mini|Persönlicher Brief mini|Hastiger Briefschreiber und Postillon, Neuer gemeinnützlicher Briefsteller für das bürgerliche Geschäftsleben, Berlin 1825 mini|Briefe setzen Schreibmaterial voraus, hier Federkiele mini|„Post und Reisecarte der Wege durch Franckreich“ (1703) mini|Willem van Mieris: Lesender Greis, 1729 mini|Rudolf Epp: Der Liebesbrief; um 1896

Der Brief (ab dem 12. Jh. ursprünglich als sentbrief in der heutigen Bedeutung, von bzw. im 6. Jh. von spätlateinisch , „kurzes Schreiben, Urkunde“, zu ‚kurz‘) ist eine auf Papier festgehaltene Nachricht, die meist von einem Boten überbracht wird und eine für den Empfänger gedachte persönliche Botschaft enthält. Ein Brief wird gefaltet (Faltbrief), ist als Brief, Briefchen oder Brieflein auch eine (pharmazeutische) Bezeichnung für TüteJürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 121 (brievelin). bzw. Apothekerbriefchen, oder in einem Umschlag (Umschlagbrief) verschickt.Brief. In: Wolfram Grallert: Lexikon der Philatelie. 2. Aufl., S. 66, Phil*Creativ GmbH, Schwalmtal 2007 Außerdem kann eine Briefsendung damit gemeint sein.

Der Brief besteht meist aus der Angabe zu Ort und Tag des Verfassens, der Anrede, dem Text und der Schlussformel. Der Umschlag enthält in der Regel Angaben zum Absender, die Empfängeranschrift und bei Versand eine Freimachung.

Der Brief ist ein Kulturprodukt, das die Überwindung der Illiteralität zur Voraussetzung hat und das die Entwicklung der geschriebenen Sprache zur Grundlage nimmt. Seine Verwendung als Kommunikationsmittel setzt eine Schreib- und Lesekompetenz (etwa als Schrift in einer visuell-grafischen Wahrnehmung im Sinne von Schreiben, Lesen bzw. der Anwendung von Schreibmaterialien und Schriftträgern) voraus.Karl-Ernst Sommerfeldt, Günter Starke, Dieter Nerius (Hrsg.): Einführung in die Grammatik und Orthographie der deutschen Gegenwartssprache. Bibliographisches Institut, Leipzig 1981, S. 23 f.

Mit der Entwicklung moderner Kommunikationstechniken haben auf Papier geschriebene Briefe in den letzten Jahrzehnten zunehmend ihre Bedeutung verloren.

Geschichte Die Anfänge des Verfassens einer solchen Mitteilung gehen auf die Babylonier zurück, die Nachrichten in Tontafeln ritzten. Im Alten Ägypten dagegen dienten Papyri als Schriftträger für Briefe. Im antiken Griechenland und Rom benutzte man zu diesem Zweck mit Wachs beschichtete Tafeln aus Holz. Seit den ersten Verfassern solcher Mitteilungen hat sich der Zweck eines Briefes kaum geändert: Er ist immer noch ein Mittel zur öffentlichen Meinungsäußerung (z. B. Leserbriefe in einer Zeitung), eine literarische Form (vgl. Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“, die Paulusbriefe des Neuen Testaments der Bibel) sowie ein Instrument zur Verbreitung amtlicher (z. B. kultusministerieller Schreiben) und Übermittlung persönlicher Nachrichten (z. B.: Liebesbrief). Bereits in der frühen Neuzeit entwickelte sich der Brief auch zum Sammlerobjekt; eine der größten seit damals erhaltenen Sammlungen in Deutschland ist die von Christoph Jacob Trew.

Briefe werden in den Geisteswissenschaften nach historischen, literaturwissenschaftlichen und kulturwissenschaftlichen Gesichtspunkten untersucht. Ein Pionier der deutschen Briefforschung war der Bibliothekar und Kulturwissenschaftler Georg Steinhausen, dessen Geschichte des deutschen Briefes 1889–1891 in zwei Bänden erschien.

Geschichte des Briefs und der Post im Frankreich des 18. Jahrhunderts

Das Brieftransportwesen im 18. Jahrhundert konnte allgemein betrachtet auf unterschiedliche Transportmittel zurückgreifen. Diese bedienten einen postalischen Datenaustausch mit unterschiedlichen Beförderungsgeschwindigkeiten.

