alternativtext=Zeittafel Ortsgründung|mini|Nach dieser Betrachtung kommt als erstmalige urkundliche Erwähnung das Jahr 1027 in Betracht. Hünningen ist ein Ortsteil der Gemeinde Ense im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen. Der Ort hat 473 Einwohner.
Hünningen im Überblick mini|Die Ruhr bei Hünningen Hünningen ist ein Dorf mit 461 Einwohnern an der Schnittstelle des Sauerlands zur Soester Börde. Mit weiteren 13 Ortsteilen bildet Hünningen die Gemeinde Ense und liegt im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen. In einem Radius von 20 Kilometern befinden sich die Städte Werl, Soest und Arnsberg, der Haarstrang, der Arnsberger Wald und der Möhnesee. Zusammen mit dem Nachbardorf Lüttringen, mit dem es enge Verflechtungen gibt, bildet Hünningen ein „Doppeldorf“. Auf Hünninger Gebiet befindet sich Haus Füchten, ein früherer Adelssitz aus dem 13. Jahrhundert. Hünningen als Ortschaft blickt auf eine tausendjährige Geschichte zurück. Siedlungsspuren lassen sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen.
Hünningen stellte ursprünglich eine rein bäuerliche Siedlung dar, doch Landwirtschaft gibt es nur noch im Nebenerwerb. Das dörfliche Erscheinungsbild, wie es zum Teil heute noch zu erkennen ist, entwickelte sich im 19. Jahrhundert. Mit dem Zuzug von Flüchtlingen aus östlichen Reichsteilen nach dem Zweiten Weltkrieg sowie der Ausweisung von Baugebieten im 20. Jahrhundert ging auch ein Anwachsen der Bevölkerung einher. Allerdings liegt der Entwicklung keine raum- oder bauplanerische Idee zu Grunde. Hünningen verfügt somit weder über eine erkennbar gewollte Struktur, noch über eine richtige Dorfmitte. Nach der Schließung der „Dorfschänke“ im Jahr 1997 gibt es in der Ortsmitte außer einem Spielplatz keinen öffentlichen Begegnungsort mehr. Neben dem Spielplatz befindet sich das Feuerwehrhaus, welches eine Löschgruppe und einen Spielmannszug beherbergt.
Obwohl Hünningen weder über einen richtigen Begegnungsort noch über Einzelhandel oder Gastronomie verfügt, bietet der Ort ein vergleichsweise hohes Angebot von Freizeit- und Bildungsmöglichkeiten. Diese befinden sich an der Grenze zu Lüttringen, wo die Straße „Am Gelke“, welche nicht unmittelbar an die Hünninger Wohnbebauung anschließt, die Ortsgrenze bildet. Auf Hünninger Seite befinden sich die Grundschule „Fürstenbergschule“ mit separater Sporthalle, ein Beachvolleyballplatz und eine Skateranlage. Auf der gegenüberliegenden Lüttringer Seite befindet sich die Schützenhalle der Schützenbruderschaft St. Hubertus Hünningen-Lüttringen e. V., ein Sportplatz mit Sportheim, das Familienzentrum „Lummerland“, eine Tennisplatzanlage mit Vereinsheim und ein Siedlerheim. Diese „öffentliche Meile“ wertet die beiden relativ kleinen Orte Hünningen und Lüttringen in ihrem Wohnwert erheblich auf. Auch das Vereinsleben wird von der Einwohnerschaft beider Dörfer getragen und bietet ein relativ großes Freizeitangebot.
Die Gemeinde Ense, zu der Hünningen gehört und welche im Rahmen der kommunalen Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen gebildet wurde, existiert seit dem 1. Juli 1969. Die Ortsteile sind seitdem nicht mehr eigenständig und auch postalisch unter der Bezeichnung „Ense“ zusammengefasst. Üblich ist die Schreibweise seit der Neugliederung häufig mit Bindestrich. Daher wird als Ortsangabe oft auch „Ense-Hünningen“ verwendet.
Die Bevölkerungsdichte liegt mit rund 110 Einwohner/km² im europäischen Durchschnitt (zum Vergleich: Nordrhein-Westfalen ca. 530, Bundesrepublik Deutschland ca. 230, Europa ca. 120). Die Mehrheit der Bevölkerung ist römisch-katholisch und seit Ende des Zweiten Weltkriegs sind auch vermehrt evangelische Christen nach Hünningen gezogen. Andere Religionen sind nur vereinzelt vertreten und die Zahl der Konfessionslosen steigt.
Geschichte Unabhängig von der erstmaligen urkundlichen Erwähnung reichen Siedlungsspuren im Raum Hünningen bis in die Jungsteinzeit zurück. Eine Ortsgründung nach heutigem Verständnis erfolgte an der Schwelle von der Antike zum Mittelalter in der Zeit der Merowinger. Schriftliche Dokumente darüber sind jedoch nicht erhalten. Nach den Merowingern wurde die Region von den Sachsen beherrscht, die im 8. Jahrhundert von den Karolingern unterworfen wurden. Mit der Verfestigung von staatlichen Strukturen beginnt um das Jahr 1000 die dokumentierte Geschichte von Hünningen.
