Die Metro Sankt Petersburg ( / Transkription Sankt-Peterburgskij metropoliten) ist die U-Bahn der russischen Stadt Sankt Petersburg. Die erste Linie wurde am 15. November 1955 eröffnet. Zu Zeiten der Sowjetunion hieß sie nach dem damaligen Namen der Stadt Metro Leningrad ( / Leningradskij Metropoliten). Das Metronetz besteht am Ende 2025 aus sechs Linien mit insgesamt 131 km Streckenlänge und 75 Stationen. 2024 wurden täglich im Schnitt fast 2 Millionen und insgesamt 686,1 Millionen Fahrgäste befördert. Die Petersburger Metro gilt als eine der architektonisch schönsten der Welt.
Die Metro ist ein öffentliches Transportunternehmen und gehört der Stadt Sankt Petersburg. Sie operierte 2007 mit einem Budget von 6,434 Mrd. Rubel (umgerechnet etwa 189 Mio. Euro). 10 % des Budgets wurden aus dem Staatshaushalt Russlands bereitgestellt, 90 % wurden durch Fahrpreis- und Werbeeinnahmen, vor allem jedoch durch Mittel der Stadt Sankt Petersburg aufgebracht. 13.000 Angestellte arbeiten bei der Metro.
Geschichte Nachdem in der damaligen Sowjetunion 1935 bereits die Moskauer Metro errichtet worden war, sollte so schnell wie möglich in Leningrad, der zweitwichtigsten Metropole des Landes, eine U-Bahn eröffnet werden. Bis 1941, dem Beginn der deutschen Belagerung der Stadt im Zweiten Weltkrieg, waren bereits 34 Schächte für den Bau der Metro ausgehoben. Der Krieg und weitere Probleme der Nachkriegsjahre verzögerten die Bauarbeiten.
Linie 1
mini|Station Awtowo
Am 15. November 1955 wurde schließlich die erste Linie zwischen Awtowo () und Ploschtschad Wosstanija () feierlich eröffnet. Wenige Monate später folgte die Station Puschkinskaja (). Dadurch verband die Linie die vier wichtigen Fernbahnhöfe der Stadt am südlichen Newa-Ufer – den Moskauer, den Witebsker, den Baltischen und den inzwischen aufgelassenen Warschauer Bahnhof – sowie die südwestlichen Industriegebiete. Bereits 1958 wurde die Metro zum Ploschtschad Lenina () am Nordufer der Newa verlängert. Damit wurde der Finnische Bahnhof erschlossen. Diese Stationen sind alle in einer opulenten, tempelartigen Säulenarchitektur gestaltet. Die Stationen Awtowo und Puschkinskaja aus dieser Epoche zählen zu den prunkvollsten U-Bahn-Stationen der Welt. In den 1960er- und 70er-Jahren wurde die Linie verlängert: 1966 nach Datschnoje (), 1975 nach Lesnaja () und Akademitscheskaja (). Mit der Erweiterung 1977 der Linie nach Prospekt Weteranow () wurde die provisorische Station Datschnoje stillgelegt. 1978 ging die Strecke nach Dewjatkino () ans Netz. 1992 erhielt die ehemals Komsomolskaja () genannte Station ihren heutigen Namen Dewjatkino.
Nach lange bekannten Problemen zwischen den Stationen Ploschtschad Muschestwa () und Lesnaja musste 1995 der Tunnel aus Gründen der Stabilität geflutet werden. Zwischen den beiden nun zu Endstationen gewordenen Ploschtschad Muschestwa () und Lesnaja wurde ein kostenloser Shuttlebusverkehr eingerichtet, der allerdings die Metro nicht voll ersetzen konnte. Dies hatte eine starke Verschlechterung der Verkehrssituation im Nordosten der Stadt zur Folge. Im Juni 2004 konnte ein neuer Umgehungstunnel fertiggestellt und die Strecke wiedereröffnet werden. Die Wiederaufbauarbeiten im schwierigen Untergrund verschlangen viel Geld in einer wirtschaftlich schweren Zeit, so dass trotz vieler Beihilfen in dieser Zeit einige längst geplante Metro-Bauprojekte eingeschränkt werden mussten.
Linie 2
mini|Station Tschornaja Retschka
1961 wurde eine zweite Linie, beginnend am Bahnhof Technologitscheski Institut (; Umsteigemöglichkeit zu Linie 1) bis Park Pobedy () eröffnet. Diese wurde in den darauffolgenden Jahren immer weiter verlängert: 1963 nach Norden zur Petrogradskaja (), 1969 nach Süden zur Moskowskaja () und 1972 weiter nach Kuptschino (). 1982 folgte die nördliche Verlängerung bis zur Station Udelnaja () und 1988 bis zum Prospekt Prosweschtschenija (). 1992 erfolgte eine Umbenennung der Station Ploschtschad Mira () in Sennaja Ploschtschad (). Schließlich wurde im Dezember 2006 das letzte Teilstück zur neuen Endstation Parnas () eröffnet.
