Ramsau bei Berchtesgaden (amtlich: Ramsau b.Berchtesgaden) ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land. Die Ramsauer Pfarrkirche St. Sebastian und der Hintersee sind weltbekannte Motive der Landschaftsmalerei. Ramsau ist heilklimatischer Kurort und das erste Bergsteigerdorf Deutschlands. Der Nationalpark Berchtesgaden nimmt über 82 Prozent der Gemeindefläche ein.
Geographie mini|Pfarrkirche St. Sebastian im Ramsauer Malerwinkel mit Reiter Alm und Wagendrischelhorn Geografische Lage Die Gemeinde ist Teil der hochalpinen Region Berchtesgadener Land im Süden des Landkreises Berchtesgadener Land. Mit den benachbarten Gemeinden Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg und Schönau am Königssee liegt Ramsau bei Berchtesgaden innerhalb der geomorphologischen Einheit Berchtesgadener TalkesselMarkt Berchtesgaden – Flächennutzungsplan mit Landschaftsplanung, Kapitel: 2.6 Schutzgut Landschaft; Umweltberichte vom 6. März 2014 bis 6. März 2016, PDF-Datei, S. 16 von 48 Seiten, online unter gemeinde.berchtesgaden.de und ist nahezu völlig von den Berchtesgadener Alpen umgeben, deren Gebirgsstöcke sich wiederum im Osten, Süden und Südwesten ins österreichische Bundesland Salzburg erstrecken. Innerhalb des Berchtesgadener Talkessels bildet Ramsau umrahmt von den Gebirgsstöcken Watzmann, Hochkalter, Reiter Alm und Lattengebirge der Berchtesgadener Alpen nochmals ein abgeschlossenes Gebiet.
Die Gemeinde Ramsau ist durch unterschiedliche Höhenlagen gekennzeichnet, die von 630 bis reichen. Höchster Punkt der Gemeinde ist die Mittelspitze des Watzmanns (2.713 m), tiefster Punkt die Ramsauer Ache an der Gemeindegrenze zu Bischofswiesen flussabwärts der Wimbachbrücke. Das Ortszentrum liegt auf ca. .
Geologie Ramsau ist namensgebend für den Ramsaudolomit.
Nachbargemeinden mini|Der Hintersee im gleichnamigen Ortsteil Die Nachbargemeinden auf deutscher Seite gehören wie Ramsau selbst zum Landkreis Berchtesgadener Land. Seine nordwestliche Nachbargemeinde ist Schneizlreuth, dem sich nordöstlich die Gemeinde Bischofswiesen und südöstlich die Gemeinde Schönau am Königssee anschließen. Im weiteren Verlauf ist die Gemeindegrenze zugleich die Staatsgrenze zum Salzburger Bezirk Zell am See (Pinzgau). Richtung Süden grenzt hier die Stadt Saalfelden an, es folgen im Westen Weißbach bei Lofer, Sankt Martin bei Lofer, Lofer und Unken.
Gemeindegliederung Der Besiedelung der Gemeinde beschränkt sich auf das Tal entlang der Ramsauer Ache, rund um den Hintersee und an den Südhängen des Lattengebirges bis auf eine Höhe von 1.100 m.
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Gnotschaften bzw. Gemeindeteile Antenbichl, Au, Schwarzeck und Taubensee und das Dorf Hintersee, dessen Fluren traditionell zur alten Gnotschaft Antenbichl gerechnet werden.
Aneinander angrenzende Anteile der Gnotschaften Au, Schwarzeck und Taubensee bilden einen im Zusammenhang bebauten Innenbereich, der informell als Dorf Ramsau des Ramsauer Gemeinderats – auf Seite 3 der PDF-Datei heißt es: „Das Baugrundstück (..), Gemarkung Ramsau, liegt im Innenbereich. Im Flächennutzungsplan der Gemeinde Ramsau ist das Gebiet als Fläche Dorfgebiet ausgewiesen.“ oder als Ortszentrum Unter „Zahlen, Daten, Fakten“ die Angabe der Höhenlage des Ortszentrums bezeichnet wird. Die Gemeindeverwaltung hat ihren Sitz im informell als „Dorf Ramsau“ bezeichneten und im Zusammenhang bebauten „Ortszentrum“ (Postanschrift: Im Tal 2; 83486 Ramsau).
