mini|Blick auf Waldheim und die Zschopau vom Stufenberg mini|Blick vom Stufenberg in das herbstliche Tal der Zschopau mit dem Kurt-Schwabe-Institut in Meinsberg mini|Waldheim während des Hochwassers im Juni 2013

Waldheim ist eine Kleinstadt im Landkreis Mittelsachsen. Sie war Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Waldheim bis zu deren Auflösung 2013.

Geographie Die Stadt liegt in einem Talkessel der tief eingeschnittenen Zschopau unterhalb der Talsperre Kriebstein.

Stadtgliederung Waldheims Ortsteile sind: Waldheim – Stadtgebiet Gilsberg Heiligenborn Oberrauschenthal Massanei Neuschönberg Schönberg Unterrauschenthal Ortschaft Reinsdorf Reinsdorf Neumilkau VierhäuserOrtschaft Knobelsdorf Gebersbach Heyda Knobelsdorf Meinsberg Neuhausen Rudelsdorf

Nachbargemeinden Angrenzende Orte sind die Städte Hartha, Döbeln und Geringswalde sowie die Gemeinde Kriebstein.

Geschichte Im Jahre 1198 wurde der Name Waldheim als „ein Ort an der Salzstraße von Halle nach Böhmen“ erstmals erwähnt. 1271 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung der Burg, die unter markmeißnischer Landesherrschaft stand. Im Jahre 1286 erhielt Waldheim das Stadtrecht. 1324 belehnte Markgraf Friedrich der Ernsthafte den Burggrafen Otto von Leisnig mit Waldheim und Zubehör. Seit 1364 war Waldheim im Besitz von Friedrich, Herr von Schönburg, der die Herrschaft Waldheim 1395 mit der Herrschaft Kriebstein vereinigte. Im Jahre 1537 wurde die Reformation durch Elisabeth von Rochlitz eingeführt, zu deren Wittum die Herrschaft Kriebstein mit Waldheim gehörte. 1549 wurde das im Jahre 1405 gegründete Kloster aufgelöst. 1588 erwarb der sächsische Kurfürst Christian I. die Herrschaft Kriebstein mit Waldheim und integrierte sie ins Amt Rochlitz. Unter Kurfürst August dem Starken wurde das stark verfallene Schloss in ein Zucht-, Armen- und Waisenhaus umgewandelt. Das 1716 eröffnete Haus existiert bis in die Gegenwart als Justizvollzugsanstalt Waldheim.

mini|links|hochkant=1.2|Waldheim um 1900 mini|Stadtplan von Waldheim (1902) Seit dem 25. April 1813 marschierte Napoléon Bonaparte von Erfurt durch das damalige Sachsen. Am 6. Mai 1813 rückte er mit seinen Truppen in Waldheim ein. In seinem Gefolge waren 15 Marschälle und Generäle, über 400 weitere Offiziere, fast 3.000 Unterführer, Mannschaften, Bedienstete und etwa 600 Pferde, diverse Kutschen, Wagen und Kanonen. Er übernachtete im Haus des Tuchmachers Riehle, das nach seiner Sanierung seit 2017 als Museum die städtische Sammlung von Arbeiten Georg Kolbes beherbergt. Am 25. Oktober 1813 zog Napoleon sich von Erfurt nach Frankreich zurück.

Im Jahr 1852 eröffnete die Bahnstrecke Riesa–Chemnitz, an der Waldheim einen Bahnhof erhielt.

Waldheim wurde seit 1856 durch das Gerichtsamt Waldheim und seit 1875 durch die Amtshauptmannschaft Döbeln verwaltet.

Am 9. Juni 1933 fand auf dem Waldheimer Obermarkt eine von der örtlichen HJ durchgeführte Bücherverbrennung statt.Waldheimer Tageblatt. Nr. 131, 8. Juni 1933

Vom 7. bis zum 9. Mai 1945 war Waldheim eine zwischen den Alliierten USA und Sowjetunion geteilte Stadt, bevor sie am 10. Mai 1945 vollständig an die Sowjetunion fiel. Die Amerikaner zogen sich aufgrund der Abmachungen zwischen den Besatzungsmächten hinsichtlich der Nachkriegs-Zonenaufteilung in Deutschland zurück. 1952 kam die Stadt zum Kreis Döbeln im Bezirk Leipzig, der 2008 im Landkreis Mittelsachsen aufging. Zu DDR-Zeiten betrieb der VEB Typodruck Oschatz im Ortsteil Massanei ein Kinderferienlager.

