mini|Blood-and-Honour-Logo mit Triskele Blood and Honour (englisch für Blut und Ehre) ist ein rechtsextremes Netzwerk, das es sich u. a. zur Aufgabe gemacht hat, neonazistische Bands miteinander zu koordinieren und die nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten. Weltweit ist von bis zu 10.000 Mitgliedern auszugehen.Frederik Obermaier, Tanjev Schultz: Neonazis feiern „Tag der Ehre“. In: Süddeutsche Zeitung, 11. Februar 2013. Abgerufen am 6. November 2013. Mit Combat 18 besteht ein „bewaffneter Arm“ von Blood and Honour, der vor allem in Großbritannien und Skandinavien aktiv ist, aber auch in Deutschland Anhänger hat.analyse & kritik: Blood & Honour macht als Combat 18 weiter – Trotz Verbot ist das internationale Musiknetzwerk in Deutschland aktiv, Nr. 478, 21. November 2003 In Deutschland ist Blood and Honour seit 2000 verboten.

Ursprung Ian Stuart Donaldson, Sänger der RAC-Band Skrewdriver, gründete das Netzwerk mit Nicola Vincenzio „Nicky“ Crane 1987 in Großbritannien. Daher verwendet das Netzwerk die britische Schreibung Honour und nicht die US-amerikanische Variante Honor. Seitdem sind Personen aus dem Blood-and-Honour-Umfeld besonders aktiv bei der zumeist konspirativen Organisation von Konzerten und bei der Herstellung und Verbreitung von Tonträgern mit rechtsextremistischen Inhalten. Es erschien auch eine gleichnamige Reihe von Samplern. Donaldson griff auch den Schlüsselbegriff White Power des Ku-Klux-Klans neu auf.

1988 gründete Donaldson das Neonazi-Netzwerk Storm. Nach dem Tod Donaldsons war das Netzwerk weiterhin in Österreich, der Schweiz und Ungarn aktiv. Das Netzwerk Storm pflegte Kontakt zur schwedischen Terrorgruppe Vitt Ariskt Motstånd („Weißer Arischer Widerstand“),Nazi-Netzwerk „Storm“ eng mit „Blood and honour“ verbunden. derstandard.at, 30. Januar 2002. ein schwedisches Pendant zur US-amerikanischen Organisation White Aryan Resistance.

Es existieren Schriften von Blood and Honour mit den Namen The Way Forward („Der Weg vorwärts“) und Field Manual („Kampfhandbuch“), die eine hierarchiefreie und zellenorientierte Organisation für Anschläge gegenüber Migranten und Andersdenkenden vorsehen, um diese in Schrecken zu versetzen.

Mittlerweile gibt es Blood-and-Honour-Divisionen in vielen europäischen LändernAbseits des Reichs: Europa rockt! sueddeutsche.de, 19. Mai 2010. Abgerufen am 29. Mai 2013. sowie in den USA und in Australien. In Budapest (Ungarn) findet beispielsweise seit 1997 jährlich der Tag der Ehre („Day of Honour“) statt.Dämmern in jeder Ecke. jungle-world.com, 21. Februar 2013. Abgerufen am 25. Februar 2013.Frank Huber, Thomas Kuban: „Europa rockt völkisch!“ Wie Neonazis mit Musik europaweit ihre Ideologie propagieren und Nachwuchs rekrutieren. Dossier Rechtsextremismus der Bundeszentrale für politische Bildung, 6. September 2007. Abgerufen am 6. November 2013. In Russland wurde das Netzwerk 2012 verboten. (englisch). en.rian.ru, 29. Mai 2012. Abgerufen am 27. Februar 2013.

Name und Logo Die Worte Blut und Ehre waren auf den Fahrtenmessern der Hitlerjugend eingraviert. Eines der Nürnberger Rassengesetze hieß offiziell Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre. Eine ähnliche von den Nazis gebrauchte Wortformel, „Meine Ehre heißt Treue“, war der Leitspruch der SS.

Symbol von Blood and Honour ist eine Art der Triskele, die an das Logo und die Farben der von den 1970ern bis 1990ern aktiven Afrikaner Weerstandsbeweging – einer rechtsextremistisch-rassistischen und suprematistischen Gruppierung im Apartheid-Südafrika – angelehnt ist und assoziativ das Hakenkreuz als Symbol des Nationalsozialismus nahelegt. Szenecode für Blood and Honour ist die 28 (Zahlenwert der Buchstaben B und H).

