Entoloma subg. Entoloma, wie die Gattung Entoloma auch Rötlinge genannt, ist eine umfangreiche Untergattung aus der Gattung der Rötlinge, die in die acht Sektionen Entoloma, Nolanidea (Frühlingsrötlinge), Polita, Rhodopolia, Sphagnophila, Pseudonolanea, Pallideradicata und Turfosa sowie mehrere Untersektionen und Stirpse gegliedert ist.

Die Typusart ist der Mehl-Rötling (Entoloma prunuloides).

Merkmale Makroskopische Merkmale Die Untergattung Entoloma beinhaltet Arten mit ritterlingsartigen, seltener rüblings- oder nabelingsartigen Fruchtkörpern. Der gewölbte oder flach-gewölbte Hut hat häufig einen ausgeprägten Buckel, kann aber auch abgeflacht bis deutlich niedergedrückt geformt sein. Er verändert seine Farbe beim Abtrocknen (hygrophan) oder nicht. Je nach Dicke des Fleischs (Trama) scheinen die Lamellen von oben als Riefung durch. Die Oberfläche ist glatt oder nur in der Mitte schwach locker-faserig behaart. Selten hat sie eine mehr oder weniger fein gefältelte Struktur.

Mikroskopische Merkmale Die Hutdeckschicht (Pileipellis) ist eine Cutis oder Ixocutis aus schmalen, zylindrischen Pilzfäden (Hyphen). Sie haben einen Durchmesser von 2 bis 7 µm und sind vor allem in den Endzellen etwas breiter. Die Subcutis ist gut entwickelt oder nicht. Sofern vorhanden, besteht sie aus breiten, aufgeblasenen Elementen, die an den Querwänden (Septen) häufig eingeschnürt sind. Sie sind 20–100 µm lang und 6–25 µm breit. Die Trama der Lamellen und des Huts setzt sich aus kurzen, zylindrischen bis aufgeblasenen Elementen zusammen. Sie haben eine Länge von 20 bis 100 µm, selten mehr. Das Pigment ist im Zellsaft gelöst (intrazellulär), außen auf der Hyphenwand aufgelagert (inkrustierend) oder in der Zellwand enthalten (parietal) und tritt des Öfteren in Kombination auf, allerdings häufig mit unterschiedlicher Topografie. Schnallen sind an den Hyphensepten meist reichlich vorhanden.

Systematik Im Jahre 1838 beschrieb Elias Magnus Fries die Tribus Entoloma der Gattung Agaricus. 1844 stellte Gottlob Ludwig Rabenhorst das Taxon auf den Rang einer Untergattung. 1871 kombinierte Paul Kummer Entoloma als Gattung um. 15 Jahre später übertrug Lucien Quélet das Taxon als Untergattung in die Gattung Rhodophyllus. Nach weiteren 3 Jahren stellte Joseph Schröter die Ug. Entoloma in die Gattung Hyporrhodius. Im Jahre 1943 beschrieb Henri Romagnesi das Synonym Rhodophyllus subgenus Romagnesia. Die Untergattung beinhaltet die Typusart der Gattung Entoloma und erhält deshalb automatisch den Namen der übergeordneten Gattung (Autonym).

Sektion Entoloma Die Sekt. Entoloma umfasst Arten, deren fleischige Fruchtkörper einen ritterlingsartigen Habitus besitzen. Der Hut ist hygrophan oder nicht und hat entweder keinen oder nur einen undeutlich durchscheinend gerieften Rand. Die Arten fruktifizieren im Herbst.

Hier befinden sich die Rötlinge mit den größten Fruchtkörpern, darunter beispielsweise der Lilablaue Rötling (Entoloma bloxamii) und der Riesen-Rötling (Entoloma sinuatum).

Manche Arten, die früher dieser Sektion zugerechnet wurden, haben eher kleine, isodiametrische Sporen mit relativ dünnen, leicht cyanophilen Wänden, ähnlich dem Sporentyp der Sektion Turfosa und der Gattung Tellerlinge (Rhodocybe). Machiel E. Noordeloos' Überlegungen gingen deshalb in die Richtung, diese Taxa in die Gattung der Tellerlinge zu transferieren. 2011 wurden die entsprechenden Taxa (gemeinsam mit Taxa aus der Sektion Turfosa) auf der Grundlage phylogenetischer Analysen in die neue Gattung Entocybe umkombiniert.

Untersektion Entoloma mini|Lilablauer Rötling(Entoloma bloxamii) Die Untersektion Entoloma beinhaltet überwiegend bekannte Arten mit relativ kleinen, gleichmäßig symmetrischen (isodiametrischen) und in der Seitenansicht (4–)6-eckigen Sporen. Taxa mit Sporen, die manchmal auf Rasterelektronenmikroskopaufnahmen ein unvollständiges Netz zeigen, was einen Übergang zum Sporentyp der Tellerlinge (Rhodocybe) darstellt, werden seit 2011 nicht mehr zur Gattung Entoloma, sondern zur Gattung Entocybe gezählt, darunter der Stahlblaue Rötling (Entocybe nitida). Die Arten in der Untersektion Sinuata haben deutlich größere und anders geformte Sporen mit ausgeprägteren Ecken und ein für Rötlinge typisches, vollständiges Rippenskelett.

