mini|Hirsepflanzen mini|Coix lacryma-jobi (Hiobs-Träne) mini|Hirsekörner Hirse ist eine Sammelbezeichnung für kleinfrüchtiges Spelzgetreide mit 10–12 Gattungen. Sie gehören zur Familie der Süßgräser (Poaceae). Der früher auch männlich gebrauchte Name Hirse stammt aus dem Altgermanischen (ahd. hirsa neben hirsi und hirso) und ist von einem indogermanischen Wort für „Sättigung, Nährung, Nahrhaftigkeit“ abgeleitet (vgl. die römische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit Ceres). Hirse diente bereits vor 8000 Jahren dazu, ungesäuertes Fladenbrot herzustellen. In China wird Rispenhirse seit mindestens 4000 Jahren landwirtschaftlich genutzt. Die Rispenhirse oder Echte Hirse (Panicum miliaceum) wurde früher auch in Europa als Nahrungsmittel angebaut.
Hirsen sind, wie Mais, wärme- und lichtliebende C4-Pflanzen.
Alle Hirsearten können nach der Beschaffenheit der Körner in zwei Hauptgruppen eingeteilt werden: Sorghumhirsen (Sorghum) mit deutlich größeren Körnern und damit auch höheren Hektarerträgen (14–17 dt/ha). Millethirsen (Paniceae, auch Echte Hirsen oder Kleine Hirsen genannt). Zu diesen gehören die meisten Gattungen, z. B. Rispenhirse (Panicum), Kolbenhirse (Setaria), Perlhirse (Pennisetum), Fingerhirse (Eleusine) und Teff (Eragrostis). Die Körner dieser Gattungen sind recht klein, die Erträge entsprechend gering (ca. 7–9 dt/ha). Der Begriff „Millet“ wird überwiegend in der englischen und französischen Sprache verwendet. In Afrika spricht man häufig auch von Milo oder Milocorn.
Genutzte Arten Zu den kultivierten und genutzten Hirsen zählen folgende Arten:Taxonomische Zuordnung gemäß Artikel zur jeweiligen UnterfamilieColin W. Wrigley, Harold Corke, Koushik Seetharaman, Jonathan Faubion: Encyclopedia of Food Grains. Vol. 1, Second Edition, Academic Press, 2016, ISBN 978-0-12-803537-5, S. 16–19, .
Unterfamilie Panicoideae: Tribus Andropogoneae:Zu dieser Tribus gehören als weitere Nutzpflanzen auch Mais, Zuckerrohr und Zitronengras Sorghum Sorghumhirse, Milocorn, Milo (Sorghum bicolor (L.) Moench) einschließlich Zuckerhirse Sudangras (Sorghum × drummondii (Steud.) Millsp. & Chase) Coix Hiobsträne (Coix lacryma-jobi L.)
ebenfalls Unterfamilie Panicoideae: Tribus Paniceae: Panicum Rispenhirse, Braunhirse (Panicum miliaceum L.) Sowihirse (auch sauwi, Panicum hirticaule J. Presl, syn. Panicum sonorum Beal). Wild gesammelt und zur Subsistenzlandwirtschaft kultiviert im südwestlichen Nordamerika bis Mexiko.American Millets. In: Kenneth F. Kiple, Kriemhild Coneè Ornelas: The Cambridge World History of Food. Cambridge University Press, 2000, ISBN 0-521-40216-6 (Set).J. M. J. de Wet: Origin, evolution and systematics of minor cereals. Chapter 2, In: A. Seetharam, K. W. Riley, G. Harinarayana: Small Millets in Global Agriculture. Proceedings of the First International Small Millets Workshop, Bangalore, India, 1986, Oxford & IBH Publishing Co., New Delhi 1989, ISBN 81-204-0434-3. Kutkihirse (Panicum sumatrense Roth) Rutenhirse (Panicum virgatum L.) Afezu, Merkba (Panicum turgidum Forssk.), (Panicum laetum Kunth), (Panicum anabaptistum Steud.), afrikanische Wildsorten, welche auch als Getreide genutzt werden. Australische Hirse (Panicum decompositum R. Br.), die Wildsorte wurde früher von den Aborigines in Australien häufig genutzt.Ahmad Hasan Dani, Jean-Pierre Mohen: History of Humanity. Vol. II, UNESCO, 1996, ISBN 92-3-102811-1, S. 1056. Setaria Kolbenhirse (Setaria italica (L.) P. Beauv.) (Setaria sphacelata (Schumach.) Stapf & C.E.Hubb. ex Moss), (Setaria pumila (Poir.) Roem. & Schult.), (Setaria verticillata (L.) P. Beauv.), (Setaria finita Launert), (Setaria parviflora (Poir.) M. Kerguelen),M. Brinck, G. Belay: Cereals and Pulses. Plant Resources of Tropical Africa 1, Prota, 2006, ISBN 90-5782-170-2, S. 163.N. R. Das: Glossary Of Indian Crops. Scientific Publishers, 2013, ISBN 978-81-7233-853-4, S. 