mini|Luftaufnahme von 2022
Memmelsdorf ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bamberg und zählt zur Metropolregion Nürnberg. Sie grenzt östlich unmittelbar an die Stadt Bamberg.
Geografie Gemeindegliederung Es gibt zehn Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und die Einwohnerzahlen Stand 31. Dezember 2024 angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Drosendorf, Kremmeldorf, Meedensdorf, Memmelsdorf (Gemarkungsteil 1), Merkendorf und Weichendorf. Die Gemarkung Memmelsdorf liegt auch auf dem Gemeindegebiet von Bamberg. Sie hat eine Fläche von 7,177 km² und ist in 3384 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2120,99 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Lichteneiche und Seehof.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Breitengüßbach, Scheßlitz, Litzendorf, Bamberg und Gundelsheim.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Memmelsdorf wurde zwar erst 1143 urkundlich erwähnt, es gibt jedoch gute historische Gründe anzunehmen, dass es im 6. Jahrhundert zur Zeit der fränkischen Landnahme am Obermain etwa zur gleichen Zeit wie der Königshof Hallstadt entstanden ist. Damals siedelten auch Slawen im Obermaingebiet, wie die Etymologie zahlreicher Ortsnamen beweist, z. B. Kemmern, Laubend, Merkendorf, Drosendorf, Scheßlitz. Kaiser Heinrich II., der Heilige, schenkte Hallstadt dem von ihm 1007 gegründeten Bistum Bamberg.
1391 trennte Bischof Lamprecht von Brunn Memmelsdorf von Hallstadt und erhob es zu einer selbstständigen Pfarrei unter dem Patrozinium der Himmelfahrt Mariens. Zur Pfarrei gehörten die Orte Memmelsdorf, Weichendorf, Gundelsheim, Merkendorf, Laubend, Starkenschwind, Drosendorf und Meedensdorf, ferner Schmerldorf und Kremmeldorf.
Memmelsdorf wurde Amtssitz des Hochstiftes Bamberg. Es war Zentrum einer Vogtei und einer Zent. Der Zentgraf übte die Hochgerichtsbarkeit aus. Der Richtplatz lag oberhalb des Dorfes (heutiger Straßenzug Am Hohen Kreuz). Der Vogt zog die dem Landesherrn zustehenden Steuern und Naturalabgaben ein. Er war auch Gerichtsherr der Zent. Das Gebäude der ehemaligen Vogtei ist heute der Brauereigasthof Drei Kronen; der ehemalige fürstbischöfliche Kasten (Getreidespeicher) das Anwesen Vollkommer.
Zent und Vogtei gaben Memmelsdorf eine gewisse Bedeutung. Trotzdem konnte sich das Dorf nicht recht entwickeln. Das wirtschaftliche Zentrum Bamberg ließ das Handwerk in der Umgebung nicht aufkommen, andererseits verdrängte der Flächenbedarf der fürstbischöflichen Sommerresidenz Seehof die Landwirtschaft. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam der Ort zum Königreich Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
20. Jahrhundert Bis zum Jahre 1953 bestand die Gemeinde Memmelsdorf nur aus dem Ort Memmelsdorf und dem nahe gelegenen Schloss Seehof.
Nach dem Krieg, in der Zeit des Wiederaufbaus und Wirtschaftswunders, entstand ab 1953 ein neuer Gemeindeteil, die Siedlung Lichteneiche. Lichteneiche, das Flurstück südwestlich Memmelsdorfs, war eine weite Fläche, sandiges Schwemmgebiet der Regnitz, wo Heide, Ginster und Eichen standen. Die Siedlung wurde großzügig, doch in einfachem, zweckmäßigem Stil geplant. Man ging sparsam mit den zur Verfügung stehenden Mitteln um. Architektonische oder städtebauliche Experimente waren nicht gefragt. So entstand eine weite, lichte Siedlung mit einfachen Wohnhäusern und Wohnblocks in großzügiger und abwechslungsreicher Anordnung, die einer großen Zahl von Menschen ein angenehmes Wohnen in Ruhe und in grüner Umgebung ermöglichte. Die Siedlung bot den Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland, aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien eine neue Heimat. Wie die steigenden Einwohnerzahlen belegen, erfreute sich die Siedlung eines beständigen Zustroms.
Große Veränderungen brachte die gesamtbayerische Gemeindegebietsreform, die am 1. Januar 1972 in Kraft trat. Sie führte zum freiwilligen Zusammenschluss Memmelsdorfs mit den fünf Gemeinden Drosendorf, Merkendorf, Weichendorf, Kremmeldorf und Meedensdorf.
