mini|300px|Blick auf Wolfach und die Kinzig
Wolfach () ist eine Stadt im Mittleren Schwarzwald im Ortenaukreis in Baden-Württemberg (Deutschland). Wolfach war bis zum 31. Dezember 1972 die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises.
Geographie mini|Die Kernstadt Wolfachs im Jahr 1836. Temperabild von Johann Schmidt, Hohentengen.
Wolfach liegt am Zusammenfluss von Wolf und Kinzig im Kinzigtal. Der Wechsel von Tal und Berglagen kennzeichnet das Stadtgebiet, das von 250 bis 880 m Meereshöhe reicht. Selbst Teil des Ortenaukreises, grenzt es an die Landkreise Freudenstadt und Rottweil.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an das Stadtgebiet. Beginnend im Norden werden sie im Uhrzeigersinn genannt:
Oberwolfach, Bad Rippoldsau-Schapbach, Schenkenzell, Schiltach, Lauterbach, Hornberg, Gutach, Hausach. Die Stadt Schiltach und die Gemeinden Schenkenzell und Lauterbach (Schwarzwald) liegen im Landkreis Rottweil, Bad Rippoldsau-Schapbach im Landkreis Freudenstadt, die Gemeinden Gutach (Schwarzwaldbahn) und Oberwolfach sowie die Städte Hausach und Hornberg ebenfalls im Ortenaukreis.
Geologie Bis zum Ende des Paläozoikums faltete sich in Mitteleuropa das sogenannte variskische Grundgebirge auf und wurde später im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg von zahlreichen Sedimentschichten überlagert. Erst infolge tektonischer Bewegungen sowie Abtragungen im Zusammenhang mit der Entstehung der Oberrheinischen Tiefebene gelangte das heute bei Wolfach sichtbare Gebirge wieder zum Vorschein. Weiter östlich sowie auf zahlreichen Berghöhen Wolfachs sind die Schichten des Deckgebirges – insbesondere des Buntsandsteins – noch in Resten erhalten geblieben, bevor sie am Übergang des Schwarzwaldes zum Gäu stark zu Tage treten (siehe auch: südwestdeutsches Schichtstufenland).
Das Grundgebirge besteht im Wesentlichen aus Metamorphiten, im Bereich Wolfachs vor allem Gneis und Granit. Sie entstanden durch den hohen Druck der ursprünglich aufliegenden Deckgebirgsschichten. Unter verschiedensten Bedingungen entwickelten sich dadurch außerdem die bei Sammlern begehrten Mineralien, die besonders in der Gegend von Wolfach häufig zu finden sind. So lässt sich auch der Silberreichtum der Gegend erklären.Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (Hrsg.): Geologische Schulkarte von Baden-Württemberg 1:1000000. Erläuterungen. Freiburg i.Br. 1998. 12., überarbeitete und erweiterte Auflage. S. 11 ff.
Geowissenschaftliches Observatorium, Black Forest Observatory In der stillgelegten Grube Anton in Heubach befindet sich das Geowissenschaftliche Gemeinschaftsobservatorium Wolfach (Black Forest Observatory, BFO) – eine gemeinsame Einrichtung der Universität Stuttgart und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Dieses Observatorium wurde von dem Karlsruher Geodäten Hermann Mälzer aufgebaut und ab August 1972 geleitet. Der ursprüngliche wissenschaftliche Fokus lag zunächst auf der Erforschung von Erdgezeiten (engl. solid earth tides), d. h. Hebung und Senkung der Erde durch die Anziehungskräfte von Mond und Sonne. Heute stehen seismische Messungen sowie Beobachtungen von Eigenschwingungen der Erde und Änderungen des Erdmagnetfeldes im Vordergrund.Bernhard Heck: „Prof. Dr.-Ing. Hermann Mälzer verstorben“. In: zfv – Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, 143. Jg., Nr. 6/2018, , S. 411 f., hier S. 411. Um die Stollen mit den Messeinrichtungen vor störenden Vibrationen zu schützen, haben am 12. Dezember 2012 die zuständigen Landesministerien in einem gemeinsamen Erlass einen Schutzradius von drei Kilometern festgelegt, innerhalb dessen keine Windkraftanlagen genehmigt werden dürfen.Landtag von Baden-Württemberg: Antwort auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Timm Kern FDP/DVP, LT-Drs. 16/222 vom 28. Juni 2016, S. 2 (online).
