Modalpartikeln oder Abtönungspartikeln, Abtönungswörter, selten auch Würzwörter, sind eine zu den Partikeln gehörende Wortart. Ihre typische Funktion ist es, die subjektive Einstellung eines Sprechers zum ausgesagten Inhalt auszudrücken. Sie verhalten sich dabei selbst nicht als Teil des Satzinhalts. (Das Bezeichnungselement „Modal-“ soll auf eine solche Modifikation einer Äußerung verweisen und ist hier weder im Sinn von Modalität noch im Sinn von „Art und Weise“ gemeint.)
Beispiele: „Das ist ja witzig!“ (ja signalisiert, dass der Sprecher diesen Sachverhalt gerade für sich entdeckt, ohne zu erwarten, dass er anderen neu ist) „Männer sind eben so.“ (eben signalisiert, dass der Sprecher gegenüber dem Sachverhalt resigniert).
Besonders verbreitet sind Modalpartikeln in der gesprochenen Sprache. Das Deutsche gilt als eine an Modalpartikeln äußerst reiche Sprache. In vielen Sprachen existieren nur wenige (z. B. Französisch, Spanisch) bis gar keine Partikeln dieser Klasse, sodass sie eine Herausforderung für die Übersetzung darstellen. Aufgrund ihrer hohen Frequenz fallen sie auch beim Erlernen des Deutschen für Nicht-Muttersprachler ins Gewicht. Dies ist besonders deshalb problematisch, weil die Bedeutung sowohl der Klasse als auch der einzelnen Modalpartikeln nicht einfach fassbar ist. Andere Sprachen, in welchen Modalpartikeln eine größere Rolle spielen, sind das dem Deutschen eng verwandte Niederländisch sowie z. B. Griechisch, Indonesisch und Japanisch.
Abweichend von dieser Standardbedeutung findet sich vereinzelt ein Gebrauch der Bezeichnung „Modalpartikel“, mit dem „Satzadverb“ bzw. „Modalwort“ gemeint ist. Die Modalpartikeln im Sinne des hier vorliegenden Artikels werden dann nur als „Abtönungspartikeln“ bezeichnet und diese beiden Bezeichnungen also nicht als synonym gesehen.So in: Gisela Zifonun, Ludger Hoffmann, Bruno Strecker (& al.): Grammatik der deutschen Sprache (3 Bde.). Walter de Gruyter, Berlin 1997, ISBN 3-11-014752-1, siehe S. 58 Abschnitte 2.19 und 2.20. – Ebenso Joachim Ballweg: Modalpartikel. In: Ludger Hoffmann (Hrsg.): Handbuch der deutschen Wortarten. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6, S. 547–553. Normalerweise werden heute jedoch Adverbien nicht (bzw. nicht mehr) als Partikeln bezeichnet (siehe Partikel (Wortart) und Adverb #Adverb und Partikel).
Definition Die Modalpartikeln gehören in der deutschen Sprache neben z. B. den Fokuspartikeln oder Steigerungspartikeln zur Klasse der Partikeln im engeren Sinne, also den generell unflektierbaren Wortarten, die nicht den Präpositionen, Adverbien oder Konjunktionen zugerechnet werden können. Da alle Partikeln unflektierbar sind, müssen, wenn man eine Unterklassifikation vornehmen will, Unterschiede im Verhalten der einzelnen Partikeln im Satz berücksichtigt werden. Über die genauen Merkmale, die Modalpartikeln ausmachen, gab und gibt es eine lange sprachwissenschaftliche Diskussion. Als allgemein anerkannt gelten die folgenden Kriterien zum Erkennen der deutschen Modalpartikeln:
Sie sind unflektierbar (wie alle Partikeln). Sie ändern die Wahrheitsbedingungen einer Äußerung nicht. Modalpartikeln können nicht negiert werden. Sie sind nicht erfragbar. (A: „Der hat vielleicht einen schönen Pullover!“ B: (??) „Wie hat er einen Pullover?“) Sie können nicht am Anfang eines Hauptsatzes vor dem finiten Verb stehen (sie sind nicht vorfeldfähig). Modalpartikeln haben Homonyme in anderen Wortarten. Modalpartikeln sind nicht koordinierbar, das heißt, sie sind weder mit und noch mit oder verbindbar.
Zur Bedeutung ausgewählter Kriterien Auffällig an der angeführten Liste ist, dass die meisten Kriterien Negativ-Merkmale darstellen („sie können nicht ...“). Daher ist es schwierig, eine einfache Definition zu geben, was eine Modalpartikel ist. Genauer kann dafür gesagt werden, was sie nicht sind. In diesem Abschnitt wird ausführlicher auf einige wichtige Punkte der Liste eingegangen.
