Medaillenspiegel (Endstand nach 47 Entscheidungen) Platz Land G S B Gesamt 1 14 8 3 25 2 7 6 4 17 3 3 4 2 9 4 3 3 1 7 5 2 3 3 8 6 2 – 1 3 7 2 – – 2 8 1 5 2 8 9 1 2 4 7 9 1 2 4 7 Vollständiger Medaillenspiegel
Die 10. Leichtathletik-Weltmeisterschaften (offiziell: 10th IAAF World Championships in Athletics Helsinki 2005) wurden zwischen dem 6. und 14. August 2005 in der finnischen Hauptstadt Helsinki ausgetragen.
Bewerbungen um den Austragungsort Ursprünglich sollten die Weltmeisterschaften in London stattfinden. Ein Gutachten, das die britische Regierung in Auftrag gegeben hatte, kam jedoch zu dem Ergebnis, dass der erforderliche Neubau eines Leichtathletikstadions nicht rentabel sei. Der britische Leichtathletik-Verband schlug daher vor, die Weltmeisterschaften in Sheffield auszutragen. Als der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) darauf nicht einging, gab man die Ausrichtung der Weltmeisterschaften zurück.
Bei der Neuausschreibung bewarben sich Berlin, Brüssel, Budapest, Helsinki, Moskau und Rom um die Ausrichtung. Am 14. April 2002 entschied sich das IAAF-Council während seiner Sitzung in Nairobi überraschend für die finnische Hauptstadt.
Überblick Abgesehen von den Straßenwettbewerben fanden die Wettkämpfe im modernisierten Olympiastadion statt, das bereits 1983 Schauplatz der 1. Leichtathletik-Weltmeisterschaften war.
Ältester Teilnehmer war der 50-jährige israelische Marathonläufer Haile Satayin (* 11. April 1955), der mit persönlicher Bestleistung von 2:17:26 h den 21. Platz belegte. Jüngste Teilnehmerin war die erst 14-jährige 100-Meter-Läuferin Rosa-Mystique Jones aus Nauru (Vorlauf: Platz acht in 13,16 s).
Wettbewerbe Neu in das Wettkampfprogramm der Frauen wurde nun auch der 3000-Meter-Hindernislauf aufgenommen. So war das Angebot für Frauen und Männer nach langen Jahren der Entwicklung, in denen immer mehr Frauendisziplinen Einzug in den Wettkampfkatalog gehalten hatten, weitgehend angeglichen. Unterschiede gab und gibt es in den Gewichten der Wurfgeräte sowie in der Höhe von Hürden und Hindernissen.
Alleine den Männern vorbehalten blieb für einige Jahre noch das 50-km-Gehen, das 2017 ins Frauen-WM-Programm kam.
Prämien Sportler, die in den Weltmeisterschaftswettkämpfen einen Weltrekord erzielten, erhielten von der veranstaltenden Internationalen Leichtathletik-Assoziation IAAF eine Prämie von 100.000 US-Dollar. Weitere Prämien waren ausgeschrieben für alle Teilnehmer, die im Endkampf unter die ersten Acht kamen:
Prämien bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2005 (in US-Dollar) Platz Einzeldisziplinen Staffeln Marathon-Cup 1 60.000 80.000 20.000 2 30.000 40.000 15.000 3 20.000 20.000 12.000 4 15.000 16.000 10.000 5 10.000 12.000 8.000 6 6.000 8.000 6.000 7 5.000 6.000 – 8 4.000 4.000 –
