miniatur|Miniatur König Davids aus dem Egbert-Psalter (10. Jahrhundert)
David ( und ) war laut 1. und 2. Buch Samuel, dem 1. Buch der Könige und dem 1. Buch der Chronik des Tanach König von Juda und als Nachfolger Sauls auch von Israel. David soll um 1000 v. Chr. gelebt haben und gilt als Verfasser zahlreicher Psalmen, der Davidpsalmen. Aus der prophetischen Zusage eines ewigen Bestands der Daviddynastie () entwickelte sich die biblische Messias-Erwartung, die im Judentum eine große Bedeutung hat.
Name Der Name leitet sich entweder von „lieben“ bzw. „Geliebter“ ab, oder von „Vaterbruder“, „Onkel väterlicherseits“, was ein Verständnis als Ersatzname impliziert, der Neugeborene wird anstelle eines verstorbenen Onkels gesetzt.
In der Septuaginta lautet der Name , in der Vulgata David. Der Koran gibt den Namen als und wieder. Als twti erscheint der Name als Bezeichnung eines Ausländers auf einer ägyptischen Stele aus der Zeit um 1750 v. Chr.K. A. Kitchen: Non-Egyptians recorded on Middle-Kingdom Stelae in Rio de Janeiro, In: Middle Kingdom Studies, edited by. S. Quirke, Whiystable 1991, S. 88
David in den Samuelbüchern Der junge David mini|Caravaggio: David mit dem Kopf Goliats (1608/07). mini|David mit dem Haupt Goliats. Marmorrelief (1795) des italienischen Bildhauers Grazioso Rusca an der Hauptfassade des Mailänder Doms
David wurde als jüngster Sohn Isais (Jesse) in Bethlehem geboren. Bereits als Knabe salbte ihn Samuel zum künftigen König. Bald kam er an den Hof Sauls, was in der Bibel in zwei sich gegenseitig ausschließenden Varianten erzählt wird.H.W. Hertzberg: Die Samuelbücher (=Das Alte Testament Deutsch, Bd. 10). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1956, S. 113; Klaus Koch: Samuelisbücher. In: Religion in Geschichte und Gegenwart, 2. elektronische Ausgabe der 3. Auflage. directmedia, Berlin 2000, Bd. 5, S. 1359. In der ersten () lässt Saul ihn holen, um sich durch Davids Spiel auf der „Harfe“ Kinnor aufmuntern zu lassen, denn er wurde „durch einen vom Herrn gesandten bösen Geist geplagt“. Unmittelbar daran () schließt sich die bekannte Erzählung vom Sieg über den Riesen Goliat an: Der Hirtenjunge David, der eigentlich nur seinen im Heer dienenden Brüdern Brot und Käse bringen sollte, ertrug die lästerlichen Verhöhnungen des Vorkämpfers der Philister nicht. Er wurde Saul vorgestellt und mit dessen Rüstung ausgestattet, verzichtete jedoch auf diese und tötete den in Bronze und Eisen gepanzerten Philister (ein Hinweis auf die beginnende Eisenzeit im östlichen Mittelmeerraum) mit einer einfachen Steinschleuder. Daraufhin erkundigte sich Saul, wessen Sohn dieser tapfere Junge sei, und ließ ihn an seinen Hof kommen. An anderer Stelle (, ) wird die Goliatstötung einem Elhanan zugeschrieben, was verschiedentlich interpretiert wurde: Elhanan sei entweder der tatsächliche Held gewesenWalter Dietrich: Die Erzählungen von David und Goliat in I Sam 17, 1996, S. 185.; oder aber ein Kampfname Davids.Ladislas Martin von Pákozdy: ’Elhånån — der frühere Name Davids?, 1956, S. 259.
Am Hof zog David bald den Neid Sauls auf sich, da er als größerer Held erschien als der König. Saul versuchte deshalb mehrmals, ihn zu töten. David wurde von Saul in ein Gefecht gegen die Philister entsandt, aus dem er ihm 100 Vorhäute von getöteten Philistern bringen sollte. Saul ging davon aus, dass David dort sterben würde. Falls es ihm jedoch gelänge, die Vorhäute zu erbeuten, versprach Saul ihm seine Tochter Michal zur Frau. David brachte Saul sogar 200 Vorhäute von getöteten Philistern; damit war die Ehe von David und Michal besiegelt (). Michal warnte David vor weiteren Mordabsichten ihres Vaters () und verhalf ihm zur Flucht. Auch Sauls Sohn Jonatan, mit dem David eng befreundet war (), unterstützte ihn.
