mini|Heike-Melba Fendel (2022) Heike-Melba Fendel (* 12. Juli 1961 in Köln) ist eine deutsche Schriftstellerin, Journalistin, Filmschauspielerin und Gründerin der Künstler- und PR-Agentur Barbarella Entertainment. Neben ihrer Tätigkeit in der Film- und Medienbranche veröffentlicht sie Romane, Essays und journalistische Beiträge, insbesondere zu Film, Feminismus und gesellschaftlichen Fragen.

Leben und beruflicher Werdegang Jugend und Ausbildung Fendel wuchs in Köln auf und verließ mit 17 Jahren ihr Elternhaus, um in ein besetztes Haus im Belgischen Viertel zu ziehen. Dort drehte sie mit Freunden experimentelle Super-8-Filme, in denen sie unter anderem als vermeintlich berühmte amerikanische Schauspielerin auftrat. Für diese Filmfigur wählte sie den Namen Melba Crown, dessen Vorname anschließend zu ihrem eigenen Namen wurde.

Nach dem Abitur an der Gesamtschule Köln-Chorweiler ging sie im Alter von 19 Jahren nach New York, wo sie Schauspielunterricht bei Lee Strasberg nahm und zwei Jahre als Gogo-Tänzerin arbeitete. Später studierte sie Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität zu Köln.

Künstleragentur und Filmbranche mini|Von links nach rechts: Heike-Melba Fendel, die Galeristen Franz Dahlem und Brigitte Schenk sowie der Künstler Günther Förg bei einer Feier im Anschluss an den Kölner Kunstmarkt (1984) Im Jahr 1991 gründete Fendel die Veranstaltungs-, PR- und Künstleragentur Barbarella Entertainment GmbH, die sich auf die Vertretung von Schauspielern und Fernsehmoderatoren sowie auf die Organisation von Veranstaltungen spezialisierte. Die Agentur entstand zunächst als künstlerisches Projekt mit drei weiteren Frauen und entwickelte sich zu einem Unternehmen mit Büros in Köln und Berlin. Zu ihren frühen Klienten gehörten die Schauspielerin Esther Schweins und der Moderator Max Moor.

Für die deutsche Einführung der Fernsehserie Twin Peaks organisierte Fendel 1991 gemeinsam mit drei Freundinnen Vorführungen in zehn deutschen Kinos. Während der Fernsehausstrahlung des Pilotfilms wurde die Telefonnummer ihres Kölner Büros eingeblendet, unter der Zuschauer Fragen zum Inhalt der Serie stellen konnten; daraufhin gingen dort über Wochen zahlreiche Anrufe ein.

Im Jahr 1999 eröffnete die Agentur ein Büro in Berlin. 2017 beschäftigte Barbarella Entertainment 15 Mitarbeiter in Köln und Berlin und vertrat unter anderem Matthias Brandt, Maria Furtwängler, Dunja Hayali und Ingo Zamperoni. Fendel organisierte zudem Galas und Preisverleihungen wie den Bayerischen Filmpreis und den Deutschen Theaterpreis. Sie moderiert außerdem Festivals, Filmpremieren und Podiumsgespräche, tritt als Gast in Talkformaten der ARD und des ZDF auf und unterrichtet an Filmhochschulen sowie in Fortbildungsseminaren.

Fendel trat auch selbst als Schauspielerin auf, unter anderem in Johnny Flash an der Seite von Helge Schneider und in Als Susan Sontag im Publikum saß von RP Kahl. Seit dem Sommer 2022 veranstaltet sie außerdem Pop-up-Kinovorführungen in Berliner Stadtvierteln, darunter am Mehringplatz und in der Thermometersiedlung.

Seit der Gründung ist Fendel Geschäftsführerin und Inhaberin von Barbarella Entertainment; die Geschäftsführung teilt sie mit Lis Miebach. Auch 2025 war sie als Geschäftsführerin der Agentur tätig.

Journalistische und literarische Arbeit Fendel begann 1985, hauptberuflich als Journalistin und Filmkritikerin zu arbeiten. Sie schrieb Kolumnen für die Musikzeitschrift Spex und das Süddeutsche Zeitung Magazin, Kritiken und Interviews für epd Film sowie Erzählungen für Anthologien des Verlags Kiepenheuer & Witsch. Ihre frühen journalistischen und literarischen Arbeiten beschäftigten sich insbesondere mit Film und Frauen.