Ein Briefverkehr setzt zum einen das entsprechende Schreibmaterial sowie Schriftträger und zum anderen den Transport der geschriebenen Texte etc. von einem Ort zum nächsten voraus. Die Portobriefe (d. h. der Empfänger zahlte die Transportgebühr) stellten die Regel dar. Porto bedeutet unbezahlte Gebühr. Schon ab dem 16. Jahrhundert vermerkte man in Frankreich auf den Postsendungen en diligence (übersetzt „mit Eile“, auch „mit Sorgfalt“). Von diesem Vermerk rührt es her, dass französische Postkutschen ihre Bezeichnung diligences erhielten. Zum Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte man die Stahlfeder, welche in einem Halter, dem Federhalter, eingelassen wurde. Zuvor waren die Federkiele verbreitet und wurden allmählich verdrängt.

Bis zur Entwicklung der Chlorbleiche (Eau de Javel 1789 durch Claude-Louis Berthollet) waren die einzigen verfügbaren Faserrohstoffe zur Papierherstellung die hellen Hadern aus Leinen, Hanf oder sehr selten Baumwolle. In Verbindung mit Spinnerei- und Seilereiabfällen wurde damit das sogenannte Hadernpapier hergestellt.

Als Reise- und Transportmittel standen im 18. Jahrhundert im Wesentlichen die Bewegung zu Fuß, das selbstständige Reiten, die Fahrt in einer Kutsche (Postkutsche) oder über Wasserwege zur Verfügung.Voltaire: Reisen im 18. Jahrhundert. In: correspondance-voltaire.de. Voltaire Stiftung, abgerufen am 27. Juli 2012 (PDF; 716 kB, deutsch). Im Jahre 1671 gründeten die Familien Pajot und Rouille im Zentrum von Paris (Pariser Stadtpost) in der Rue des Bourdonnais № 34 gegenüber der № 9 und 11 Rue des Déchargeurs die erste Poststelle, premier centre Postal de Paris. Sie waren Ferme générale des Postes unter Ludwig XIV.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erschien die Briefpost, die durch Beiträge des surintendant général des postes finanziert wurde.Histoire de la poste des origines à nos jours. (PDF; 162,72 kB) Man erhob einen Preis für den Brief, der vom Empfänger bezahlt wurde. Die Briefe reisten von einer Poststation zur nächsten, unterbrochen durch die Relaisstationen, wo die Pferde gewechselt wurden. Die Posttransporte wurden von einem Postillon begleitet. Er war für die Führung bis zur jeweiligen nächsten Station verantwortlich und brachte dann die Pferde allein zu der ursprünglichen Relaisstation zurück. Die Distanz der Relaisstationen betrug durchschnittlich 7 französische Meilen oder 28 km, daher die berühmten Siebenmeilenstiefel im Märchen von Charles Perrault Le Petit Poucet.

Post- und Reisewege durch Frankreich Im 18. Jahrhundert betrug die durchschnittliche Entfernung zwischen zwei Relaisstationen 16 Kilometer. Ein Brief von Paris aus geschickt benötigte bis Lyon 2 Tage und 8 Stunden und etwas mehr als 4 Tage bis Marseille. Es gab damals etwa 1400 Poststationen. Im Jahre 1760 gründete Claude Humbert Piarron de Chamousset (1717–1773) eine Poststelle in Paris. Mit 200 Briefträgern, facteurs – sie machten mit Klappern auf sich aufmerksam –, sorgte er für die Postzustellung und sicherte eine Verteilung innerhalb von drei Tagen zu.

Der „Zeitungs“-Brief

Im 16. Jahrhundert wurde in Europa eine Briefform üblich, die sich der Zeitung annäherte (und Parallelen zum sozialen Netz im Internet aufweist): „Um seine Mitteilungen gleich größeren Kreisen zukommen zu lassen, richtete der Briefschreiber sein Schreiben gar bald nicht mehr nur an einen Einzelnen, sondern in der Hauptsache gleich an eine größere Anzahl von Gesinnungsgenossen“, notierte der Zeitungschronist Ludwig Salomon 1906 und bezog sich hierbei auf Richard Grasshoff. Diese Briefe bestanden aus zwei Teilen: dem „intimen“ Teil, der sich in einem eigenen Umschlag innerhalb des größeren Briefumschlags befand, sowie einem lose ins Couvert gelegten halböffentlichen Teil, den der Adressat an Bekannte und Gleichgesinnte weiterreichen sollte, wenn er ihn für interessant hielt. Über diese gezielte Streuung von Nachrichten in einen überschaubaren Kreis entstanden unter den Korrespondenten der Zeit dezentrale Diskussionszirkel und wachsende soziale Netzwerke. Die halböffentlichen Briefbestandteile hießen Avise, Beylage, Pagelle, Zeddel, Nova und schließlich nur noch Zeitung. „Die Form, in welcher die Schreiber dieser ‚Zeitungen‘ ihre Neuigkeiten berichteten, war fast immer nur die rein relatorische“ – also eine des Zusammenhangs, nichts hart Recherchiertes, eher ein Zusammentragen von Nachrichten und Meinungen.Ludwig Salomon: Geschichte des Deutschen Zeitungswesens. Erster Band. S. 3 f., Oldenburg, Leipzig 1906

