Schönau am Königssee (amtlich Schönau a.Königssee, bis 1978 Schönau) ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land. Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist im Gemeindeteil Unterschönau. Zum Gemeindegebiet gehört der fjordartig eingebettete, bis zu 190 m tiefe Königssee mit der Kirche St. Bartholomä.

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde gehört zum Regierungsbezirk Oberbayern und ist Teil der hochalpinen Region Berchtesgadener Land im Süden des Landkreises Berchtesgadener Land. Gemeinsam mit den benachbarten Gemeinden Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg und Ramsau bei Berchtesgaden liegt der Ort innerhalb der geomorphologischen Einheit Berchtesgadener TalkesselMarkt Berchtesgaden – Flächennutzungsplan mit Landschaftsplanung, Kapitel: 2.6 Schutzgut Landschaft; Umweltberichte vom 6. März 2014 bis 6. März 2016, PDF-Datei, S. 16, online unter gemeinde.berchtesgaden.de und ist nahezu völlig von den Berchtesgadener Alpen umgeben, deren Gebirgsstöcke sich wiederum im Osten, Süden und Südwesten ins österreichische Bundesland Salzburg erstrecken.

Der Ort ist die südöstlichste Gemeinde Deutschlands, die im Westen vom Tal der Ramsau und im Norden vom Markt Berchtesgaden begrenzt wird. Im Osten und Süden bilden die Gebirgsstöcke vom Hohen Göll, Hagengebirge und Steinernen Meer die gemeinsame Grenze zum benachbarten Salzburger Land.koenigssee.com Informationen zur Gemeinde Schönau am Königssee.

Vom nördlichen Ufer des Königssees fließt die mit einem Stauwehr geregelte Königsseer Ache Richtung Berchtesgaden ab. In Berchtesgaden vereinigt sich diese vor dem Berchtesgadener Hauptbahnhof mit der Ramsauer Ache und heißt ab dort Berchtesgadener Ache.

Gemeindegliederung Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern hatten die Gemeinderäte der Gemeinden Schönau und Königssee den Beschluss gefasst, die beiden Gemeinden „freiwillig“ zusammenzulegen. Vor der Zusammenlegung im Jahr 1978 sind Ende März 1977 in beiden Gemeinden Anhörverfahren durchgeführt worden, bei denen sich 53 Prozent für „Schönau am Königssee“ als neuen Gemeindenamen ausgesprochen haben (amtl. Schönau a.Königssee),Änderungen bei den Gemeindenamen in der Zeit von 1840 bis 1990, der seit der Zusammenlegung auch seine Anwendung findet.

Die Gemeinde besteht aus insgesamt sieben Gemeindeteilen, aus sechs Gnotschaften sowie der Einöde St. Bartholomä. Die nur im Sommer bewirtschafteten Almhütten wie Saletalm am Südufer des Königssees und Fischunkelalm am Obersee zählen nicht als Gemeindeteile, ebenso wenig die Wildfütterung (ehemaliger Jagdstand) Im Reitl gegenüber von St. Bartholomä sowie die Bootsanlegestelle Kessel am Ostufer des Königssees.

Gemeindeteile und Gnotschaften der Gemeinde Schönau am Königssee(Einwohnerzahlen laut Volkszählung am 25. Mai 1987 in Klammern) Gemarkungen vom 17. Februar 2022, Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Gemeindeteile Art AnmerkungenForst Sankt Bartholomä St. Bartholomä (25) Einöde ehemaliges gemeindefreies Gebiet; eingegliedert am 1. Januar 1984; unbewohnt, Almhütten nur im Sommer bewohnt Forst Königssee ehemaliges gemeindefreies Gebiet; eingegliedert am 1. Januar 1984; unbewohnt, Almhütten nur im Sommer bewohnt Königssee Königssee (675) Gnotschaft Zusammenlegung zur Gemeinde Schönau am Königssee in 1978 Faselsberg (790) Gnotschaft Schwöb (590) Gnotschaft Schönau Hinterschönau (82) Gnotschaft Oberschönau (1421) Gnotschaft Unterschönau (1630) Gnotschaft

