mini|hochkant=1.2|Jäckchen aus gefärbtem Chinchilla (2025)

Das Chinchillafell gilt seit seiner ersten überregionalen Nutzung neben dem Zobel als einer der wertvollsten Pelze im Rauchwarenhandel, das Haar gilt als das feinste Grannenhaar aller Pelztierarten. Diese Feinheit macht das Fell auch vergleichsweise empfindlich und deshalb neben der Verwendung als Besatzmaterial vor allem für Luxuspelze geeignet.

Diese außergewöhnlich große Wertschätzung des Felles des nur in einem relativ kleinen Gebiet, den Anden, vorkommenden Mitglieds aus der zoologischen Familie der Meerschweinchenverwandten führte sehr schnell fast zu seinem Aussterben, so dass nach seiner absoluten Inschutzstellung seit langem nur noch die Felle gezüchteter Tiere gehandelt werden.

Es werden die Felle der Langschwanz-Chinchillas und der Kurzschwanz-Chinchillas verarbeitet, beide gehören zur Gattung der Eigentlichen Chinchillas.

Die Rauchwarenbranche meint mit Chinchilla immer die Eigentlichen Chinchillas. Die Felle der zwei weiteren Chinchillagattungen Viscacha und Bergviscacha werden in einem eigenen Hauptartikel → Viscachafell behandelt.

Allgemein Sprachlich korrekt heißt es „die“ Chinchilla, im Rauchwarenhandel ist auch „das“ Chinchilla gebräuchlich.H. Prell: Ueber die Benennung der Chinchilla-Arten und ihres Pelzwerkes. Verlag der Rauchwarenmarkt, Leipzig, S. 3–4. Sonderdruck aus Der Rauchwarenmarkt, Nr. 84, 1934 und weitere Ausgaben.Harry Reinhardt Eckardt: Das große Handbuch der Chinchillazucht. Verlag Harry Eckardt, Miltenberg am Main 1972, S. 27 → Inhaltsverzeichnis.

Die Edelchinchilla gilt als eine ausgestorbene Unterart der Kurzschwanz-Chinchilla, eine weitere Unterart ist die Bergchinchilla. Für die Zucht wird fast ausschließlich eine zweite Art, die Langschwanz-Chinchilla, genutzt. Die gehandelten Felle stammen ausschließlich von Farmtieren, die anscheinend alle auf die elf Tiere, acht Männchen und drei Weibchen, zurückgehen, die der Amerikaner Chapman († 1934) nach längerer Beobachtung der Art aus Potrerillos in Chile 1923 nach Kalifornien, USA brachte. Spätere Aussiedelungsversuche wurden in der Sowjetunion im Gebiet des Pamirs unternommen.

Neben der edlen Optik macht das besonders geringe Gewicht das Fell für üppige Abendgarderobe geeignet. Es wurde der Vergleich mit einem gleich großen Stück Seidensatin gezogen, das nicht schwerer ist als ein Chinchillafell.

Das besondere Flair innerhalb der Edelpelze Anfang des 20. Jahrhunderts zeigt ein Zitat aus England: „Haben Sie jemals eine in Chinchilla vernarrte 'bourgeoise' Person getroffen? Hermelin haben Sie an Schönheiten entdeckt – und anderen. Sealpelz wird von den Reichen und Weisen bevorzugt, aber eine vornehme Dame ist nur die, die Chinchilla liebt.“George R. Cripps: About Furs. Daily Post Printers, Liverpool 1913, S. 78 (englisch) Did you ever meet a really bourgeoise person fond of chinchilla. Ermine you have encountered on beauties and – others? Sealskin you know to be favoured by the wealthy and wise, but is a gentlewoman only who loves chinchilla. (Inhaltsverzeichnis).

Fell mini|Drei Zucht-Chinchillafelle mini|Beim Hineinblasen erkennt man die Feinheit des Chinchillahaars

Das Chinchillafell weist eine einmalige Besonderheit auf: Aus der Haarwurzel kommt nicht wie bei anderen Säugetieren ein einzelnes Haar, sondern 60 bis 80, mitunter noch mehr feinste Haare (etwa 30-mal dünner als Menschenhaar).

Zu der augenscheinlichen ungewöhnlichen Feinheit des Haars, über die in der Literatur ausnahmslos berichtet wird, stellt Bickel 1963 fest, dass dies keinesfalls der Fall sei. Eindeutig habe sich beispielsweise das Wollhaar von Bisam (10 µ), Nutria (10,8-11,2 µ) dem der Chinchilla mit 13 bis 14 µ überlegen erwiesen.

