Die ISO 639 ist eine internationale Norm der Internationalen Organisation für Normung (ISO), die Kennungen für Namen von Sprachen (Sprachkürzel, Sprachcodes, Sprachencodes, ) definiert.

Anwendung Die in der Norm definierten Kennungen werden unter anderem in der Lexikographie, Linguistik, in Bibliotheken, Informationsdiensten und im Datenaustausch verwendet. Sie dienen zur eindeutigen Angabe von Sprachen und ihrer Kennzeichnung in Dokumenten. Sie wurden nicht als Abkürzungen eingeführt, da unter anderem eine Ähnlichkeit mit der bezeichneten Sprache nicht in jedem Fall gegeben ist.

Der Code ist in Kleinschreibung definiert. Damit wird eindeutig zwischen Sprachcode (Kleinschreibung) und den Ländercodes nach Standard ISO 3166 (Großschreibung) unterschieden.

Die Sprachcodes dieser Norm umfassen natürliche Sprachen und Plansprachen, aber keine Sprachen, die für die maschinelle Verarbeitung erstellt wurden, wie z. B. Programmiersprachen.

Teilnormen Die Norm bestand bis November 2023 aus sechs Teilnormen: Fünf davon enthielten Kennungen mit zwei Buchstaben (ISO 639-1), drei Buchstaben (ISO 639-2, ISO 639-3 und ISO 639-5) und vier Buchstaben (ISO 639-6, 2014 zurückgezogen); ein Teil enthält Richtlinien für die Anwendung (ISO 639-4). Mit der Veröffentlichung der Edition ISO 639:2023 wurden die Code-Listen der Normenteile in sog. Sets überführt.

Die offiziell eingeführten Teilnormen waren:Internationale Organisation für Normung (ISO) (Hrsg.): Codes for the representation of names of languages – Part 3: Alpha-3 code for comprehensive coverage of languages. 1. Auflage. 1. Februar 2007. ISO 639-1:2002 – ISO 639-2:1998 – ISO 639-3:2007 – ISO 639-4:2010 – ISO 639-5:2008 – ISO 639-6:2009 –

+ Schematische Übersicht der Teilnormen ISO 639 ISO  639-1 ISO  639-2 ISO  639-3 ISO  639-5 Einträge 183 487 7921115 Mögliche Kombinationen 676 17.576 17.576 17.576 Einzelsprachen Einzelsprachen und Sprachgruppen mit starker gemeinsamer Zugehörigkeit Einzelsprachen (auch Makrosprachen) Kollektive Gruppen Kollektive Gruppen für Sprachfamilien oder übrige Sprachen einer Familie Kollektive Gruppen für Sprachfamilien

ISO 639-1

Der Teil 1 der Norm wurde für den Einsatz in Terminologie, Lexikographie und Linguistik erstellt. Bis zu seiner offiziellen Verabschiedung 1988-04-01 wurde er unter dem Namen ISO 639 geführt. Vorläufer ist die ISO/R 639:1967 (siehe auch Requests for Comments (RFCs) RFC 1766 (März 1995) und RFC 3066 (Januar 2001). ) ISO 639-1 soll nicht nur die in der Literatur am meisten verbreiteten Sprachen abdecken, sondern auch die am weitesten „entwickelten“ Sprachen mit einem „spezialisierten“ Vokabular aufnehmen. Dabei werden nicht nur Einzelsprachen, sondern auch Sprachfamilien aufgenommen. Jede Sprache wird durch eine Kennung aus zwei Buchstaben repräsentiert (Alpha-2 Code). Zum Beispiel steht de für die deutsche Sprache oder fr für die französische Sprache. Insgesamt sind durch Nutzung der 26 lateinischen Buchstaben verschiedene Kennungen möglich, von denen 184 belegt sind (Stand: Dezember 2021Registration Authority bei der Library of Congress: Codes for the Representation of Names of Languages • Codes arranged alphabetically by alpha-3/ISO 639-2 Code). Verwaltet wird die Norm von dem durch die UNESCO gegründeten International Information Center for Terminology (Infoterm) in Wien.

Die Aufnahme weiterer Sprachcodes ist vorgesehen, jedoch nur für Kennungen, die gleichzeitig der Norm ISO 639-2 hinzugefügt werden. Für bereits bestehende Einträge der ISO 639-2 werden keine Zwei-Buchstaben-Kennungen mehr vergeben. Dies soll Kompatibilität gewährleisten.

ISO 639-2

Die spätere Norm vom November 1998 ISO 639-2 erweitert die ISO 639-1 durch eine größere Menge an Sprachen. Jeder in ISO 639-1 definierte Sprachcode findet sich mit einem Code aus drei Buchstaben auch in diesem Standard wieder (Alpha-3 Code).

