Linienfarbe Purpurrot Eröffnungsjahr 1863 Linientyp Unterpflasterbahn Stationen 34 Depot Neasden Fahrzeuge S Stock Fahrgäste 66.779.000 (2011/12)London Underground – Performance Data. Transport for London (Performance Data Almanac). Abgerufen am 24. April 2016.

Die Metropolitan Line ist eine U-Bahn-Linie der London Underground, die Aldgate in der City of London mit Amersham verbindet; Zweigstrecken führen nach Chesham, Uxbridge und Watford. Sie ist 66,7 km lang und bedient 34 Stationen in Greater London sowie in nordwestlich daran angrenzenden Regionen. Den Abschnitt zwischen Aldgate und Baker Street teilt sie mit der Circle Line, jenen zwischen Rayners Lane und Uxbridge mit der Piccadilly Line und den zwischen Harrow und Amersham mit der Eisenbahngesellschaft Chiltern Railways. Neben der Central Line ist die Metropolitan Line die einzige Underground-Linie, die die Grenze von Greater London überschreitet.

1863 nahm die Metropolitan Railway die weltweit erste U-Bahn zwischen Paddington und Farringdon in Betrieb. Zur wichtigsten Strecke entwickelte sich diejenige nordwestlich von Baker Street in den ländlichen Raum der Grafschaften Middlesex, Hertfordshire und Buckinghamshire. Die zentrumsnahen Streckenabschnitte wurden bis 1907 elektrifiziert, jenseits von Harrow verkehrten aber bis 1961 weiterhin mit Dampflokomotiven bespannte Züge. Nachdem die Metropolitan Railway 1933 im London Passenger Transport Board aufgegangen war, wurde die Strecke schrittweise verkürzt. Seit 1990 wird die zuvor zur Metropolitan Line gehörende Strecke zwischen Hammersmith und Barking als Hammersmith & City Line eigenständig geführt.

Zwischen Aldgate und Finchley Road ist die Strecke als Unterpflasterbahn ausgeführt und verläuft somit unmittelbar unter der Erdoberfläche. Neun von 34 Stationen liegen im Tunnel. Der Großteil der Linie ist zweigleisig, mit Ausnahme des eingleisigen Abzweigs nach Chesham und einem viergleisigen Abschnitt zwischen Wembley Park und Moor Park. Auch der Abschnitt zwischen Wembley Park und Finchley Road ist viergleisig; dort werden jedoch die inneren Gleise von den Zügen der Jubilee Line befahren (seit 1979; von 1939 bis 1979 durch die Bakerloo Line).

Es gab Planungen, die Zweigstrecke nach Watford über den Croxley Rail Link nach Watford Junction umzuleiten. Die Bauarbeiten sollten 2016 beginnen und 2020 abgeschlossen sein. Die Umsetzung ist aber letztlich an der Finanzierung gescheitert.

Geschichte mini|Bau der Metropolitan Railway nahe King’s Cross, 1861 Metropolitan Railway

Die Metropolitan Railway (auch als Met bekannt), war eine Bahngesellschaft, die von 1863 bis 1933 Personen- und Güterverkehr in London und in den nordwestlichen Vororten durchführte. Nach jahrelangem Lobbyieren durch den Juristen Charles Pearson begannen im Mai 1860 die Bauarbeiten an der ersten Strecke. Diese verband die Bahnhöfe Paddington, Euston und King’s Cross mit der City of London. Zwischen Paddington und King’s Cross entstand sie in offener Bauweise unter der New Road, anschließend bis Farringdon in Einschnitten und einem kurzen Tunnel. Die Eröffnung erfolgte am 10. Januar 1863, wobei die Züge aus Dampflokomotiven und hölzernen Waggons zusammengesetzt waren. Dieses Teilstück gilt allgemein als älteste U-Bahn der Welt.Green: The London Underground: An illustrated history. S. 3–5.

In den ersten sechs Jahren war die Strecke sowohl mit Regel- als auch mit Breitspurgleisen ausgerüstet. Auf letztgenannten verkehrten zunächst Züge der Great Western Railway. Die Zusammenarbeit endete nach einem halben Jahr aufgrund erheblicher Meinungsverschiedenheiten. Daraufhin musste die Met von der Great Northern Railway Rollmaterial anmieten, bis die erste eigene Bestellung ausgeliefert war.Halliday: Underground to Everywhere. S. 20. Zwischen 1865 und 1871 entstanden östlich von King’s Cross die so genannten Widened Lines, um parallel zur Metropolitan Railway auch anderen Bahngesellschaften den Zugang zur City of London zu ermöglichen. Bald wurde die Strecke an beiden Enden sowie nordwärts ab Baker Street verlängert. Die Met erreichte 1864 Hammersmith und 1877 Richmond.

