Ostrau ist seit dem 1. Januar 2023 ein Ortsteil der Gemeinde Jahnatal im Norden des sächsischen Landkreises Mittelsachsen. Davor war es eine selbstständige Gemeinde mit 25 Ortsteilen. Der Ortsteil ist keiner Ortschaft nach Sächsischen Gemeindeordnung zugeordnet.
Geographie Der Ort liegt ca. 10 km nordöstlich der Stadt Döbeln und ca. 15 km südwestlich von Riesa, im Tal des kleinen Flusses Jahna und den umliegenden Höhenrücken im Nordwesten der Lommatzscher Pflege.
Geschichte mini|Kirche im Ortsteil Zschochau mini|Trinitatiskirche Ostrau
Ostrau wird als Ostrowa (aus dem sorbischen Ort in der Aue oder der Ort am Werder oder der Ort zwischen den zwei Flüssen, vgl. tschechisch ostrov, „Insel“) erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Altzella erwähnt.
Um 1190 erhielt „Ostrowa“ ein Vorwerk, woraus das Klostergut und spätere Brauschenkengut hervorging. Später entwickelte sich daraus die Gaststätte „Wilder Mann“. Nach der Säkularisation des Klosters Altzella kamen Ostrau, Gohris (anteilig), Münchhof, Trebanitz und Niederlützschera als Exklaven zum Nossener, später zum Mügelner Amt.Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen
In Ostrau wurde 1689 eine Hexenverfolgung durchgeführt. Anna Maria, Witwe vom Drescher Nicol Braune, geriet in einen Hexenprozess und wurde verbrannt. Dies war das letzte bekannte vollstreckte Todesurteil mit Feuer für Zauberei in Kursachsen.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 482 Im nahen Sömnitz kamen 1644 Hans Roßberg und seine Frau in einen Hexenprozess.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 550.
Durch die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Großbauchlitz–Riesa 1847 erhielt Ostrau einen Bahnhof.
Im Jahr 1939 erhielt Ostrau ein Wappen, das in der gleichen Form noch heute existiert. Es enthält einen Kalkofen, der von Weizenähren eingerahmt wird. Es weist auf den Dolomitabbau, den einzigen Industriezweig hin, den Ostrau hat. Hier gibt es eine anhaltende Tradition der Graukalkerzeugung.
Die örtliche Apotheke entstand 1867.
Eingemeindungen Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu umfangreichen Eingemeindungen: Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung AuerschützStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. Januar 1993 Beutig vor 1880 Eingemeindung nach Trebanitz BinnewitzVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Jahna ClanzschwitzDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 1. Oktober 1937 Eingemeindung nach Pulsitz Däbritz vor 1880 Eingemeindung nach Schrebitz Delmschütz vor 1880 Eingemeindung nach Auerschütz Döhlen vor 1880 Eingemeindung nach Görlitz Gaschütz vor 18801. Juli 1950 Eingemeindung nach Sömnitz,Umgliederung nach Auerschütz Görlitz 1. April 1936 Eingemeindung nach Schrebitz Gohris vor 1880 Goldhausen vor 1880 Eingemeindung nach Jahna Jahna 15. September 1961 Zusammenschluss mit Pulsitz zu Jahna-Pulsitz Jahna-Pulsitz 1. Januar 1994 Kattnitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Noschkowitz Kiebitz 1. Januar 1999 Lützschera 1. April 1938 Eingemeindung nach Auerschütz Merschütz vor 1880 Eingemeindung nach Oberwutzschwitz Münchhof vor 1880 Eingemeindung nach Trebanitz Niederlützschera vor 1880 Zusammenschluss mit Oberlützschera zu Lützschera Niedersteina vor 1880 Eingemeindung nach Oberwutzschwitz Niederwutzschwitz vor 1880 Eingemeindung nach Oberwutzschwitz Noschkowitz 1. Januar 1999 Oberlützschera vor 1880 Zusammenschluss mit Niederlützschera zu Lützschera Obersteina 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Kiebitz Oberwutzschwitz 19. September 1919 Umbenennung in Wutzschwitz Pulsitz 15. September 1961 Zusammenschluss mit Jahna zu Jahna-Pulsitz Rittmitz 1. Januar 1973 Eingemeindung nach Noschkowitz Schlagwitz vor 1880 Eingemeindung nach Rittmitz Schmorren 1. Oktober 1937 Eingemeindung nach Pulsitz Schrebitz 1. Januar 1999 Sömnitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Schrebitz Töllschütz 1. April 1938 Eingemeindung nach Kiebitz Trebanitz 1. Juli 1950 Wutzschwitz 1. Juli 1950 Zschochau 1. April 1968
Damit bestand die Großgemeinde Ostrau ab 1999 mit einer Fläche von 52,7 km² aus folgenden 25 Ortsteilen: Auerschütz Beutig Binnewitz Clanzschwitz Delmschütz Döhlen Jahna Kattnitz Kiebitz Merschütz Münchhof Niederlützschera Noschkowitz Oberlützschera Obersteina Ostrau Pulsitz Rittmitz Schlagwitz Schmorren Schrebitz Sömnitz Töllschütz Trebanitz Zschochau Sie war Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Ostrau. Zum 1. Januar 2023 schlossen sich Ostrau und Zschaitz-Ottewig zur neuen Gemeinde Jahnatal zusammen. Ostrau wurde damit zu einem von 37 Ortsteilen, die Verwaltungsgemeinschaft wurde aufgelöst.
