mini|Registerzüge der Orgel der Basilika St. Martin in Weingarten mini|Registerwippen der Orgel der Pfarrkirche Herz Jesu in Köllerbach mini|Registerzungen, Wurlitzer Spieltisch mini|Registertaster der Immanuel-Kirche Marten mini|Touchscreen-Registratur an den Orgeln des Freiburger Münsters Ein Register oder Orgelregister ist bei einer Orgel eine in der Regel über den gesamten Tonumfang reichende Reihe von Pfeifen gleicher Klangfarbe, die als Einheit ein- oder ausgeschaltet werden kann. Bei den meisten Registern klingt pro Taste genau eine Pfeife; dagegen bestehen „gemischte Stimmen“ aus mehreren Pfeifenreihen (auch ). In der Regel ist jedes Register einer Klaviatur fest zugeordnet.

Registrieren und Registrierung Bei den meisten Orgeln mit mechanischer Traktur bedient der Organist die Register, indem er die Registerzüge oder Manubrien genannte Knäufe am Spieltisch zum Einschalten herauszieht und zum Abschalten wieder hineinschiebt (daher kommt die Redewendung „alle Register ziehen“). Daneben gibt es auch horizontal oder vertikal zu verschiebende Hebel. Bei Orgeln mit Springladen müssen die Registerzüge sogar in der Endstellung eingehakt werden, da auf ihnen eine Zugkraft lastet. Durch die Erfindung der pneumatischen Traktur wurde es möglich, wesentlich einfachere, weil schneller zu bedienende Registerschalter zu bauen, daher besitzen viele Orgeln aus der Zeit nach 1900 Wippschalter, die außerdem platzsparender angeordnet werden können. Bei Kinoorgeln oder zum Einstellen freier Kombinationen sind auch Zungen als Registerschalter sehr verbreitet. Die Elektronik ermöglichte dann als dritte Bauart die Registertaster, welche noch rascher zu bedienen sind und neue Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Zu einem Taster gehört zwingend eine optische Kontrollanzeige, also eine Lampe oder Leuchtdiode, die anzeigt, ob das jeweilige Register eingeschaltet ist. Bei modernen elektrischen Spieltischen finden sich heutzutage alle drei Varianten, wobei Registerzüge und Wippen beim Abrufen einer gespeicherten Registrierung elektromagnetisch bewegt werden können, um den Schaltzustand zu zeigen. Bei digitalen Sakralorgeln finden sich alle denkbaren Mischformen. In der Regel werden beleuchtete Registertaster verwendet, die wie klassische Registerzüge oder -wippen geformt sind und somit mehr an eine Pfeifenorgel erinnern und damit eine höhere Wertigkeit vermitteln sollen. Möglich, aber bislang noch selten gebaut, ist eine Bedienung der Register über einen oder mehrere Touchscreens.

Prinzipiell lässt sich jedes Register einzeln ziehen, aber nicht jedes Register ist dazu gedacht, allein gespielt zu werden (z. B. Aliquoten). Daher muss der Organist bei einer Registrierung einige Regeln beachten, um ein akzeptables Klangbild zu erzeugen. Die Klangfarben, die eine Orgel enthält, ergeben sich aus der Zusammenstellung der Register. Die Register bilden deshalb einen wesentlichen Bestandteil der Disposition des Instrumentes. Sie wird vom Orgelbauer beim Entwurf des Instrumentes mit dem Auftraggeber abgesprochen, um die Orgel der Nutzung und der jeweiligen Raumakustik anzupassen.

Die richtige Registrierung zu wählen, ist eine Kunst ähnlich der Instrumentation. Je nach Charakter des Stückes, Raumakustik, Kontext der jeweiligen Veranstaltung, Zuhörern und Möglichkeiten des Instrumentes bestimmt der Organist die Registrierung und vermerkt in der Partitur, wann welche Register erklingen sollen. Bei einem Konzert kann er sich, zumal bei häufigen Registerwechseln innerhalb des Stückes an einer Orgel mit mechanischer Registertraktur, von einem Registranten unterstützen lassen. Dieser zieht dann an den dafür vorgesehenen Stellen die Register oder stößt sie ab. Auf modernen Orgeln können unzählige Kombinationen im Voraus gespeichert werden. Mittels eines einzigen Tasters (für die Hand oder als Fußdruckknopf) kann dann zwischen den verschiedenen Registrierungen umgeschaltet werden, was die Hilfe eines Registranten heutzutage oft überflüssig macht.

Neben den eigentlichen Registern gibt es auch noch die sogenannten Neben- und Effektregister, die zwar auch über Registerzüge eingeschaltet werden, aber keine eigene Pfeifenreihe enthalten.