Eine Parlamentskommission empfahl, die Stammstrecke der Met an beiden Enden zu verlängern, so dass daraus eine Ringlinie entstünde. Um die Finanzierung der südlichen Hälfte des Rings sicherzustellen, wurde eine zweite Gesellschaft gegründet, die District Railway. Mit der Fertigstellung des Abschnitts zwischen Mansion House und Aldgate im Jahr 1884, inklusive eines Abzweigs nach Whitechapel, war nach zwanzig Jahren der Inner Circle rund um das Stadtzentrum fertiggestellt. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, die District mit der Met zu fusionieren. Doch die Beziehungen verschlechterten sich unter der Führung von Edward Watkin zunehmend und die District blieb eigenständig. Beide Gesellschaften befuhren den gesamten Ring und lieferten sich einen harten Konkurrenzkampf.Green: The London Underground: An illustrated history. S. 7–10. Zur wichtigsten Strecke entwickelte sich die sogenannte Extension Line, eine Strecke nach Nordwesten in den ländlichen Raum von Middlesex, wo sie die Entwicklung mehrerer neuer Vorstädte stimulierte. Harrow wurde 1880 erreicht und schließlich reichte die Strecke im Jahr 1899 bis nach Verney Junction, nordöstlich von Oxford gelegen und mehr als 80 Kilometer von der Baker Street entfernt. Ab dem späten 19. Jahrhundert teilte sich die Metropolitan Railway die Gleise mit der Great Central Railway, die dadurch den Zugang zu ihrem Bahnhof Marylebone in London erhielt.Green: The London Underground: An illustrated history. S. 11–14.

mini|Elektrischer Versuchszug (1900)

Die Inbetriebnahme konkurrierender Röhrenbahnen führte im Zentrum Londons zu einem markanten Fahrgastschwund. Met und District reagierten darauf, indem sie im Jahr 1900 zwischen Earl’s Court und High Street Kensington einen elektrischen Testbetrieb einrichteten. Als Ergebnis dieser Versuche entschied sich ein gemeinsames Komitee beider Gesellschaften für einen Betrieb mit Wechselstrom und Oberleitung. Als jedoch die Underground Electric Railways Company of London (UERL) die District Railway übernahm, gab es Meinungsverschiedenheiten. Die UERL wurde von Charles Tyson Yerkes angeführt, der aufgrund seiner Erfahrungen in den USA ein Gleichstrom­system mit Stromschiene bevorzugte. Nach einer Schlichtungsverhandlung einigten sich beide Gesellschaften auf dieses System. In den Jahren 1905/06 erfolgte die Elektrifizierung des Netzes in Zentrumsnähe sowie der Strecke von Baker Street über Harrow nach Uxbridge.Green: The London Underground: An illustrated history. S. 24–25.

Im Gegensatz zu anderen britischen Bahngesellschaften erschloss die Met entlang ihrer Strecken Grundstücke für den Bau von Wohnsiedlungen, womit sie direkt von der daraus resultierenden Wertsteigerung profitieren konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg führte sie zu diesem Zweck gezielte Werbekampagnen unter dem Markennamen Metro-land durch. Auf diese Weise förderte sie die Entstehung neuer Vorstädte. Zwei neue Zweigstrecken nach Watford und Stanmore, die in den Jahren 1925 und 1932 eröffnet wurden, waren von Anfang an elektrifiziert, während auf den Streckenabschnitten nordwestlich von Rickmansworth weiterhin Dampfzüge verkehrten.Green: The London Underground: An illustrated history. S. 43–45.