David schlug sich als Bandenführer durch und wurde von Saul mit 3000 auserwählten Soldaten gejagt. In den Höhlen von En Gedi begab sich der König für seine Notdurft zufällig genau in die Höhle, in der sich David und seine Leute versteckt hielten. Doch statt ihn zu ermorden, wie es seine Bande forderte, schnitt David lediglich einen Zipfel des königlichen Gewandes ab. Diesen Zipfel präsentierte er Saul vor der Höhle als Zeichen seiner Loyalität. Tief gerührt prophezeite ihm der König, dass er dereinst König nach ihm werden würde, und ließ ihn schwören, seinem Geschlecht und Namen kein Leid anzutun. Daraufhin ließ er ihn ziehen. In der Folge verdingte sich David als Lehnsmann bei den Philistern. Während seines Aufenthaltes ging er gegen Räuberbanden in der Wüste vor. David verschonte Saul zum zweiten Mal, als er sich in Sauls Lager schlich und zum Zeichen seiner Überlegenheit nur dessen Spieß und Wasserkrug entwendete. Durch die zweimalige Verschonung Sauls macht der anonyme Verfasser der Erzählung Davids Respekt vor dem Königtum Nord-Israels sinnfällig. Das erleichterte den nord-israelitischen Stämmen später im Gegenzug auch das Königtum Davids anzuerkennen, das sich zum Schluss auf Nord- und Südreich erstreckte.
David als König mini|hochkant|König David, holzgeschnitzt von Johann Baptist Moroder, Pfarrkirche St. Ulrich in Gröden (1910)
Als die Philister (vgl. Seevölker) gegen Israel rüsteten, verzichteten sie auf Davids Unterstützung, da sie ihm nicht trauten. Saul starb im Kampf gegen die Philister. Mit ihm fiel sein Sohn Jonatan, von dem David später sagte, seine Liebe habe ihm „mehr als Frauenliebe“ bedeutet (). Da es nun keinen Thronfolger mehr gab, salbten die Ältesten der Israeliten David in Hebron zum König (). Zum König über den Südstamm Juda hatte ihn der Prophet Samuel bereits Jahre vorher in Bethlehem gesalbt (). Die Selbstverständlichkeit, mit der eine Spaltung Israels in ein Nord- und ein Südreich schon für Davids Lebenszeit berichtet wird, lässt den Schluss zu, dass diese Zweiteilung, die die Bibel erst für die Zeit nach dem Tode Salomos bezeugt, womöglich wesentlich älter war.
Durch politische Schachzüge und die Ausschaltung oder Bindung an sich überging David die Nachkommen Sauls: Er wurde auch zum König über Israel, das allerdings ein selbständiges Königreich blieb. Beide Reiche waren in Personalunion miteinander verbunden. David eroberte nun Jerusalem, das genau auf der Grenze zwischen beiden Teilreichen lag. Dadurch gehörte die Stadt zu keinem der zwölf Stammesgebiete, sondern gehörte als Krongut dem König allein.
Nach der Festigung seiner politischen Macht brachte David die Bundeslade, die bis dahin in der Stiftshütte in Schilo aufbewahrt worden war, nach Jerusalem, um die dortige Priesterschaft zu schwächen und Jerusalem auch zum religiösen Zentrum des Reiches zu machen. David führte eine Reihe von überwiegend erfolgreichen Kriegen gegen Israels Nachbarvölker, die meist sein Neffe Joab für ihn führte. So entstand ein Großreich, das im Norden Baalbek und Damaskus, im Osten Moab, im Süden das Gebiet bis zum Roten Meer und im Westen das Land bis zum Mittelmeer umfasst haben soll. Die Eroberung der Philistergebiete an der Küste zwischen Gaza und Jaffa gelang aber nicht.
mini|hochkant|Jan Massys: David und Bathseba, Öl auf Leinwand (1562) mini|hochkant|David und Abischag, James Tissot (1836–1902)
Zur Zeit eines Feldzugs gegen die Ammoniter schlief David mit Batseba, der Frau von Urija, einem Hethiter, der einer seiner Offiziere war. Ihr Ehemann befand sich zu der Zeit fernab vor dem belagerten Rabba. Als David erfuhr, dass Batseba von ihm schwanger war, ließ er Urija in der Hoffnung nach Jerusalem zurückkehren, dieser würde mit Batseba schlafen und das Kind später als eigenes anerkennen. Urija weigerte sich jedoch, das eigene Haus zu betreten und bei seiner Frau zu schlafen, solange die Kriegshandlungen andauerten und den anderen Soldaten dieses Vorrecht verwehrt sei. Womöglich durchschaute er auch Davids Absicht.
