Am 22. Mai 2011 fanden in Spanien Regional- und Kommunalwahlen statt. Dabei wurden in 13 von insgesamt 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens die Regionalparlamente neu gewählt. Dies sind die Regionen Aragonien, Asturien, die Balearischen Inseln, Extremadura, die Kanarischen Inseln, Kantabrien, Kastilien-La Mancha, Kastilien und León, La Rioja, Madrid, Murcia, Navarra und Valencia. In den übrigen vier Autonomen Gemeinschaften (Andalusien, Baskenland, Galicien und Katalonien) finden 2011 keine Regionalwahlen statt, da deren vierjährige Legislaturperioden zu denen der 13 anderen Regionen zeitlich verschoben ist.
Gleichzeitig fanden in ganz Spanien (also auch in Andalusien, Galicien, Katalonien und im Baskenland sowie in den beiden autonomen Städten Ceuta und Melilla) Kommunalwahlen statt.
Im Kontext der Wahlen bildeten sich in über 60 Städten die Proteste in Spanien 2011/2012. Die Demonstranten aus allen gesellschaftlichen Gruppen forderten unter anderem, dass über 100 Politiker von den Wahllisten genommen werden, die der Korruption beschuldigt wurden.
Die Wahlen stellten einen bedeutsamen Stimmungstest für die regulär im Frühjahr 2012 anstehenden Wahlen zum gesamtspanischen Parlament, den Cortes Generales, dar.
Ergebnisse der Regionalwahlen Am 22. Mai 2011 fanden Wahlen zu den Regionalparlamenten in 13 der insgesamt 17 Autonomen Gemeinschaften statt. Sie brachten der sozialdemokratischen PSOE des spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero schwere Verluste im Vergleich zu den letzten Wahlen im Jahr 2007 ein. Sie ist nunmehr in keinem dieser 13 Parlamente stärkste Partei mehr, während sie dies in der vorangegangenen Legislatur noch in Aragonien, Asturien, Extremadura, Kastilien-La Mancha und auf den Kanaren war. Dem stehen erhebliche Gewinne der konservativen PP entgegen. Diese konnte ihre bislang schon bestehenden absoluten Mehrheiten in den Regionalparlamenten von Kastilien-León, La Rioja, Madrid, Murcia und Valencia weiter ausbauen. Bis auf Asturien und Navarra ist sie in allen anderen der 2011 gewählten Parlamente stärkste Kraft und konnte auf den Balearen und Kastilien-La Mancha neue absolute Mehrheiten erringen. Der linkssozialistischen IU gelang in Extremadura und Kastilien-León der Wiedereinzug in Parlamente, in denen sie 2007–2011 nicht vertreten gewesen war.
Weitere erwähnenswerte Ergebnisse sind der erstmalige Einzug der UPyD in die Asamblea de Madrid, das gute Abschneiden des baskischen linksnationalistischen Wahlbündnisses Bildu in Navarra und dass das erst 2011 als Abspaltung von der PP gegründete Foro Asturias in Asturien auf Anhieb stärkste Kraft wurde. Autonome Gemeinschaft und Präsident 2007–2011StimmenQuelle: Internet-Seiten der Regionalregierungen; abgerufen am 24. Mai 2011SitzeAnmerkungen border|40px AragonienMarcelino Iglesias Ricou (PSOE-Aragón) PP: 39,7 % (+8,6) PSOE: 29,0 % (−12,1) PAR: 9,2 % (−2,9) CHA: 8,2 % (±0) IU: 6,2 % (+2,1) PP: 30 (+7) PSOE: 22 (−8) PAR: 7 (−2) CHA: 4 (±0) IU: 4 (+3) border|40px AsturienVicente Álvarez Areces (PSOE) FAC: 29,8 % (+29,8) PSOE: 29,8 % (−12,2) PP: 20,0 % (−21,5) IU-LV: 10,3 % (+0,6) FAC: 16 (+16) PSOE: 15 (−6) PP: 10 (−10) IU-LV: 4 (±0) IU-LV: gemeinsame Liste von Izquierda Unida und der grünen Partei Los Verdes; 2007 gehörte dem Bündnis auch noch die linke Regionalpartei Bloque por Asturies an, die 2011 gemeinsam mit der Partei Unidá Nacionalista Asturiana antrat und 1 % der Stimmen erhielt border|40px Balearische InselnFrancesc Antich i Oliver (PSOE) PP: 46,4 % (+0,4) PSOE: 21,4 % (−6,2) PSM-IV-ExM: 8,6 % (−0,4) PSOE-PACTE: 3,0 % (−1,6) PSM-EN: 0,9 % (+0,1) GxF-PSOE: 0,5 % (+0,1) CxI: 