mini|Mat Salleh (künstlerische Darstellung) mini|Das wahrscheinlich einzige Photo von Mat Salleh (markiert mit einem „X“) Die Mat-Salleh-Rebellion bezeichnet eine Reihe größerer Unruhen in Nordborneo, dem heutigen Bundesstaat Sabah in Malaysia, zwischen 1894 und 1900. Der Anführer war Datu Paduka Muhammad Salleh, besser bekannt als Mat Salleh.
Ursachen Im späten 19. Jahrhundert gelangte Nordborneo unter die Verwaltung der North Borneo Chartered Company (BNBCC). Die britische Gesellschaft versuchte, in Nordborneo die Produktion von verschiedenen landwirtschaftlichen Produkten, insbesondere aber den Tabakanbau, zu etablieren. Durch die dabei angewandte Rationalisierung sowie durch die Einführung eines an westlichen Maßstäben orientierten Verwaltungssystems durch die North Borneo Chartered Company, kam es in Nordborneo zu unvermeidlichen wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen.Lim, S. 19
Obwohl sich die Gesellschaft in ihrem Chartervertrag verpflichtet hatte, die lokale Kultur zu bewahren, wurden Regelungen getroffen, die der lokalen Bevölkerung ein Dorn im Auge waren. Zum Beispiel wurde die Sklaverei abgeschafft. Andere unruhestiftende Neuerungen, die die Gesellschaft einführte, waren neue Regelungen hinsichtlich des Landverkaufs, des Erwerbs von tulin (vom Sultanat unabhängiger kleiner Territorien), die Erhebung von Kopfsteuern und Abgaben auf Dschungelprodukte.Lim, S. 25 Viele lehnten die neuen Regelungen rundweg ab.
Mat Salleh und die Rebellion Einer der einflussreicheren, andersdenkenden Häuptlinge war Mat Salleh. Er wurde in Inanam, Nordborneo, als Sohn des Suluk-Häuptlings Datu Balu geboren. Bevor die North Borneo Chartered Company ihre Landansprüche geltend machte, kontrollierte sein Vater Teile des Labuk- und Sugut-Gebietes. Seine Mutter gehörte dem Bajau-Volk an. Mat Salleh verbrachte Teile seiner Kindheit in Inanam und Pulau Gaya.Beide Örtlichkeiten liegen nahe dem heutigen Kota Kinabalu, Sabah, Malaysia. Er heiratete Dayang Badang, eine Prinzessin vom Hof des Sultans von SuluDies war möglich, weil Mat Salleh als Sohn eines Häuptlings den Status eines pangeran (Prinzen) hatte und wurde Häuptling eines unabhängigen Territoriums (tulin) am Sugut River.
1895 begann eine lang anhaltende Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. Salleh war mit den neuen Regeln, die die Gesellschaft am Sugut River aufstellte, nicht einverstanden, aber die Gesellschaft ignorierte seine Beschwerden. Ihrerseits war die Gesellschaft darüber verstimmt, dass Mat Salleh von der örtlichen Bevölkerung Steuern ohne ihre Genehmigung eintrieb. Außerdem war die Eigenständigkeit von Territorien wie das von Mat Salleh ein Ärgernis für die Chartered Company.Cowie schrieb vor seinem Treffen mit Salleh über diese an den Flussufern gelegenen tulin: „Diese Flüsse sind eine Quelle ständigen Verlustes und Ärgernis für uns. Schwarzpulver, Waffen und Opium werden über Grenzen geschmuggelt, die niemals definiert wurden und die wir deshalb auch nicht bewachen können.“
Die Anfänge des Widerstands 1894–1895 Die erste Wahrnehmung von Paduka Mat Salleh durch die Briten geschah 1894, als er für den Mord an zwei Mitgliedern der Iban auf der Insel Jambongan verantwortlich gemacht wurde. Captain Barnett und Barraut, der spätere Distriktsoffizier von Kudat, wurden beauftragt, ihn zu ergreifen, blieben jedoch erfolglos. Stattdessen machte sich Mat Salleh auf den Weg nach Sandakan, um dort den Gouverneur L. P. Beaufort und William B. Pryer, den Residenten der East Coast aufzusuchen. Er beabsichtigte zum einen, seine eigenen Absichten offenzulegen und gleichzeitig den Unmut der Einheimischen am Sugut-Fluss über die Verwaltungspolitik der BNBCC zu übermitteln. Als Mat Salleh am 17. August 1895 Sandakan erreichte, waren Beaufort und Pryer abwesend. Der amtierende Gouverneur Alexander Cook, der in Mat Salleh nicht mehr als einen Kriminellen sah, weigerte sich jedoch, Salleh zu empfangen. Der ließ sich vorerst mit seinem Gefolge in Kampung Buli Sim-Sim nieder und wartete, ob Cook eventuell seine Meinung ändere. Als sich am 20. August abzeichnete, dass eine Lösung nicht in Sicht war, verließ er Sandakan.