Modalpartikeln bewirken keine Änderung der Wahrheitsbedingungen Zur Illustration dieses Punktes kann die Modalpartikel aber dienen. Die folgenden zwei Beispiele stimmen bis auf die Anwesenheit der Modalpartikel überein. Aus der Wahrheit des ersten Satzes in einer Situation folgt immer die Wahrheit des zweiten Satzes, und auch umgekehrt ist der Übergang stets möglich, ohne die Wahrheit der Aussage zu beeinträchtigen: „Peter hat aber großen Hunger.“ „Peter hat großen Hunger.“
Diese Beobachtung ist nicht trivial, denn sie besagt, dass das Hinzufügen bzw. Weglassen der Partikel in einem Satz nichts an dessen Kernaussage ändert, d. h., dass die Modalpartikel nicht zur ausgedrückten Proposition gehört. Sie geben dem Hörer stattdessen Hinweise auf den Informationsstand des Sprechers, auf Bewertungen oder auf andere Aspekte, die die Rolle der Aussage für den Kontext betreffen. (Mehr dazu siehe unten im Abschnitt #Die Bedeutung der Modalpartikeln.)
Modalpartikeln können nicht negiert werden Aus diesem Zusammenhang heraus, dass sie nicht Teil der Proposition sind, lässt sich auch verstehen, warum Modalpartikeln nicht im Wirkungsbereich einer Negation stehen können, denn Negationen haben einen Einfluss auf Wahrheitswerte.
Modalpartikeln sind nicht vorfeldfähig Im sogenannten Feldermodell des deutschen Satzes werden Sätze durch die Positionen der Verben, die sogenannte Satzklammer, in drei Teile gegliedert: Vorfeld, Mittelfeld und Nachfeld, wie in den folgenden Beispielen. Die Modalpartikel findet sich jeweils im Mittelfeld: Vorfeld linke Klammer Mittelfeld rechte Klammer Nachfeld Er wird ja gemerkt haben dass mir das nicht gefällt. Sie braten wohl gerade Fisch in der Mensa. Peter hat aber großen Hunger gehabt wie es scheint! Die Partikeln ja, wohl, aber können nicht ins Vorfeld gestellt werden, allenfalls ergeben sich andere Bedeutungen: Vorfeld linke Klammer Mittelfeld rechte Klammer Nachfeld * Ja wird er gemerkt haben dass mir das nicht gefällt * Wohl braten sie gerade Fisch in der Mensa. # WOHL braten sie gerade Fisch in der Mensa! # Aber -- hat Peter großen Hunger gehabt? (* wie es scheint) Im ersten Beispiel oben ist die Voranstellung der Modalpartikel ja ins Vorfeld unakzeptabel (durch einen *Stern markiert), im zweiten Beispiel ist die Voranstellung unakzeptabel, wenn die Modalpartikel, wie üblich, unbetont ist; das dritte Beispiel zeigt, dass ein betontes wohl zwar im Vorfeld stehen kann, aber eine andere Bedeutung vorliegen muss (markiert durch das Rautezeichen #): Dieses ist nicht die Modalpartikel, die sich mit „wahrscheinlich“ umschreiben ließe, sondern ein andersartiges Element (ein Adverb), das Widerspruch zu einer vorhergehenden Äußerung markiert. Im letzten Beispiel kann der Satz mit vorangestelltem aber nur als Fragesatz interpretiert werden, so dass der Zusatz des wie-Satzes nicht mehr möglich ist. Folglich ist es ein Verb-Erst-Satz mit aber nicht als Partikel, sondern als Konjunktion in der linken Peripherie des Satzes (im sogenannten Anschlussfeld). Insgesamt ist also zu sehen, dass Modalpartikeln nicht im Vorfeld vorkommen können.
Die Hauptklasse der Modalpartikeln Zu der Hauptklasse der Modalpartikeln – die gelegentlich auch Abtönungspartikeln genannt werden – zählen aber, auch, bloß, denn, doch, eben, eigentlich, etwa, halt, ja, mal, nur, schon, vielleicht und wohl. Eines der Kriterien aus der Liste besagt, dass Modalpartikeln Homonyme in anderen Wortarten haben. Das bedeutet, dass gleich klingende und geschriebene Wörter in anderen Funktionen im Satz auftreten können. So kann z. B. ja als Antwort auf eine Frage fungieren und gehört in diesem Fall zu den sogenannten Antwortpartikeln. Vielleicht kann z. B. als Satzadverb („Vielleicht ist der Termin morgen“) verwendet werden und so allein im Vorfeld stehen. Diese Homonyme weisen also z. T. ein gänzlich anderes Verhalten auf als in der Kriterienliste beschrieben. In diesen Fällen haben sie jedoch auch eine andere Bedeutung.
