mini|295px|Bad Salzdetfurth aus der Luft Bad Salzdetfurth ist eine Kleinstadt im Landkreis Hildesheim im südlichen Niedersachsen. Die Stadt ist ein regional bedeutender Erholungs-, Kur-, Klinik- und Industriestandort.Friedrich Brinkmann, Christoph Toetzke: (PDF; 538 KB).Landkreis Hildesheim: Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) für den Landkreis Hildesheim 2001, S. 13. Sie ist als Sole- und Moorheilbad staatlich anerkannt.Niedersächsischer Landtag (Hrsg.): (PDF, 100 kB). Drucksache 16/3359 vom 16. Februar 2011, S. 3.
Bad Salzdetfurths Geschichte ist eng mit der Stein- und Kalisalzgewinnung verbunden. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt lässt sich auf das Jahr 1194 zurückführen. Die ersten Bewohner der Stadt waren aller Wahrscheinlichkeit nach Salzsieder.Friedrich Kabus: Sole, Salz und Sölter – ein Gang durch die Geschichte von Bad Salzdetfurth, S. 10 f. Bad Salzdetfurth 1961. Die Kaliwerke Salzdetfurth AG, die älteste Vorläufergesellschaft der heutigen K+S Aktiengesellschaft, hatte von 1889 bis 1971 ihren Stammsitz in Bad Salzdetfurth. Der für die lokale Wirtschaft bedeutsame Kalibergbau wurde im Jahr 1992 eingestellt. Seit 2001 ist die Bevölkerungszahl rückläufig; in den 1990er Jahren hatte sie noch bei rund 14.500 Einwohnern gelegen.
Bad Salzdetfurth liegt etwa elf Kilometer südlich von Hildesheim. Weitere nächstgelegenen Großstädte sind Salzgitter (etwa 24 km nordöstlich), Hannover (39 km nördlich) und Braunschweig (etwa 42 km nordöstlich).
Geografie Lage mini|Landschaft bei Heinde Bad Salzdetfurth liegt im Innerstebergland, einem Teilraum der Naturräumlichen Region Niedersächsisches Bergland. Das Stadtgebiet wird durch eine Vielzahl landschaftlicher Erscheinungsformen geprägt, es besteht hauptsächlich aus landwirtschaftlichen und Waldflächen, während etwa ein Sechstel des Stadtgebietes Siedlungs- und Verkehrsfläche ist. Die Stadt grenzt im Norden an die fruchtbaren und intensiv ackerbaulich genutzten Lössböden der Hildesheimer Börde, südöstlich unweit liegt der Harz.
Das Stadtgebiet ist etwa 67 Quadratkilometer groß. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa zwölf Kilometer, die maximale Ost-West-Ausdehnung acht Kilometer.
Das Stadtgebiet wird im Norden zwischen den Ortschaften Hockeln, Listringen, Heinde, Klein Düngen und Groß Düngen sowie dem Gut Walshausen in westlicher Richtung von der Innerste durchflossen.
Die Kernstadt Bad Salzdetfurth ist in die Buchenmischwälder des Hildesheimer Waldes im Westen und der Sauberge im Osten eingebettet.Gerhard Meier-Hilbert: (PDF; 1,03 MB). Die Lamme durchfließt den Ort in nördlicher Richtung und mündet bei Groß Düngen in die Innerste.
Der höchste Berg Bad Salzdetfurths ist der Bösenberg im Salzdetfurther Wald mit 339 Metern über Normalnull. Der bewaldete Sothenberg im Osten der Stadt ist rund 235 Meter hoch. Die sogenannte Hexentreppe mit 86 Stufen und ein Fußweg verbinden ihn mit dem Ortskern.
Stadtgliederung Die Stadt Bad Salzdetfurth ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus den Ortschaften:Stadtverwaltung Bad Salzdetfurth: Die Stadt Bad Salzdetfurth und ihre Ortsteile, Stand: 1. Januar 2018.
Ortschaft Einwohner Bad Salzdetfurth (Kernstadt) 4913 Bodenburg 1823 Breinum 643 Detfurth 426 Groß Düngen 1158 Heinde 1285 Hockeln 179 Klein Düngen 391 Lechstedt 680 Listringen 172 Östrum 377 Wehrstedt 1053 Wesseln 854
Nachbargemeinden Bad Salzdetfurth grenzt im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten, an die Gemeinde Schellerten, die Gemeinde Holle, die Stadt Bockenem, die Gemeinde Lamspringe, die Gemeinde Sibbesse, die Gemeinde Diekholzen und die Kreisstadt Hildesheim.
