Lengefeld ist eine einstige Bergstadt an der Silberstraße im mittleren Erzgebirge in Sachsen. Der Ort trägt auch den Beinamen „Stadt zwischen den drei Talsperren“. Am 1. Januar 2014 bildete die Stadt Lengefeld gemeinsam mit der Gemeinde Pockau die Stadt Pockau-Lengefeld. Im nahegelegenen Ortsteil Kalkwerk arbeitete das letzte Bergwerk Sachsens bzw. der deutschen Seite des Erzgebirges mit Schachtförderung.

Geografie mini|Blick über Schloss Rauenstein nach Lengefeld Die Stadt liegt auf einem Höhenzug westlich des Flöhatals. Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes liegt mit im Flöhatal in der Nähe des Ortsteils Rauenstein, der höchste Punkt ist mit der Gipfel des Adlersteins. Lengefeld liegt in der Mitte des Talsperren-Dreiecks zwischen der oberen und unteren Neunzehnhainer sowie der Saidenbach-Talsperre (der größten der drei), die als Trinkwasserspeicher insbesondere für die Region um Chemnitz genutzt werden.

Das radiale Waldhufendorf Wünschendorf liegt nordwestlich der Stadt Lengefeld. Nördlich von Wünschendorf befindet sich die Siedlung Stolzenhain. Nordöstlich auf der anderen Seite der Flöha liegen Reifland und Lippersdorf. Südlich und südwestlich der Stadt liegen das Kalkwerk, das Vorwerk und das Obervorwerk.

Westlich von Lengefeld erstreckt sich ein großes, zusammenhängendes Waldgebiet, der Bornwald/Heinzewald. Das Gebiet ist gut durch Wanderwege erschlossen. Die Stadt ist ca. 25 km von Chemnitz, 25 km von Freiberg und 25 km von der Grenze zu Tschechien (Grenzübergang Reitzenhain) entfernt.

Nachbarorte

Ortsteile mini|Ortsteil Vorwerk Kalkwerk Lippersdorf Obervorwerk Rauenstein Reifland Stolzenhain Vorwerk Wünschendorf

Geschichte Lengefeld mit Rauenstein, Kalkwerk und Obervorwerk mini|Lengefeld mit Kirche mini|Kalkwerk mini|Marktplatz mini|Luftaufnahme der Marktplatzes 1360 wurde Lengefeld erstmals als Lenginfelt und 1369 als Lengefeld urkundlich erwähnt, die Burg Rauenstein bereits 1323.

Die Herren der Burg Rauenstein gründeten 1522 die Bergstadt Lengefeld mit viereckigem Marktplatz-Grundriss. Im Bereich des Ortsteils Kalkwerk wurden Silber, Eisen und Kalkstein gefördert, ohne dabei an die Fundmengen in Annaberg oder Marienberg heranzureichen. 1813 verlor Lengefeld die Bergrechte. Die letzte Erzgrube wurde 1851 geschlossen. Anfang der 1940er Jahre wurden Zinkblende und Bleiglanz gefunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut (SDAG Wismut) in den Stollen nach Uran. Die Ausbeute war aber zu gering, das Unternehmen wurde aufgegeben. Es blieb die Kalksteinförderung – von 1528 bis Dezember 2016. Die „GEOMIN Erzgebirgische Kalkwerke GmbH“ wird den Standort Lengefeld als Aufbereitungsort für die im Kalkwerk Hammerunterwiesenthal gewonnenen Rohstoffe jedoch weiter betreiben. Die Grubenbereiche sollen in den nächsten Jahren verwahrt werden.Marmorvorräte in Lengefeld erschöpft - Abbau verlagert, Freie Presse vom 20. Dezember 2015 Mit der Reformation 1539 blieb Lengefeld eine eigenständige Parochie. 1541 wurde erstmals eine Lateinschule erwähnt. Die Bewohner des Erzgebirges – so auch in Lengefeld – mussten sich nach der kurzen Blüte des Bergbaus („Berggeschrey“) um andere Erwerbszweige bemühen. Dies war wie in Schlesien die Leineweberei. Schon 1587 wurde hier die erste Innung gegründet. Bis zu 450 Hausweber gingen in Lengefeld dieser Tätigkeit um 1900 nach. Die Stadt besaß vielfältige Handwerksbetriebe, u. a. Fleischer, Schuhmacher, Hutmacher, Schlosser, Tischler, Wagner, Schneider, Schmiede, Holzschleifer.