Geschichte Urgnotschaft des Klosterstifts Berchtesgaden Nachdem ab 1201 dem Klosterstift Berchtesgaden in geistlicher Hinsicht die Pfarrei Berchtesgaden inkorporiert wurde, kam bald darauf Ramsau als eine ihrer Filialen hinzu,A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, Stichwort: Geschichte des Landes, S. 108–109 die jedoch erst 1512 mit der Kirche St. Sebastian als eigenem Filialkirchengebäude ausgestattet wurde.Michael Petzet: Denkmäler in Bayern, Band 1–2; S. 141 Ein Kaufvertrag mit Propst Johann Sax von Saxenau von 1295, laut von Koch-Sternfeld „die erste teutsche Urkunde von Berchtesgaden“, verweist auch auf einen „Heinrich von Ramsau (im Hinterberchtesgaden)“ als einen von mehreren Zeugen dieses Vertrags.Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke, Band 1. Salzburg 1815; S. 128 u., 129 (). Hier heißt es: „Im J. 1295 am Markustag verkaufen Friedrich von Rupolding und seine Hausfrau Benedikta, und deren von Megenwarth und von Teisenheim erworbene Söhne Rapoto und Ortolf ihr freyes Eigenthum zu Niedertiesbach (in den Hohlwesen, südwestlich von Berchtesgaden an den Propst Johann. Heinrich von Taufkirchen siegelt den Brief auf des Propsten Haus.*)“ Und in der Fußnote auf Seite 129: „*) S. und B. II. 58. Soviel bekannt ist dieses die erste teutsche Urkunde von Berchtesgaden. Als Zeugen waren anwesend: (..) Heinrich von Ramsau (im Hinterberchtesgaden), und andere getreue Leute.“ Koch-Sternfeld meint auch, dass zu jener Zeit bereits ein „lebhafter Verkehr“ zwischen Berchtesgaden und den Pinzgauer Gütern jenseits des „Hirschbühels und Gerhardsteins“ bestanden habe, um Salz und Vieh auszutauschen – weshalb auch Ramsau und Hintersee „schon vielfältig bewohnt und zum Ackerbau ausgelichtet“ gewesen wären. Nach seiner Beobachtung „verräth die dortige Volksklasse (noch), daß sie mehrern Theils aus dem Unterpinzgau abstammt“.Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke, Band 1. Salzburg 1815; S. 131 ().
Im Zuge des 1377 ausgestellten Landbriefs von Propst Ulrich WulpJoseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 2, ab S. 27 f.Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 2, S. 29 .Laut Koch-Sternfeld kritisiert hier ein Berchtesgadener Richter namens Eberhard den Propst Ulrich I. Wulp (1377–1384) für das Auslichten des Waldes und damit Öffnen der natürlichen Begrenzung des Berchtesgadener Landes an der Schwarzache – vom Taubensee den Schwarzbach (siehe: Schwarzbach (Bad Reichenhall)) entlang Richtung Jettenberg (heute: Oberjettenberg und Unterjettenberg). wurde Ramsau mit seinen zwei bis 1817 namenlosen und noch ungeteilten „Gnotschaftsbezirken“ vermutlich schon ab Ende des 14. Jahrhunderts zu einer der acht „Urgnotschaften“ des Berchtesgadener Landes.Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 2, ab S. 145 f. Die Gebietsfläche des Berchtesgadener Landes entsprach ab 1155 dem Kernland des Klosterstifts Berchtesgaden, das 1380 zur Reichsprälatur Berchtesgaden und 1559 zur reichsunmittelbaren Fürstpropstei Berchtesgaden erhoben worden war. Schriftliche Erwähnung als Gnotschaft, deren Zuständigkeitsbereich die einstigen bäuerlichen Anwesen ungefähr auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Ramsau bei Berchtesgaden umfasste, findet Ramsau erstmals im ersten Steuerbuch des Berchtesgadener Landes von 1456.Zu „Urgnotschaften“, Steuerbuch und Gemeindeverzeichnis von 1817 siehe Manfred Feulner: im Auftrag der Blaskapelle Maria Gern. Literatur und Quellen: berchtesgadeninfo.de, Marktarchiv Berchtesgaden, Abt. Maria Gern.Dieter Albrecht: Fürstpropstei Berchtesgaden - Statistische Übersicht nach dem Stand von 1698. I. Land- und Pfleggericht Berchtesgaden. Kapitel: Gnotschaft Ramsau In: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 7, München 1954, S. 26 → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Geschichte in Fürstpropstei Berchtesgaden
mini|hochkant=0.8|Deckenfresko in Maria Kunterweg