Neugestaltung des Ortskerns 2009 wurde eine Ortsumgehungsstraße gebaut. Das führte zu einer Verkehrsberuhigung im Ort und ermöglicht die Neugestaltung des Ortskerns. Die Neugestaltung begann 2010. Erneuert wurde die Hauptstraße mit anliegenden Bürgersteigen. Es gibt einen Brunnen neben der Gastwirtschaft Drei Kronen und es wurden entlang der Straße Bäume gepflanzt. Spezielle Steine für Blinde wurden in die Bürgersteige eingesetzt. 2014 wurden letzte Korrekturen vorgenommen und die Erneuerung war abgeschlossen.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs die Gemeinde von 7872 auf 8828 um 956 Einwohner bzw. um 12,1 %. Am 31. Dezember 2020 erreichte Memmelsdorf einen Höchststand von ca. 9000 Einwohnern. mini|Bürgerhaus Jahr Einwohner Einwohner/km² 1840 1869 71 1871 2109 81 1900 2096 81 1925 2179 84 1939 2496 96 1950 3623 139 1961 5693 219 1970 6582 253 1987 7893 304 1991 8168 311 1995 8452 322 2000 8824 336 2005 8941 354 2010 8851 337 2015 8847 331 2020 9004 343 2024 8852 337
Religion Memmelsdorf ist Sitz der katholischen Pfarrei Mariä Himmelfahrt, die den Ort Memmelsdorf und die Gemeindeteile Drosendorf, Kremmeldorf, Meedensdorf, Schloss Seehof, Schmerldorf und Weichendorf umfasst. Pfarrer ist seit 2011 Peter Barthelme, Pastoralassistentin ist Sabine Kotzer.
Zur katholischen Pfarrei Kreuzerhöhung Merkendorf gehört auch der Gemeindeteil Laubend.
Der Gemeindeteil Lichteneiche ist der jüngste Sprengel der Pfarrei Mariä Himmelfahrt. Dort wurde die Kirche Heilig Geist in Form eines Schiffsbugs errichtet und 1965 geweiht. Die Portalfront zeigt, in Beton gegossen, das Jüngste Gericht. Unter den Verdammten kann der aufmerksame Betrachter das Gesicht Adolf Hitlers erkennen, ein bemerkenswertes zeitgeschichtliches Dokument.
Pfingsten 2006 wurde die katholische Seelsorgeeinheit Pfarreiengemeinschaft Memmelsdorf mit Lichteneiche, Gundelsheim und Merkendorf gegründet.
Konfessionelle Zusammensetzung Laut Zensus am 9. Mai 2011 waren 69,6 % der Einwohner römisch-katholisch und 17,2 % evangelisch-lutherisch. 13,2 % hatten eine andere Religion oder waren konfessionslos.
Katholische Kirchen mini|Ökumenestein der evangelischen Kirchengemeinde und der katholischen Pfarrei Memmelsdorf Die Jahreszahlen verweisen auf die Bauzeit der Kirchen Drosendorf: Heiligste Dreifaltigkeit, 1980/82 Kremmeldorf: Heiliges Herz Jesu, 1893 Laubend: Kapelle Mariä Empfängnis, 1862/63 Lichteneiche: Heilig Geist, 1964/65 Meedensdorf: Kapelle Schmerzhafte Mutter Gottes, 1904/06 Memmelsdorf: Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Merkendorf: Kreuzerhöhung, 1862/64 Schloss Seehof: Schlosskapelle Weichendorf: Kapelle Heilige Anna, 2002/03
Kirchen wurden in der Pfarrei Memmelsdorf über ein und ein halbes Jahrhundert gebaut. Jede Gemeinde wollte ihre eigene Kirche haben. Die Einwohner planten das Gotteshaus, erbrachten erhebliche persönliche Eigenleistungen beim Bau und finanzierten die Baukosten. So schufen verhältnismäßig kleine Gemeinden ansehnliche Kirchen.
Evangelische Kirche Lichteneiche ist Sitz der evangelischen Kirchengemeinde Christi Himmelfahrt. 1960 wurde die Kirche, architektonisch einem Zelt Gottes unter den Menschen (Off. 21,3) nachempfunden, geweiht.
Die evangelische Gemeinde und die katholische Gemeinde Memmelsdorfs pflegen seit langem eine aktive ökumenische Gemeinschaft. 2008 unterzeichneten beide Gemeinden eine ökumenische Partnerschaftserklärung, die auch von den Kirchenleitungen gutgeheißen wurde. 2009 stellten Angehörige beider Pfarreien auf dem Rasen vor der Kirche Christi Himmelfahrt einen Ökumene-Gedenkstein auf.
Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2026 Jürgen Reinwald (CSU/ABD/BBL). Er folgt mit einem Gegenkandidaten von der SPD bei 74,1 % der Stimmen auf den seit 2014 amtierenden Gerd Schneider (parteilos, von der SPD nominiert), der in der Stichwahl 53,34 % der Stimmen erhielt und 2020 gegen Jürgen Reinwald mit 55,57 % der Stimmen im Amt bestätigt wurde. Sein Vorgänger war seit 1997 Johann Bäuerlein (WLW/CSU). Er wurde zuletzt 2009 bei zwei Gegenkandidaten mit 54,46 % der Stimmen wiedergewählt. Bäuerleins Vorgänger war Alfons Scherbaum.