2,8 % (−3,9) Sa Unió: 0,3 % (−0,1) PP: 35 (+7) PSOE: 14 (−2) PSM-IV-ExM: 4 (±0) PSOE-PACTE: 4 (−2) PSM-EN: 1 (±0) GxF-PSOE: 1 (+1) UM: 0 (−3) AIPF: 0 (−1) PSM-IV-ExM: gemeinsamer Wahlvorschlag der linken Regionalparteien PSM-Entesa Nacionalista, Entesa per Mallorca und der grünen Partei IniciativaVerds im Wahlkreis Mallorca; das Ergebnis 2011 ist verglichen mit dem Ergebnis 2007 des damaligen Wahlbündnis aus PSM-Entesa Nacionalista de Mallorca, IU und ERC PSOE-PACTE: gemeinsamer Wahlvorschlag der PSOE, der ERC und der linken Regionalpartei Gent per Eivissa (GxE) im Wahlkreis Ibiza; das Ergebnis 2011 ist verglichen mit dem Ergebnis 2007 des damaligen Wahlbündnis aus PSOE und der linken Regionalpartei Eivissa pel Canvi (ExC) PSM-EN: linke Regionalpartei PSM-Entesa Nacionalista im Wahlkreis Menorca; das Ergebnis 2011 ist verglichen mit dem Ergebnis, das diese Partei 2007 in einem Wahlbündnis mit den Grünen erzielte GxF-PSOE: gemeinsamer Wahlvorschlag sowohl 2011 als auch 2007 der PSOE und der linken Regionalpartei Gent per Formentera (GxF) im Wahlkreis Formentera CxI: bürgerliche Regionalpartei Convergència per les Illes Balears, Nachfolgeorganisation der 2011 aufgrund eines Korruptionsskandals aufgelösten Unió Mallorquina (UM), mit dessen Ergebnis im Jahre 2007 verglichen wurde Sa Unió: gemeinsamer Wahlvorschlag der PP und der bürgerlichen Regionalpartei Grupo Independientes Formentera im Wahlkreis Formentera; das Ergebnis 2011 ist verglichen mit dem der Agrupació Independent Popular de Formentera (AIPF), die bei den Wahlen 2007 in diesem Wahlkreis von der PP unterstützt wurde border|40px Kanarische InselnPaulino Rivero Baute (CC) PP: 31,9 % (+7,9) CC-PNC-CCN: 24,9 % (+0,7) PSOE: 21,0 % (−13,5) NCa: 9,1 % (+3,7) PP: 21 (+6) CC-PNC-CCN: 21 (+2) PSOE: 15 (−11) NCa: 3 (+3) Nueva Canarias (NCa): bei der Wahl 2011 ein Wahlbündnis aus Nueva Canarias-Nueva Gran Canaria (NC-NGC), Nueva Fuerteventura (NF), Nueva Gomera (NG), Socialistas x Tenerife (SxTF), Los Verdes de Canarias (LVC), Partido Nacionalista de Lanzarote (PNL), Partido de Independientes de Lanzarote (PIL), Asambleas Municipales de Fuerteventura (AMF), Socialistas x La Gomera (SxLG) und Iniciativa por La Palma (INPA). border|40px KantabrienMiguel Ángel Revilla Roiz (PRC) PP: 46,1 % (+4,6) PRC: 29,1 % (+0,5) PSOE: 16,4 % (−8,1) PP: 20 (+3) PRC: 12 (±0) PSOE: 7 (−3) PRC: Regionalpartei Partido Regionalista de Cantabria border|40px Kastilien-La ManchaJosé María Barreda Fontes (PSOE) PP: 48,1 % (+5,7) PSOE: 43,4 % (−8,6) PP: 25 (+4) PSOE: 24 (−2) Die Zahl der Abgeordneten hat sich im Vergleich zur vorigen Legislatur um zwei auf jetzt 49 erhöht. border|40px Kastilien und LeónJuan Vicente Herrera Campo (PP) PP: 51,4 % (+2,2) PSOE: 29,6 % (−8,1) IU: 4,9 % (+1,8) UPL: 1,9 % (−0,8) PP: 53 (+5) PSOE: 29 (−4) IU: 1 (+1) UPL: 1 (−1) Das Regionalparlament bestand in der letzten Legislatur aus 83 Abgeordneten, seit 2011 ist es einer mehr. UPL: Unión del Pueblo Leonés ist eine Regionalpartei, die für die Errichtung einer eigenen Autonomen Gemeinschaft León (bestehend aus den Provinzen León, Zamora und Salamanca) eintritt. border|40px ValenciaFrancisco Camps Ortiz (PP) PP: 48,5 % (−3,7) PSOE: 27,5 % (−6,8) Coalició Compromís: 7,0 % IU: 5,8 % PP: 55 (+1) PSOE: 33 (−5) Coalició Compromís: 6 IU: 5 Compromís PV: 0 (−7) Coalició Compromís: gemeinsamer Wahlvorschlag der linken Regionalparteien Bloc Nacionalista Valencià (Bloc), Iniciativa del Poble Valencià (IdPV) und der grünen Partei Els Verds Esquerra Ecologista del País Valencià (EEV) Bei den Wahlen 2007 bestand das Wahlbündnis „Compromís PV“ (8 % der Stimmen) aus Bloc Nacionalista Valencià, IU (deren valencianische Gliederung die Bezeichnung EUPV führt), der Linkspartei Izquierda Republicana und den beiden grünen Parteien Els Verds del País Valencià und Els Verds Esquerra Ecologista del País Valencià. border|40px ExtremaduraGuillermo Fernández Vara (PSOE-Regionalistas) PP-EU: 46,1 % (+7,4) PSOE-Regionalistas: 43,5 % (−9,5) IU-V-SIEX: 5,7 % (+1,2) PP-EU: 32 (+5) PSOE-Regionalistas: 30 (−8) IU-V-SIEX: 3 (+3) Die landesweiten Parteien traten 2007 als auch 2011 jeweils gemeinsam mit einer ihnen nahestehenden Regionalpartei zur Wahl an: PP mit Extremadura Unida (EU), PSOE mit Coalición Extremeña und IU (deren Regionalverband die Bezeichnung IU-V führt) mit Socialistas Independientes de Extremadura (SIEX) border|40px La RiojaPedro Sanz Alonso (PP) PP: 52,0 % (+3,2) PSOE: 30,3 % (−10,1) PR: 5,4 % (−0,6) PP: 20 (+3) PSOE: 11 (−3) PR: 2 (±0) PR: Regionalpartei Partido Riojano border|40px MadridEsperanza Aguirre Gil de Biedma (PP) PP: 51,7 % (−1,6) PSOE: 26,3 % (−7,3) IU-LV: 9,6 % (+0,7) UPyD: 6,3 % (+6,3) PP: 72 (+5) PSOE: 36 (−6) IU-LV: 13 (+2) UPyD: 8 (+8) Die Zahl der Abgeordneten stieg im Vergleich zur letzten Legislatur um neun auf jetzt 129. IU trat 2011 gemeinsam mit der grünen Partei Los Verdes Grupo Verde an; der Vergleich zu 2007 bezieht sich auf das Ergebnis, das die IU seinerzeit allein erzielte border|40px MurciaRamón Luis Valcárcel Siso (PP) PP: 58,8 % (+0,5) PSOE: 23,9 % (−8,1) IU: 7,8 (+1,5) PP: 33 (+4) PSOE: 11 (−4) IU: 1 (±0) border|40px NavarraMiguel Sanz Sesma (UPN) UPN: 34,5 % (−7,7) PSOE: 15,9 (−6,5) NaBai 2011: 15,4 % Bildu: 13,3 % PP: 7,3 % (+7,3) Izquierda-Ezkerra: 5,7 % (+1,3) CDN: 1,4 % (−3,0) UPN: 19 (−3) PSOE: 9 (−3) NaBai 2011: 8 Bildu: 7 PP: 4 (+4) Izquierda-Ezkerra: 3 (+1) CDN: 0 (−2) NaBai: 12 (−12) Unión del Pueblo Navarro (UPN) war bis zum Bruch zwischen beiden Parteien im Herbst 2008 die Schwesterpartei der PP in Navarra (ähnlich CDU/CSU in Deutschland); d. h. die PP verfügte in Navarra über keinen Regionalverband und trat dort bis 2011 auch nicht zur Wahl an. NaBai ist ein Wahlbündnis aus baskisch-nationalistischen Parteien in Navarra. 2007 (23,7 % der Stimmen) bestand es aus der bürgerlichen PNV und den Linksparteien EA, Aralar und Batzarre. Die Neuauflage für die Wahlen 2011 (NaBai2011) bestand nur noch aus PNV und Aralar. EA trat 2011 zusammen mit Alternativa Eraikitzen im Bündnis Bildu zur Wahl an, während sich Batzarre für diese Wahl mit IU zur Koalition Izquierda-Ezkerra zusammenschloss.
Ergebnisse der Kommunalwahlen Außerdem fanden am 22. Mai 2011 in den insgesamt 8.116 spanischen Gemeinden Kommunalwahlen statt. Auch bei diesen erlitt die PSOE heftige Verluste, während die PP erhebliche Gewinne erzielen konnte. So verlor die PSOE die Bürgermeisterämter in der zweitgrößten Stadt Barcelona (erstmals seit 1979) und der viertgrößten Stadt Sevilla (erstmals seit 1999). Die linkssozialistische IU konnte zwar insgesamt Gewinne verzeichnen, verlor aber mit Córdoba, wo sie sieben ihrer bisher elf Sitze im Stadtrat einbüßte, die einzige größere bisher von einem Bürgermeister aus ihren Reihen regierte Stadt.
Das baskisch-linksnationalistische Wahlbündnis Bildu, dessen Teilnahme an der Wahl zunächst vom Obersten Gerichtshof (Tribunal Supremo) untersagt worden war und dessen Listen erst nach einer Verfassungsbeschwerde durch das Verfassungsgericht zugelassen wurden, erzielte im Baskenland 25 % und wurde damit dort nach Stimmen zweitstärkste Kraft.
Die folgende Tabelle enthält die Ergebnisse der Städte mit mehr als 250.000 Einwohnern, der Hauptstädte der Autonomen Gemeinschaften und der Provinzen sowie der Autonomen Städte Ceuta und Melilla: