Dorfchemnitz (bis Ende 2003 amtlich: Dorfchemnitz b. Sayda) ist eine Gemeinde im sächsischen Landkreis Mittelsachsen. Sie ist Teil der Verwaltungsgemeinschaft Sayda/Dorfchemnitz.
Geographie Das Waldhufendorf Dorfchemnitz befindet sich im Osterzgebirge. Es liegt zwei Kilometer westlich der Freiberger Mulde am Chemnitzbach, 18 Kilometer südlich von Freiberg, 8 km südwestlich von Frauenstein, 6 Kilometer nördlich von Sayda und 14 Kilometer nordöstlich von Olbernhau. Es ist durch Staatsstraßen erschlossen, liegt eingebettet von Wiesen und Wäldern auf den umliegenden Höhenzügen. Höchste Erhebung in unmittelbarer Umgebung ist die Saydaer Höhe mit 729 m über NN.
Neben dem Ort Dorfchemnitz, der sich aus einem Nieder- und einem Oberdorf zusammensetzt, gehören Voigtsdorf, Wolfsgrund und Neudörfel zur Gemeinde. Umgebende Gemeinden sind im Norden Mulda/Sa., im Osten Frauenstein, im Südosten Rechenberg-Bienenmühle und im Süden Sayda.
Geschichte mini|Rittergut Dorfchemnitz (um 1860) mini|hochkant|Kirche Dorfchemnitz
Der Ort wurde erstmals im Jahr 1324 als Kemnitz erwähnt. Das Dorf war der Pflege Frauenstein unterstellt, gehörte aber ab dem 16. Jahrhundert zum Kreisamt Freiberg. Ende des 15. Jahrhunderts setzte sich der Namenszusatz „Dorf“ für den Ort durch. Im Jahre 1479 wurde Dorfchemnitz Dorf Kempniz genannt. In Dorfchemnitz war ein Rittergut ansässig, das die Grundherrschaft über das Dorf ausübte. Die Dorfkirche war zum Archidiakonat Chemnitz gehörig, heute sind in diese Kirche neben Dorfchemnitz auch Voigtsdorf und Wolfsgrund eingepfarrt.
August Schumann nennt 1820 im Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen Dorfchemnitz betreffend u. a.:
Die Erwerbszweige betreffend führt Schumann an:
Am 1. Juli 1897 erhielt Dorfchemnitz Eisenbahnanschluss an der Schmalspurbahn Mulda–Sayda. Am 18. Juli 1966 wurde der Betrieb eingestellt, die Strecke später rückgebaut. Um das Dorf erstreckte sich im Jahr 1900 eine 1437 Hektar große Waldhufenflur, die vorwiegend landwirtschaftlich genutzt wurde. Von den 1305 im Jahr 1925 in Dorfchemnitz lebenden Menschen waren 1297 evangelisch-lutherisch, vier katholisch und vier weitere konfessionslos.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Ort Teil der Sowjetischen Besatzungszone und später der DDR. Am 1. Juli 1950 kam es zur Eingemeindung des Ortes Wolfsgrund nach Dorfchemnitz.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt Im Rahmen der Gebietsreform 1952 wurde Dorfchemnitz dem Kreis Brand-Erbisdorf zugeordnet. Vorher war die Gemeinde Teil des Landkreises Freiberg. Nach Wende und Wiedervereinigung wurde Dorfchemnitz Teil des neugegründeten Freistaates Sachsen. Am 1. Januar 1994 wurde Voigtsdorf nach Dorfchemnitz eingemeindet. In der Kreisreform 1994 wechselte die Gemeinde vom Kreis Brand-Erbisdorf in den neuen Landkreis Freiberg. Dieser bestand bis zum 1. August 2008, als er im neuen Landkreis Mittelsachsen aufging.
Am 1. Oktober 1999 trat die Verwaltungsgemeinschaft zwischen Dorfchemnitz und der Stadt Sayda in Kraft. Dorfchemnitz zahlt eine Umlage an die Stadt, diese übernimmt dafür einen Großteil der Verwaltungsaufgaben für die Gemeinde. Bis zum 31. Dezember 2003 lautete der amtliche Name der Gemeinde Dorfchemnitz b. Sayda.
Bei der Bundestagswahl 2017, 2021 und 2025 erzielte die Alternative für Deutschland (AfD) mit 47,4, 47,9 beziehungsweise 57,2 Prozent der Zweitstimmen jeweils ein Rekordergebnis, in keiner Gemeinde Deutschlands bekam sie prozentual mehr Stimmen.P. Eppelsheim: Totes Dorf, in: Frankfurter Allgemeine Woche Nr. 40, 29. September 2017, S. 10–13.
Einwohnerentwicklung Im Jahr 1551 wohnten 42 besessene Mann, 7 Gärtner, 20 Häusler und 64 Inwohner in Dorfchemnitz, 1764 waren 42 besessene Mann, 17 Gärtner, 79 Häusler und 28 Hufner im Dorf ansässig.
Jahr Einwohner 1834 1244 1871 1387 1890 1240 1910 1323 1925 1305 1939 1332 1946 1663 1950 1732 Jahr Einwohner 1964 1482 1982 2108 1983 2114 1984 2104 1985 2093 1986 2063 1987 2059 1988 2041 Jahr Einwohner 1989 1999 1990 1955 1991 1927 1992 1952 1993 1960 1994 1967 1995 1955 1996 1936 Jahr Einwohner 1997 1927 1998 1911 1999 1892 2000 1915 2001 1903 2002 1873 2003 1838 2004 1815 Jahr Einwohner 2005 1800 2006 1785 2007 1761 2008 1729 2009 1707 2010 1687 2011 1647 2012 1620 Jahr Einwohner 2013 1603 2014 1586 2015 1565
Politik Gemeinderat
Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 12 Sitze des Gemeinderates wie nebenstehend dargestellt auf die einzelnen Gruppierungen. Ergebnisse früherer Wahlen sind tabellarisch dargestellt.
+letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Freie Wählervereinigung540,3760,3546,7CDU432,8539,7753,3AfD326,9––––Wahlbeteiligung79,7 %68,9 %62,1 % Ehrenamtlicher Bürgermeister von Dorfchemnitz ist Thomas Schurig.
Für das Gemeindegebiet wurden mit Beschluss vom 22. Dezember 1999 die Flurbereinigungsverfahren Dorfchemnitz (Verfahrensgebiet: Gemarkung Dorfchemnitz einschließlich Wolfsgrund sowie Teile der Gemarkung Mulda/Sa.) und Voigtsdorf (Verfahrensgebiet: Gemarkung Voigtsdorf sowie Teile der Gemarkungen Dörnthal und Sayda) angeordnet.
Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2015 Thomas Schurig. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Thomas SchurigSchurig97,22015FWV63,92008Heidelind StraußCDU54,12001Falk ErlerFWV60,4
Weitere Wahlergebnisse Die Gemeinde erlangte überregionale Aufmerksamkeit, weil bei mittlerweile mehreren bundes- bzw. sachsenweiten Wahlen fast die Hälfte der Wähler die AfD wählte. Bei der Wahl zum EU-Parlament 2024 erhielt die Partei sogar fast 55 % der Stimmen. Partei (Zweitstimmenergebnis)AfDCDUBSWFWGrüneFDPLinkeSPDsonstigeWahlWahlbeteiligung2024 – Landtagswahl64,8 %52,5 %28,2 %6,5 %5,0 %1,3 %0,5 %0,4 %1,7 %3,9 %2024 – Europawahl64,9 %54,5 %21,9 %6,8 %4,3 %2,3 %1,5 %1,5 %1,0 %13 %2021 – Bundestagswahl63,9 %47,9 %18,4 %–2,6 %1,6 %10,4 %1,9 %11,3 %5,9 %2019 – Landtagswahl64,6 %45,4 %34,2 %–3,8 %2,8 %3,5 %2,8 %3,3 %4,1 %2019 – Europawahl60,9 %43,5 %26,0 %–3,7 %3,6 %5,9 %3,7 %5,7 %7,9 %2017 – Bundestagswahl68,6 %47,4 %28,1 %–1,3 %2,1 %5,9 %5,1 %6,1 %4,0 %2014 – Landtagswahl50,3 %12,8 %55,0 %–0,9 %3,1 %5,3 %7,5 %7,6 %8,7 % (davon: 6,3 % NPD)2014 – Europawahl56,4 %11,5 %51,9 %–2,1 %2,4 %4,7 %5,6 %9,3 %12,6 % (davon: 5,7 % NPD)2013 – Bundestagswahl64,0 %7,2 %59,2 %–1,4 %2,0 %4,1 %10,0 %8,9 %9,2 % (davon: 5,1 % NPD)
Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Dorfchemnitz mini|Ehemaliges Rittergut (2010) mini|Eisenhammer Dorfchemnitz Neben der Dorfchemnitzer Kirche sind weitere Bauwerke im Ort sehenswert.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 204
Eine Grabstätte mit Gedenktafel auf dem Friedhof des Ortsteiles Voigtsdorf erinnert an einen namentlich bekannten jugoslawischen Kriegsgefangenen, der nach versuchter Flucht von der Landwacht erschossen wurde. Der Dorfchemnitzer Eisenhammer ist ein historisches Denkmal. Im Forst um Dorfchemnitz steht die Walderlebnishütte Blockhausen des Sauensägers Andreas Martin.
Insbesondere im Badminton brachte Dorfchemnitz bekannte Größen bis hin zu DDR-Meisterschaften. Verbreitet sind in der Gemeinde auch Fußball sowie der Wintersport.
Öffentliche Einrichtungen In Dorfchemnitz gibt es einen großen Spielplatz sowie einen Fußballplatz. Im Ort und in der Umgebung stehen Radwege zur Verfügung.
Grundschüler aus Dorfchemnitz besuchen die Grundschulen in Sayda und Mulda. Weiterführende Schulen finden sich in Sayda (Oberschule), in Brand-Erbisdorf (Gymnasium) sowie in Olbernhau (Gymnasium).
Persönlichkeiten Johann Gottfried am Ende (1752–1821), evangelischer Theologe Hans Adolph von Hartitzsch (1778–1857), Rittmeister, Rittergutsbesitzer auf Dorfchemnitz und Voigtsdorf, Politiker Frieder Lippmann (1936–2023), Politiker (SPD) und thüringischer Landtagsabgeordneter Michael Grätzel (* 1944), Erfinder der Grätzel-Zelle (Photovoltaik), Schweizer Chemiker deutscher Abstammung Hans-Gert Jahn (* 1945), Biathlet, Gewinner der Weltmeisterschafts-Bronzemedaille Peter Oleikiewitz (* 1946), Politiker (SPD) Wolfgang Schramm (1946–2017), Germanistdnb.de: Wolfgang Schramm Jens Scheithauer (* 1959), Badmintonspieler
Literatur
Rat der Gemeinde Dorfchemnitz (Hrsg.): Geschichte von Dorfchemnitz und Ortsteil Wolfsgrund. 12. bis 20. Jahrhundert. Dorfchemnitz 1991.
Weblinks
Atlas Mittelsachsen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Mittelsachsen Kategorie:Ort im Erzgebirge Kategorie:Waldhufendorf