Gemeinderat Der Gemeinderat besteht in der Periode 2026 bis 2032 aus dem Ersten Bürgermeister und 20 Gemeinderatsmitgliedern.
Zusammensetzung des Gemeinderates nach der Wahl vom März 2026:
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil 2026 Sitze 2026 Stimmenanteil 2020Sitze 2020 Christlich-Soziale Union in Bayern 34,9 % 7 27,1 %5 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 11,5 % 2 19,0 %4 Vereinigte Wählergemeinschaft Memmelsdorf (VWG) 14,0 % 3 14,4 %3 Aktive Bürger Drosendorf (ABD) 12,9 % 3 11,2 %2 Bürgerblock Lichteneiche (BBL) 9,2 % 2 8,5 %2 Alternative Liste Memmelsdorf (ALM 9) 3,6 %1 Wählerliste Weichendorf (WLW) 6,1 % 1 5,5 %1 Grünes Memmelsdorf 11,4 % 210,4 %2
Wappen, Fahne Für das hochstiftische Memmelsdorf lässt sich kein eigenes Siegel nachweisen. Erst in der königlich-bayerischen Zeit führte die Gemeindeverwaltung die damals üblichen Dienstsiegel. Am 5. Dezember 1963 gab das Bayerische Staatsministerium des Inneren die Zustimmung zur Annahme eines Wappens mit folgender Beschreibung: „Gespalten; vorne in Gold die Gestalt des Zentrichters mit schwarzem Umhang und schwarzem Hut, der in der Rechten einen silbernen Stab, in der Linken ein goldenes Buch hält; hinten in Silber aus einem grünen Dreiberg wachsend ein grüner Eichbaum mit goldenen Eicheln.“ Gleichzeitig mit der Wappenverleihung genehmigte das Ministerium das Führen einer Fahne der Gemeinde. Sie zeigt drei Streifen in der Farbenfolge Schwarz-Gelb-Grün und kann auch mit dem Gemeindewappen geführt werden. Die Regierung von Oberfranken stimmte am 1. Juli 1973 dem Gemeinderatsbeschluss vom 30. Januar 1973 zu, nach dem das bisherige Gemeindewappen auch für die Großgemeinde Memmelsdorf gelten soll.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt mini|Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Die katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist eine Chorturmkirche aus dem frühen 14. Jahrhundert, die seither mehrmals umgebaut und erweitert wurde. Ihre heutige Form mit der repräsentativen Westfassade und der barocken Ausstattung erhielt sie bei einem 1706 bis 1709 durchgeführten Umbau, die letztere größere Renovierung erfolgte 2006. Während das Äußere bis auf die Westfassade schlicht gehalten ist, zeigt das Innere eine reiche Barockausstattung, darunter eine Stuckdecke von Johann Jakob Vogel mit der Himmelfahrt Mariens, eine Kanzel mit vergoldetem Schnitzwerk, zwei 1760 entstandene Nebenaltäre, eine hölzerne Orgelempore, von Sebastian Degler geschnitzte Heiligenfiguren usw. Der heutige Hochaltar wurde erst 1964 aufgestellt, er stammt ursprünglich aus dem Klarissenkloster Bamberg. Der Kirchhof ist zur Straße hin durch eine Mauer abgeschlossen, auf der von Ferdinand Dietz geschaffene Figuren von Engeln und Heiligen stehen.
Schloss Seehof mini|Schloss Seehof
Schloss Seehof war die Sommerresidenz und das Jagdschloss der Bamberger Fürstbischöfe. Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683–1693) ließ die „Marquardsburg“ errichten und die Schlossgärten anlegen. Antonio Petrini schuf ein Gebäude im Quadrat, das mit seinen vier Ecktürmen den Charakter von Schloss und Festung in sich vereint. Fürstbischof Friedrich von Seinsheim (1757–1779) ließ Schloss und Schlossgärten mit Möbeln und Figuren von erlesenem Geschmack im Stil des Rokoko ausstatten: Es sollen über 400 Figuren gewesen sein, die der Hofbildhauer Ferdinand Dietz schuf. Mit der Säkularisation 1803 kam das Schloss in den Besitz der Wittelsbacher, 1840/41 wurde es weiterverkauft. 1975 kaufte der Freistaat Bayern das Schloss und siedelte dort das Landesamt für Denkmalpflege an. Das Gebäude wurde wiederhergestellt und der Park im alten Ausmaß neu angelegt. Die Figuren des Ferdinand Tietz wurden, so weit möglich, zurückgekauft.