133, 215.K. R. Krishna: Agroecosystems of South India. BrownWalker Press, 2010, ISBN 978-1-59942-533-7, S. 5–8. wilde und wenig kultivierte Sorten, die in Afrika und Indien als Viehfutter und in Notzeiten genutzt werden. Pennisetum Perlhirse (Pennisetum glaucum (L.) R. Br.) Paspalum Kodohirse (Paspalum scrobiculatum L.) ist ein sehr trockenheitsresistentes Getreide, das auch auf nährstoffarmen Böden wächst. Es wird in Indien, aber auch auf den Philippinen, in Indonesien, Vietnam, Thailand und in Westafrika angebaut. Echinochloa Japanhirse, Sawahirse (Echinochloa frumentacea Link), wird in Ägypten, Indien, Kaschmir und Sikkim angebaut und als Nahrungsmittel verwendet. In den USA, Afrika und Kanada wird es größtenteils als Futtermittel für Vieh und als Vogelfutter genutzt. Japan-Hühnerhirse, auch Japanhirse (Echinochloa esculenta (A. Braun) H. Scholz), wird in kleinem Maßstab in Japan, China und Korea sowohl als Nahrung als auch als Tierfutter angebaut, als Grünfutter auch in Australien und den USA. Hühnerhirse (Echinochloa crus-galli (L.) P. Beauv.), die wilde Stammform von Echinochloa esculenta. Wurde im Neolithikum besammelt, heute gefürchtetes Unkraut im Reis (nach FAO drittwichtigste Unkrautpflanze weltweit), nicht angebaut oder kultiviert.Salej Sood, Rajesh K. Khulbe, Arun K. Gupta, Pawan K. Agrawal, Hari D. Upadhyaya, Jagdish C. Bhatt (2015): Barnyard millet – a potential food and feed crop of future. Plant Breeding 134: 135–147. doi:10.1111/pbr.12243 Burgu, Bourgou, Banti (Echinochloa stagnina (Retz.) P. Beauv.). Früher im Nigerdelta als Wildgetreide geerntet, nicht kultiviert. Heute nur noch als Viehfutter. Schamahirse, Chindumba (Echinochloa colona (L.) Link), in Indien und Ostafrika, wird aber selten genutzt. Die wilde Stammform von Echinochloa frumentacea. Antilopengras (Echinochloa pyramidalis (Lam.) Hitchc. & Chase.), selten genutztes Wildgetreide in Teilen Afrikas, wird nicht kultiviert. DigitariaDie Gattung Digitaria wird gemäß Übersetzung des botanischen Namens auch als Fingerhirse bezeichnet Foniohirse, Weißer Fonio (Digitaria exilis (Kippist) Stapf), Schwarzer Fonio (Digitaria iburua Stapf), Grundnahrungsmittel in einigen Regionen Westafrikas mit armen Böden, wie Ost-Senegal, West-Burkina Faso, Süd-Mali, Süd-Niger, Nordost-Nigeria und Kamerun. Raishan (Digitaria compacta) (Digitaria cruciata), nur in Nordostindien genutzt.Ghillean Prance, Mark Nesbitt: The Cultural History of Plants. Routledge, 2005, ISBN 0-415-92746-3, S. 54 ff.Hirsesorten auf heimbiotop.de, abgerufen am 21. April 2022. Blutrote Fingerhirse (Digitaria sanguinalis) Urochloa (Urochloa panicoides P. Beauv.), nur in Gujarat, Indien. (Urochloa mosambicensis (Hack.) Dandy), (Urochloa trichopus (Hochst.) Stapf), (Urochloa brizantha (Hochst. ex A. Rich.) R. Webster) Syn.: Brachiaria brizantha (A. Rich.) Stapf, werden als Wildgetreide in Teilen Afrikas genutzt, nicht kultiviert. Brachiaria Guinea-Hirse, Kolo (Brachiaria deflexa (Schumach.) C. E. Hubb. ex Robyns), nur lokal in Guinea.John H. Wiersema, Blanca León: World Economic Plants. Second Edition, CRC Press, 2013, ISBN 978-1-4665-7681-0, S. 109 f. Braune Hirse, Anda Cora (Brachiaria ramosa (L.) Stapf), nur in Südindien kultivierte Sorte.
Unterfamilie Chloridoideae: Tribus Eragrostideae: Eleusine Fingerhirse (Eleusine coracana (L.) Gaertn.) Eragrostis Teff (Eragrostis tef (Zucc.) Trotter) Eragrostis pilosa (L.) P. Beauv. Vermutlich die wilde Stammart von Teff, gelegentlich als Wildgetreide in Ostafrika genutzt, nicht kultiviert.Lost Crops of Africa. Volume I: Grains, The National Academies Press, 1996, ISBN 0-309-04990-3, S. 251–272.
Nutzung mini|Zuckerhirse (Sorghum bicolor), im Feld. Die wirtschaftlich wichtigsten Hirsen sind die Perlhirse, die Sorghumhirse (auch Zuckerhirse), die Fingerhirse, die Rispenhirse, die Kolbenhirse und der Teff, auch Zwerghirse genannt.