Wirtschaftsgeschichte Ursprüngliche Haupterwerbsgebiete der Stadt waren Landwirtschaft, Webereien und Tuchmachereien. Die holzverarbeitende Industrie, die Schuhindustrie, die Seifen- und Kosmetikherstellung kamen, wie die Zigarrenfabrikation, erst im 19. Jahrhundert hinzu. 1827 soll der Leipziger Kaufmann Wilhelm Thost in der Waldheimer Strafanstalt die erste Zigarrenfabrik eingerichtet haben. Einige Jahre später kam als Teilhaber der Kommerzienrat Konrad Adolph Weißker (7. Juni 1810 – 23. Februar 1881) in die Firma, der ab 1838 – außerhalb der Anstalt – Arbeiter zur Herstellung von Zigarren anlernte. Somit war er der „Gründer der freien Zigarrenindustrie“. Den Rohtabak bezog man anfangs mit Pferdefuhrwerken aus der Pfalz. Adolph Weißker gilt – seit spätestens 1856 – auch als Gründer der Waldheimer Zigarren-Haus-Industrie; heute würde man es Heimarbeit nennen.

Auch die Firmen C. A. Döring (1848), C. F. Günther (1852) und Br. Fritsch (1854) gründeten sich infolge des wirtschaftlichen Engagements von Adolph Weißker, ebenso Firmen wie Altmann (1858 als Firma Riehle & Co. gegründet), Pause & Leonhardt (1878) oder Küchenmeister, deren Gründer auch bei Weißkers tätig gewesen waren. 1881, im Jahre seines Todes, beschäftigte die von Adolph Weißker begründete Zigarrenindustrie ein Fünftel aller Einwohner von Waldheim. Waldheims Zigarrenindustrie dehnte sich in ihrer Hochzeit auf Nachbarortschaften wie Hartha, Geringswalde, Mittweida, Döbeln, Frankenberg und ab Mitte der 1930er Jahre nach Rochlitz aus. Ihr jähes Ende fand sie mit der staatlich angeordneten Gesamtverlagerung der Tabakproduktion von Zigarren nach Thüringen zum Ende der 1960er Jahre.François Maher Presley: Waldheim Top 25. Hg. von Gaby Zemmrich. in-Cultura.com, Hamburg 2017, ISBN 978-3-930727-55-1.

Der Waldheimer Apotheker Adolf Heinrich August Bergmann erfand die Zahnseife als Vorläuferin der Zahncreme. Dieses Zahnpflegemittel wurde anfänglich aus Seife hergestellt. Im Jahr 1852 gründete er eine kleine Seifenfabrik, 1889 wurde die Waldheimer Parfümerie und Toilettenseifenfabrik als einer der ersten Kosmetikbetriebe in Deutschland ins Handelsregister eingetragen. Nach 50 Jahren des Bestehens konnte man auf ein Sortiment von etwa 800 Artikeln blicken. In Waldheim beschäftige die Gesellschaft zum 50. Firmenjubiläum 75 Mitarbeiter, und bis 1928 belieferte man fast ganz Europa, Nord-, Südamerika und Südafrika. Die Zahnreinigungsmittel blieben der Kern der Produktion während der und über die Weltwirtschaftskrise hinaus.

Wenngleich bereits 1920 der Name Florena vom Reichspatentamt in München als Marke registriert wurde, dauerte es noch viele Jahre, bis er als Creme eine breite Öffentlichkeit erreichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb volkseigen. Der Name wechselte zu „VEB Rosodont-Werk“ in Waldheim. Erst 1955 kam die erste Florena-Creme mit dem Slogan „Florena… ich fühl’ mich wohl in meiner Haut“ auf den Markt. 1989 änderte sich der Name der Gesellschaft in Florena Cosmetic GmbH. Die Marke blieb erfolgreich, Produkte werden seit 1998 in über 35 Länder exportiert. Seit 2002 war Florena eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Beiersdorf AG, bis es 2012 zur Verschmelzung der Gesellschaften kam. Heute firmiert der Waldheimer Standort unter dem Namen „Beiersdorf Manufacturing Waldheim GmbH“.François Maher Presley: Waldheim in Mittelsachsen, in-Cultura.com, Hamburg 2015, ISBN 978-3-930727-44-5.

Das Blechspielzeug aus Waldheim stammt vom wohl ältesten Hersteller, der Firma „Rock & Graner“. Sie hatte ihren Sitz in Biberach an der Riß in Baden-Württemberg. Ihre Geburtsstunde erlebte die Unternehmung, als sie 1813 aus dem Handelshaus „Wißhack“ in Biberach an der Riß hervorging. Ihre Namensgeber waren Christoph Gottfried Rock, der bereits 1825 ausschied, und sein Schwager Johann Wilhelm Graner. Ab 1826 führten die Brüder Julius und Heinrich Graner die Firma, die bereits 1837 über 100 Mitarbeiter beschäftigte und die Produkte wie Puppenstuben, Spardosen, Blechburgen, Kutschen, Kaleschen und Schiffe auf der Weltausstellung London 1851 präsentierten und damit große Aufmerksamkeit erregten. Zu Beginn des Jahres 1896 übernahm Oscar Egelhaaf das Unternehmen, dessen Firma in „Rock u. Graners Nachfolger“ geändert wurde. Die Produktion wurde um Eisenbahnen erweitert, die mit einem Uhrwerk oder Friktionsantrieb betrieben wurden – wieder eine Neuheit, der noch einige weitere folgen sollten, von denen zum Beispiel die Fernsteuerung von Modelleisenbahnweichen als Gebrauchsmuster eingetragen wurde.

