mini|hochkant|Ludwig Seiterich (1977)
Karl Ludwig Wilhelm Seiterich (* 5. Juli 1904 in Karlsruhe; † 29. Juli 1979 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Verwaltungsjurist und Landrat in den Landkreisen Waldshut und Konstanz.
Leben Der Sohn eines großherzoglichen Hofkutschers und Bruder des späteren Freiburger Erzbischofs Eugen Seiterich besuchte in seiner Heimatstadt Karlsruhe die Schule und studierte danach Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Freiburg. An der Universität Freiburg wurde er 1929 promoviert.
Sein beruflicher Weg führte ihn als Regierungsassessor an das Bezirksamt Karlsruhe (1930 bis 1931), an das Oberversicherungsamt Freiburg (1931 bis 1932) und kurzzeitig an das Bezirksamt Neustadt. Von 1932 bis 1934 war Seiterich Stadtrechtsrat bei der Stadt Karlsruhe, bevor er 1934 an das Landratsamt Lörrach versetzt wurde, zunächst als Regierungsassessor, danach als Regierungsrat. 1938 wurde er an das Landratsamt Emmendingen versetzt, wo er bis 1946 eine Stelle als Regierungsrat hielt, jedoch die meiste Zeit als Kriegsverwaltungsrat in Belgien, Nordfrankreich und Italien Dienst bei der Wehrmacht leistete. In der Zeit zwischen 1933 und 1945 wurde Seiterich wegen seines Bekenntnisses zum Katholizismus politisch diskriminiert.Michael Ruck: Korpsgeist und Staatsbewusstsein: Beamte im deutschen Südwesten 1928 bis 1972, München, 1996, S. 234
Nach kurzer amerikanischer Kriegsgefangenschaft wurde Seiterich im September 1945 entlassen und kehrte als kommissarischer Landrat an das Landratsamt Emmendingen zurück. Noch 1946 wurde er an das Badische Ministerium des Inneren in Freiburg versetzt und war dort bis 1949 zunächst Regierungsrat, dann Oberregierungsrat.
Im Jahr 1949 wurde Seiterich Landrat im Landkreis Waldshut und war danach von 1954 bis zu seiner Pensionierung 1968 Landrat im Landkreis Konstanz. Für die Zeit von fünf Monaten war er gleichzeitig Landrat in Waldshut und in Konstanz. (PDF; 55 kB)
Neben seinem Hauptberuf als Landrat hatte Seiterich zahlreiche nebenamtliche Aufgaben übernommen. So war er: Gründungsvorsitzender der Regionalen Planungsgemeinschaft Westlicher Bodensee-Linzgau-Hegau (1957) Lehrbeauftragter für Staatsbürgerkunde an der Frauenfachklasse II der Frauenfachschule Radolfzell (ab 1958) Präsidiumsmitglied im Landkreistag Baden-Württemberg (stv. Vorsitzender; 1966–1968 Vorsitzender) Mitglied des Deutschen Landkreistages Mitglied im Fernsehrat des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF)
Naturschutz Als Konstanzer Landrat setzte sich Seiterich stark für den Naturschutz ein. Ein besonderes Anliegen war ihm die Erhaltung der Kulturlandschaft, und so ist sein wesentliches Verdienst, dass weite Teile des westlichen Bodenseeufers bis heute erhalten geblieben und frei zugänglich sind. Als Landrat wies er die Landschaftsschutzgebiete Bodanrück und Höri aus und war wesentlich an der Ausweisung des Naturschutzgebietes Bodenseeufer beteiligt, wobei er sich heftigen Widerständen entgegenstellen musste.
Ehrungen und Auszeichnungen 1967: Vierzigjähriges Dienstjubiläum im Öffentlichen Dienst 1966: Felix-von-Hornstein-Medaille für Verdienste um Landschaft und Menschen 1967: Alexander-von-Humboldt-Medaille für erfolgreiches Wirken im Interesse des Naturschutzes 1967: Ehrenzeichen in Gold des Deutschen Roten Kreuzes für seine Tätigkeit als 1. Vorsitzender im DRK-Kreisverein Konstanz 1968: Großes Bundesverdienstkreuz 1975: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
Schriften Kreisdirektorium und Kreisregierung im ehemaligen Grossherzogtum Baden und die historische Entwicklung ihrer Zuständigkeiten. Dissertation Universität Freiburg 1929. Auch in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. N. F. Bd. 42 Worte. Hegau 20:226. 1965 Verglüht sind die Sterne, verklungen die Lieder. Erinnerungen. Dörzbach 1968 16 Jahre Regionalplanung am Bodensee. Band 13: Linzgau Planungsgemeinschaft Westlicher Bodensee. Hrsg. Planungsgemeinschaft Westlicher Bodensee, Linzgau, Hegau. 1973
Literatur
Bruno Helmle: Laudatio anläßlich der Verabschiedung des Landrats Dr. Ludwig Seiterich am 2. Mai 1968. Hegau 25:245-246. 1968 als PDF. Herbert Berner: Landrat Dr. Ludwig Seiterich im Ruhestand. Hegau 25:241-242. 1968 als PDF. Alfred Diesbach: Ansprache zum 60. Geburtstag von Landrat Dr. Ludwig Seiterich. Hegau 25:242-245. 1968 als PDF. Werner Dierks: Weihe und Übergabe des Hegaukreuzes an Landrat Dr. Ludwig Seiterich am 7. Mai 1968 auf dem Sickerberg bei Weiterdingen. Hegau 25:247-249. 1968 als PDF. Philipp Brucker: Abschied von Dr. Seiterich. Archäologische Nachrichten aus Baden 23:31-32. 1979 Franz Götz: Dr. Ludwig Seiterich (1904-1979). Hegau 24/25:172-177 1979/1980 als PDF. Franz Götz: Dr. Ludwig Seiterich (1904-1979). Hegau 56:289-296. 1999 Bärbel Häcker: 50 Jahre Naturschutzgeschichte in Baden-Württemberg. 305 Seiten, Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-4472-7
Weblinks
Eintrag in Landesbibliographie Baden-Württemberg Online-Findbuch Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg, T1 Seiterich, Ludwig
Einzelnachweise
Kategorie:Landrat (Landkreis Waldshut) Kategorie:Landrat (Landkreis Konstanz) Kategorie:Person (Landkreis Emmendingen) Kategorie:Jurist in der Kommunalverwaltung Kategorie:Person (deutsche Besetzung Belgiens 1940–1945) Kategorie:Person (deutsche Besetzung Frankreichs 1940–1945) Kategorie:Person (deutsche Besetzung Italiens 1943–1945) Kategorie:Naturschützer Kategorie:Korporierter im UV Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg Kategorie:Träger des Ehrenzeichens des Deutschen Roten Kreuzes Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1904 Kategorie:Gestorben 1979 Kategorie:Mann Kategorie:Kriegsverwaltungsrat Kategorie:Mitglied des ZDF-Fernsehrats