Nahrungs- und Futtermittel Die Rispenhirse, die in Europa seit der Bronzezeit genutzt wird, ist ein sehr mineralstoffreiches Getreide. In Hirse sind Fluor, Schwefel, Phosphor, Magnesium, Kalium und im Vergleich zu anderen Getreidearten besonders viel Silizium (Kieselsäure), Eisen und B-Vitamine enthalten.
Hirse und Sorghum können mit einem Gesamtphenolgehalt von ca. 35 bis 50 mg/100 g (Ferulasäureäquivalente in der Trockenmasse) sehr hohe Mengen an phenolischen Substanzen enthalten, denen überwiegend eine gesundheitsförderliche Wirkung zugesprochen wird.Studie von Bagdi et al. (2011) bzw. von Taylor et al. (2006), zitiert nach Emmerich Berghofer, Regine Schönlechner und Julia Schmidt: Neue Verfahren und Techniken bei der Lebensmittelherstellung und Lebensmittelversorgung - Bedeutung für Konsumentinnen und Konsumenten; Abschnitt Gefärbte Hirse und Sorghum, Seite 179; Herausgeber Bundesministerium für Gesundheit, Sektion II, Wien; Juli 2015. In: hpslex.de Sie verringern den glykämischen Index und führen häufig zu einer Senkung des Blutcholesterinspiegels. Unter Umständen verringert sich bei regelmäßigem Konsum das Risiko des Auftretens von Speiseröhrenkrebs (im Vergleich zur Aufnahme von Weizen und Mais).Van Rensburg (1981) und Chen et al. (1993), zitiert nach Emmerich Berghofer, Regine Schönlechner und Julia Schmidt: Neue Verfahren und Techniken bei der Lebensmittelherstellung und Lebensmittelversorgung - Bedeutung für Konsumentinnen und Konsumenten; Abschnitt Gefärbte Hirse und Sorghum, Seite 179; Herausgeber Bundesministerium für Gesundheit, Sektion II, Wien; Juli 2015. In: hpslex.de In Hirse sind sortenabhängig in unterschiedlicher Konzentration Flavonoide (Polyphenole) und Dhurrin enthalten, die allerdings, ähnlich wie Sojabohnen oder Maniok, die Aufnahme von Jod aus der Nahrung behindern und so die krankhafte Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) fördernLiuska Pesce and Peter Kopp (2014): Iodide transport: implications for health and disease. International Journal of Pediatric Endocrinology 2014:8 doi:10.1186/1687-9856-2014-8. Besonders eine zu einseitige Ernährung sowie Verunreinigungen von Luft und Wasser, welche eine niedrige Jodversorgung auch in Entwicklungsländern begleiten, tragen mit dazu bei.
Im Handel üblich ist die von Schalen befreite Hirse („Goldhirse“). Es gibt daneben die ungeschälte Hirse, in der die meisten an den Schalen haftenden Mineralstoffe und Spurenelemente erhalten sind, sowie die dunkelschalige Braunhirse. Möglicherweise ist jedoch der Blausäuregehalt, besonders bei roher Hirse, nicht ganz unbedenklich.agrarheute.com am 12. Juli 2021: Mit Hirse in Dürrejahren Rinder füttern? – Blausäuregehalt Hirse kann zur Herstellung glutenfreier Backwaren verwendet werden. In vielen Gebieten Afrikas und Asiens sind die unterschiedlichen Hirsearten Hauptnahrungsmittel, werden allerdings zunehmend durch Mais verdrängt. Kolbenhirse dient als Nahrung und in Osteuropa als Viehfutter, in Europa und Nordamerika zudem als Vogelfutter für die Ziervogelhaltung.
Hirse ist darüber hinaus die Grundlage einiger traditioneller Biere, zum Beispiel Dolo in Westafrika, Pombe in Ostafrika und Merisa im Sudan. In Äthiopien und Eritrea ist die Hirseart Teff (Eragrostis tef) die wichtigste Nahrungspflanze der Menschen. Industriell wird Hirse von einigen spezialisierten Brauereien zur Herstellung von glutenfreiem Bier für Menschen mit Zöliakie oder anderen Formen der Glutenunverträglichkeit genutzt. In China werden aus Hirse eine Reihe von Spirituosen gebrannt, die Baijiu genannt werden; der bekannteste chinesische Hirseschnaps ist Maotai.
Industrielle Nutzung
Für die industrielle Nutzung ist vor allem die Sorghumhirse von Interesse. Neben den Samen wird bei ihr auch der Halm zur Herstellung von Naturfasern genutzt (Faserhirse).
In den USA werden große Hoffnungen in die Rutenhirse als Lieferant von Cellulose-Ethanol gesetzt. Die Sorghumhirse gilt aufgrund der großen und kohlenhydratreichen Biomasse als aussichtsreiche Energiepflanze zur Biogaserzeugung, vor allem in trockenen Lagen.Technologie- und Förderzentrum (TFZ): Sorghum für die Verwendung in Biogasanlagen., TFZ, Straubing 2010.
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