Im 16. Jahrhundert fand die Reformation in Ramsau im Gegensatz zu den meisten anderen Gnotschaften des Berchtesgadener Landes nur wenige Anhänger.Alfred Spiegel-Schmidt: , Text zur Emigration der Protestanten aus der Fürstpropstei Berchtesgaden, online unter berchtesgaden-evangelisch.de.Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 2, S. 131–132 (). Und nachdem im Zuge der Gegenreformation eine große Anzahl der Protestanten und damit 10 Prozent der BevölkerungManfred Feulner: Berchtesgaden – Geschichte des Landes und seiner Bewohner. siehe Die Vertreibung der Protestanten aus Berchtesgaden. S. 171–174 aus dem fürstpröpstlich regierten Herrschaftsgebiet vertrieben waren, wurde noch im Jahr ihres Auszugs (1733) in Ramsau die Kirche Maria Himmelfahrt, auch bekannt als Maria Kunterweg, geweiht, in der ein Deckengemälde diese Auswanderung triumphierend dokumentiert. Im unteren Chronogramm zweier Kartuschen ist dazu, aus dem Lateinischen übersetzt, zu lesen: Alfred Spiegel-Schmidt: Vertreibung der Protestanten aus Berchtesgaden. mit Übersetzung der Kartusche. Auf Fürbitte der unbefleckten Jungfrau und Mutter ist der verderbende Irrglaube hier von dieser Kirche ausgetrieben worden. (1733)notthafft.de Harald Stark: Auf den Spuren des Berchtesgadener Fürstpropsts Cajetan Anton Notthafft, siehe Ende des vorletzten Absatzes. → Siehe zu diesem Absatz auch die Abschnitte: Reformation und Gegenreformation, Vertreibungen und Emigration in Fürstpropstei Berchtesgaden
Säkularisation, Anschluss an Bayern Nach der Säkularisation von 1803 verlor das Berchtesgadener Land seine politische Eigenständigkeit als Fürstpropstei, darauf folgten kurz hintereinander drei Herrschaftswechsel. 1810 wurde das Berchtesgadener Land schließlich dem Königreich Bayern angegliedert.Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 3, ab S. 121 f. Unter der direkten Zuständigkeit des Landgerichts Berchtesgaden wurde aus Ramsau eine Gemeinde, die dem Salzachkreis und ab 1817 dem neu geschaffenen Isarkreis zugeordnet war, der seit 1838 Oberbayern heißt. Die bisherigen beiden Gnotschaftsbezirke von Ramsau erhielten 1817 namentliche Bezeichnungen und wurden in die vier Ortsteile Au und Schwarzeck (vormals Teile des 1. Gnotschaftsbezirks) sowie Antenbichl und Taubensee (vormals Teile des 2. Gnotschaftsbezirks) aufgesplittet, die seither bis zum heutigen Tag als „Gnotschaften“ bezeichnet werden. Seit den Verwaltungsreformen in Bayern von 1818 kann sich die Gemeinde Ramsau selbst verwalten. → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Nach der Säkularisation in Fürstpropstei Berchtesgaden
Unter den Regentschaften des Kurfürstentums Salzburg von 1803 bis 1805 und der des Kaiserreichs Österreich bis 1809 wurde in Ramsau eine Straße vom Hintersee aus über den Hirschbichl in den Pinzgau angelegt, die dem Salztransport und einer engeren wirtschaftlichen Bindung des Territoriums an Österreich dienen sollte.Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit – Ergänzungsband I. S. 245 → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Nach der Säkularisation in Fürstpropstei Berchtesgaden mini|Postbus nach Hintersee (1907) Im Jahr 1868 erfolgte eine Unterteilung des Regierungsbezirks Oberbayern und die Eingliederung von Ramsau in das Bezirksamt Berchtesgaden. Das bayerische Herrscherhaus der Wittelsbacher nutzte die umfangreichen Forstflächen Ramsaus als Hofjagdgebiet.
Am 1. Mai 1885 erfolgte die Einrichtung einer ersten „ortsfesten Post“ bzw. „Postexpedition“ in Ramsau, die bis 1995 als eigenständiges Postamt Bestand hatte. Nach der Privatisierung der Post und mit der Verlagerung des Zustelldienstes von Ramsau nach Berchtesgaden wurde das Postamt jedoch in eine „Postfiliale“ umgewandelt und 1998 schließlich endgültig aufgegeben. Die bisherigen Aufgaben der Post übernahm dann eine in einer Drogerie eingerichtete Postagentur, die 2003 ebenfalls aufgegeben wurde. Seither gibt es in Ramsau keine ortsfeste Poststelle mehr.