mini|Makrameearbeit aus den Philippinen (vor 1932) mini|Moderne Makrameearbeit mini|Ein Muster aus Sylvia's Book of Macramé Lace (1882) Makramee (Point noué)Hugo Glafey (Hrsg.): Textil-Lexikon – Handwörterbuch der gesamten Textilkunde. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/Berlin 1937, S. 504. bezeichnet eine Anzahl von Knüpftechniken zur Anfertigung von Spitze, die vollständig per Hand – also ohne Nadeln und gewöhnlich auch ohne Gewichte – ausgeführt werden. Halbe Schläge (meist doppelt ausgeführt) und Kreuzknoten bilden den Kernbestand der verwendeten Knoten. Die Arbeit erfolgt von oben nach unten mit einer der Breite der Arbeit entsprechenden Anzahl von Fäden, die von vornherein passend zugeschnitten werden. Infolge ihrer Machart enden Makrameearbeiten unten häufig in Fransen.

Von Klöppelspitze unterscheidet Makrameespitze sich dadurch, dass die Fäden nicht miteinander verdreht, verkreuzt und verschlungen, sondern hauptsächlich miteinander verknotet werden. Von Reticella- und von Nadelspitze unterscheidet sie sich u. a. dadurch, dass sie nicht mit der Nadel, sondern mit bloßen Händen gefertigt wird. Mit Occhi hat Makramee gemeinsam, dass beide Techniken auf Knoten basieren; während Makrameearbeiten aus einer Mehrzahl von Fäden, oft sogar aus sehr vielen Fäden bestehen, wird Occhispitze meist aus einem einzigen Faden gefertigt, und dies auch nicht nur mit bloßen Händen, sondern mit einem Schiffchen.

Der Ursprung von Makramee wird im Altertum vermutet. Einen nachweislich hohen Entwicklungsstand erreicht die Technik aber erst im 16. Jahrhundert in Italien. Außer bei der Herstellung von Textilien kommen Makrameetechniken seit den 1970er Jahren auch beim Knüpfen von Ornamenten oder von Schmuck zum Einsatz. Eine maschinelle Anfertigung von Makrameearbeiten ist bis heute nicht möglich.

Anders als beim Stricken und Häkeln hat sich beim Makramee eine Notation – mit standardisierten Symbolen für individuelle Knoten – bis heute nicht durchgesetzt. Da zumindest für Fortgeschrittene die Machweise durch Augenschein leicht erkennbar ist, dienen in frühen Publikationen Zeichnungen und Fotografien von Makrameearbeiten als Muster.Z. B. The Imperial Macramé Lace Book, Sylvia's Book of Macrame Lace, Thérèse de Dillmont: Le macramé Einen Vorschlag zur Notation hat in jüngerer Zeit Harumi Kageyama gemacht.

Etymologie Die Herkunft des Wortes „Makramee“ ist nicht vollständig gesichert. Es wird vermutet, dass der Ursprung arabisch ist (, „ornamentale Franse“, „geknüpfter Schleier“, belegt seit dem 13. Jahrhundert; von , „Betttuch“). Von dort kam das Wort – möglicherweise mit Umweg über das Persische (mikrama) – ins Türkische (makrama). Der weitere Weg führt wahrscheinlich über das Italienische (macramè) ins Französische (macramé) und von dort schließlich unter anderem ins Englische (macramé, macrame) und ins Deutsche (Makramee). Spanisch wird die Technik, außer als macramé, auch als morisco („maurisch“) bezeichnet.