Linie 3
mini|Station Majakowskaja
Ergänzend zu den beiden Nord-Süd-Linien wurde ab 1967 eine dritte Linie in Betrieb genommen, die entlang des Newski-Prospekts das Stadtzentrum in Ost-West-Richtung befährt und die Wassiljewski-Insel anbindet. Der erste Streckenabschnitt von Wassileostrowskaja () führte zum Ploschtschad Alexandra Newskogo (). 1970 wurde die Strecke entlang des südwestlichen Newa-Ufers bis zur Lomonossowskaja () verlängert, 1979 folgte eine weitere Station auf der Wassiljewski-Insel, die Primorskaja (). 1981 wurde Obuchowo () und 1984 Rybazkoje () angebunden. Am 26. Mai 2018 sind zwei weitere Stationen eröffnet worden: die Nowokrestowskaja (am 14. August 2020 umbenannt in Zenith) und die Begowaja.
Linie 4
mini|Station Sportiwnaja
Auf der Linie 4 wurde der Verkehr zum 30. Dezember 1985 aufgenommen. Das erste Teilstück vom Ploschtschad Alexandra Newskogo (mit Übergang zur Linie 3) zum Prospekt Bolschewikow () band die Wohngebiete südöstlich der Newa an das Metrosystem an. 1987 wurde die Strecke noch etwas nach Süden zur Uliza Dybenko () verlängert. 1991 erhielt die Linie eine Anbindung an die Innenstadt vom Ploschtschad Alexandra Newskogo zur Sadowaja (). Die Station Krasnogwardeiskaja () wurde 1992 in Nowotscherkasskaja () umbenannt. 1997 folgte die nördliche Verlängerung nach Sportiwnaja () und Tschkalowskaja (), im Januar 1999 Staraja Derewnja (), im Dezember desselben Jahres Krestowski Ostrow () und 2005 die Verlängerung zum Komendantski-Prospekt (). An der Station Ladoschskaja () wurde im Jahr 2003 der neue Ladoga-Bahnhof eröffnet, somit der erste Bahnhof, der nicht an der Linie 1 liegt. Am 7. März 2009 wurde die Linie 4 an der Station Sadovaja in einen Nordwest-Teil und einen Südost-Teil geteilt. Der nordwestliche Ast wurde mit der einen Monat zuvor in Betrieb gegangenen Linie 5 nach Süden verknüpft. Der westliche Teil der Linie 4 endet seitdem an einer neu gebauten Station am Sennaja Ploschtschad mit dem Namen Spasskaja. Somit entstand hier der erste Umsteigepunkt der Petersburger Metro an dem sich drei Linien kreuzen.
Linie 5
Seit Anfang der 1990er-Jahre wurde an einer fünften Linie Richtung Süden gebaut, um die Anbindung der großen Neubaugebiete entlang der Bucharestskaja-Straße zu verbessern. Jedoch stockte das Projekt aus finanziellen Gründen immer wieder. Im Juli und August 2007 wurden an den Wochenenden die Verbindungen zwischen den Linien 4 und 5 hergestellt, weshalb die Stationen der Linie 4 zwischen Sadowaja und Ploschtschad Alexandra Newskogo gesperrt waren. Am 20. Dezember 2008 wurde die fünfte Linie der Petersburger Metro eröffnet. Anders als geplant wurden zunächst nur die Stationen Wolkowskaja () und Swenigorodskaja (, Umsteigepunkt zur Linie 1 an der Puschkinskaja) in Betrieb genommen, da die Installation der Rolltreppen der neuen Endstation Spasskaja () nicht rechtzeitig beendet wurde. Bis zu deren nachträglichen Eröffnung am 7. März 2009 war deshalb die Linie 4 wie bisher zwischen Komendantski-Prospekt und Uliza Dybenko in Betrieb.
Zwischen Swenigorodskaja und Wolkowskaja wurde ferner der U-Bahnhof Obwodny Kanal angelegt. Dieser wurde jedoch erst am 30. Dezember 2010 fertiggestellt und in Betrieb genommen.
Ebenso wurde die Station Admiralteiskaja-1, geplant als eine neue Umsteigestation am westlichen Ende des Newski-Prospekts, erst am 28. Dezember 2011 in Betrieb genommen. Zuvor passierten die U-Bahnzüge seit 1997 (damals noch als Linie 4) diesen U-Bahnhof ohne Halt und mit verminderter Geschwindigkeit. Der Ein- und Ausgang zur Linie 5 entstand an der Ecke Kirpitschni Pereulok (Кирпичный переулок) /Malaja Morskaja Uliza. Ursprünglich war der Ausgang gegenüber im Erdgeschoss des Hauses der Fluggesellschaften geplant. Allerdings konnte der Zugang angeblich aufgrund von Streitigkeiten mit dem Inhaber des Grundstücks dort nicht realisiert werden. Der Umstieg zur grünen Linie 3 mit dem U-Bahnhof Admiralteiskaja-2 liegt noch in ferner Zukunft.