Registertypen Unterscheidung nach Tonhöhe Orgelregister können verschiedenen Tonlagen haben. Seit dem Barock hat sich als Bezeichnung dafür die sogenannten Fußtonzahl, Fußtonhöhe oder Fußlage durchgesetzt. Sie wurde anschaulich von der Länge der jeweils größten Pfeife (auf der Taste C) offener Labialregister abgeleitet, gemessen in der historischen Längeneinheit Fuß (ca. 30,48 cm). Faktisch handelt es sich um die Angabe der halben Wellenlänge des tiefsten Registertons.

Bei einem in Normallage klingenden Register aus offenen Labialpfeifen hat die tiefste Pfeife C eine akustisch wirksame Länge von 8 Fuß (8′), also ca. 2,56 m. Ein 16′-Register klingt gegenüber einem 8′-Register um eine Oktave tiefer (bspw. erklingt auf der Taste C ein Kontra-C), die Pfeifen sind entsprechend grundsätzlich jeweils doppelt so lang; 4′-Register klingen folglich eine Oktave über der Normallage (die Pfeifen sind dann grundsätzlich halb so lang). Einen terminologischen Sonderfall stellen die sog. gedackten Pfeifen dar: Sie sind bei gleicher Tonhöhe nur halb so lang; bei ihnen bezeichnet die Fußlage (heute) die klingende Tonhöhe (historisch wurde der Klarheit wegen oft „8′-Ton“ etc. geschrieben).

Die tatsächlichen Baulängen der Labialpfeifen weichen aus physikalischen Gründen etwas von den Nennwerten der Fußtonzahl ab. Bei Zungenregistern gibt es keine so eindeutige Beziehung zur angegebenen Fußtonzahl, da hier die Tonhöhe in erster Linie von der Zunge und weniger von der Länge der Luftsäule in der Pfeife abhängt.

mini|hochkant=2|Zusammenhang zwischen Fußzahl, Oktavlage und Größe einer offenen Labialpfeife (1′ = 1 Fuß = ca. 30,48 cm) mini|hochkant=2|Obertonsynthese der Orgel: gespielte Töne (oben), erklingende Töne (unten) FußlageTeilton8′normale Tonhöhe wie notiert (Äquallage) 1. (Grundton)4′eine Oktave höher 2.′eine Oktave und eine reine Quinte höher 3.2′zwei Oktaven höher 4.′zwei Oktaven und eine reine große Terz höher 5.′zwei Oktaven und eine reine Quinte höher 6.′zwei Oktaven und eine reine kleine Septime höher 7.1′drei Oktaven höher 8.′drei Oktaven und eine reine große Sekunde höher 9.′drei Oktaven und eine reine große Terz höher 10.′drei Oktaven und eine reine Quarte und 53 Cent höher (siehe Alphorn-Fa) 11.′drei Oktaven und eine reine Quinte höher (erreicht beim Klaviaturende mit etwa 16 kHz die obere Hörgrenze) 12.

Die verschiedenen Tonlagen bilden die Obertonreihe ab. Durch Kombination eines Grundregisters (in der Regel 8′-Lage) mit einem oder mehreren Obertonregistern oder Aliquoten (z. B. ′ oder ′) werden bestimmte Obertöne des Grundregisters verstärkt oder zusätzliche Obertöne hinzugefügt. Die Orgel bietet somit so etwas wie eine additive Klangsynthese.

Hinzu kommen noch entsprechende Suboktaven, die ebenfalls eine Obertonreihe bilden können. Da diese ab dem 4. Teilton bereits zum größten Teil in der 8′-Obertonreihe enthalten sind, sind nur wenige Register sinnvoll:

FußlageTeilton64′drei Oktaven tiefer als notiert.Extrem selten, da die tiefste Oktave im Infraschallbereich liegt, also nicht mehr gehört, wohl aber als Vibration gefühlt werden kann. Weltweit sind zwei Orgeln mit je einem bis zum Subsubkontra-C (C3) ausgebauten 64′-Register bekannt (Orgel der Atlantic City Convention Hall und Sydney Town Hall), bis zum Subsubkontra-Gis (Gis3) ausgebaut sind zwei 64′-Register in einer Orgel bekannt und mit bis zum Subsubkontra-A (A3) ausgebauten 64′-Register sind drei Orgeln mit je einem 64′-Register bekannt.32′zwei Oktaven tiefer als notiert (erreicht mit etwa 16 Hz die untere Hörgrenze), in kleineren Orgeln selten, in großen Orgeln üblich auch 2. Teilton eines 64′16′eine Oktave tiefer als notiert auch 2. Teilton eines 32′′die Quinte zwischen 16′ und 8′ 3. Teilton eines 32′′die Quinte zwischen 8′ und 4′ 3. Teilton eines 16′′die Terz zwischen 4′ und 2′5. Teilton eines 16′

Die Register lassen sich ihrer Fußtonlage demnach unterteilen in Grundregister (64′, 32′, 16′, 8′, 4′ etc.) und Aliquotregister (die übrigen Teiltöne).