Klima Bad Salzdetfurth befindet sich in der gemäßigten Klimazone im Übergangsbereich vom maritimen Klima zum eher kontinentalen Klima. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 17 °C, der kälteste Monat ist der Januar mit durchschnittlich 0 °C. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 8,6 °C.Climate-data.org: Klimadaten Bad Salzdetfurth Im Laufe eines Jahres fallen durchschnittlich 700 mm Niederschlag. Diese verteilen sich über das ganze Jahr.Deutscher Wetterdienst:
Geschichte Erste Besiedlung, Stadtgründung und Mittelalter mini|hochkant|Das „Soltmänneken“ an der St. Georgskirche: Darstellung eines Geschworenen der Salzpfännergilde Es ist wahrscheinlich, dass auf dem Gebiet des heutigen Bad Salzdetfurth bereits während der Wärmeperioden der letzten Kaltzeit die ersten Menschen lebten. Als Urzelle der Stadt wird das Land nördlich und südlich des Engpasses der Lamme angesehen. Nördlich des Lamme-Engpasses kreuzte ein alter Handelsweg in Nord-Süd-Richtung in einer Furt den Fluss. Hier entstand bereits vor der Christianisierung eine erste bäuerliche Kleinsiedlung mit dem Namen Detfurth (auch: Detvorde, Thietforde oder Detforde, von „Det“ bzw. „Thiet“, das Volk bzw. die Leute). Die günstige Verkehrslage sorgte dafür, dass hier etwa im 9. Jahrhundert ein erstes Gotteshaus errichtet wurde, das den Rang einer Archidiakonatskirche erhielt. Südlich des Lamme-Engpasses reichen die Anfänge der Ortsteile Bodenburg und Wehrstedt wohl bis ins 9. und 10. Jahrhundert zurück.
Es ist nicht bekannt, wann und von wem der Ort Bad Salzdetfurth gegründet wurde. Die lokale Sage berichtet davon, dass ein Ritter von Steinberg sich in seinen ausgedehnten Waldgebieten bei der Jagd nach einem Hirsch verirrte. Vom Durst geplagt trank er von einer Quelle, die er am Fuße der Lamme fand. Anstelle frischen Süßwassers sprudelte hier allerdings salzhaltiges Wasser (Solewasser) hervor. Nach einem augenblicklichen Unbehagen realisierte der Ritter, welcher Reichtum ihm durch diese Entdeckung erwachsen könnte. Speisesalz war zur damaligen Zeit ein begehrtes und kostbares Handelsgut. Der Ritter ließ Salzsieder kommen, die den Wald rodeten und Siedekoten mit Salzpfannen erbauten.Friedrich Kabus: Sole, Salz und Sölter – ein Gang durch die Geschichte von Bad Salzdetfurth, S. 10 f. Bad Salzdetfurth 1961.
Das dadurch entstandene Dorf wurde zunächst als Teil des schon vorhandenen Dorfes Detfurth angesehen und als „dat Solt to Detforde“ bezeichnet. Geschichtlich belegt ist von dieser Sage lediglich, dass die Familie von Steinberg über reiche Besitzungen im Hildesheimer Land verfügte.
Die erste urkundliche Erwähnung Bad Salzdetfurths erfolgte durch den Bischof Hartbert von Hildesheim, welcher im Jahr 1214 bezeugte, dass Konrad von Steinberg im Jahr 1194 dem Benediktinerkloster Lamspringe vier Pfannen nebst dem dazugehörigen Wald bei dem bereits bestehenden Dorf „Thietforde“ für 25 Mark verkauft hat.
Bei den ersten Einwohnern Bad Salzdetfurths handelte es sich wohl um Salzsieder. Diese gewannen das Salz in eigens errichteten Salzsiedehütten bzw. Pfannstallen durch Erhitzung der Sole. Als Brennmaterial wurde das in der Umgebung reichlich vorhandene Holz verwendet. Die Salzsieder waren zunächst Leibeigene der Herren von Steinberg und erlangten erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts mehr Freiheiten. Im Jahr 1360 gründeten sie die noch heute existierende „Salzpfännergilde“, deren Mitglieder bereits um 1400 fast alle Salzpfannen ihr eigen nennen konnten.
Bad Salzdetfurth entwickelte sich zu einem lokal bedeutenden Handels- und Umschlagplatz. Förderlich wirkte die Lage an der alten Frankfurter Heerstraße, einem bedeutenden Handelsweg, der Nord- und Süddeutschland miteinander verband und heute ungefähr dem Verlauf der Bundesstraße 243 entspricht. Die Salzträger und Fuhrleute brachten ihre Ware u. a. bis nach Hannover, Göttingen und Braunschweig.
Frühe Neuzeit Das 17. Jahrhundert wurde vor allem durch die zwei großen Brandkatastrophen von 1605 und 1695 überschattet, die fast alle Häuser im Ortsgebiet zerstörten. Ein Großteil der heutigen Altstadt und die St. Georgskirche wurden im Rahmen des jeweils folgenden Wiederaufbaus errichtet.