Um 1835 wurden Stadt und Dorf Lengefeld vereinigt. Beide Orte gehörten bis 1856 zum Amt Wolkenstein. 1845 und 1846 wurden die Straßen nach Marterbüschel und zum Heinzewald ausgebaut, in diesem Zusammenhang wurde das Wolkensteiner Tor abgerissen. 1855 begann der Bau von Johnsdorf (heute Obervorwerk). Das Kalkwerk Lengefeld kam 1859 von der Gemarkung Lauterbach nach Lengefeld. Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1874 gegründet. Mit der Eröffnung der Flöhatalbahn 1875 erhielt Lengefeld in Pockau Anschluss ans Eisenbahnnetz. Ein Kirchenneubau wurde 1886 eingeweiht. 1898 wurde eine Hochdruckwasserleitung verlegt. Das Elektrizitätswerk lieferte erstmals am 14. Dezember 1903 Strom.

Neben der Baumwollweberei war aber der Leuchtenbau der größte Betrieb der Stadt. 1906 gegründet, hatte dieses Werk zeitweise 1.000 Beschäftigte und belieferte das Gebiet der DDR mit Wohnraumleuchten. Der Nachfolgebetrieb produzierte bis 1999. Im Ortsteil Marterbüschel wurde 1914 durch Hermann Lorenz die Gemeinschaft in Christo Jesu gegründet. Eine Sprungschanze wurde 1924 im Ortsteil Vorwerk errichtet und 1929 wurde das Schwimmbad eröffnet. In den Jahren 1929 bis 1933 erfolgte der Bau der Saidenbachtalsperre. 1939 wurde eine neue Schule eingeweiht. In den Jahren 1944 und 1945 wurden im Schloss Rauenstein und im Kalkwerk Bestände des Deutschen Buch- und Schriftmuseums Leipzig sowie der Deutsche Bücherei Leipzig und aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eingelagert.

Der Forellenzuchtbetrieb stellte 1998 seinen Betrieb ein. Nach der politischen Wende entstanden neue Betriebe und bestehende wurden renoviert. Auch die überregional bekannte Haflingerzucht ist heute wieder selbständig.

Lippersdorf, Reifland und Wünschendorf wurden am 1. Januar 1999 eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, 1999

Beim Jahrhunderthochwasser im Sommer 2002 wurde die Flöha-Brücke weggespült und dadurch die Stadt geteilt. Außer im Ortsteil Rauenstein gab es in der Stadt jedoch keine größeren Schäden.

Am 1. Januar 2014 schloss sich Lengefeld mit Pockau zur neuen Stadt Pockau-Lengefeld zusammen.StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2014

Lengefeld war bis 2010 staatlich anerkannter Erholungsort.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Änderung der Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 Sächsisches Kurortegesetz (SächsKurG) vom 25. Oktober 2006 (SächsABl. S. 1012) auf: revosax.sachsen.de2010 kein Erholungsort mehr, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 13. Mai 2010 (SächsABl. S. 817) auf: revosax.sachsen.de

Einwohnerentwicklung Folgende Einwohnerzahlen der selbstständigen Stadt Lengefeld beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres: 1982 bis 1988 1982 – 5682 1983 – 5697 1984 – 5736 1985 – 5653 1986 – 5629 1987 – 5603 1988 – 56281989 bis 1995 1989 – 5553 1990 – 5363 1991 – 5281 1992 – 5242 1993 – 5246 1994 – 5217 1995 – 51491996 bis 2002 1996 – 5106 1997 – 5087 1998 – 5039 1999 – 5045 2000 – 5029 2001 – 5022 2002 – 49862003 bis 2009 2003 – 4910 2004 – 4874 2005 – 4819 2006 – 4670 2007 – 4638 2008 – 4567 2009 – 45012010 bis 2013 2010 – 4450 2011 – 4389 2012 – 4341 2013 – 4224 Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Gedenkstätten Gedenkstein von 1955 für die 60 örtlichen Opfer des Faschismus in den Parkanlagen am Markt; seit 1992 um einen Stein für Opfer des Stalinismus ergänzt

Politik mini|Rathaus

Bürgermeister 1994–1999: Rolf Kunze (Wählervereinigung) 1999–2013: Ingolf Wappler

Wappen Blasonierung: In Gold drei schwarze Pfähle, überdeckt mit silbernen gekreuzten Schlägel und Eisen; dieses Symbol führen nur 10 Orte im Erzgebirge.