Nachbargemeinden Die benachbarten Gebiete der Gemeinde Schönau am Königssee gehören auf deutscher Seite ebenfalls zum Landkreis Berchtesgadener Land. Dies sind im Nordosten auf rund 400 Metern Höhe das gemeindefreie Gebiet Eck und Berchtesgaden, im Nordwesten Bischofswiesen und im Westen Ramsau bei Berchtesgaden. Von Südwesten bis Osten stößt die Gemeinde an die deutsch-österreichische Staatsgrenze mit den dahinterliegenden österreichischen Gemeinden Saalfelden (Südwesten) und Maria Alm (Süden) im Bezirk Zell am See, Werfen (Südosten) im Gerichtsbezirk Sankt Johann im Pongau sowie Golling und Kuchl im Bezirk Hallein (Osten).

Geschichte Urgnotschaft des Klosterstifts Berchtesgaden mini|550px|Panorama über das Schönau-Plateau mit den Bergen der Berchtesgadener Alpen Im Zuge des 1377 ausgestellten Landbriefs von Propst Ulrich WulpJoseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 2, ab S. 27 f. wurde Schönau mit den bis 1817 namenlosen acht „Gnotschaftsbezirken“ Faselsberg, Königssee, Hinterschönau, Oberschönau I, Oberschönau II, Schwöb, Unterschönau I und Unterschönau II vermutlich schon ab Ende des 14. Jahrhunderts zu einer der acht „Urgnotschaften“ des Berchtesgadener Landes.Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 2, ab S. 145 f. Die Gebietsfläche des Berchtesgadener Landes entsprach ab 1155 dem Kernland des Klosterstifts Berchtesgaden, das 1380 zur Reichsprälatur Berchtesgaden und 1559 zur reichsunmittelbaren Fürstpropstei Berchtesgaden erhoben worden war. Erste schriftliche Erwähnung als Gnotschaft, deren Zuständigkeitsbereich die einstigen bäuerlichen Anwesen ungefähr auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Schönau am Königssee umfasste, findet Schönau im ersten Steuerbuch des Berchtesgadener Landes von 1456.Zu „Urgnotschaften“ und Steuerbuch siehe Manfred Feulner: im Auftrag der Blaskapelle Maria Gern. Literatur und Quellen: berchtesgadeninfo.de, Marktarchiv Berchtesgaden, Abt. Maria Gern.Dieter Albrecht: Fürstpropstei Berchtesgaden - Statistische Übersicht nach dem Stand von 1698. I. Land- und Pfleggericht Berchtesgaden. Kapitel: Gnotschaft Schönau. In: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 7, München 1954, S. 28 und 29. → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Geschichte in Fürstpropstei Berchtesgaden

Säkularisation, Anschluss an Bayern Nach der Säkularisation von 1803 verlor das Berchtesgadener Land seine politische Eigenständigkeit als Fürstpropstei, darauf folgten kurz hintereinander drei Herrschaftswechsel. Ab 1803 war das neugegründete Kurfürstentum Salzburg Herr über das „Land Berchtesgaden“, nach dem Frieden von Pressburg 1805 das Kaiserreich Österreich und 1809 für kurze Zeit Napoleons Frankreich. 1810 wurde das Berchtesgadener Land schließlich dem Königreich Bayern angegliedertJoseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 3, ab S. 121 f. und Schönau in die Gemeinden Schönau und Königssee geteilt. Mit der Neuordnung Europas wurden die beiden Gemeinden wie alle anderen Gnotschaften des Berchtesgadener Landes unter der direkten Zuständigkeit des Landgerichts Berchtesgaden ab 1810 erst dem Salzachkreis und ab 1817 dem Isarkreis des Königreich Bayerns angegliedert, der seit 1838 Oberbayern heißt. Im Jahr 1868 erfolgte eine Unterteilung des Regierungsbezirks Oberbayern und die Eingliederung des Ortes in das Bezirksamt Berchtesgaden. Die bisherigen Gnotschaftsbezirke der „Urgnotschaft“ werden seither bis zum heutigen Tag als „Gnotschaften“ bezeichnet. → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Nach der Säkularisation in Fürstpropstei Berchtesgaden

Von 1909 bis 1965 war das heutige Gemeindegebiet durch die Königsseebahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Alle vier Stationen der Strecke lagen auf dem Gemeindegebiet. Ausgangspunkt war der Königsseer Bahnhof auf dem einstigen Triftplatz gegenüber dem Hauptbahnhof Berchtesgaden.