In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte sie Essays, Erzählungen und journalistische Beiträge unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, im Tagesspiegel, in epd Film und in taz FUTURZWEI. Zudem ist sie regelmäßig im politischen Feuilleton des Deutschlandfunks zu hören und verfasst Beiträge für Publikationen der Verlage Bertz + Fischer, Suhrkamp und Hanser Berlin.

Im Jahr 2009 erschien bei Hoffmann und Campe ihr erster Roman nur die – Ein Leben in 99 Geschichten, der das Leben einer Frau in 99 einzelnen Geschichten erzählt. Ihr zweiter Roman Zehn Tage im Februar erschien 2017 im Aufbau Verlag und spielt vor dem Hintergrund der Berlinale. Er erzählt von einer Frau, deren Leben und persönliche Beziehungen vom Kino geprägt sind.

Fendel gehörte zur Redaktion und zum Autorinnenkollektiv der feministischen Kolumne 10 nach 8 – politisch, poetisch, polemisch auf Zeit Online. Die Kolumne erschien zehn Jahre lang und endete am 4. Februar 2025 mit einem gemeinsamen Abschiedstext der Redakteurinnen. Im selben Monat erschien im Leykam Buchverlag die von Caroline Kraft und Elisabeth Wellershaus herausgegebene Anthologie Politisch, poetisch, polemisch. Texte zur feministischen Gegenwart, die Beiträge aus der Kolumne versammelt.

Auch für Deutschlandfunk Kultur verfasste Fendel gesellschaftliche Essays, darunter 2022 Genug gewohnt! über den Rückzug ins Private während der COVID-19-Pandemie und die wachsende Bedeutung des Wohnens. Seit 2023 führt sie zudem im Rahmen des Literaturprojekts Weiterschreiben einen veröffentlichten Briefwechsel mit der afghanischen Autorin Naeema Ghani.

Gesellschaftliches Engagement und öffentliche Debatten Im Jahr 2016 gründete Fendel gemeinsam mit anderen Frauen das Aktionsbündnis Wir machen das, dessen Vorstand sie angehörte. Das Bündnis aus Initiativen, Einzelpersonen und Institutionen setzt sich für die Rechte und Bedürfnisse geflüchteter Menschen sowie deren gesellschaftliche Teilhabe ein. Für ihr Engagement wurde Fendel im Juni 2016 vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement zur Engagement-Botschafterin ernannt.

Im November 2017 nahm Fendel an einer Diskussion über die #MeToo-Bewegung in der Fernsehsendung Anne Will teil. Anschließend erläuterte sie ihre Position zur Debatte in Interviews, Gesprächsrunden und publizistischen Beiträgen. Unter anderem veröffentlichte sie Ende 2017 den Essay Die Rückseite des Begehrens im Freitag und im Februar 2018 den Beitrag Heult doch! Wie die Hollywood-Prominenz mit ihrer Opferbewegung Fakten schafft in der Neue Zürcher Zeitung. Fendel forderte eine differenziertere Betrachtung sexueller Gewalt und ihrer gesellschaftlichen Ursachen, damit die öffentliche Auseinandersetzung zur Beseitigung von Missständen beitrage und nicht bei Empörung oder individueller Aufarbeitung stehen bleibe.

In einem Interview anlässlich der 75. Berlinale im Februar 2025 wandte sich Fendel dagegen, Filme und Filmfestivals vorrangig anhand ihres Skandalpotenzials zu betrachten, und betonte die Bedeutung des gemeinschaftlichen Kinoerlebnisses. Im selben Gespräch kritisierte sie, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit für sexuelle Gewalt häufig auf prominente Betroffene konzentriere, während Missbrauch in anderen gesellschaftlichen Bereichen weniger Beachtung finde. Sie befürwortete Geschlechtergerechtigkeit, äußerte jedoch Vorbehalte gegenüber Frauenquoten als alleiniger Maßnahme und hob die Bedeutung struktureller Veränderungen hervor, insbesondere beim Umgang mit Machtgefällen in der Filmbranche.