Daraufhin befahl David dem Joab in einem von Urija persönlich überbrachten Brief (dem sprichwörtlich gewordenen Uriasbrief), Urija an die vorderste Front zu stellen und sich dann von ihm zurückzuziehen, damit er falle. Diesmal ging Davids Plan auf, und er heiratete die Witwe. Sie war nach Sauls Tochter Michal, Abigail aus Maon und Ahinoam aus Jesreel, Haggit, Egla, Abital und Maacha, der Tochter des Königs Tamaris von Geschur, Davids achte Frau. Der Prophet Natan drohte ihm dafür Gottes Strafe an, und das Kind Batsebas starb. Trotz seiner Sünde blieb David in der Darstellung des Buches Samuel der Liebling Gottes, auch wenn ihm zur Strafe verwehrt blieb, den Jerusalemer Tempel zu bauen. Das blieb dem zweiten Kind vorbehalten, das Batseba dem David gebar, nämlich Salomo.
Ein anderer Sohn Davids, Absalom (auch: Abschalom), versuchte seinen Vater zu stürzen, was ihm auch beinahe gelang.
Der alte David bestimmte kurz vor seinem Tod auf Rat Batsebas und Natans (des Propheten) anstelle des ehrgeizigen Adonija Salomo zu seinem Nachfolger und ließ ihn zum König salben.
Als der hochbetagte König trotz zahlreicher Decken beständig fror, suchten seine Diener nach einem „unberührten“ Mädchen, das ihn bedient, pflegt und wärmt, indem es auf seiner Seite schläft. Sie fanden eine „überaus schöne“ junge Frau mit dem Namen Abischag aus dem Dorf Schumen. Doch König David „erkannte sie nicht.“
Das David-Bild der Samuelbücher ist psychologisch differenziert. Es zeigt Licht-, aber auch Schattenseiten des Helden wie Zögern, Zweifeln, Freundschaft, Liebe, Altersbeschwerden, Zorn, Begehren und schwere Schuld. Das ist bei Königserzählungen jener Zeit ohne Beispiel.
Gottes Bund mit David Als zentraler Text für die göttliche Verheißung einer ewigen Dynastie der Davididen gilt mit ihrer Parallele in . Dort wird von Davids Wunsch berichtet, Gott ein „Haus“, d. h. einen Tempel zu errichten. Gott allerdings antwortet darauf – vermittelt durch den Propheten Nathan –, dass dies nicht Davids Aufgabe sei, sondern die seines Nachwuchses. Stattdessen werde er, Gott, David ein Haus errichten, d. h. eine Dynastie, die ewig bestehen soll. In diesem Text wird dieses Versprechen von Gott zwar nicht als „Bund“ bezeichnet, hingegen einige Kapitel später in . Außerdem wird ein solcher „Bund“ mit David in , , und erwähnt. Debattiert wird, welche Text(-fragment)e ursprünglicher seien. Leitend ist hierbei die Frage, ob die versprochene Regentschaft nach dem politischen Ende des davidischen Königtums von diesem Zeitpunkt an als heilsgeschichtlich noch ausstehendes Ereignis interpretiert wurde. In und wird eine Voraussetzung für den Bund mit dem Königtum Davids genannt: Die Israeliten sind angehalten, auf Gottes Wegen zu bleiben. Hier lässt sich fragen, ob mit dieser bedingten Gültigkeit der Verheißung im Königebuch eine Erklärung für das Ausbleiben jener politischen Dynastie eingeführt werden soll. In jedem Fall bezieht sich nicht nur das Alte Testament immer wieder auf diese Tradition eines göttlichen Versprechens an die Nachkommenschaft Davids, auch das Neue Testament knüpft mit seiner Messiaserwartung vielfach daran an, z. B. .
Stammlinie (Buch Rut)
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David im Neuen Testament David ist im Unterschied zu anderen Königen des Alten Testaments (Saul, Salomon) im Neuen Testament umfangreich aufgegriffen. Das besondere Interesse resultiert dabei aus der Vorstellung, dass der erwartete Messias aus dem Haus David stammen müsse, so dass Jesus mehrfach mit dem Titel „Sohn Davids“ angeredet wird.