1904 wurde die Produktion jedoch eingestellt. Es kamen zu wenige Bestellungen und die Handfertigung wurde durch maschinelle Fertigungsmöglichkeiten abgelöst. Egelhaaf hatte die Entwicklung verpasst. Zuletzt wurde die Gesellschaft 1905 liquidiert und 1907 aus dem Handelsregister gelöscht. Teile der Einrichtung und der Werkzeuge des Unternehmens gingen aus der Liquidierung heraus an Georg Kühnrich über, der damit weiterhin Eisenbahnen und Autos mit Uhrwerk baute und unter dem Namen „Mech. Spielwaren“ vertrieb. Die Fabrik vergrößerte sich nach dem Ersten Weltkrieg und beschäftigte 250 Arbeiter. Man kann sagen, dass seine Spielzeugproduktion weltweit durch ihre Detailgenauigkeit und ihre stetige technische wie auch designerische Entwicklung beeindruckte, parallel dazu Waldheim als Standort weit über die Grenzen des damaligen Deutschlands hinaus bekannt machte, und er maßgeblich dazu beitrug, die deutsche Blechspielzeugindustrie zu einem weltweiten Markenzeichen werden zu lassen. Dieser Unternehmer starb 1929 und mit ihm die Firmengeschichte. Jahre später standen die Produktionsstätten im Eigentum der Firma „Bellmann & Seifert“, die mit der Produktion des Blechspielzeugs nichts mehr zu tun hatte, aber die Spielzeugproduktion in Waldheim in anderer Weise beförderte, indem sie die Produktion des Spielzeuges BOB von Heinrich Huft für einige Jahre übernahm.

Der Wahl-Waldheimer Heinrich Huft (11. Oktober 1889 in Kassel geboren, am 27. Juni 1960 in Innsbruck gestorben) entwickelte Anfang der 1950er Jahre das System „Bauen ohne Bindemittel“ (BOB), bei dem die Steine ohne Bindemittel zusammengehalten wurden, da er ihnen Noppen gab – eine Neuheit. Seine Idee war, aus Kalksteinmehl und Wasserglas Bausteine zu entwickeln, und zwar erst einmal als Lehrmittel für die Bauberufe. Daraus entwickelte sich das berühmte Spielzeug für Kinder. Die Bausteine wurden im Verhältnis 1:7 hergestellt, in zwei verschiedenen Farben (Weiß und Rot) und in mehreren Größen produziert. Parallel dazu wurden auch Dachziegel aus PVC-Folie hergestellt, später aus Pappe. Um dem Ganzen nach unten hin Stabilität zu geben, wurde zum Bausatz eine Bodenplatte mitgeliefert. Zudem wurden Türen und Fenster aus farbiger Pappe oder „Bogensteine“ für die Überbindung der Fenster gefertigt.

Das von Heinrich Huft nach 1946 entwickelte Konzept fand viele Jahre in den auf Architektur und Bau spezialisierten Hochschulen der DDR gern Verwendung, war es doch in der Mangelwirtschaft ein probates Mittel, günstig zu Übungszwecken zu bauen. Es folgten eigene Produktionsstätten und der Siegeszug des Konzeptes als beliebtes Spielzeug. In Folge wurden die BOB-Steckbaukästen ebenso auf der Leipziger Messe wie auf der Spielzeugmesse in Nürnberg gezeigt, anschließend über die DDR hinaus auch in die BRD und weitere Teile der Welt geliefert. Nach seinem Rückzug nach Westdeutschland übernahm ein Herr Döring die Geschäftsführung seines Betriebes in Waldheim. Nur drei Jahre später verstarb Heinrich Huft. Die Firma wurde aufgelöst, die Produktion aber noch einige Jahre von der Firma „Bellmann und Seifert“ fortgeführt.

Das Kurt-Schwabe-Institut für Mess- und Sensortechnik e. V. befindet sich ebenfalls in Waldheim und wurde von seinem Namensgeber (seit 1990) Kurt Schwabe (29. Mai 1905 – 4. Dezember 1983) 1944 unter dem Namen „Forschungsinstitut für chemische Technologie“ gegründet. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das Institut Teil der heutigen „Kübler & Niethammer Papierfabrik Kriebstein AG“, in der Schwabe als Forschungsleiter tätig war.