Um die harmonischen Verhältnisse abzubilden, wird die Fußlage vereinzelt auch als unechter Bruch dargestellt, also etwa ′ statt ′. Dieser Bruch bezeichnet den 3. Teilton, basierend auf einem 8′-Grundregister.

Anmerkungen

Bezeichnung der Tonhöhe Während sich ab der späten Romantik das exakte Fußmaß für die Tonhöhenbezeichnung durchgesetzt hat, wurden bis dahin Brüche oftmals „gerundet“. Zudem waren und sind verschiedene andere Tonhöhenbezeichnungen üblich. Insbesondere die Bezeichnungen mit römischen Zahlen kann für Verwirrung sorgen, da diese Zahlen in Italien die Tonhöhe, in vielen anderen Ländern jedoch die Chorzahl gemischter Stimmen angeben (siehe unten). Auf der iberischen Halbinsel ist zudem der Palmo (span.: Handspanne, Abk.: p) üblicher als der Fuß, dabei entsprechen 13 Palmos etwa 8 Fuß.

Fußmaß (exakt) Fußmaß (alt) Italien Spanien32′32′32′, subcontrade 5216′16′16′, contrade 268′8′(meist nur Registername)de 13′6′V, quinta (selten)Docena de 26, 12na de 264′4′VIII, ottavaoctava, 8na, de 7, de ′′X (unüblich)Diez y setena de 26, 17na de 26′3′, ′XII, duodecimaDocena, 12na2′2′XV, quintadecimaQuincena, 15na′Tertia aus 2XVII, decimasettima (selten)Diez y setena, 17na′′XIX, XVIIII, decimanonaDiez y novena, Decinovena, 19na1′1′XXII, vigesimasecondaVeint y dosena, 22na′′XXVI, vigesimasestaVeint y sexta, 26na′′XXIX, XXVIIII, vigesimanonaVeint y novena, 29na

Die Fußlagen ′, ′ und noch höhere Aliquoten sowie Aliquoten zu 64′ und 32′ werden üblicherweise im exakten Fußmaß angegeben. In spanisch-, portugiesisch-, italienisch- und englischsprachigen Ländern wird häufig das Intervall angegeben, um das das Register höher klingt als ein 8′-Register. Das Intervall kann als römische Zahl oder in Worten angegeben sein. Das System ist nur für die Oktaven, die Quinten (Drittelfuß), die Terz (Fünftelfuß), Septime (Siebtelfuß) und die None (Neuntelfuß) brauchbar, da für höhere Aliquoten die Angabe eines diatonischen Intervalls nicht mehr ausreicht. Da in älteren Orgeln aber ohnehin bei der Terz (Fünftelfuß) Schluss ist, stellte dies früher kein Problem dar.

Die Angaben 12′ und 24′ haben mehrere Bedeutungen. In Italien meint 12′ einen 8′, der schon auf Taste Kontra-F (F1) beginnt, 24′ einen entsprechenden 16′. In alten italienischen Orgeln reichen der Manual- und Pedalumfang bisweilen tiefer als bis zum sonst üblichen C, z. B. bis zum Kontra-F (F1) oder gar bis zum Kontra-C (C1). In alten Orgeln nördlich der Alpen meint 12′ einen 16′, der erst ab Taste F beginnt, 24′ entsprechend einen 32′ ab Taste F. Manual- und Pedalumfang reichen dann üblicherweise nur bis zur Taste F. Beginnt die Klaviatur mit der Taste C, bezeichnet 12′ in der Regel eine Quinte ′.

Unterscheidung nach Bauweise Die verschiedenen Orgelregister unterscheiden sich neben der Tonhöhe (Fußlage) auch durch ihre Bauart und damit durch Tonansatz (Ansprache), Obertonanteil (Klangfarbe) und Lautstärke. Die beiden Hauptgruppen sind: Lippenpfeifen (auch Labialpfeifen): Tonerzeugung wie bei einer Blockflöte: ein Luftband trifft auf das scharfkantige Oberlabium und erzeugt einen Ton. Zungenpfeifen (auch Lingualpfeifen): Tonerzeugung durch eine schwingende Metallzunge, Tonverstärkung und -formung durch einen aufgesetzten Resonanzbecher.

Außerdem beeinflusst die Pfeifenform den Klang: offene, halbgedeckte (auch rohrgedeckte) oder gedeckte Bauweise, die Pfeifenmensuren (Verhältnis zwischen Pfeifenlänge und -durchmesser, Labienbreite usw.).