Hünningen in der Zeit vor der dokumentierten Ortsgeschichte Die Besiedlung von Hünningen erfolgte in über einen Zeitraum von mehr als 5000 Jahren:
Jäger und Sammler in der Jungsteinzeit (Ruhr, Bremer-Bachtal, Fürstenberg) Siedlungsspuren sesshafter Menschen ab der Bronzezeit Zugehörigkeit zum Herrschaftsraum der Merowinger ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. Zugehörigkeit zum Herrschaftsraum der Sachsen ab dem späten 7. Jahrhundert n. Chr. Zugehörigkeit zum Herrschaftsraum der Karolinger ab dem 9. Jahrhundert n. Chr. Teil des Deutschen Reiches ab 10. dem Jahrhundert n. Chr. (→ Beginn von Aufzeichnungen)
Im Jahr 1986 erforschte Hilmar Tilgner von der Universität Mainz die Entstehungsgeschichte von Hünningen und Lüttringen als sogenanntes Doppeldorf. Derart fundierte und weitreichende Forschungen sind für ein Dorf dieser Größenordnung keineswegs selbstverständlich und stellen den bis dato größten heimatgeschichtlichen Beitrag zu Hünningen dar. Die Forschungsergebnisse von Hilmar Tilgner sind in der Festschrift 950 Jahre Hünningen-Lüttringen festgehalten.Hilmar Tilgner: Die ältesten Nachrichten über Hünningen und Lüttringen. In: Bernhard Osterhaus (Hrsg.): Hünningen – Lüttringen. Ense-Hünningen 1986, S. 19–24.
Erstmalige urkundliche Erwähnung Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich der Ortsname mehrfach und oft wurden unterschiedliche Schreibweisen gleichzeitig verwendet. Abgeleitet ist das Wort Hünningen aus dem Sächsischen und bedeutete ursprünglich „bei den Häusern des Huno“. Die frühe Ortsbezeichnung setzte sich zusammen aus dem Namen „Huno“ und der sächsischen Endung „-inghausen“ für Dorf/Siedlung. Die heutige Bezeichnung hat sich im 19. Jahrhundert durchgesetzt; bekannt sind folgende Schreibweisen:
Hunninghuson Honnynckhuißsen Hunnighusen Hunninchuson Hoinghusen Hünningsen Hünningen
Lange umstritten war die Datierung der ersten urkundlichen Erwähnung sowohl von Hünningen als auch von Lüttringen. Beide Orte blicken auf eine rund tausendjährige gemeinsame Vergangenheit zurück. Im Mittelpunkt ihrer erstmaligen Erwähnung steht eine Urkunde von Kaiser Konrad II. aus der Dynastie der Salier. Das Original dieser Urkunde erwähnt beide Orte des Doppeldorfes und ist im Laufe der Jahrhunderte abhandengekommen. Allerdings existiert eine Fälschung, mit welcher im späten Mittelalter Machtpolitik betrieben wurde. Diese Urkunde datiert die erstmalige Erwähnung (im Folgenden z. T. auch „Gründung“ genannt) auf das Jahr 1036 n. Chr. Auf Grundlage dieser Fälschung haben im Jahr 1986 mehrere Orte in Südwestfalen ihr 950-jähriges Bestehen gefeiert. Doch bereits im Jahr 1986 hatten die Organisatoren der Feierlichkeiten im Doppeldorf herausgefunden, dass die Gründung früher erfolgt sein muss. Große Verdienste um diese Erkenntnisse hat der Mainzer Historiker Hilmar Tilgner, dessen Stiefmutter Hünninger Wurzeln hatte, erworben. Der Arbeit von Tilgner ist es zu verdanken, dass die Fälschung als solche entlarvt wurde. Zweifel an der Echtheit der Urkunde gab es bereits vorher schon und spätestens seit 1986 liegt nun auch ein wissenschaftlicher Beleg für eine Fälschung vor.
Bei der Suche nach der korrekten Datierung der erstmaligen urkundlichen Erwähnung spielen drei Protagonisten eine entscheidende Rolle: Klostervogt Hermann II. von Werl, Abt Heithanrich vom Kloster Werden bei Essen und Kaiser Konrad II. Die echte Urkunde, welche der Fälschung zu Grunde liegt, kann nur in einem Jahr ausgefertigt worden sein, in dem alle drei Protagonisten ihre Ämter bekleidet haben. Zur Veranschaulichung dient dazu die Zeittafel „erstmalige urkundliche Erwähnung“ (siehe Abbildung). Die Lebens- und Wirkungsdaten lassen eine Datierung der Urkunde für das Jahr 1027 als naheliegendste Möglichkeit erscheinen. Da Konrad erst 1027 zum Kaiser gekrönt wurde und sich dieses Jahr mit dem Ableben von Klostervogt Hermann überschneidet (seine Lebensdaten variieren in unterschiedlichen Quellen), verdichten sich die Anzeichen, dass die Ersterwähnung ins Jahr 1027 fällt. Das tausendjährige Jubiläum des Doppeldorfes fiele somit in das Jahr 2027.