Vegetation und Landwirtschaft Für die Landwirtschaft bieten die Berghöhen Wolfachs aufgrund der Böden, die durch die aufliegenden Schichten des Buntsandsteins entstanden sind, ausgesprochen ungünstige Bedingungen. Zudem herrscht häufig Wassermangel. Das ist der Grund, weshalb sich dort keine größeren Siedlungen entwickeln konnten. Sie konzentrieren sich in den Tälern, wobei auch dort nur eine eingeschränkte Bewirtschaftung möglich ist. Das von den Hängen hinab fließende Wasser sammelt sich im Tal und es bildet sich Staunässe, deren Nachteile nur durch umfangreiche Drainagemaßnahmen teilweise ausgeglichen werden können.Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg (Hrsg.): Geologische Schulkarte von Baden-Württemberg 1:1000000. Erläuterungen. 12., überarbeitete und erweiterte Auflage, Freiburg i.Br. 1998, S. 133.
Die steilen Hänge der Täler Wolfachs sind für die moderne Landwirtschaft ein großes Problem. Sie sind nur schwer oder überhaupt nicht maschinell zu bewirtschaften. Viele Flächen, die früher mit Hilfe von Brandrodung oder Mehrfelderwirtschaft als vergleichsweise fruchtbare Äcker genutzt wurden, bewaldeten sich daher in den letzten Jahrzehnten.Veltzke, Gardy Gerhard: Der gebundene bäuerliche Besitz in der fürstenbergischen Gesetzgebung dargestellt am Beispiel der ehemals fürstenbergischen Herrschaft Wolfach. Donaueschingen 1938. S. 10–12. Lediglich die Namen einzelner Orte deuten auf die ursprüngliche Bewirtschaftung hin, so zum Beispiel der des Reutherberges südlich der Kernstadt. Er ist auf das Ruetibrennen zurückzuführen, eine Form der Brandrodung, die früher im Schwarzwald sehr häufig war. Mit der Bewaldung der Kulturlandschaft verschwanden zahlreiche Pflanzen- und Tierarten und das kleinörtliche Klima veränderte sich negativ.
Aufgrund der geschilderten Bedingungen waren die Landwirte um Wolfach schon immer vom Waldbau abhängig. Getreide- oder Gemüseanbau fand meist nur zur Deckung des Eigenbedarfs statt. Das gilt auch heute noch, auch wenn Tourismus und Fördergelder als Einnahmequellen hinzugekommen sind. Geändert hat sich hingegen die Form der Waldbewirtschaftung. Dominierten früher im Schwarzwald Buchen und Tannen, wird heute aus wirtschaftlichen Gründen vor allem die eigentlich ortsfremde Fichte angebaut. Eine Folge des extensiven Fichtenanbaus ist eine starke Bodenversauerung, der man durch Kalkung entgegenzuwirken versucht. In den letzten Jahren werden die äußerst negativen Folgen der Fichten-Monokultur immer stärker wahrgenommen und man versucht, zu traditionellen Wirtschaftsformen zurückzukehren.
Ein Resultat der ungünstigen landwirtschaftlichen Bedingungen sind die überdurchschnittlichen Hofgrößen in Wolfach und seiner Umgebung. Nicht selten bewirtschaften Bauernhöfe mehr als 100 Hektar Land. Gestützt wurde die Entwicklung dieses Großbauerntums durch das Anerbenrecht, das Graf Wilhelm von Fürstenberg mit der Kinzigtäler Landesordnung 1543 einführte. Nun konnten Höfe nicht mehr unter mehreren Erben aufgeteilt werden und wurden so in ihrer Substanz erhalten.Veltzke, Gardy Gerhard: Der gebundene bäuerliche Besitz in der fürstenbergischen Gesetzgebung dargestellt am Beispiel der ehemals fürstenbergischen Herrschaft Wolfach. Donaueschingen 1938. S. 6 ff.
In heutiger Zeit sind es vor allem die problematischen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die den Fortbestand der einst stolzen Schwarzwaldhöfe gefährden. Die meisten Landwirte haben mittlerweile einen anderen Hauptberuf und bewirtschaften ihre Höfe nur noch nebenbei.
Siedlungsstruktur Die Stadt Wolfach entstand im Zuge der Gemeindereform der 70er-Jahre und gliedert sich in die Teilorte Kirnbach, Kinzigtal und die Wolfacher Kernstadt.
Wolfach (Kernstadt) mini|Plan der Kernstadt Wolfachs. Auszug aus dem staatlichen Katasterwerk von 1881. Die Kernstadt lässt sich in Teile links und rechts der Kinzig unterscheiden. Beide sind durch eine Fußgängerbrücke (Gassensteg) und eine Brücke für den Autoverkehr (Stadtbrücke) verbunden. Rechts der Kinzig befindet sich die sogenannte Vorstadt, an deren Rand die spätgotische Stadtpfarrkirche St. Laurentius steht. Die mittelalterliche Stadtanlage in Querrippenform links der Kinzig dominiert eine breite Marktstraße (heutige Hauptstraße). Sie macht die ursprüngliche Funktion des Stadtteils als Marktort offenbar.