Deutschland 1994 entstand in Berlin die Division Deutschland und wurde von Stephan Lange geführt, einem ehemaligen V-Mann des Verfassungsschutzes. In Deutschland gab es im Laufe der Zeit 20 Sektionen. . verfassungsschutz.bayern.de, 14. September 2000 In Bayern galt Bernd Peruch, genannt „Pernod“, als einer der führenden Blood-and-Honour-Aktivisten. Thomas Starke war der Chef von Blood and Honour Chemnitz und Jan W. leitete die Gruppe Sachsen. In den sechs Jahren bis zum Verbot herrschte eine feste Mitgliederstruktur. Neulinge bekamen eine Probezeit von mindestens sechs Monaten und durften erst ab dem Alter von 21 Jahren beitreten. Das deutsche Netzwerk gab ein Fanzine mit dem Namen Blood & Honour heraus, an dem sich alle deutschen Sektionen beteiligten.Nazi-Terror: Die vergessenen Opfer (PDF; 1,6 MB). haskala.de, 5. März 2013.Rechtsextremes Netzwerk "Blood & Honour": "Jeder hat gegen jeden gekämpft". spiegel.de, 7. Mai 2013.

Musik Ab 1995 wurden erste Konzerte veranstaltet. Blood and Honour diente dazu, ein „Millionengeschäft – Musik, Konzerte, Erlebniswelt – aufzuziehen und zu dominieren“ und „einen Rassenkrieg, einen Terrorismus von Rechts zu beginnen“.

Aktive Bands im Netzwerk waren bzw. sind unter anderem Landser, SKD, Spreegeschwader, Nahkampf, Oidoxie, Weisse Wölfe und Noie Werte. Außerdem gehören dazu Radikahl, Faustrecht aus dem Allgäu und Hate Society, in der Matthias Fischer von der seit 2004 verbotenen Fränkischen Aktionsfront Schlagzeuger war (gemäß dem Abschlussbericht des Bayerischen Untersuchungsausschuss Rechtsterrorismus in Bayern – NSU).

Autonome Zellen Das andere Ziel war die Bildung eines Netzes von terroristischen Kleinstgruppen nach dem Vorbild der Gruppe Combat 18, des militärischen, radikalen Arms von Blood and Honour, der direkt für Terroranschläge verantwortlich gemacht wurde. Blood and Honour strebte als Vorbild die Strategie eines „Führerlosen Partisanenkampfes“ an. Eine bürgerliche Existenz sollte die Basis bilden, um aus dem Verborgenen heraus operieren zu können. Waffen sollten im Ausland beschafft werden. Feindbild waren laut Blood-and-Honour-Fanzines „stinkende Araber und Juden“. Laut dem 2010 erschienenen Buch Waffenrepublik Deutschland: Der Bürger am Abzug von Lars Winkelsdorf sollen Mitglieder aus dem Umfeld des Netzwerks paramilitärische Übungen und Ausbildungen abgehalten haben.Neonazis unter Waffen: Terrortrio vermutlich paramilitärisch geschult. neues-deutschland.de, 22. November 2011.

Verbot 2000 Im September 2000 wurde die deutsche Division ebenso wie ihre 1997 entstandene Jugendorganisation White YouthBVerwG, Urteil vom 13. Juni 2001, Az. mit Blood and Honour. taz.de, 7. April 2012. verboten, ist aber unter dem neuen Namen Division 28 weiterhin aktiv. Vor 2000 wurde der Name Blood und Honour kaum in Berichten des bayerischen Verfassungsschutzes erwähnt.

Nähe zum NSU Im September 1998 rechnete das LKA Thüringen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die später als Nationalsozialistischer Untergrund Morde, Anschläge und Bankraube begingen, „zum harten Kern der Blood-and-Honour-Bewegung“ in Jena. Jan W., der das Blood-and-Honour-Chapter in Sachsen führte, soll sich laut dem Verfassungsschutz Brandenburg bereit erklärt haben, Geld für Waffen zur Verfügung zu stellen. Ein ehemaliger Freund von Beate Zschäpe und stellvertretender Leiter des Chapters Sachsen, Thomas S., soll Sprengstoff für die NSU-Terroristen organisiert, ihnen eine Unterkunft verschafft und sie bei der Kontaktnahme zu weiteren neonazistischen Gruppen beraten haben. Mandy Struck, eine Blood-and-Honour-nahe Aktivistin, beherbergte sie in der Wohnung ihres Freundes Thomas Richter alias Corelli in der Chemnitzer Friedrich-Viertel-Straße 85, kurz nachdem sie 1998 in den Untergrund gegangen waren.Ruheraum für Rechtsextreme. taz.de, 5. September 2012. Aber auch in Niedersachsen hatte es Verbindungen der dort ansässigen Blood-and-Honour-Szene zum Netzwerk des NSU gegeben.NSU: Und immer wieder Hannover. ndr.de, 16. Dezember 2013. Nach Erkenntnissen von ZDF-heute gehören 20 Personen aus dem Umfeld des NSU zum deutschen Netzwerk des Blood and Honour. Darunter sollen sich auch mindestens fünf V-Leute befinden.Brandstifter im Staatsauftrag? V-Leute und der rechte Terror. Rainer Fromm, Elmar Theveßen, 14. Mai 2013, ZDFinfo, anzusehen auf YouTube. Beschreibung im Presseportal.