Sportliche Leistungen Auch die zehnte Austragung der Leichtathletik-Weltmeisterschaften war wie die Veranstaltungen zuvor von einem hohen Leistungsniveau geprägt. Höhepunkte waren drei Weltrekorde: Stabhochsprung Frauen – 5,01 m: Jelena Issinbajewa (Russland), Finale Speerwurf Frauen – 71,70 m: Osleidys Menéndez (Kuba), Finale 20-km-Gehen Frauen – 1:25,41 h: Olimpiada Iwanowa (Russland) Es gab sechs Kontinentalrekorde: 400-Meter-Hürdenlauf Männer – 47,84 s (Südamerikarekord): Bayano Kamani (Panama), Halbfinale Zehnkampf Männer – 8023 P (Afrikarekord): Hamdi Dhouibi (Tunesien) 3000-Meter-Hindernislauf Frauen – 9:41,21 min (Asienrekord): Minori Hayakari (Japan), Vorlauf 4-mal-400-Meter-Staffel Frauen – 3:26,82 min (Südamerikarekord): Brasilien (Maria Laura Almirão, Geisa Aparecida Coutinho, Josiane Tito, Lucimar Teodoro), Vorlauf Kugelstoßen Frauen – 19,87 m (Ozeanienrekord): Valerie Vili (Neuseeland), Qualifikation Speerwurf Frauen – 70,03 m (Europarekord): Christina Obergföll (Deutschland), Finale In neun Disziplinen gab es vierzehn neue Weltjahresbestleistungen: 400-Meter-Lauf Männer – 43,93 s: Jeremy Wariner (USA), Finale 4-mal-100-Meter-Staffel Männer – 38,34 s: Frankreich (Oudéré Kankarafou, Ronald Pognon, Eddy de Lépine, Luéyi Dovy), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel Männer – 38,28 s: Trinidad und Tobago (Kevon Pierre, Marc Burns, Jacey Harper, Darrel Brown), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel Männer – 38,08 s: Frankreich (Ladji Doucouré, Ronald Pognon, Eddy de Lépine, Luéyi Dovy), Finale 4-mal-400-Meter-Staffel Männer – 2:59,73 min: USA (Nathaniel McKinney, Avard Moncur, Troy McIntosh, Andrae Williams), Vorlauf 4-mal-400-Meter-Staffel Männer – 2:56,91 min: USA (Andrew Rock, Derrick Brew, Darold Williamson, Jeremy Wariner), Finale Weitsprung Männer – 8,60 m: Dwight Phillips (USA), Finale Zehnkampf Männer – 8732 P: Bryan Clay (USA) 400-Meter-Hürdenlauf Frauen – 52,90 s: Julija Petschonkina (Russland), Finale 4-mal-100-Meter-Staffel Frauen – 42,16 s: USA (Angela Daigle, Muna Lee, Me’Lisa Barber, Lauryn Williams), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel Frauen – 41,78 s: USA (Angela Daigle, Muna Lee, Me’Lisa Barber, Lauryn Williams), Finale 4-mal-400-Meter-Staffel Frauen – 3:20,23 min: Russland (Olesja Krasnomowez, Natalja Antjuch, Tatjana Firowa, Olesja Sykina), Vorlauf Hochsprung Frauen – 2,02 m: Kajsa Bergqvist (Schweden), Finale Dreisprung Frauen – 15,11 m: Trecia Smith (Jamaika), Finale In vier Disziplinen wurden sechs Weltmeisterschaftsrekorde aufgestellt. Außerdem waren in 20 Disziplinen 41 Landesrekorde zu verzeichnen.