Entwicklung der Einwohnerzahl (Stichtag: 31. Dezember): Jahr Einwohner 1998 4771 2000 4636 2002 4477 Jahr Einwohner 2004 4409 2006 4273 2008 4166 Jahr Einwohner 2010 4010 2012 3840 2014 3698 Jahr Einwohner 2016 3608 2018 3580 2021 3500
Politik der Gemeinde Ostrau 2022 fand in Ostrau ein Bürgerentscheid zum Thema „Sind Sie mit dem Entwurf der Vereinigungsvereinbarung der Gemeinden Ostrau und Zschaitz-Ottewig einverstanden?“ statt. In beiden Gemeinden wurde eine Mehrheit erreicht und das Quorum erfüllt. Die Fusion erfolgte damit zum Jahreswechsel 2022/2023.
Seit der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 verteilten sich die 18 Sitze im Gemeinderat folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: Freie Wähler: 9 Sitze CDU: 4 Sitze DIE LINKE: 3 Sitze 2 Sitze blieben unbesetzt.
Bei der Wahl am 10. Februar 2019 wurde Dirk Schilling (CDU) mit 97 % der abgegebenen Stimmen für eine zweite siebenjährige Amtszeit als Bürgermeister bestätigt, die letzte Amtszeit in der Gemeinde Ostrau. Seine Vorgängerin Gisela Reibig (parteilos) amtierte bis 2012. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)Auflösung (siehe Jahnatal)2019Dirk SchillingCDU97,8201259,42005Gisela ReibigReibig63,1
Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Jahnatal#Ostrau Sehenswürdigkeiten Trinitatiskirche Ostrau, erbaut 1903 Kalköfen am Kalkgrund und am Ostrauer Bahnhof Plattendolomitwand
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft mini|Kiebitz (Ostrau): Rittergut, links das Herrenhaus Die Wirtschaft des Ortes ist jahrhundertelang durch den Abbau von Kalk geprägt worden, dessen Tagebaurestlöcher und einzelne historische Produktionsanlagen noch erkennbar sind. Von einem Betrieb wird dieses Gestein gegenwärtig gewonnen.Ostrauer Kalkwerke GmbH. auf www.ostrauer-kalkwerke.de
Vorkommende Lössböden in der Lommatzscher Pflege boten der Landwirtschaft gute Bedingungen, in der bis zur politischen Wende 1990 viele Einwohner beschäftigt waren. Zu DDR-Zeiten wurde in Ostrau eine überregional bedeutende Milchviehanlage errichtet. Diese gehört heute zur Ostrauer Agrar AG.
Im Oktober 1990 erfolgte der erste Spatenstich für das neue Gewerbegebiet in Ostrau, im Jahr 1991 erfolgten die ersten Ansiedlungen, mittlerweile sind 59 Firmen dort vertreten.
Verkehr mini|Bahnhof Ostrau, Empfangsgebäude (2022) Durch das Ortsgebiet führt die Bundesstraße 169. Ostrau ist auch über die Bundesautobahn 14, Anschluss Döbeln-Nord (etwa fünf Kilometer), zu erreichen. Der Ort besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Riesa–Chemnitz, der von Elsterwerda und Chemnitz aus mit stündlich verkehrenden Regionalbahnen bedient wird.
Persönlichkeiten Klaus Beuchler (1926–1992), Journalist und Schriftsteller Franz-Emil Keller (1843–1925), Ostrau Orgelbaumeister Karl Naumann (1905–1976), Politiker, Gutsbesitzer in Lützschera Gert Roßberg (1932–2016), Politiker (SPD)
Literatur Clemens Fleischer: Geschichtliche Nachrichten von Rittmitz. Eine Festschrift zur 400jährigen Jubelfeier der Begründung kirchlicher Verhältnisse in Rittmitz am 19. September 1880. Dresden 1880 (Digitalisat) Gisela Reibig, Elvira Sprößig: Ostrau im Jahna-Tal. Geiger Verlag, Horb am Neckar 1996, ISBN 3-89570-129-7.
Weblinks
Website der Gemeinde Jahnatal
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Mittelsachsen) Kategorie:Geographie (Jahnatal) Kategorie:Ort im Landkreis Mittelsachsen Kategorie:Gemeindeauflösung 2022