Beginn der Kampfhandlungen Als Beaufort nach Sandakan zurückkehrte, deutete er den Besuch Sallehs als offene Kampfansage an die North Borneo Chartered Company. Am 29. August 1895 sandte er eine Polizeitruppe unter Barraut und Jones nach Jambongan Island. Die Ergreifung Mat Sallehs misslang und führte zu einem Vergeltungsschlag Sallehs, bei dem einige Geschäftshäuser in Kampung Tatabuan in Flammen aufgingen. Nun setzte die Gesellschaft eine Belohnung von 500 Straits-Dollar auf seine Ergreifung aus.
Die Jahre 1896 und 1897 waren geprägt von einer Serie von Kampfhandlungen, Verfolgungsjagden und Strafexpeditionen. Am 10. Februar 1897 tauchte Mat Salleh in Ranau auf und sammelte dort neue Anhänger aus den Reihen der Dusun. Die nachrückenden Briten attackierten Ranau und verursachten bei ihrem Angriff den Tod von Mat Sallehs Vater. Mit einer Truppe Krieger aus Inanam schlug wiederum Mat Salleh am 9. Juli 1897 zurück: Der Hafen der Gesellschaft in Pulau Gaya wurde vollkommenen zerstört und geplündert. Den Anhängern Sallehs fiel dabei eine große Menge an Waffen, Munition, Booten und Handelsgütern aus den Lagerhäusern der Gesellschaft in die Hände. Nachdem am 12. Juli das britische Kriegsschiff SS Ranee mit 50 bewaffneten Polizisten unter dem Kommando von G. Hewett aus Labuan anrückte, floh Salleh in den Dschungel. Außer sich über die Zerstörung der Verwaltungsinfrastruktur auf Gaya Island setzten die Briten am 15. und 16. Juli Inanam und die umliegenden Felder in Brand.
Im November 1897 griff Salleh mit Kriegern der Bajau, Iranun und Suluk die Niederlassung der Gesellschaft in Ambong an. Da ein derartiger Angriff erwartet worden war, stieß Mat Salleh auf erbitterten Widerstand und außer der Zerstörung des Verwaltungsgebäudes wurde kein weiterer Schaden angerichtet. Als die SS Petrel mit britischem Nachschub vor Ambong auftauchte, zogen sich die Angreifer zurück. Bei der anschließenden Verfolgung wurde Salleh neu errichtetes Fort und die Dörfer rund um Kota Belud zerstört.
Mat Salleh zog sich in sein Fort in Ranau zurück. Zwei bewaffnete Polizeikommandos aus 38 Sikh unter der Führung von Hewett, Ormsby, P. Wise und Jones sowie 250 einheimische Polizeikräfte aus Iban und Dayaks unter dem Kommando von Barraut und Wheatle begannen am 13. Dezember 1897 mit dem Angriff auf Ranau. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus. Am 7. und 8. Januar 1898 setzten die Briten den Beschuss des Forts fort. Als Hewett am 9. Februar das Fort stürmen ließ, war es vollständig verlassen – Mat Salleh war mit seinen Anhängern nach Tambunan geflohen. Hewett ließ das Fort komplett schleifen und zwang die Einheimischen, für die Gesellschaft ein Verwaltungsgebäude zu errichten.
Das Menggatal-Abkommen vom 23. April 1898 mini|Parang; Geschenk von Paduka Mat Salleh für W. C. Cowie während der Verhandlungen am 22. April 1898 William Clarke Cowie, der geschäftsführende Direktor der North Borneo Chartered Company, war der Ansicht, dass der Konflikt auf friedlichem Weg gelöst werden müsse. 1898 reiste er nach Nordborneo und traf sich mit Mat Salleh, um die Bedingungen für einen Waffenstillstand auszuhandeln.Owen Rutter: British North Borneo – An Account of its History, Ressources and Native Tribes. Constable & Company, London 1922; . Bundesstaat Sabah (englisch); abgerufen am 10. Oktober 2012
Zur Vorbereitung des Vertrags traf sich Mat Salleh mit Cowie am 19. April 1898 in Pulutan, um die Bedingungen für ein Abkommen auszuhandeln. Die von Mat Salleh postulierten Vorbedingungen – Freilassung aller seiner Anhänger aus dem Gefängnis und die Erlaubnis, sich mit seinen Anhängern am Inaman-Fluss dauerhaft niederzulassen – wurden von Cowie rundweg abgelehnt. Stattdessen eröffnete er Mat Salleh die Bedingungen der Company, nämlich die Aushändigung aller Waffen an die Briten und die volle Kooperation von Mat Salleh und seinen Anhängern mit der Company. Im Gegenzug würde ihnen eine vollständige Begnadigung durch die Britische Regierung gewährt.
