mini|hochkant=0.8|Hans-Günter Schramm, April 2022
Hans-Günther Schramm (* 6. Oktober 1941 in Stolp, Pommern; † 9. September 2026 in Nürnberg)Nordbayern.de - Traueranzeigen vom 16. September 2026 - online war ein deutscher Friedensaktivist und Politiker. Er war von 1986 bis 1994 Mitglied des Bayerischen Landtages für die Grünen. Später verließ er die Partei aufgrund seiner pazifistischen Überzeugungen.
Lebenslauf und politische Arbeit Schramm war nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1947 in einem Flüchtlingslager in Kolding in Dänemark interniert. Ab 1947 bis zu seinem Tod war er in Nürnberg ansässig. Dort besuchte er zunächst die Volksschule bis 1955. Nach der Schulzeit absolvierte Schramm 1955 bis 1958 eine Lehre zum Schriftsetzer und war ab 1958 als solcher tätig. Er war drei Jahre Mitglied eines Betriebsrats, davon ein Jahr als Vorsitzender. Er war ein aktives Gewerkschaftsmitglied. Während der Ausbildung war der evangelische Christ bereits in der kirchlichen Jugendarbeit und ab 1979 in der kirchlichen Familienarbeit engagiert.
Ab 1980 betätigte sich Schramm zunehmend politisch, in der außerparlamentarischen Friedensbewegung. Sein Engagement war zunächst in christlichen Gruppierungen wie z. B. „Ohne Rüstung Leben“ oder „Nürnberger Evangelisches Forum für den Frieden“ (NEFF). Zu einem späteren Zeitpunkt nahm auch das Engagement in den überkonfessionellen und überparteilichen Gruppierungen zu, u. a. in der Koordination von bundesweiten Großdemonstrationen für den Frieden. Ebenso entschieden trat er bei Kundgebungen gegen Rechts und gegen das Vergessen der Nazi-Gräuel auf, etwa beim jährlichen Gedenken an die toten Zwangsarbeiter auf dem Südfriedhof.
Vom 22. Oktober 1986 bis zum 20. Oktober 1994 war Schramm Abgeordneter im Bayerischen Landtag.Bayerischer Landtag, Homepage online abgerufen am 16. September 2026 - online Bei der Landtagswahl 1986 war er noch kein Parteimitglied, sondern kandidierte als Vertreter der überparteilichen Friedensliste auf der offenen Liste der Grünen. Zusammen mit Edith Memmel, die ebenfalls über die Friedensliste in die Grüne-Fraktion gekommen war, entrollte Schramm 1987 ein Transparent von der Besuchertribüne im Plenarsaal des Landtags, das mit der Botschaft „Null ist die Lösung, Herr Strauß“ eine Abrüstung von Mittelstreckenraketen forderte. Dies wurde von den etablierten Landtagsparteien als „unglaubliche Respektlosigkeit“ gegenüber dem Parlament gewertet.Barbara Lochbihler: Grüne Anfänge und die Friedensbewegung in Bayern. In: 40 Jahre Grüne Bayern. Das Jubiläumsmagazin, 2019, S. 12–13.
In der Legislaturperiode 1986–1990 war Schramm Vorsitzender und 1990–1994 stellvertretender Vorsitzender des Landtagsausschusses für Geschäftsordnung und Wahlprüfung. Von 1991 bis 1993 gehörte er dem Untersuchungsausschuss zum Verdacht der Verquickung von Staatsaufgaben mit Parteiarbeit im Staatsministerium des Innern („Führungshilfen“) an. Erst 1993 trat Schramm der Partei Bündnis 90/Die Grünen bei, die er jedoch vier Jahre später wieder verließ, als er deren Entscheidung für eine deutsche Beteiligung an NATO-Militäreinsätzen im Kosovokrieg nicht mittragen wollte.Barbara Lochbihler: Grüne Anfänge und die Friedensbewegung in Bayern. In: 40 Jahre Grüne Bayern. Das Jubiläumsmagazin, 2019, S. 15. Seither war Schramm wieder parteilos.
Nach länger anhaltenden gesundheitlichen Problemen verstarb Schramm am 9. September 2026 in Nürnberg. Die Beisetzung erfolgte am 18. September 2026 auf dem Friedhof St. Jobst.
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Einzelnachweise
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