Die periphere Klasse der Modalpartikeln Daneben existiert noch eine Klasse von Modalpartikeln (manchmal ‚Partikeln mit abtönender Bedeutung‘ oder ‚abtönungsfähige Partikeln‘ genannt), die oft ebenfalls zu den Modalpartikeln gezählt werden, jedoch vorfeldfähig sind. Dazu gehören z. B. fein, ganz, gerade, gleich, einfach, erst, immerhin, schließlich, überhaupt und ruhig. Die Bedeutung dieser Partikeln ändert sich nicht, ob sie im Vor- oder im Mittelfeld stehen; daher müssen sie auch keine Homonyme in anderen Wortarten haben.
Restriktionen Modalpartikeln unterliegen einer Reihe von schwer beschreibbaren Restriktionen. So können Modalpartikeln oft nicht beliebig kombiniert werden. So ist zwar
Er ist aber auch ungeschickt.
möglich. Nicht jedoch die umgekehrte Variante:
Er ist auch aber ungeschickt.
Weiterhin können die jeweiligen Partikeln nur in bestimmten Satzmodi vorkommen. So lässt sich vielleicht zwar in Ausrufen verwenden („Hat der vielleicht ein schönes Auto!“), jedoch nicht in echten Fragen („*Hat der vielleicht ein schönes Auto?“).
Die Bedeutung der Modalpartikeln Grundlagen der Bedeutung Um genau zu verstehen, was Modalpartikeln bedeuten, ist es wichtig, sich klarzumachen, was genau Bedeutung ist. Dabei wurde zwischen zwei Ebenen der Bedeutung unterschieden (siehe z. B. Sprechakttheorie). Auf der einen Seite steht der schon angedeutete, wörtlich zu nehmende Satzinhalt: die Proposition. Auf der anderen Seite steht die sogenannte Illokution, der Handlungszweck einer Äußerung oder einfacher: was mit der Äußerung eines Satzes ausgedrückt werden sollte. Dieser Unterschied ist deshalb wichtig, weil mit ein und demselben Satz in unterschiedlichen Kontexten Verschiedenes gemeint sein kann (Pragmatik). Während der Großteil der Wörter einer Sprache zur Proposition beiträgt, gibt es auch Wörter (wie die Modalpartikeln), die sozusagen auf einer Metaebene nicht zur Proposition gehören, sondern im illokutiven Bereich wirken. In vielen theoretischen Ansätzen wird daher zur Erklärung ihrer Bedeutung auf Modelle des gemeinsamen Wissens (Common Ground) Bezug genommen.W. Abraham: Sprecherdeixis und Merkmaldistributionsdifferential deutscher Modalitätselemente. In: Deutsche Sprache. Zeitschrift für Theorie, Praxis, Dokumentation 40, 2012, S. 72–95;F. Bross: German modal particles and the common ground. In: Helikon. A Multidisciplinary Online Journal 2, 2012, S. 182–209. Maria Thurmair fasst die Bedeutung der Modalpartikeln für die illokutive Ebene wie folgt zusammen:
So kann mit der Modalpartikel ja darauf verwiesen werden, dass das im Satz ausgedrückte Wissen als bereits geteilt und damit als vorausgesetzt betrachtet wird, oder mit der Partikel halt angezeigt werden, dass es sich um Wissen handelt, über welches nicht weiter diskutiert werden muss.Fabian Bross: German modal particles and the common ground. (PDF; 1,6 MB). In: Helikon. A Multidisciplinary Online Journal 2 (2012), S. 182–209. In dieser Weise können also Umschreibungen für die Bedeutung von Modalpartikeln gegeben werden, die wahrheitsrelevante Aussagen formulieren; nur ist der Status der so transportierten Inhalte in der Äußerung nicht wahrheitsrelevant.
Bedeutung einzelner Modalpartikeln Beispiele für deutsche Modalpartikeln sind:
denn Bedeutung besonderen Interesses, z. B. in „Was ist das denn?“ doch Verwunderung über Informationsdefizit, z. B. in „Ich bin doch vorhin schon einmal da gewesen.“ (impliziert: „Wie du eigentlich wissen müsstest.“) Abmilderung eines Imperativs, z. B. in „Geh doch noch einmal zurück!“, „Lies doch noch einmal, was ich dir geschrieben habe!“ eben Hinweis, dass eine bereits genannte oder bereits eindeutig erkennbare Sache hier nochmals genannt wird: „Deutsch ist eben schwer.“Gabriele Diewald: Abtönungspartikel. In: Ludger Hoffmann (Hrsg.): Handbuch der deutschen Wortarten. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6, S. 117–141. Siehe S. 132. Resignation angesichts eines nicht änderbaren Sachverhalts: „Männer sind eben so.“ – „Dann musst du eben morgen wiederkommen.“ eh