Lilablauer Rötling – Entoloma bloxamii Entoloma bloxamii f. caesiolamellatum Mausgrauer Rötling – Entoloma myochroum Mehl-Rötling – Entoloma prunuloides Entoloma prunuloides var. obscurum Isabell-Rötling – Entoloma rubellum Olivgrüner Rötling – Entoloma viridans

Untersektion Sinuata In der Untersektion Sinuata sind Arten mit iso- bis heterodiametrischen und in der Seitenansicht 5–7-(–8)-eckigen Sporen gruppiert.

Entoloma alcedicolor Gelbfuß-Rötling – Entoloma luteobasis Rotfleckender Rötling – Entoloma moserianum Entoloma olidum Riesen-Rötling – Entoloma sinuatum

Sektion Nolanidea (Frühlingsrötlinge) mini|Gestreifter Frühlings-Rötling(Entoloma aprile) mini|Silbergrauer Rötling(Entoloma saundersii) Diese Sektion wurde hauptsächlich für eine Gruppe ähnlicher Arten geschaffen, die sich spezielle ökologische Ansprüche teilen. Sie wachsen alle bei Rosen-, Ulmen- sowie Weidengewächsen und bilden mit den Vertretern dieser Familien eine spezielle Ektomykorrhiza. In Europa fruktifiziert die Gruppe vom späten Winter bis ins Frühjahr.

Ihre Fruchtkörper-Morphologie liegt mehr oder weniger zwischen der Sekt. Entoloma und der rhodopolium-Gruppe. Einige Taxa haben einen nicht hygrophanen Hut mit lockeren-faserigen Stellen wie der Silbergraue Rötling und bis zu einem gewissen Grad auch der Blassbraune Rötling. Die anderen Arten besitzen dagegen einen glatten, hygrophanen Hut wie E. rhodopolium und dessen Verwandte.

Die Artabgrenzung ist bisweilen schwierig und führt häufig zu Verwirrung, besonders im Hinblick auf den Schild-Rötling und den Gestreiften Frühlings-Rötling. Häufig auftretende, blasse Exemplare verstärken die Vermutung, dass es sich beim Schneeweißen Frühlings-Rötling lediglich um eine Albinoform des Schild-Rötlings handelt.

Der sehr ähnliche Silbergraue Rötling mit seinem schwach hygrophanen Hut hat vor allem eine glimmerige bis locker-faserige Bedeckung und ist mikroskopisch durch große, vieleckige Sporen gekennzeichnet. Auch öffnen sich die Hüte häufig schon, wenn sie teils noch in der Erde stecken, weshalb die reifen Fruchtkörper mit Erdpartikeln bedeckt sind.

Darüber hinaus existiert mit dem Blassbraunen Rötling eine weitere ähnliche Art, die Fruchtkörper mit blassen, stark hygrophanen, glatten Hüten und rötlich fleckenden Druckstellen besitzt. Die Guaiac-Farbreaktion scheint jedoch unbeständig zu sein, weshalb sie sich nicht dazu eignet, die Arten in der Sekt. Noladinea voneinander zu unterscheiden.

Gestreifter Frühlings-Rötling – Entoloma aprile Schild-Rötling – Entoloma clypeatum Entoloma clypeatum f. hybridum Entoloma clypeatum f. pallidogriseum Entoloma clypeatum f. xanthophyllum Entoloma clypeatum var. defibulatum Entoloma clypeatum var. hybridum Schneeweißer Frühlings-Rötling – Entoloma niphoides Silbergrauer Rötling – Entoloma saundersii Blassbrauner Rötling – Entoloma sepium

Sektion Pallideradicata In der Sektion Pallideradicata sind Fruchtkörper mit (schlankem) ritterlingsartigem Habitus, konischem bis polsterförmigem Hut, angehefteten bis überwiegend freien Lamellen und einen relativ schlanken Stiel gruppiert. Der nicht oder schwach hygrophane Hut hat keine durchscheinende Riefung und eine glatte bis seidig glänzende oder sehr deutlich radial adrige Oberfläche, die weiß oder sehr blass gefärbt ist. Die Sporen sind heterodiametrisch. Die Lamellenschneiden sind entweder fertil oder heterogen. Cheilozystiden sind entweder vorhanden oder fehlen, Pleurozystiden fehlen. Die Huthaut ist eine gut differenzierte (Ixo-)Cutis aus schmalen, zylindrischen Hyphen mit intrazellulärem und/oder parietalem Pigment. Die Trama besteht aus relativ langen Hyphen. Schnallen an den Hyphensepten fehlen.