Am 28. Dezember 2012 wurde die Linie um zwei Stationen Bucharestskaja und Meschdunarodnaja nach Süden verlängert. Mit der Eröffnung weiterer drei Stationen am 3. Oktober 2019 erfolgte abermals eine Verlängerung nach Süden bis zur Stadtgrenze.
Am südlichen Ende der Linie befindet sich das Depot Juschnoje.
Linie 6
Die sechste Linie wurde seit Ende 2013 gebaut und wird am 26. Dezember 2025 mit nur zwei Stationen Putilowskaja () und Jugo-Sapadnaja () eröffnet.
Das Depot Krasnoselskoje für die Linie wird laut den Entwicklungsplänen um 2029 fertiggestellt.
Anzahl der Stationen Während in den Jahrzehnten bis 1990 die Metro jeweils um mindestens zehn Stationen wuchs, verlangsamte sich der Ausbau mit dem politischen Umbruch 1991 und den folgenden Jahren sehr. Die Kosten für den Bau stiegen, andererseits nahmen die föderalen Zuschüsse aus Moskau ab. So konnten innerhalb von 15 Jahren nach 1991 nur noch sechs Stationen eröffnet werden.
1955: 7 1956: 8 1958: 10 1961: 15 1963: 19 1966: 20 1967: 24 1969: 25 1970: 27 1972: 29 1975: 34 1977: 35 1978: 37 1979: 38 1981: 40 1982: 43 1984: 44 1985: 48 1987: 49 1988: 51 1991: 54 1997: 56 1999: 58 2005: 59 2006: 60 2008: 62 2009: 63 2010: 64 2011: 65 2012: 67 2018: 69 2019: 72 2024: 73 2025: 75
Bau der Metro Tunnel Allgemein ist es in Sankt Petersburg nicht einfach, Tunnel zu bauen, da der geologische Untergrund äußerst problematisch ist. Die Schwierigkeiten beim Bau rühren nicht von der großen Festigkeit der Gesteine, sondern umgekehrt von der extremen Instabilität des geologisch gesehen jungen Untergrundes her. Das Newadelta ist sehr tief vermoort, darunter lagern mächtige, ebenfalls schwer zu durchtunnelnde Tonsteine.
Deshalb verläuft das Metronetz als tiefste U-Bahn der Welt bei einer Tiefe von durchschnittlich 50–75 Metern unter der Oberfläche. Nur sieben von 67 Stationen in den Außenbezirken liegen oberflächennah. Die tiefste Station ist die erst am 28. Dezember 2011 eröffnete Station Admiralteiskaja (), die 86 m unter der Erde liegt. Die Bautiefe wurde während des Kalten Krieges dazu genutzt, das Metrosystem als einen großen Atombunker auszubauen. Ähnlich wie in der Moskauer Metro erhielten die Stationen am Fuße der Rolltreppen schwere Tore, die im Notfall das unterirdische Netz hermetisch abriegeln konnten. Versorgungslager und Belüftungsanlagen wurden in dieses System integriert.
Vestibüle mini|Stationsgebäude Narwskaja
Die Eingangsbauten (Vestibüle) der Metro stellen oft großzügig angelegte Hallen dar, in denen die Fahrgäste über meist getrennte Ein- und Ausgänge geführt werden. Vor den Zugangsrolltreppen stehen Drehkreuze. Hier gibt es Fahrkartenschalter und ein Zimmer der Bahnpolizei. Früher gab es in diesem Bereich kleine Läden, die 2006 abgeschafft wurden, um mehr Platz für Fahrgäste zu schaffen und die Sicherheit zu erhöhen. Die Bauten geben häufig gut den architektonischen Geschmack der Epoche wieder. Manchmal sind die Eingangshallen in bestehende Gebäude integriert, so zum Beispiel der Eingang der Stationen Majakowskaja und Newski Prospekt. Zukünftige Vestibüle sollen in Einkaufszentren integriert werden.
Stationstypen mini|Zur Hauptverkehrszeit auf der Rolltreppe
Auf Grund des Bauaufwandes hat fast jede Station jeweils nur einen Ein- und Ausgang, der über Rolltreppen an die Oberfläche führt. Umsteigestationen mit unterschiedlichen Namen je Linie werden getrennt voneinander betrachtet. Sie haben deshalb üblicherweise jeweils an einem Ende des Bahnsteiges jeder Linie einen Ein-/Ausgang und am anderen Ende einen Übergang zur zweiten Station.