Geschichte Altertum Ungeachtet der Etymologie des Wortes Makramee hat die britische Textilhistorikerin Pat Earnshaw in ihrem 1982 erstmals erschienenen Standardwerk A Dictionary of Lace als Ursprung der Makrameetechnik nicht den mittelalterlichen arabischen Raum, sondern das Altertum angegeben. Als frühestes bekanntes Dokument für die Existenz der Technik nennt sie eine auf etwa 850 v. Chr. datierte assyrische Steinmetzarbeit, auf der ein Krieger abgebildet ist, dessen Tunika einen Besatz zeigt, der vermutlich in Makrameetechnik gefertigt ist. Sie hält es für wahrscheinlich, dass die Technik – außer als Dekoration – ursprünglich entwickelt worden ist, um sicherzustellen, dass Gewebe sich am Rande nicht auflösen können. Sie geht davon aus, dass geknüpfte Spitze eine modische Bedeutung aber frühestens im ausgehenden 15. Jahrhundert erlangt.

Maurische Spitze In den Quellen, deren Autoren den Ursprung der Makrameetechnik im arabischen Raum vermuten, besteht keine Einigkeit darüber, wann und auf welchen Wegen das Wort und die damit bezeichnete Textiltechnik aus dem Orient nach Europa gelangt sein könnten. So ist in einer deutschen Publikation aus dem Jahre 1890 angegeben, dass Makramee „zur Zeit der Kreuzzüge aus Arabien zu uns überkommen sein [soll]“. In einer amerikanischen Quelle heißt es 21 Jahre später dagegen, Makramee habe das christliche Europa im Zusammenhang der spanischen Reconquista erreicht. In einer jüngeren britischen Quelle ist ohne Nennung der Reconquista angegeben, dass maurische Weber nach Spanien gereist seien und die dortigen Einheimischen ihre Kunst gelehrt haben; von dort sei Makramee – über Frankreich, wo die Technik im 14. Jahrhundert angekommen sein soll – nach Italien gelangt.

Die Geschichte der Spitze in Spanien gilt unter heutigen Textilhistorikern als besonders schwer rekonstruierbar, da Belegstücke und Dokumente mit eindeutiger Information fehlen und da Ware, die (etwa aus dem von Spanien dominierten Italien) importiert war, leicht als eigene Produktion hätte ausgegeben werden können. Zwei seit dem 15. Jahrhundert in Spanien bekannte, aus Seide oder Metall gefertigte, dem Makramee ähnliche Knüpfspitzen hießen Caireles und Rapacejus.

Wenig ist über die Technik bekannt, die arabisch als miqrama bezeichnet wurde und das europäische Makramee nach Meinung mancher Autoren angeregt hat. Cora A. Slocomb di Brazzà erwähnte 1893 in dem von ihr verfassten Ausstellungskatalog A Guide to Old and New Lace in Italy ein in Venedig so bezeichnetes Punto Moresco (auch Moorish point), das geknüpft und eine Form von Makramee sei. Mehr oder weniger übereinstimmend damit bemerkte 1920 der amerikanische Literaturhistoriker Louis Harmoth, punto moresco sei die italienische Bezeichnung für eine geknüpfte Spitze, mit der „echtes Makramee“ imitiert werde. Andere Autoren dagegen verstanden unter „maurischer Spitze“ (französisch dentelle de Moresse) gar nichts, das mit Makramee zu tun hatte, sondern eine grobe nordafrikanische bzw. marokkanische Klöppelspitze des 16. und 17. Jahrhunderts, die auch keineswegs einheimischen, sondern spanischen oder maltesischen Ursprungs war. Dentelle de Moresse:

Pat Earnshaw erwähnt ein Groppi moreschi („maurisches Knüpfen“), das der venezianische Verleger Giovanni Antonio Tagliente in seiner erstmals 1527 veröffentlichten Mustersammlung Essempio di recammi aufgeführt hat; es sei aber unklar, ob es sich dabei um eine Knüpftechnik handelt oder um eine Technik, die – was etwa im Kontext byzantinischer Designs vorkam – das Aussehen von Knoten lediglich imitiert. Die Knüpfspitze, die in Teilen des arabischen Raumes sowie in der Türkei und in Armenien beheimatet war, wurde nach Earnshaws Einschätzung nicht mit bloßer Hand, sondern mit der Nadel gefertigt. Generell gilt das Stichwort „maurisch“ unter Textilhistorikern jedoch als Hinweis auf das Vorliegen oder Imitieren einer geknüpften Spitze.