Am folgenden Tag traf sich Mat Salleh mit Beaufort in Pengiran Kahars Haus in Menggatal, eskortiert von 200 bewaffneten Anhängern, die befürchteten, die Briten würden die Gunst der Stunde nutzen und Mat Salleh gefangen nehmen. Bei diesem zweiten Treffen wurde Mat Salleh angeboten, dass er die volle Kontrolle über das Gebiet von Tambunan bekäme – womit er indirekt seinen erblich erworbenen Herrschaftsanspruch über die Gebiete am Sugut- und Inanam-Fluss aufgeben würde. Auch die übrigen Bedingungen waren einseitig und offensichtlich ausschließlich zum Vorteil der Briten. Sie beinhalteten im Wesentlichen die Verbannung nicht willkommener Personen aus Inaman und Einsetzung neuer, der Company zugetaner Häuptlinge. Statt der Freilassung aller gefangenen Gefolgsleute boten die Briten nur die Entlassung von Shah Bandar und einem älteren Gefangenen namens Malim aus dem Gefängnis an.
Es war vorhersehbar, dass damit auch der zweite Tag der Verhandlungen ohne Ergebnis endete. Die Briten begannen ungeduldig zu werden, auch wurde die Anwesenheit der bewaffneten Krieger allmählich als bedrohlich empfunden. Die Briten drängten auf eine Entscheidung und ließen Mat Salleh ausrichten, sich bis zum nächsten Tag zu den offerierten Bedingungen abschließend zu äußern. Außerdem forderten sie Mat Salleh auf, sich am nächsten Tag ohne seine Gefolgsleute entweder in Menggatal oder an Bord der vor der Küste ankernden Regierungsschiff SS Petrel einzufinden.
Unbeeindruckt von den Drohgebärden der Briten bestand Mat Salleh zunächst darauf, die Bedingungen für das Abkommen mit seinen Anhängern entfernter liegender Orte zu beraten, entschloss sich aber dann doch, den Bedingungen der Briten zuzustimmen. Siegessicher ließen sich Cowie und Beaufort am 22. April von einer Truppe schwerbewaffneten Sikh-Polizei und britischer Soldaten von der HMS Swift nach Menggatal begleiten und hissten dort den Union Jack. Mat Salleh wohnte der Zeremonie bei und übergab den Briten, wie bereits vorher vereinbart, fünf Kanonen. Gleichzeitig überreichte er Cowie und Beaufort zwei parang, eine landestypische Mischung aus Machete und Schwert.
Am 23. April wurde schließlich das Abkommen, das nun sieben Punkte beinhaltete, unterschrieben: Paduka Mat Salleh und seine Anhänger werden mit Ausnahme derer, die aus dem Gefängnis geflohen waren und denjenigen, die ein Verbrechen begangen hatten, begnadigt. Shah Bandar und Malim werden aus dem Gefängnis in Sandakan entlassen. Die Bevölkerung aus Inaman wird vertrieben und darf nur mit der Erlaubnis der Briten dorthin zurückkehren. Die Erlaubnis dazu verteilt O.K.K. Serial oder ein anderer durch die Gesellschaft oder den Distriktoffizier benannten Führer. Paduka Mat Salleh darf in Tambunan oder jeder anderen abgeschiedenen Region mit Ausnahme des Sugut-Flusses und des Labuk-Flusses leben. Er soll darüber hinaus die örtliche Bevölkerung überzeugen, die Verwaltung der Company zu unterstützen. Paduka Mat Salleh verpflichtet sich, die Chartered Company bei der Verfolgung und Verhaftung von Kriminellen zu unterstützen. Paduka Mat Salleh verpflichtet sich, die Chartered Company über seinen jeweiligen Aufenthaltsort in Kenntnis zu setzen. Falls Pauka Mat Salleh beabsichtigen sollte, die Küstenregionen aufzusuchen, muss er sich beim zuständigen Distriktoffizier anmelden.
Die Unterzeichner des Abkommens waren Cowie und Beaufort namens der Britischen Regierung und der North Borneo Chartered Company einerseits und Paduka Mat Salleh und Datu Sahak andererseits.