Erfolgreichste Sportler Folgende Athleten errangen zwei Goldmedaillen: Justin Gatlin, (USA) – 100 Meter, 200 Meter Rashid Ramzi, (Bahrain) – 800 Meter, 1500 Meter Tirunesh Dibaba, (Äthiopien) – 5000 Meter, 10.000 Meter Jeremy Wariner, (USA) – 400 Meter, 4 × 400 m Ladji Doucouré, (Frankreich) – 110 Meter Hürden, 4 × 100 m Lauryn Williams, (USA) – 100 Meter, 4 × 100 m Julija Petschonkina, (Russland) – 400 Meter Hürden, 4 × 400 m Folgende Weltmeister waren bereits bei vorangegangenen Weltmeisterschaften siegreich: Tirunesh Dibaba, (Äthiopien) – 5000 Meter: zweiter Sieg in Folge, außerdem hier in Helsinki Weltmeisterin über 10.000 Meter Yipsi Moreno, (Kuba) – Hammerwurf: dritter Sieg in Folge Kenenisa Bekele, (Äthiopien) – 10.000 Meter: zweiter Sieg in Folge Jaouad Gharib, (Marokko) – Marathonlauf: zweiter Sieg in Folge Saif Saaeed Shaheen, (Qatar) – 3000 Meter Hindernis: zweiter Sieg in Folge Jefferson Pérez, (Ecuador) – 20-km-Gehen: zweiter Sieg in Folge Dwight Phillips, (USA) – Weitsprung: zweiter Sieg in Folge Virgilijus Alekna, (Litauen) – Diskuswurf: zweiter Sieg in Folge Tatjana Tomaschowa, (Russland) – 1500 Meter: zweiter Sieg in Folge Carolina Klüft, (Schweden) – Siebenkampf: zweiter Sieg in Folge Olimpiada Iwanowa, (Russland) – 20-km-Gehen: zweiter Sieg nach 2001 Franka Dietzsch, (Deutschland) – Diskuswurf: zweiter Sieg nach 1999 Osleidys Menéndez, (Kuba) – Speerwurf: zweiter Sieg nach 2001
Deutsche Mannschaft Zur deutschen Mannschaft gehörten 52 Sportlerinnen und Sportler, die in 19 der 26 Disziplinen starteten. Disziplin Männer Frauen 200 Meter Tobias Unger, Sebastian Ernst 400 Meter Simon Kirch 800 Meter René Herms Monika Gradzki 10.000 Meter Sabrina Mockenhaupt 100 Meter Hürden Kirsten Bolm 110 Meter Hürden Thomas Blaschek 400 Meter Hürden Christian Duma Claudia Marx 4 × 100 Meter Marc Blume, Alexander Kosenkow, Marius Broening,Tobias Unger, Sebastian Ernst, Till Helmke 4 × 400 Meter Simon Kirch, Bastian Swillims, Florian Seitz,Kamghe Gaba, Ralf Riester Claudia Hoffmann, Korinna Fink, Claudia Marx,Ulrike Urbansky, Anja Neupert 20-km-Gehen André Höhne Sabine Zimmer, Melanie Seeger Stabhochsprung Tim Lobinger, Danny Ecker Carolin Hingst Weitsprung Nils Winter Bianca Kappler Dreisprung Charles Friedek Kugelstoßen Ralf Bartels Petra Lammert, Nadine Kleinert, Christina Schwanitz Diskuswurf Lars Riedel, Michael Möllenbeck Franka Dietzsch Hammerwurf Markus Esser, Holger Klose Betty Heidler, Susanne Keil, Kathrin Klaas Speerwurf Mark Frank, Christian Nicolay Steffi Nerius, Christina Obergföll Siebenkampf Sonja Kesselschläger, Karin Ertl, Lilli Schwarzkopf Zehnkampf André Niklaus
Doping Wie die letzten beiden Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2001 in Edmonton und 2003 in Paris war auch diese Weltmeisterschaften bedingt durch nachträgliche Untersuchungen und Erkenntnisse heftig von der Dopingproblematik gekennzeichnet. Elf Sportlern, darunter drei Weltmeistern, wurden aufgrund von Verstößen gegen die Dopingbestimmungen ihre Platzierungen, Medaillen, Titel aberkannt. Jurij Bilonoh, Ukraine – Kugelstoßen (zunächst Vierter). In: Augsburger Allgemeine 27. Juni 2013, augsburger-allgemeine.de, abgerufen am 2. Oktober 2020 Andrej Michnewitsch, Belarus – Kugelstoßen (zunächst Sechster)Michnewitsch gesperrt – Bartels erwartet Silber, Focus Online 13. Juni 2013 auf focus.de, abgerufen am 2. Oktober 2020 Iwan Zichan, Belarus – Hammerwurf (zunächst Erster)Revision of results following sanctions of Tsikhan and Ostapchuk, iaaf.org (englisch). Abgerufen am 4. Oktober 2020 Wladyslaw Piskunow, Ukraine – Hammerwurf (in der Qualifikation ausgeschieden)6 from 2005 worlds caught doping , espn.com (englisch). 