mini|Darstellung der Episteme in der Celsus-Bibliothek in Ephesus (Türkei)Inschrift: „Episteme des Celsus“ Die Episteme () ist ein Begriff der griechischen Philosophie und bedeutet ungefähr „Erkenntnis“, „Wissen“, „Fähigkeit“ oder „Wissenschaft“.„ἐπιστήμη“ in Liddell & Scott: A Greek-English Lexicon, 1940, Oxford, Clarendon Press
Etymologie Episteme stammt vom Verb , das „wissen“, „können“, „verstehen“ bedeutet. Das wiederum setzt sich nach mehrheitlicher Meinung in der Forschung aus dem Präfix („auf“) und („stehen“) zusammen und hat vermutlich eine Bedeutungsentwicklung von „vor etwas stehen“ zu „mit etw. konfrontiert werden, von etwas Kenntnis nehmen“ erlebt und hat dann Verwandtschaft mit dem althochdeutschen „firstān“ (ursprünglich „rings um etwas stehen“, später „erfassen, begreifen, empfinden“), später neuhochdeutsch „verstehen“.
Schon alleine an den unterschiedlichen Übersetzungsmöglichkeiten ergibt sich eine gewisse Mehrdeutigkeit, welche das Verstehen und Interpretieren philosophischer Texte erschwert. Episteme bezeichnet nicht nur das Wissen an sich, sondern auch den Prozess der Erkenntnis.
Platon
Platon begründet die Höherwertigkeit des auf das Allgemeine gehenden Denkens gegenüber dem Zufälligen der körperhaften Sinneswahrnehmung.Phaidon 78b 4–79. Besonders in seinem Dialog Theaitetos widmet er sich der Frage, wie Episteme zu definieren sei, wobei am Ende keine eindeutig zufriedenstellende Antwort herauskommt und der Dialog aporetisch endet.
Der Philosoph Edmund Gettier rekonstruierte Platons letzten Definitionsversuch als „wahre, gerechtfertigte Meinungen“, konstruierte aber zugleich Fälle, in denen er meinte, es lege wahre gerechtfertigte Meinungen vor, aber kein Wissen.Edmund Gettier: Is Justified True Belief Knowledge?. In Analysis, Volume 23 (1963), S. 121–123. Online verfügbar: Is Justified True Belief Knowledge? Inwieweit Platon diese Definition vertreten hat, ist nicht geklärt (siehe dazu: Gettier-Problem).
Aristoteles
Auch Aristoteles unterscheidet die Erkenntnis von der Sinneswahrnehmung und dem bloßen Meinen.De Anima II.5 Er verwendet den Begriff episteme in seiner Nikomachischen Ethik jedoch im engeren Sinne, um ihn als theoretisches Wissen gegen Techne, das praktische Können, abzugrenzen. Zuvor wurden die beiden Begriffe mehr oder weniger synonym verwendet.Wilfried Fiedler: Analogiemodelle bei Aristoteles. 1978, S. 169. In der Nikomachischen Ethik sind Episteme und Techne zwei der fünf Grundhaltungen der Seele, die zur Erfassung des Richtigen benötigt werden. Die anderen sind: Phronesis (sittliche, praktische Einsicht; Begreifen), Sophia (philosophische Weisheit) und Nous (intuitiver Verstand; geistiges Erfassen; Vernunft).
Eric Voegelin
Der Politikwissenschaftler und Historiker Eric Voegelin greift den Begriff episteme wieder auf in dem groß angelegten Versuch, eine „neue Wissenschaft der Politik“ mit den alten Methoden der Klassik und hier vor allem Aristoteles’ zu konstruieren. Er fasst den Wissenschaftsbegriff des Aristoteles in einer unüblichen Weite und versteht darunter, unter anderem, die Erforschung des metaxy, der existentiellen Spannung im Menschen, zwischen Immanenz und Transzendenz durch den Nous (die Vernunft).
Michel Foucault
Der Philosoph Michel Foucault verwendete den Begriff episteme in seinem Werk Die Ordnung der Dinge in einer besonderen Bedeutung. Er meint damit das historische a priori, welches das Wissen und dessen Diskurse begründet. Es repräsentiert dadurch die Bedingung der Möglichkeit von Wissen innerhalb einer bestimmten Epoche.
In folgenden Schriften hat Foucault klargestellt, dass mehrere Episteme als Teile von verschiedenen Macht/Wissenssystemen zur selben Zeit existieren und miteinander interagieren können. Er hat jedoch nicht das Konzept verworfen:
Foucaults Verwendung des Begriffs Episteme weist eine Ähnlichkeit mit Thomas S. Kuhns Begriff Paradigma auf, wie z. B. Jean Piaget aufgezeigt hat.Jean Piaget: Der Strukturalismus. 1973.
Siehe auch
Erkenntnistheorie Foucaults strukturalistische Épistémologie
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Michel Foucault Kategorie:Diskurstheorie