Wohl aufgrund der ungünstigen topographischen Lage blieb eine wesentliche Erweiterung des Stadtgebietes im Zuge der Industrialisierung und der Gründerzeit aus. Schon zu diesem Zeitpunkt lässt sich ein gewisser Bedeutungsverlust Wolfachs feststellen.
Neben den genannten Stadtbereichen entstanden im 20. Jahrhundert zahlreiche neue Wohngebiete. Zu nennen ist hier insbesondere der Straßburger Hof, der sich westlich der Kernstadt an einem Berghang erstreckt und mit dessen Bau ab 1927 begonnen wurde.Albert Sandfuchs: Vom Gutshof zum Stadtteil — Der Straßburger Hof in Wolfach. In: Die Ortenau. Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden, 51 (1971), 125-137, hier 136. Sandfuchs: Straßburger Hof, Seite 136 Eine Folge der Erschließung neuer Wohngebiete war auch die zunehmende städtebauliche Verschmelzung Wolfachs mit dem nördlich liegenden Nachbarort Oberwolfach-Kirche.
Kirnbach
Kirnbach ist ein Stadtteil von Wolfach im Kirnbachtal. Im Gegensatz zu den anderen Teilen der Stadt war es ursprünglich württembergisch und hat damit protestantische Tradition. Weltbekannt ist die Bollenhut-Tracht, die dort traditionell getragen wird und zum Symbol für den Schwarzwald wurde.
Kinzigtal
Der Stadtteil Kinzigtal liegt zwischen Wolfach und Schiltach mit dem Bergdorf St. Roman als Teilort. Der Name des Ortsteils Halbmeil bezieht sich auf die Wegstrecke zwischen Wolfach und Schiltach.
Geschichte Name Erstmals 1084 als Wolphaha erwähnt, finden sich besonders für das Hoch- und beginnende Spätmittelalter unterschiedlichste Variationen des Namens Wolfach: Wolphaa (1091), Wolua (1101), Wolfacha (1148), Wolva (1252), Wolfach inferius (1275), Wolva (1291), Wolvahe (1305) oder später auch Wolffach.Historischer Verein für Mittelbaden (Hrsg.): Die Stadt- und Landgemeinden des Kreises Wolfach. Ein historisch-topographisches Ortslexikon. Bühl 1970. S. 120. Etymologisch gesehen bezieht er sich wohl auf den Fluss Wolfach, der im Stadtgebiet in die Kinzig mündet, und meint ein Gewässer, das reißend wie ein Wolf ist.Harter Hans: Adel und Burgen im oberen Kinziggebiet. Studien zur Besiedelung und hochmittelalterlichen Herrschaftsbildung im Mittleren Schwarzwald. Freiburg 1992. S. 56. Wolfach ist nicht nur der Name der Stadt, des Flusses und dessen Tals. Auch die mittelalterliche Burg und das Herrschaftsgebiet des gleichnamigen Adelsgeschlechtes werden so bezeichnet. Ursprünglich dürfte mit dem Namen also keine Stadt, sondern ein Gebiet verbunden worden sein.
Antike und Frühmittelalter Römische Militärstraße mini|links|Die Umgebung von Wolfach auf einer alten Reisekarte. Kupferstich um 1716 bei Bodenehr. Auf ihr lässt sich auch der vermutete Verlauf der alten Römerstraße erkennen. Sie führt von Wolfach nach Schiltach und über die Brandsteig Richtung Rottweil. Über die Gegend um Wolfach ist für die Zeit vor 1000 nur sehr wenig bekannt. Vermutlich gab es hier keine größeren Siedlungen. Schon die Römer erkannten aber die strategisch günstige Lage des Kinzigtals und bauten unter Kaiser Vespasian in den Jahren 73 und 74 eine Militärstraße von Offenburg nach Rottweil. Sie führte neueren archäologischen Erkenntnissen zufolge vermutlich über die Berghöhen an der heutigen Kernstadt vorbei. Erst mit der Gründung Wolfachs änderte man ihren Verlauf. Ab sofort gelangten Reisende durch die Stadt.Pfefferle Rolf: Grabungsbericht: Römerstraße auf Gemarkung Gutleutfeld. Wolfach 2003. () Gegen diese Theorie sprechen zahlreiche römische Funde auf dem Gebiet der Wolfacher Vorstadt.