Dathe/Schöps nehmen dazu nicht Stellung, sie geben 1986 folgende Angaben: Das Oberhaar besteht nur aus Grannenhaaren (2 bis 2 ½ cm lang; 17,5 bis 25 µ stark); sie machen etwa ein Viertel des Fells aus. Die restlichen 75 Prozent bestehen aus sehr zarten, gewellten Wollhaaren (5 bis 15 µ). Sie werden unterschieden in Typ I mit breiten, doppelt-t-förmigen Lufträumen im Mark und Typ II mit nur schmalen Lufträumen ohne diese doppelt-t-förmige Ausprägung. Pro mm² finden sich 13 Verbundfollikel mit insgesamt 193 Haaren. Die Haarzahl pro Verbundfollikel beträgt 7 bis 27, durchschnittlich 14. Das etwas struppige Schweifhaar ist auf der Schwanzoberseite 4 bis 7 cm, unten etwa 1 cm lang.

Im Gegensatz zu anderen Fellarten, bei denen das Haar sich mehr oder weniger flach anlegt, steht das Chinchillahaar immer senkrecht vom Leder ab. Aufgrund des extrem trockenen Klimas in den Anden, dem Lebensraum der Chinchillas, haben sie nicht wie andere Tiere einen Fettschutz durch Talgdrüsen und Schweißdrüsen für das Haar entwickelt. Dadurch sind Chinchillas sehr empfindlich gegen Nässe und feuchte Kälte. Der fehlende Fettschutz der Haare wird neben der Haarfeinheit als weiterer Grund für die geringere Strapazierfähigkeit des Pelzes erwähnt.

Der Haltbarkeitskoeffizient für Chinchillafelle wurde anhand allgemeiner Erfahrung mit 20 bis 30 Prozent angenommen.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Gerbung und Veredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt. Eine amerikanische Studie ordnete das Chinchillafell anhand von mikroskopischen Haaruntersuchungen bei 15 Prozent ein.Redaktion: Die Haltbarkeit des Pelzhaares. In: Der Rauchwarenmarkt. Nr. 26, Leipzig, 28. Juni 1940, S. 12. Primärquelle: American Fur Breeder, USA (Anmerkung: Alle Vergleiche setzen das Seeotterfell auf 100 Prozent). → Haltbarkeitsvergleich.

Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Chinchillahaar als fein eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung – Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe. Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40.

Die grundlegenden, den Wert des Chinchillafells bestimmenden Eigenschaften sind: Klarheit der Farbe, setzt voraus, dass keine Flecken oder rostbraunen Töne vorhanden sind. Dichte des Fells, sollte möglichst im ganzen Fell gleichmäßig sein. Beim Hineinblasen in das Haar sollte das Leder nicht zu sehen sein. Schleierdecke (Grannendecke), sie ist wichtig für das Profil des Fells. Wenn sich die Schleierspitzen nur teilweise in Richtung auf die Seite hinunter ausdehnen, ist der Schleier nicht gut. Textur ist die sichtbare Struktur beziehungsweise Beschaffenheit des Fellhaares, durch welche die Schönheit des Fells bestimmt wird. Sind Streifen, Wirbel oder sonstige Beeinträchtigungen des Musters zu sehen, so hat es keine gute Textur (Gefüge).

Es werden unterschieden: Kurzschwanz-Chinchilla

Die ausgestorbene Edelchinchilla, auch Echte Chinchilla, Große Chinchilla, Königschinchilla oder Peruanische Chinchilla war mit einer Länge von 36 bis 38 cm die größte Chinchillaart, die Schweiflänge betrug 14 bis 16 cm (einschließlich der Endhaare von 7 bis 9 cm). Das Fell war sehr rauch (ein Fell mit dichtem, nicht straff anliegendem Haar wird im Handel als „rauch“ bezeichnet), sehr seidig, äußerst weich doch häufig flattrig. Die Fellunterseite war sehr fein. Das Oberhaar war im Rücken 3 ½ bis 4 cm, am Bauch 2 bis 3 cm lang. Die Färbung war dunkler als die der Bergchinchilla, sie reichte von silbergrau bis dunkel schiefergrau (blaugrau), die Unterseite und die Füße waren weiß. Das Oberhaar war am Schaftgrund dunkelgrau, im oberen Teil weiß (gürtelförmig). Die Haarspitzen waren schwarzgrau, wodurch ein silberähnlicher Effekt entstand (Aguti-Färbung).