Mittelalter und Renaissance mini|Makrameespitze aus dem 16. Jahrhundert (Fragment) mini|Makrameespitze aus dem 17. Jahrhundert (Fragment) Im späten 19. Jahrhundert haben einige Autoren (Cora A. Slocomb di Brazzà, C. R. Clifford) Ähnlichkeiten zwischen Makramee und Punto a groppo bemerkt und irrtümlich vermutet, dass es sich dabei um ein und dieselbe Technik handele. Punto a groppo war eine Form von Spitze, die in Italien in der Zeit vom 15. bis 17. Jahrhundert verbreitet war. Wie Pat Earnshaw später aufgewiesen hat, rührt die fehlerhafte Gleichsetzung wahrscheinlich daher, dass die wenigen erhaltenen Beispiele von Punto a groppo sich in so schlechtem Zustand befanden, dass die Machart kaum zu erkennen war. Nach ihrer Einschätzung war Punto a groppo auf der Grundlage eines geknoteten Knopflochstichs (point noué) mit der Nadel gearbeitet.

Earnshaw beschreibt jedoch kleinere Makrameearbeiten, die auch im 16. und 17. Jahrhundert bereits existiert haben. Um die Art der Anfertigung zu kaschieren, endeten diese oft nicht in Fransen, sondern in kleinen Zierschlingen (picots), die dem Rand ein gezahntes Aussehen verliehen. Auch die amerikanische Textilhistorikerin Virginia Churchill Bath charakterisiert die älteren Makrameespitzen als „sehr zart und klein“, da sie aus den Fäden ungesäumter Textilien gearbeitet gewesen seien; auch vermutet sie eine Identität von Fil(et) de Carnasière und Makramee. Über Fil de Carnasiere heißt es bei Emily Nevill Jackson: diese „italienische geknüpfte Spitze“ sei „in der Frühzeit des Spitzenmachens im Dienste der Kirche“ verwendet worden.

Einige Fotografien von erhaltenem Makramee aus dem 16. Jahrhundert hat Elisa Ricci in ihrer Monografie Old Italian Lace veröffentlicht. Als Makrameearbeiten sind von verschiedenen Autoren auch die Spitzen identifiziert worden, die in zwei Gemälden der frühen Neuzeit am unteren Rande von Tischdecken zu sehen sind:

Restaurationszeit und Aufklärungszeit in England In ihrer Monografie History of Lace (1865) berichtet Fanny Bury Palliser, dass Königin Mary II. (1662–1694) nach Auskunft ihres Biografen Gilbert Burnet ihre Freizeit mit der Anfertigung geknüpfter Spitze verbracht habe. Mary soll die Technik in den Niederlanden kennengelernt und später ihre Hofdamen gelehrt haben. Auch Queen Charlotte (1744–1818) soll Makrameearbeiten besessen und geschätzt haben.

Viktorianisches Zeitalter mini|Genueser Makramee In den 1840er Jahren kam es zu einer Blüte der Makrameetechnik in der Region der italienischen Riviera, besonders in Chiavari und in Genua, das – neben Venedig und Mailand – eines der bedeutendsten Zentren der italienischen Spitzenherstellung war. Hier erscheint im Zusammenhang mit der Knüpftechnik erstmals der Terminus „Makramee“ (ital. macramè). Die an der Riviera gefertigten Knüpfspitzen wurden als Verzierung v. a. an Handtücher aus Damast angefügt. Internationale Beachtung fand die Technik, als 1867 Arbeitsproben aus Genua auf der Pariser Weltausstellung präsentiert wurden. Auch auf der Centennial Exhibition in Philadelphia und auf der (1876) Weltausstellung Paris 1878 war Makrameespitze ausgestellt. Eine genaue Darstellung der Technik war zuvor allerdings schon in der britischen Schrift Illustrated Queen Almanach and Lady's Calendar for 1866 erschienen.

mini|Illustration aus dem Imperial Macramé Lace Book