mini|Entoloma bicolor Ursprünglich enthielt diese Sektion nur eine einzige europäische Art sowie mutmaßliche Verwandtschaften mit außereuropäischen Taxa wie Entoloma bicolor Massee aus Singapur und Rhodophyllus irinus Romagn. & Gilles sowie R. rigens Romagn. & Gilles aus dem tropischen Afrika. Die Neubeschreibung des Risspilz-Rötlings liefert Material für neue Spekulationen. Diese Art teilt in ihrem aktuellen Konzept einige interessante Merkmale mit Entoloma pallideradicatum. Dazu zählen der blasse, nicht hygrophane Hut mit der cutis-ähnlichen Hutdeckschicht, heterodiametrische Sporen und fehlende Schnallen. Außerdem haben beide Arten eine Trama, die nicht typisch rötlingsartig aus relativ langen Elementen aufgebaut ist. Deshalb wurde beschlossen, das Konzept der Sektion Pallideradicata hier leicht zu korrigieren, um Entoloma eximium zu integrieren. Trotzdem bleibt die systematische Stellung der Sektion unklar. Machiel E. Noordeloos (2004) stimmt mit Eyssartier et al. überein, die Art enger in der Ug. Entoloma zu platzieren.

Risspilz-Rötling – Entoloma eximium Entoloma pallideradicatum

Sektion Pseudonolanea Die Sekt. Pseudonolanea umfasst Fruchtkörper mit helmlings- oder rüblingsartigem, seltener ritterlingsartigem Habitus. Sie erinnern oftmals an eine Art aus der Ug. Nolanea wie der Seidige Glöckling, aber das Fleisch besteht aus typisch rötlingsartigen, kurzen und würstchenförmigen Elementen.

Diese Sektion vereint eine recht große Zahl an Arten mit relativ kleinen Fruchtkörpern. Viele davon kommen in höheren Lagen vor und zählen offensichtlich zur Funga der arktischen Tundra und (sub)alpinen Vegetation. Bei einigen Arten wurden mykorrhizaartige Verbindungen mit Zwergsträuchern aus den Gattungen Birken und Weiden nachgewiesen. Möglicherweise interagieren die Pilze auch mit dem Knöllchen-Knöterich. Darüber hinaus wurden kürzlich mehrere Arten in niedrigeren Höhenlagen entdeckt, sogar in mediterraner Buschvegetation, die möglicherweise mit Zistrosen in Verbindung stehen. Einige Arten sind durch ihr Nolanea-artiges Aussehen sehr schwer auseinanderzuhalten, weshalb für eine erfolgreiche Bestimmung eine vollständige mikroskopische Untersuchung des Tramaaufbaus erforderlich ist.

Entoloma alnobetulae Alpen-Rötling – Entoloma alpicola Entoloma anthracinellum Entoloma atroenigmaticum Schwarzseidiger Rötling – Entoloma atrosericeum Entoloma atrosericeum var. fusipes Entoloma bicorne Entoloma bipellis (beschrieben als bipelle) Entoloma borgenii Entoloma philocistus Entoloma rimulosum Entoloma subarcticum Entoloma subarcticum var. obscurum Entoloma subsepiaceum Entoloma svalbardense Starkgebuckelter Rötling – Entoloma valdeumbonatum Noordeloos & Meusers 2004 Entoloma vindobonense

Sektion Polita Die Sekt. Polita umfasst innerhalb der Ug. Entoloma eine kleine Artengruppe, die durch eher voneinander abweichende Habitate gekennzeichnet ist. Die rüblings- und manchmal nabelingsartigen Fruchtkörper haben einen konvex-genabelten bis trichterförmigen Hut. Die Lamellen sind in der Regel breit am Stiel angeheftet, selten ausgebuchtet mit einem kurzen herablaufenden Zahn und manchmal deutlich herablaufend. Der Stiel ist nicht faserig und faserig-gerieft wie bei den Arten anderer Sektionen, aber mehr oder weniger poliert wie bei vielen Arten der Ug. Leptonia. Sie wachsen häufig in Gruppen an feuchten und sumpfigen Stellen unter verschiedenen Bäumen wie z. B. Erlen, Eschen und Weiden, aber auch in Eichen- und Buchenwäldern. Einige Fruchtkörper riechen entweder stark nitrös oder ranzig-mehlig und können mit kleinen Exemplaren der rhodopolium-Gruppe verwechselt werden. Die Mikromorphologie in der Sekt. Polita ähnelt stark den Merkmalen in der Sekt. Rhodopolia. Die Struktur der Huthaut und des Kontexts ist gleich. Das Pigment ist meist intrazellulär.

Anthrazit-Rötling – Entoloma anthracinum Entoloma bisporigerum Ranziger Feuchtstellen-Rötling – Entoloma caccabus Frankenstein-Rötling – Entoloma caeruleopolitum