Zeit des Nationalsozialismus Das für die Gemeinden Schönau und Königssee zuständige Bezirksamt Berchtesgaden wurde 1939 in Landkreis Berchtesgaden mit gleichem Zuständigkeitsbereich umbenannt.

Hermann Göring ließ im Januar 1945 den Rest seiner Kunstsammlung in Sonderzügen nach Berchtesgaden bringen und dort in Eisenbahn-Tunneln unterstellen. Die Kunstschätze wurden ausgeladen und in Luftschutzbunker gebracht, ein Teil der Gemälde und Tapisserien hingegen von Einheimischen in diesen letzten Kriegstagen aus den Zügen geplündert – und bis zum heutigen Tag nicht zurückgegeben.Siehe ab Sendeminuten 00:51:02 bis 00:57:10 und 00:58:46 bis 00:59:03 , Arte-Fernsehdokumentation ausgestrahlt am 28. März 2021, zeitlich begrenzt online unter arteptweb-a.akamaihd.net Bei Hellmut Schöner ist von Plünderung nirgends die Rede, sondern er stellt lediglich fest, dass 1945 wertvolle Kunstgegenstände und Gemälde – das heißt, die nach der Plünderung noch verbliebenen Gegenstände – aus einem in Unterschönau am Bahnhof Unterstein abgestellten Eisenbahnzug von Hermann Göring (dem „Göringzug“) in jenes von Truppen der US Army belegte Haus Hubertus gebracht worden seien, das Ludwig Ganghofer als Vorlage für seinen Roman Schloss Hubertus diente.Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit – Ergänzungsband I. S. 456. Diese sowie die andernorts in Tunneln oder/und Bunkern untergebrachten Kunstgegenstände sind dann von der 101st Airborne Division der USA sichergestellt worden.Günther Haase: Die Kunstsammlung des Reichsmarschalls Hermann Göring. Quintessenz Verlag, Berlin 2000, ISBN 978-3-86124-520-9.

Nachkriegszeit Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 der Landkreis Berchtesgaden, dem die Gemeinden Schönau und Königssee angehörten, zugunsten des neuen und erweiterten Landkreises Bad Reichenhall aufgelöst. Der neue Landkreis erhielt am 1. Mai 1973 seinen endgültigen Namen Landkreis Berchtesgadener Land.

Nachdem bereits der Gemeinderat von Schönau (westlich der Königsseer Ache) am 18. Dezember 1975 und der Gemeinderat von Königssee (östlich der Königsseer Ache einschließlich der separaten Gemarkung Forst St. Bartholomä) am 22. Dezember 1975 einem freiwilligen Zusammenschluss zugestimmt hatten, wurde Ende März 1977 in beiden Gemeinden ein Anhörverfahren durchgeführt, bei dem sich 53 Prozent für den neuen Gemeindenamen „Schönau am Königssee“ aussprachen.Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit – Ergänzungsband I. S. 227. Am 1. Mai 1978 erfolgte dann schließlich die Zusammenlegung der beiden Gemeinden zur Gemeinde Schönau am Königssee.

Am 1. Januar 1984 wurden die großen gemeindefreien Gebiete Forst Königssee (4574,69 von 4.883,88 Hektar) und Forst St. Bartholomä (6.497,73 Hektar) im Süden eingemeindet, bestehend aus dem See mit Umgebung bis zur österreichischen Grenze (ein kleinerer Teil des Forstes Königssee mit 309,19 Hektar wurde nach Berchtesgaden, Gemarkung Salzberg eingemeindet).

Geografisch-soziokulturelle Zuordnungen