8. März 2013, abgerufen am 4. Oktober 2020 Andrei Varantsou, Belarus – Hammerwurf (in der Qualifikation ausgeschieden)Doping Cases in Athletics. popflock.com (englisch), abgerufen am 4. Oktober 2020 Tatjana Kotowa, Russland – Weitsprung (zunächst Zweite)2013: Gay, Powell und Campbell-Brown – Die positive Sprint-Elite, Sportschau, 7. August 2014, sportschau.de; abgerufen am 12. Oktober 2020 Schanna Block, Ukraine – 100 Meter (im Halbfinale ausgeschieden)Ex-100m world champ Block under doping probe, cbc.ca, 24. März 2011 (englisch), abgerufen am 5. Oktober 2020 Nadseja Astaptschuk, Belarus – Kugelstoßen (zunächst Erste)Doping-Tests von WM 2005: Drei Weltmeister überführt, Focus Online, 8. August 2013, focus.de; abgerufen am 13. Oktober 2020 Swetlana Kriweljowa, Russland – Kugelstoßen (zunächst Vierte), Focus Online, 2. April 2013, focus.de; abgerufen am 15. Oktober 2020 Neelam Jaswant Singh, Indien – Diskuswurf (in der Qualifikation ausgeschieden)Neelam drags India into dope fiasco. In: The Tribune, 13. August 2005, tribuneindia.com; abgerufen am 14. Oktober 2020 Olga Kusenkowa, Russland – Hammerwurf (zunächst Erste)
Darüber hinaus wurde der ursprüngliche Silbermedaillengewinner Wadsim Dsewjatouski aus Belarus im Jahr 2013 des wiederholten Dopings überführt und zunächst disqualifiziert.Drei Weltmeister nachträglich überführt. In: Der Tagesspiegel 8. März 2013, tagesspiegel.de, abgerufen am 4. Oktober 2020 Er konnte jedoch in einer dreijährigen juristischen Auseinandersetzung vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) durchsetzen, dass die Probe nicht als positiv gewertet wurde und seine Disqualifikation damit rückgängig machen.IAAF verschärft Blick auf Hochrisiko-Länder. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung 29. Juli 2018, faz.net, abgerufen am 4. Oktober 2020
Verschoben gegenüber 2001 und 2003 hatten sich die Nationalitäten der Dopingsünder. Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften stammte die weitaus überwiegende Zahl aus den USA. In diesem Jahr kamen vier Sportler aus Belarus, drei aus Russland, drei aus der Ukraine und eine Athletin aus Indien. Betroffen waren ausschließlich die Wurf- und Stoßdisziplinen.
Resultate Männer 100 m mini|hochkant=0.6|
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Justin Gatlin 9,88 2 Michael Frater 10,05 3 Kim Collins 10,05 4 Francis Obikwelu 10,07 5 Dwight Thomas 10,09 6 Leonard Scott 10,13 7 Marc Burns 10,14 8 Aziz Zakari 10,20 Finale: 7. August, 21:35 Uhr
Wind: +0,4 m/s
200 m
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Justin Gatlin 20,04 2 Wallace Spearmon 20,20 3 John Capel 20,31 4 Tyson Gay 20,34 5 Stéphan Buckland 20,41 6 Patrick Johnson 20,58 7 Tobias Unger 20,81 8 Usain Bolt 26,27 Finale: 11. August, 22:10 Uhr
Wind: −0,5 m/s
400 m
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Jeremy Wariner 43,93 2 Andrew Rock 44,35 3 Tyler Christopher 44,44 4 Chris Brown 44,48 5 Timothy Benjamin 44,93 6 Brandon Simpson 45,01 7 Darold Williamson 45,12 8 John Steffensen 45,46