Städtepartnerschaften Ilshofen in Baden-Württemberg (seit 1990) Osek (Ossegg) in Nordböhmen (in Planung)

Sonstige Patenschaften Lengefeld unterhält eine Patenschaft mit der 5. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 371 im benachbarten Marienberg. Die Patenschaft besteht seit 1999 und geht auf aktive Initiative von Bürgermeister Wappler zurück.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Burg Rauenstein mini|Schloss Rauenstein von Süden mini|Kirche zum Heiligen Kreuz Marktplatz Burg Rauenstein Stadtbad Lengefeld Kirche zum Heiligen Kreuz

Die heutige Kirche stammt von 1885/1886 mit Orgel von Zacharias Hildebrandt, die 1726 vollendet wurde und den Brand des Vorgängerbaus überstand. Eine Grabplatte des um die Wende zum 17. Jahrhundert etwa 40 Jahre in Lengefeld tätig gewesenen Pfarrers Pancratius Himmelreich ist erhalten und im Umgang hinter dem Altarbild zu sehen. Die Orgel wurde 2010 bis 2014 saniert. Dabei wurde ihr Zustand von 1726 wiederhergestellt.Webseite des Fördervereins Zacharias-Hildebrandt-Orgel, abgerufen am 25. Juli 2015. Neben der Kirche steht ein Standbild Martin Luthers, das in der Zeit der Entstehung der Kirche entstand.

Museum Kalkwerk Das Technische Museum Kalkwerk mit einer Ausstellung über die Einlagerung der Dresdner Kunstschätze kurz vor Kriegsende und den Abtransport der Schätze in die Sowjetunion als Kriegsbeute befindet sich im historischen Kalkwerk. Im Sommer blühen auf der Bruchsohle im Museum viele seltene Orchideen. In der Adventszeit kann man Mettenschichtfeiern besuchen.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Betriebsgebäude der a.i.m. Stanz- und Fügetechnik GmbH – ehem. VEB Leuchtenbau mini|Haltepunkt Lengefeld-Rauenstein

Ansässige Unternehmen GEOMIN Erzgebirgische Kalkwerke GmbH paper + design GmbH (Papierservietten und Tischtücher) a.i.m. Stanz- und Fügetechnik GmbH PWO Werkzeugbau Oertel GmbH Maschinenbau Stankus Bruno Wagner und Söhne Metallwarenfabrik sowie weitere Handwerksbetriebe, Speditionen, Land- und Forstwirtschaftsbetriebe.

Verkehrsanbindung Der Bahnhof Pockau-Lengefeld sowie die Haltepunkte Lengefeld-Rauenstein und Reifland-Wünschendorf liegen an der Bahnstrecke Flöha–Marienberg/Olbernhau. An den Stationen hält die Linie RB 81 Chemnitz–Olbernhau-Grünthal der Erzgebirgsbahn Montag bis Freitag im Stundentakt, am Wochenende im Zweistundentakt.

Lengefeld liegt in der Nähe des Kreuzes der Bundesstraßen 101 (Freiberg – Annaberg-Buchholz) und 174 (Chemnitz – Marienberg – Prag).

Bildung In der Stadt gibt es zwei Kindertagesstätten, zwei Grundschulen und eine Oberschule.

Persönlichkeiten Karl Leberecht Krutzsch (1772–1852), Forstwissenschaftler Daniel Amadeus Neander (1775–1869), Bischof in Berlin Hermann Zimmermann (1856–1902), Amtsgerichtsrat und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Siegfried Zehme (1864–1940), evangelisch-lutherischer Theologe, Missionar der Leipziger Mission in Indien und Lehrer Hermann Schubert (1886–1938), Politiker (KPD) Walter Findeisen (1903–1986), Heimatschriftsteller und Verleger Ecke von Zezschwitz (1922–2003), Bodenkundler, Agrikulturchemiker und Geologe Gisela Glende, geborene Trautzsch (1925–2016), Politikerin (SED) und Funktionärin Iris Wittig (1928–1978), Militärpilotin Konrad Mauersberger (* 1938), Physiker Ines Geißler (* 1963), Olympiasiegerin von 1980 über 200 m Schmetterling Janice Jakait (* 1977), Extremsportlerin und Buchautorin

Literatur

Die Parochie Lengefeld. In: Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Marienberg. Strauch Verlag, Leipzig, Sp. 395–457 (Digitalisat) Hermann Endler: Geschichtliche Nachrichten über Lengefeld und Rauenstein. Verlag Herm. Richter, Lengefeld 1893 (Digitalisat) Landratsamt Mittlerer Erzgebirgskreis, Hrsg.: Zur Geschichte der Städte und Gemeinden im Mittleren Erzgebirgskreis. Eine Zeittafel (Teile 1–3)

Weblinks

Offizielle Internetpräsenz der Stadt Lengefeld

Einzelnachweise

Kategorie:Geographie (Pockau-Lengefeld) Kategorie:Ort im Erzgebirgskreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Erzgebirgskreis) Kategorie:Ehemaliger staatlich anerkannter Erholungsort in Sachsen Kategorie:Bergstadt (Sachsen) Kategorie:Ersterwähnung 1360 Kategorie:Gemeindeauflösung 2014 Kategorie:Kunstschutz