1930 besaß das Naturhistorische Museum in Wien noch aus den 1840er Jahren stammendes Fellmaterial des großen Chinchillas. Da ein sehr starkes Publikumsinteresse für Chinchillapelz bestand, versuchte die Museumsdirektion schon seit einigen Jahren, frische Felle zu bekommen. Alle Versuche waren vergebens, so dass das vorhandene Material vor der Präparierung aufgearbeitet werden musste. Da dem Balg die Ohren fehlten, mussten künstliche Ohren geschaffen werden. Es fand sich jedoch niemand, der über die genaue Ohrenform Auskunft geben konnte. Nach langen Bemühungen gelang dann doch der Nachweis, dass die Ohren tellerförmig und breitoval waren.Korrespondent aus Wien: Das Ohr der großen Chinchilla. In: Die Pelzkonfektion. Nr. 6, Beiblatt zu Der Rauchwarenmarkt Nr. 32/33, 19. März 1932, S. 7–8.

Eine weitere Unterart der Kurzschwanz-Chinchilla ist die Bergchinchilla, auch Bolivianische Chinchilla, Boliviano, Argentinische Chinchilla, La-Plata-Chinchilla, Kordilleren-Chinchilla, für die geringeren Sorten auch Chinchillona; außerdem Indiano, Kleine Kurzschwanz-Chinchilla, Brevicaudata.

Das Vorkommen reicht vom bolivianischen Departamento Potosí bis zur Provinz La Rioja in West-Argentinien in Höhen von 2500 bis 4000 m.

Das sehr feine Haar ist kurz, rauch, sehr fein und dicht, jedoch weniger rauch als das der Edelchinchilla.

Das Oberhaar ist 2 bis 2 ½ cm lang, die Schnurrhaare 11 bis 13 cm; die Fellfarbe ist lichtgrau mit dunkler Sprenkelung. Die Kopfrumpflänge beträgt 30 bis 32 cm, die Schweiflänge 14 bis 16 cm.

Der Haarwechsel ist wenig auffällig.

Als noch in größerer Menge Chinchillafelle in den Handel kamen, wurden die einzelnen Arten (Edelchinchilla, Bolivia) in bis zu zehn Farbklassen sortiert.Paul Schöps, in Zusammenarbeit mit Leopold Hermsdorf und Richard König: Das Sortiment von Rauchwaren. Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin 1949, S. 18. Buchdeckel.

Die Bezeichnung Chinchillona scheint nicht eindeutig für eine Art in Gebrauch gewesen zu sein. Schon 1844 kommt der Forschungsreisende v. Tschudi nach einem fünfjährigen Forschungsaufenthalt in Chile zu diesem Schluss: „Es ist ein ebenso unbelohnender als schwieriger Versuch, das, was die älteren Reisenden und Tierbeschreiber von den Chinchillas und Viscachas erzählen, auf irgendeine Weise auf irgendeine Species beziehen zu wollen. Nachdem wir mit der größten Sorgfalt alle Angaben der alten Originalwerke nachgelesen und zu enträtseln gesucht haben, sind wir endlich von dieser unfruchtbaren Arbeit abgestanden, mit der Überzeugung, daß es nie gelingen werde, damit ins Reine zu kommen, besonders weil wir aus eigener Erfahrung wissen, daß die Eingeborenen in ihren Bezeichnungen diese Tiere durchaus nicht scharf trennen und fortwährend Chinchilla und Viscacha miteinander verwechseln.“ Ähnliches gab er für den Rauchwarenhandel an: „Wir haben uns in Berlin in mehreren Pelzwaaren-Magazinen nach sogenannten Chinchillafellen umgesehen und unter denselben drei verschiedene Species gefunden, nämlich kleine feine von E. Laninger, zum Werte von 15 -20 Thaler das Dutzend, und größere, weniger weiche zu 4-6 Thaler das Dutzend; letztere gehören den beiden Species von Lagidium an; es sind aber gewöhnlich unter zehn Fällen acht von L. peruvianum und nur zwei von L. pallipes.“H. Prell: Chinchilla und Chinchillona. In: Der Rauchwarenmarkt. Nr. 62, Leipzig, 8. August 1934, S. 3–4.

Franke/Kroll bezeichnen 1988 mit Chinchillona die geringen Sorten der Bergchinchilla (zoologisch Hasenmäuse) sowie die besseren, aus den höheren Gebirgsgegenden kommenden, mehr blaugrauen Sorten der Viscachafelle (in Abgrenzung zu den Hasenmäusen oder Bergviscachas auch Flachland-Viscacha genannt).