Für die zweite Norm ISO 639-2 wurde die Kennung auf drei Buchstaben erweitert, so dass theoretisch Sprachcodes möglich sind. Bislang sind 487 (Stand: Dezember 2024) Kennungen für Einzelsprachen und Sprachfamilien aufgenommen (inklusive der Sprachen nach ISO 639-1). Ziel der Norm ist der Einsatz in „Terminologie und Bibliographie“, um unter anderem den Bedürfnissen des Bibliothekswesens nachzukommen und eine möglichst weite Auszeichnung von Werken der Welt zu ermöglichen. Aufgenommen wurden Sprachen, für die eine als geeignet empfundene Menge an Literatur herausgegeben wurde. Da der Schwerpunkt auf der geschriebenen Sprache liegt, wurde auf eine Unterscheidung von Sprachen verzichtet, die in der geschriebenen Form zwar große Übereinstimmungen besitzen, doch in ihrer gesprochenen Form abweichen. So gibt es zum Beispiel keine Unterscheidung für die chinesischen Sprachen wie Hochchinesisch und Kantonesisch.

Die US-amerikanische Library of Congress übernimmt die Pflege dieser Teilnorm und veröffentlicht die aktuelle Codeliste.

Der Standard ISO 639-2 erweitert ISO 639-1 und führt alle dortigen Sprachcodes. Die Kennungen aus zwei Buchstaben werden in dieser Norm mit drei Buchstaben fortgesetzt, wobei weitestgehend für die jeweilige Kennung lediglich ein weiterer Buchstabe hinzugenommen und eine Ähnlichkeit damit gewährleistet wird (siehe unten für den Spezialfall der Kennungen ISO 639-2/B). Die Basis für die Sprachcodes dieser Norm war die MARC , die seit 1968 verwendet und ebenfalls von der Library of Congress verwaltet wurde.

Unter den hinzugekommenen Kennungen sind historische Sprachen wie Mittelhochdeutsch (gmh für ) oder Althochdeutsch (goh für ).

Kollektive Sprachcodes Eine Besonderheit sind kollektive Sprachcodes (), die in der Norm ISO 639-1 nicht vorgesehen sind. Sie ermöglichen eine Kennzeichnung von Gruppen von Sprachen, für die eine Zuordnung von Kennungen zu den einzelnen Sprachen nicht vorgesehen ist. Dies kann für kleine Sprachen erfolgen, für die lediglich eine geringe Zahl an literarischen Werken vorhanden ist oder für die keine erhebliche Zunahme derer angenommen wird. Sie fassen einerseits Sprachfamilien zusammen wie die irokesischen Sprachen unter der Kennung iro oder bieten eine Sammelbezeichnung für alle übrigen Einzelsprachen einer Familie, bei der einzelne zugehörige Sprachen einen eigenen Eintrag besitzen. Dies ist der Fall bei der Familie der samischen Sprachen (Kennung smi für sonstige), bei der die zugehörige nordsamische Sprache bereits eine eigene Kennung besitzt (sme). In der Tabelle der Sprachcodes wird für erstere Gruppen in der Regel der Bezeichner (deutsch „Sprachen“), für letztere der Bezeichner (deutsch „andere“) an den Namen angehängt, um kollektive Sprachcodes auszuzeichnen. Ist ein Sprachcode für eine einzelne Sprache verfügbar, soll dieser vorgezogen werden und keine Zuordnung eines kollektiven Codes erfolgen. Dies kann auch Sprachcodes betreffen, die neu in den Standard aufgenommen werden.

Eine Beschreibung für die Zuordnung von Einzelsprachen (ohne eigenen Eintrag) zu einer der durch ISO 639-2 angebotenen kollektiven Sprachcodes findet sich nicht in dem Standard. Die verweist allerdings auf die oben genannte Liste der , die diese Funktion erfüllen kann.

Terminologische und bibliographische Sprachcodes (T/B) Ein weiterer Unterschied zu ISO 639-1 und auch den anderen Teilnormen ist die Verwendung terminologischer (englisch ) und bibliographischer Kennungen (englisch ), die mit ISO 639-2/T und ISO 639-2/B bezeichnet werden. Diese Unterscheidung wird für 20 Einträge gemacht und rührt weitestgehend daher, dass vor Einsatz der Norm bereits Konventionen im Bibliothekswesen für Drei-Buchstaben-Kennungen bestanden, die von der Benennung der bereits festgelegten Norm ISO 639-1 für zwei Buchstaben stark abwichen. Die deutsche Sprache gehört zu diesen Fällen, ihr B-Code ist ger, der T-Code deu.

Da in der Benennung eine Fortführung der ISO 639-1 angestrebt wurde, ist in den Fällen abweichender Bezeichner entschieden worden, zwei Codes einzuführen. Die terminologische Kennung führt also die Benennung nach ISO 639-1 weiter, während die bibliographische Kennung aus Kompatibilitätsgründen geführt wird und die vorherige, weitläufige Benennung reflektiert. Der Standard erlaubt die Mischung von T- und B-Codes nicht und mahnt eine Festlegung der verwendeten Art vor dem Datenaustausch durch die betroffenen Parteien an.

Änderungen Ein Hinzufügen und Ändern von Sprachcodes sowie das Ändern ihrer Beschreibung ist möglich, dabei wird auf Stabilität im beschriebenen Standard geachtet. Sprachcodes nach ISO 639-2/B, die nur Kompatibilität gewährleisten sollen, sind von Änderungen jedoch ausgeschlossen. Ein nach Änderungen aufgegebener Code soll frühestens nach fünf Jahren wiederverwendet werden.

ISO 639-3

Die Norm ISO 639-3 wurde am 5. Februar 2007 herausgegeben und soll aufbauend auf den ersten beiden Teilnormen eine umfassende Abdeckung aller Sprachen der Welt ermöglichen. Die Kennungen aus drei Buchstaben aus der vorhergehenden Norm ISO 639-2 werden weitergeführt und somit kann auch ISO 639-3 theoretisch über 17.576 verschiedene Kennungen verfügen (praktisch unter anderem dadurch begrenzt, dass ISO 639-5 ebenfalls Alpha-3-Codes aufnimmt, die disjunkt (elementfremd) zu denen aus ISO 639-3 sind). Aufgenommen werden alle bekannten Sprachen, worunter auch alle lebendigen, ausgestorbenen, historischen sowie auch konstruierten Sprachen fallen. Mehr als 6.900 Sprachen sind bisher in den Standard aufgenommen worden. Gedacht ist die komplette Liste vor allem für den Einsatz in der Informationstechnik, wo eine komplette Auflistung aller Sprachen wünschenswert ist. Darunter sind auch Einträge wie für die schweizerdeutschen Dialekte (gsw, German SWiss),Deutschschweizer Dialektkarte, GIS-Wiki der Hochschule für Technik Rapperswil HSR. Kölsch (ksh) und die bairischen Dialekte (bar).

Verwaltet wird sie von der Organisation SIL International (Summer Institute of Linguistics), die mit dem Ethnologue bereits lebendige Sprachen (mit Ausnahmen) und Sprachcodes erfasst. In der 15. Ausgabe des Ethnologue wurden die bisherig von SIL vergebenen Codes – alle 3 Großbuchstaben – an jene von ISO 639-2 angepasst (724 Änderungen, und Kleinbuchstaben), um Konformität mit ISO 639-2/T zu ermöglichen. Weitere historische und künstliche Sprachen stammen von Linguist List.

Bis auf bibliographische Kennungen (ISO 639-2/B) finden sich alle Kennungen für Einzelsprachen der ISO 639-2 in dieser Norm wieder. Kollektive Sprachkennungen werden nicht geführt. Die Codes mit drei Buchstaben sind im ganzen Standard eindeutig gehalten, so dass die Bezeichner von bibliographischen und kollektiven Kennungen in ISO 639-3 nicht neu belegt werden können.

Makrosprachen

Eine Erweiterung ist der Gebrauch so genannter Makrosprachen ( = Gruppe von Einzelsprachen, obwohl ISO 639-3 eigentlich keine Gruppen möchte) (, als Dachsprache, nicht zu verwechseln mit Makrofamilien). Dabei werden mehrere Einzelsprachen in einem Eintrag subsumiert, wie z. B. die chinesischen Sprachen im Eintrag zho, der unter anderem die Einzelsprachen Hochchinesisch, Hakka, Min Nan und Wu enthält. Formal werden die mehr als 50 Makrosprachen in den Normen ISO 639-1 (wenn erfasst) und -2 als Einzelsprachen geführt.

Im Gegensatz zu Sprachen, die über kollektive Sprachcodes repräsentiert werden, sollen Makrosprachen Einzelsprachen zusammenfassen, wenn unter bestimmten Gesichtspunkten die Betrachtung dieser Sprachen als eine einzelne notwendig erscheint. Dazu gibt die Registrierungsstelle Beispiele an: es existiert eine einzelne hochentwickelte Sprache, die von Sprechern verwandter Sprachen verwendet wird, unter dem Eindruck einer gemeinsamen Identität (arabische Sprache), es existiert eine gemeinsame geschriebene Form (chinesische Sprachen mit der chinesischen Schrift) oder verschiedene Gruppen entwickeln sich getrennt, so dass eine eindeutige Kennzeichnung nötig ist, eine gemeinsame Identität aber noch existiert (kroatische Sprache, serbische Sprache, bosnische Sprache).