Am 16. September 2026 veröffentlichte die taz Fendels Essay Haben Frauen Männer aufgegeben? über Heterofatalismus, sogenannte Tradwives und die Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Darin stellte sie die Ablehnung von Männern und die Unterordnung unter deren Bedürfnisse als gegensätzliche Haltungen dar, deren gemeinsame Bezugsgröße weiterhin der Mann sei. Zugleich hinterfragte sie die Vorstellung eines dauerhaft zu bewahrenden romantischen Happy Ends, wie sie insbesondere durch das Kino vermittelt werde.

Privates Fendel lebte lange Zeit abwechselnd in Köln und Berlin, bevor sie im Oktober 2023 vollständig nach Berlin zog. Ihr Stiefbruder war der Lehrer, YouTuber und Autor Gunnar Kaiser (1976–2023), mit dem sie 2021 in einem Interview der Welt über ihre unterschiedlichen Auffassungen zu den Maßnahmen während der COVID-19-Pandemie diskutierte. Ihre Tochter ist die Unternehmerin Pola Fendel.

Filmografie Darstellerin 1986: Johnny Flash 2002: Dienstreise – Was für eine Nacht 2003: Besucherin (Kurzfilm) 2010: Revision – Apocalypse II 2015: Heil 2022: Als Susan Sontag im Publikum saß

Produzentin 2001: Skilled (Kurzfilm)

Schriften Bücher nur die – Ein Leben in 99 Geschichten. Hoffmann und Campe, Hamburg 2009, ISBN 978-3-455-40191-2. Zehn Tage im Februar. Aufbau Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-351-05037-5.

Beiträge in Sammelbänden Beitrag in: Peter Glaser (Hrsg.): Rawums. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1984; Neuauflage 2003, ISBN 978-3-462-03349-6. Beitrag in: Hubert Winkels (Hrsg.): Mord-Stories. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1986, ISBN 3-462-01754-3. Von künftigen Gebäuden und städtischen Lebenswelten. In: Dirk Matejovski (Hrsg.): Metropolen: Laboratorien der Moderne. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN 978-3-593-36600-5. Beitrag in: Sabine Horst, Constanze Kleis (Hrsg.): Göttliche Kerle. Bertz Verlag, Berlin 2002, ISBN 978-3-929470-22-2. Melina Mercoury. In: Gabriele Jatho, Hans Helmut Prinzler (Hrsg.): Traumfrauen – Stars im Film der fünfziger Jahre. 2006. Ertrotzte Jugend – Mädchen und Backfische, Girls und Flapper. In: Gabriele Jatho, Rainer Rother (Hrsg.): City Girls – Frauenbilder im Stummfilm. Bertz + Fischer, Berlin 2007, ISBN 978-3-86505-177-6. Beitrag in: Claudia Lenssen, Bettina Schoeller-Bouju (Hrsg.): Wie haben Sie das gemacht? – Aufzeichnungen zu Frauen und Filmen. Schüren, Marburg 2014, ISBN 978-3-89472-881-6. Beitrag in: Susanne Gretter (Hrsg.): Diesmal bei uns – Neue Weihnachtsgeschichten. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-518-46534-9. Beitrag in: Lina Muzur (Hrsg.): Sagte sie. 17 Erzählungen über Sex und Macht. Hanser Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-446-26074-0. Beitrag in: Caroline Kraft, Elisabeth Wellershaus (Hrsg.): Politisch, poetisch, polemisch. Texte zur feministischen Gegenwart. Leykam, Graz 2025.

Weitere Veröffentlichungen Seit 2023: Weiterschreiben. Briefwechsel zwischen Heike-Melba Fendel und Naeema Ghani. 2026: Haben Frauen Männer aufgegeben? In: taz FUTURZWEI, 16. September 2026.

Weblinks

Heike-Melba Fendel – Biografie auf der Website von Barbarella Entertainment

Heike-Melba Fendel – Autorinnenseite bei Zeit Online 10 nach 8. Politisch, poetisch, polemisch – Kolumne auf Zeit Online Beiträge von Heike-Melba Fendel im Tagesspiegel „Erfolg ist der Sargnagel“ – Interview in der Welt am Sonntag vom 18. Oktober 2015

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