Kriege und Konflikte Wann zuletzt Kampfhandlungen in Hünningen stattgefunden haben, ist nicht erforscht. Bis ins 17. Jahrhundert waren innerdeutsche Auseinandersetzungen die größte Gefahr für die Bewohner von Hünningen. Dazu zählten beispielsweise die Soester Fehde im 15. Jahrhundert, die Truchsessschen Wirren im 16. Jahrhundert oder der Dreißigjährige Krieg im 17. Jahrhundert, welche auch das Gebiet von Hünningen tangiert haben. Ob und in welchem Umfang aber tatsächlich auch auf Hünninger Gebiet gekämpft wurde, ist nicht bekannt und selbst Plünderungen sind nicht dokumentiert. Sehr wahrscheinlich sind Kämpfe, Plünderungen und Gräueltaten dennoch, was sich an folgenden Beispielen festmachen lässt:
Schlacht auf der Haar bei Burg Waterlappe Historisch verbrieft ist die „Schlacht auf der Haar“ während der Truchsessschen Wirren am 2. März 1586. Diese Schlacht im Umfeld der Burg Waterlappe fand in unmittelbarer Nachbarschaft von Hünningen statt. Hintergrund waren konfessionelle Konflikte, bei denen es ursprünglich um die Konvertierung des Westfälischen Herzogs und Kölner Erzbischofs Gebhard Truchsess von Waldburg zum protestantischen Glauben ging. Bei Auseinandersetzungen um dessen Lehnshoheit in Werl kam es zwischen Hünningen, Bremen, Werl und Ruhne zur Schlacht. Die Schlacht bei Burg Waterlappe steht exemplarisch dafür, wie viel Leid kriegerische Konflikte für die Dorfbevölkerung bedeuteten. Einen Rückschluss für die Auswirkungen auf Hünningen lässt ein Bericht von Bernd Kirschbaum zu, der im Jahr 2016 alte Quellen sichtete. Unter anderem die wörtliche Erwähnung der „Fährstelle bei Haus Füchten“ unterstreicht, dass auch auf Hünninger Gebiet gekämpft wurde:
Am Ende lagen 280 Tote noch für mehrere Tage auf dem Schlachtfeld, ungefähr 600 waren auf der Flucht zur Fährstelle bei Haus Füchten erschlagen worden oder in der Ruhr ertrunken. Wo sie beigesetzt worden sind oder ob vielleicht irgendwo ein Massengrab existiert, ist nicht mehr bekannt. Fast in jedem Dorf des Herzogtums [Anm.: Herzogtum Westfalen] herrschte Trauer, dennoch sind nur wenige Namen der Toten überliefert …Bernd Kirschbaum: . Ense-Press, abgerufen am 20. Januar 2021.
Westlich von Ense-Ruhne, unterhalb des Haarwegs, erinnert ein Gedenkkreuz mit Inschrift an die Schlacht auf der Haar bei Ense-Bremen.
Schwedische Söldner in der Pfarrkirche St. Lambertus Ein weiteres Zeugnis für kriegerische Gewalt ist ein Gemälde in der Pfarrkirche St. Lambertus in Ense-Bremen. Der dreißigjährige Krieg (1618–1648) hatte auch den Raum Ense erreicht und schwedische Söldner haben (Ense-)Bremen heimgesucht. Dabei ist ein protestantischer Reiter in die katholische Kirche eingedrungen und hat mit einem Schwert auf ein Bild eingestochen.
Unabhängig von der damit verbundenen Sage, dass der protestantische Söldner für seine Freveltat eine göttliche Strafe erhielt, belegt das Gemälde mit seinen Einstichen die Präsenz von Söldnern im Dreißigjährigen Krieg. Dass diese sich mit Plünderungen und Entführungen finanzierten, ist wissenschaftlich belegt. Nachgewiesen sind zudem Gräueltaten wie Vergewaltigungen oder Brandschatzungen. Es ist nahezu zwingend davon auszugehen, dass diese Söldner außer Bremen auch die Umgebung und somit Hünningen heimgesucht haben.
Vom 18. Jahrhundert bis Gegenwart Es ist zwar nicht völlig auszuschließen, dass Konflikte, die sich nach dem Dreißigjährigen Krieg ereignet haben – wie der Siebenjährige Krieg oder die napoleonischen Kriege – Hünningen unmittelbar erreicht haben, aber es liegen keinerlei heimatgeschichtliche Erkenntnisse für Kampfhandlungen in Hünningen hervor.