Nach dem Verbot 2000 Seit dem Verbot gab es mehr als 20 Ermittlungsverfahren wegen Fortführung der Organisation. Nach dem Verbot von Blood and Honour in Deutschland versuchen sich Hammerskins verstärkt als rechtsextreme Musik- und Konzertorganisation zu profilieren, mit teilweise gemeinsam organisierten Konzerten.Antifaschistisches Infoblatt: Internationaler Hass. Das Netzwerk der Hammerskins. Nr. 97, Winter 2012, S. 22–26.Mit einem Adler im Sturzflug. fr-online.de, 11. April 2013.

2003 erschien eine Blood & Honour-CD, auf der zahlreiche thüringische Neonazibands vertreten waren, mit dem Titel Trotz Verbot nicht tot.. jenapolis.de, 6. Februar 2012. Abgerufen am 10. Juni 2018.

Seit 2002 finden im ostthüringischen Gera unter dem Namen Rock für Deutschland jährlich Neonazi-Veranstaltungen mit Festival-Charakter statt, bei denen Redner aus dem Spektrum der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands und den sogenannten Freien Kameradschaften sowie mehrere Rechtsrock-Bands und Liedermacher auftreten, die Verbindungen zum Blood-and-Honour-Netzwerk haben.Till Grefe: Runter von der Spielwiese. In: Jungle World, 1. Juli 2010.

Seit 2005 findet in Thüringen in unregelmäßigen Abständen das Fest der Völker statt. Es ist ein großes Rechtsrock-Festival, das von der NPD organisiert wird. An den Veranstaltungen nahmen mehrere führende Vertreter rechtsextremer Organisationen aus ganz Europa und viele Bands teil, die fast ausschließlich Blood and Honour angehören.

Am 13. November 2005 berichtete Spiegel TV und in der Folge zahlreiche überregionale Medien über ein Neonazi-Konzert im bayerischen Mitterskirchen, das offiziell als NPD-Parteiveranstaltung angemeldet worden war, hinter dem jedoch Blood and Honour stand.Verbotene Organisation: NPD veranstaltete Konzert mit „Blood and Honour“. In: Spiegel Online, 12. November 2005. Während des Konzerts spielten die Bands auch verbotene Lieder der Neonazi-Band Landser und forderten öffentlich zu Straftaten auf. Das Konzert im Oktober 2005 war ein wesentlicher Auslöser der bundesweiten Razzien gegen die weiterexistierenden Blood-and-Honour-Strukturen Anfang März 2006.

Im Februar 2007 nahmen an einem internationalen Neonazi-Treffen, das vom ungarischen Zweig von Blood and Honour organisiert wurde, mehrere hochrangige Funktionäre der NPD, unter ihnen Udo Voigt und Eckart Bräuniger, teil.redok: . 21. Februar 2007. Unter anderem wurde das Festival auch von Ralf Wohlleben unterstützt, Thorsten Heise übernahm das Konzept für den sogenannten „Eichsfelder Heimattag“.Patrick Gensing: . publikative.org, 29. November 2011.. publikative.org, 6. Februar 2012. Abgerufen am 10. Juni 2018.

Ende August 2008 erlangten antifaschistische Aktivisten eine Kopie eines der internationalen Blood-and-Honour-Foren.Bernhard Frevel, Michaela Wendekamm: Sicherheitsproduktion zwischen Staat, Markt und Zivilgesellschaft, Springer-Verlag, 2016, S. 192 Die Dateien und die Datenbank wurden mit allen öffentlichen und versteckten Foren, persönlichen Nachrichten, Fotos und Anhängen der 31.948 registrierten Benutzer per Download-Adresse und Filesharing veröffentlicht. In den Medien bezeichnete man dies als einen „schweren Schlag gegen die militante rechte Szene“.n-tv: Zugriff auf B&H-Server – Nazi-Netzwerk geknackt. 30. August 2008Heise online: Datenantifa stellt geschlossenes Forum eines Neonazi-Netzwerks online. 30. August 2008, Bekennerschreiben auf Indymedia Deutschland, 29. August 2008. 2011 hatten Hacker des Kollektivs Anonymous Mitgliedsdaten von Blood and Honour geknackt und Namen und Postanschriften von Mitgliedern im Internet veröffentlicht.