nordöstlich der Uckermark und nordwestlich der Neumark, auf einer Landkarte von ca. 1900 mini|Preußisches Wappen am Königstor in Stettin mini|Hafen von Stettin 1900 mini|hochkant|Anleihe der Stadt Stettin von 1923

Durch die Einrichtung bedeutender Verwaltungen, wie der Pommerschen Kriegs- und Domänenkammer und des Hofgerichts, und die Verlegung des Pommerschen Konsistoriums (Umzug 1738) erlangte Stettin schnell wieder eine hervorgehobene Stellung. Das Altpreußische Infanterieregiment No. 7 wurde nach Stettin verlegt, und so wurde es zur preußischen Garnisonsstadt. Zugleich ließ König Friedrich Wilhelm I. in den Jahren 1724 bis 1740 die Festungsanlagen der Stadt durch den Festungsbaumeister Gerhard Cornelius von Walrave grundlegend neu gestalten und modernisieren. Die von Walrave angelegten Festungsbauwerke bestanden aus drei Forts, darunter das im Vorfeld der Stadt gelegene Fort Preußen, und neun Bastionen. Die reich geschmückten Festungstore, das Königstor und das Berliner Tor, sind bis heute erhalten. Ferner wurden nach Walraves Entwürfen das Landeshaus (1727 vollendet) und der Turm der Marienkirche (1732 vollendet) errichtet.Eckhard Wendt: Was schuf Gerhard Cornelius von Walrave (1692–1773) in Stettin? In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte, Heft 2/2012, S. 17–21; .