Der Brief als historische Quelle mini|hochkant=2|Der Goldene Brief des birmanischen Königs Alaungphaya aus dem Jahre 1756 an den britischen König Georg II. Aus Sicht der Geschichtswissenschaft ist nur der Privatbrief ein „Brief“. Ist der Verfasser bzw. der Empfänger eine Amtsperson oder eine Institution, dann gehört das Schriftstück zu den Urkunden oder Akten. Ein „offener Brief“, der sich in Wirklichkeit an die Allgemeinheit richtet, gehört zu den literarischen Werken. Wegen der vielen Mischformen (z. B. Geschäftsbriefe, die auch Privates beinhalten) ist aber auch unter Historikern diese Terminologie nicht immer zwingend.

Briefe waren früher sehr teuer und wurden eher von Amtspersonen oder reichen Kaufleuten verschickt; ab dem 18. Jahrhundert weitet sich der Briefverkehr auf weitere Kreise der Oberschicht aus. Dieses Jahrhundert nennt man auch das Jahrhundert der Briefe. Nur vereinzelt, in wichtigen Angelegenheiten, ließen auch einfache Leute Briefe schreiben. Dazu gab es den Beruf des Briefschreibers. Oftmals wurden dabei floskelhafte Wendungen gebraucht, wodurch viel Individualität verloren ging.

Bereits seit dem 19. Jahrhundert verwendet die Geschichtswissenschaft auch überlieferte Korrespondenzen. Im 20. Jahrhundert verstärkte sich das Interesse für die Alltagsgeschichte und die Geschichte der „kleinen Leute“, sodass auch die Post dieser Menschen verstärkt ins Blickfeld geriet. Beispiele dafür sind Soldatenbriefe aus den Weltkriegen in die Heimat, die nicht (nur) wegen der Einzelschicksale interessieren, sondern, weil man darauf Aussagen über das Leben und die Mentalität größerer Personengruppen basieren möchte.

Briefe spielten auch eine wichtige Rolle für Auswanderer. Diese schrieben von ihren Erlebnissen, Erfolgen und Misserfolgen an die Daheimgebliebenen. Teilweise wurden so weitere Auswanderungswillige über die Verhältnisse im Zielland von Bekannten informiert. Mit diesem Wissen konnten sich diese besser auf die Auswanderung vorbereiten. Solche Briefe vermitteln persönliches Wissen und Erfahrungen. Die Ausgewanderten interessierten sich aber auch für das Geschehen in der ehemaligen Heimat. So finden sich Briefe von Auswanderern nach Amerika, nach Südamerika oder Russland.

Der Briefkopf mini|Firmenbriefkopf der Weinkellerei Josef Weiss in Bozen-Dorf, Verwendung 1913 mini|Briefkopf des Bayerischen Ministerpräsidenten Söder (in amtlicher Funktion) Als Briefkopf bezeichnet man die üblicherweise oben auf der ersten Seite eines papiernen Briefes vorgedruckten Elemente. Während sie sich auf privatem Briefpapier immer schon auf wenige Daten beschränkten und kaum dekorative Motive zeigen (allenfalls beispielsweise ein im Prägedruck eingefügtes Wappen), sind die aufwendig gestalteten Briefköpfe von Unternehmen durchaus von historischem Interesse. Die schlichten Anfänge reichen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Mit der Zunahme des Warenverkehrs und der Entpersönlichung des kaufmännischen Handelns kam es immer mehr auf eine repräsentative äußere Form der Korrespondenz an. Technisch kam diesem Bedürfnis die 1813 patentierte Schnellpresse und ein Aufschwung der Lithographie ab 1820 entgegen. Beliebte Motive in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren neben ornamentalem und allegorischem Schmuck vor allem Fabrikansichten und dekorativ angeordnete Wiedergaben von Preismedaillen.Lit.: Angelika Marsch: Artikel Briefköpfe, in: Christa Pieske: ABC des Luxuspapiers, Herstellung, Verbreitung und Gebrauch 1860–1930. Museum für deutsche Volkskunde, Berlin 1983, ISBN 3-88609-123-6, S. 100.