Da durch die ständige Steigerung der Salzproduktion das vorhandene Brennmaterial nicht mehr ausreichte, entschied man sich im Jahr 1746 zum Bau des ersten Gradierwerkes.
Im Jahr 1794 wurde Bad Salzdetfurth erneut von einem Großbrand heimgesucht, der einen Großteil der in der Oberstraße befindlichen Hinterhäuser vernichtete. Zudem kam es im Jahr 1814 zu einer zerstörerischen Überflutung.
Das 19. Jahrhundert mini|Stammwerk der Salzdetfurth AG (heute K+S) in Bad Salzdetfurth, um 1900 mini|Fördergerüst Schacht I Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege begann der Salzabsatz zu stagnieren. Maßgeblich hierfür waren zunächst Handelshemmnisse, die aus Steuer- und Zollstreitigkeiten zwischen dem Königreich Hannover und dem neu gegründeten Herzogtum Braunschweig resultierten.Friedrich Kabus: Sole, Salz und Sölter – ein Gang durch die Geschichte von Bad Salzdetfurth, S. 45. Bad Salzdetfurth 1961.
Nachdem das Königreich Hannover im Jahre 1866 von Preußen annektiert wurde, brach der Absatz des Bad Salzdetfurther Salzes deutlich ein. Bad Salzdetfurths eher ungünstige Verkehrsanbindung, die steigenden Holzpreise, die erhobene Salzsteuer und die zeitweise unterlassenen Investitionen führten zu einer mangelnden Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere gegenüber den Salzwerken in Lüneburg und Staßfurt. Zugleich erhöhte sich infolge der Entwicklung der bergmännischen Salzgewinnung und der Aufhebung des preußischen Salzmonopols im Jahr 1868 das am Markt vorhandene Angebot.
Mit der Errichtung eines ersten Solebadehauses versuchte die Stadt, alternative Einnahmequellen zu erschließen. Am 28. Mai 1857, dem Geburtstag des damaligen Königs von Hannover Georg V., wurde der Kurbetrieb in Bad Salzdetfurth eröffnet. Die Zahl der Kurgäste wuchs in den folgenden Jahrzehnten beständig. In den 1880er Jahren wurden jährlich bereits etwa 3000 Kurgäste empfangen.Friedrich Kabus: Sole, Salz und Sölter – ein Gang durch die Geschichte von Bad Salzdetfurth, S. 88. Bad Salzdetfurth 1961. Da die Gästeunterkünfte in Privathäusern nicht mehr ausreichten, wurde im Jahr 1888 ein Logierhaus, das Gildehaus, errichtet.
Der industrielle Kalibergbau erreichte Bad Salzdetfurth im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1891 wurde zwischen der Aktiengesellschaft für Bergbau und Tiefbohrung zu Goslar und den Grundbesitzern Bad Salzdetfurths der erste „Salzgewinnungsvertrag“ abgeschlossen. Dieser erlaubte im Gegenzug für eine Entschädigung die bergmännische Ausbeutung der Grundstücke. 1893 wurde bei einer Bohrung unterhalb der „Welfenhöhe“ in einer Tiefe von etwa 630 Metern ein erstes Kalilager entdeckt und 1896 schließlich mit den ersten Abteufarbeiten begonnen. Im Jahr 1900 wurde der Stammsitz der Aktiengesellschaft für Bergbau und Tiefbohrung zu Goslar nach Bad Salzdetfurth verlegt und das Unternehmen in „Kaliwerke Salzdetfurth AG“ umbenannt. Der Kaliabbau wuchs beständig. Im Jahr 1907 wurde etwas weiter südlich des bereits bestehenden Schachtes ein zweiter Schacht abgeteuft, im Jahr 1914 ein dritter.
Das rasche Wachstum der Kaliindustrie bescherte Bad Salzdetfurth hohe Steuereinnahmen und einen erheblichen Ausbau der Infrastruktur. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war das Kaliwerk längst zum größten Arbeitgeber in der Umgebung aufgestiegen. Es beschäftigte etwa 650 Mitarbeiter.
Im Ersten Weltkrieg wurden von den 2300 Einwohnern etwa 300 zum Wehrdienst einberufen. Am Ende des Krieges hatte Bad Salzdetfurth 94 Gefallene und Vermisste zu beklagen. Zudem ist davon auszugehen, dass zahlreiche Zivilisten – insbesondere im Steckrübenwinter 1916/17 – infolge von Unterernährung starben.
Weimarer Republik und Nationalsozialismus Durch Erlass des Preußischen Staatsministeriums wurde Bad Salzdetfurth am 10. Dezember 1921 die Zusatzbezeichnung „Bad“ verliehen. Die wirtschaftliche Lage Bad Salzdetfurths in den 1920er Jahren lässt sich als angespannt bezeichnen.