London Underground Am 1. Juli 1933 ging die Metropolitan Railway zusammen mit anderen U-Bahn-, Straßenbahn- und Busgesellschaften im London Passenger Transport Board (LPTB), der unter dem Markennamen London Transport auftrat. Aus dem Netz der Met wurde die Metropolitan Line von London Underground. Der LPTB wollte sich auf den Personenverkehr konzentrieren und war nicht am Gütertransport interessiert. Sie stellte am 2. Juli 1934 die Paketbeförderung ein und schloss am 30. Juni 1936 den Güterschuppen an der Vine Street (nahe der Station Farringdon). Am 1. November 1937 übernahm die London and North Eastern Railway (LNER) den gesamten Güterverkehr. Zum selben Zeitpunkt übernahm die LNER den Betrieb der Personenzüge mit Dampflokomotiven nordwestlich von Rickmansworth.Horne: The Metropolitan Line. S. 54–55. Der letzte Zug auf der Zweigstrecke nach Brill verkehrte am 30. November 1935, zwischen Aylesbury und Verney Junction wurde der Betrieb am 2. April 1936 eingestellt.Green: The London Underground: An illustrated history. S. 46–48. Von 1943 bis 1948 befuhren die Züge der Metropolitan Line vorübergehend wieder den Abschnitt zwischen Aylesbury und Quainton Road.Horne: The Metropolitan Line. S. 69.

Die District Line war östlich von Whitechapel überlastet, weshalb einige Metropolitan-Züge ab 1936 weiter bis nach Barking verkehrten. Zunächst handelte es sich dabei um Sechswagenzüge der Hammersmith & City Line, die von der East London Line umgeleitet wurden. Ab 1939 waren es dann Sechswagenzüge ab Uxbridge, die ab Aldgate weiter nach Osten verkehrten. Dies verursachte jedoch betriebliche Probleme, sodass Barking ab 1941 wieder von Zügen aus Hammersmith bedient wurde.Horne: The Metropolitan Line. S. 65. Durchgehende Züge zur East London Line über die St-Mary’s-Kurve wurden im November 1939 eingestellt. Die vom übrigen Netz isolierte Great Northern & City Railway zwischen Moorgate und Finsbury Park, die 1913 von der Metropolitan Railway übernommen worden war, erhielt die Bezeichnung Northern City Line und war ab 1937 betrieblich Teil der Northern Line.Bruce: Steam to Silver. S. 48.

mini|Betriebswerk Neasden (1959) mini|Station Chesham (1977)

Das 1935 beschlossene New Works Programme löste umfangreiche Baumaßnahmen aus, wie z. B. den Neubau der Bahnhöfe Rayners Lane, Eastcote, Ruislip Manor und Uxbridge.Horne: The Metropolitan Line. S. 58. Es existierte noch ein Flaschenhals bei Finchley Road, wo sich die viergleisige Strecke in Richtung Baker Street auf zwei Gleise verengte. Der LPTB beschloss, die Bakerloo Line durch neue, parallel dazu verlaufende Tunnelröhren zu führen; ebenso sollte sie die dort gelegenen Zwischenstationen bedienen und die Zweigstrecke nach Stanmore übernehmen. Drei bestehende Stationen der Metropolitan Line wurden durch zwei neue der Bakerloo Line ersetzt. Zwischen Wembley Park und Finchley Road waren Bahnsteigumbauten erforderlich und die Verzweigung bei Wembley Park wurde als Überwerfungsbauwerk neu errichtet. Die Arbeiten begannen im April 1936 und am 2. November 1939 fuhren die Züge der Bakerloo Line erstmals nach Stanmore.Horne: The Metropolitan Line. S. 59–61. Es bestand die Absicht, den Bahnhof Harrow von vier auf sechs Gleise zu erweitern, wodurch die LNER dort einen eigenen Bahnsteig erhalten hätteSimpson: A History of the Metropolitan Railway. S. 74., doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterbrach die Arbeiten.Horne: The Metropolitan Line. S. 71.

In den 1930er Jahren war auch der vollständige Neubau des Abschnitts zwischen Wembley Park und Amersham geplant, der sich aber um mehr als zwei Jahrzehnte verzögerte und erst in den Jahren 1956 bis 1962 ausgeführt werden konnte. Der viergleisige Streckenabschnitt reichte nun bis Moor Park. Damit verbunden war am 12. September 1960 auch die Elektrifizierung zwischen Rickmansworth und Amersham sowie auf der Zweigstrecke nach Chesham. Der letzte mit einer Dampflokomotive bespannte U-Bahn-Zug verkehrte am 9. September 1961. Am folgenden Tag übernahm British Rail den Betrieb auf dem letzten nichtelektrifizierten Abschnitt zwischen Amersham und Aylesbury und setzte dafür Dieseltriebzüge ein.Green: The London Underground. S. 56. Auf der Chesham-Zweigstrecke verkehrte ein einzelner Vier-Wagen-Pendelzug. 1972 war dafür erstmals die Einführung des Einmannbetriebs vorgeschlagen worden, doch verzögerte sich die Einführung aufgrund von Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften bis 1986.