mini|Das Hofbräuhaus am Platzl in München (Nordseite) mini|Ansicht aus Nordwesten mit Haupteingang (März 2021) mini|Hofbräuhaus München (2023) Das Hofbräuhaus am Platzl, offizielle Bezeichnung Staatliches Hofbräuhaus am Platzl ist ein Bierpalast in München. Es war lange Zeit der Sitz der Brauerei Hofbräu München. Von seiner Gründung an war das Hofbräuhaus im Besitz der bayerischen Herrscher, der Herzöge, Kurfürsten und Könige, woraus es auch die Berechtigung für die weitere Nutzung des Präfix Hof ableitet. Ab 1806 war es Königliches Hofbräuhaus, bis König Maximilian II. es 1852 in das Eigentum des bayerischen Staates übergab.
Lage Das Hofbräuhaus liegt in der Münchner Altstadt am Platzl, einer platzartigen Erweiterung der nördlichen Orlandostraße. Neben den schräg zueinander verlaufenden Fassaden an der Ost- und Westseite der Straße trägt auch die stufenförmige Anordnung der einzelnen Bauteile des Hofbräuhauses zu der Platzbildung bei. Einer der Bauteile wirkt dadurch wie ein Eckhaus.
Geschichte mini|Das weiße Hofbräuhaus um 1880. Es wurde 1896/97 abgerissen und durch das heutige Hofbräuhaus ersetzt. mini|Das Hofbräuhaus auf einer Postkarte aus dem späten 19. Jahrhundert.Das Standbild des „Bräuknechtes“ auf dem Nordgiebel schuf der Bildhauer Julius Jordan. mini|Philip Alexius de László: Im Münchner Hofbräuhaus, Gemälde von 1892 mini|Im Innenhof des Hofbräuhauses, Postkarte gegen Ende des 19. Jahrhunderts mini|Historische Ansicht des großen Saales des Hofbräuhauses; an der Wandfläche das Gemälde „Patrona Bavariae“ des Passauer Malers Ferdinand Wagner
Nicht zuletzt durch die verschlechterten landwirtschaftlichen Bedingungen im 17. Jahrhundert („Kleine Eiszeit“) wurde vom herzöglichen Hof weniger Bayerwein bezogen und stattdessen die Herstellung von Bier favorisiert. Die gestiegenen Produktionsmengen ließen die Kapazitäten des bestehenden Hofbräuhauses bald knapp werden, so dass man (nachgewiesen ab 1604) versuchte, die Produktion in einen Neubau auszulagern. 1607 wurde zum Brauen des erst kurz zuvor neu aufgekommenen Weißbiers in der Graggenau an dem erst viel später „Platzl“ genannten Ort, dem heutigen Standort des Hofbräuhauses, das Weisse Bräuhaus errichtet. 1608 wurden auch die Sudstätten für das Braunbier dorthin verlegt.
Um mit dem „Ainpock“ im Frühjahr (nicht mit dem gesamten Braunbier) näher an die Qualität des Einbecker Bieres heranzukommen, warb man 1612 den Braumeister Elias Pichler von dort nach München ab. Das Bier des Einbeckers, das Ainpöck, erhielt in der Münchner Mundart bald die bis heute geläufige Bezeichnung Bock. Auch das Brauen von Bockbier war in München bis ins Jahr 1810 ausschließlich dem Hofbräuhaus vorbehalten, so dass das Hofbräuhaus bald zu einer wichtigen Einnahmequelle wurde.
Im Jahre 1828 verfügte König Ludwig I. die Gastung: Fortan war es erlaubt, die Bevölkerung im Hofbräuhaus zu bewirten. 1856 pachtete der Braumeister Georg Schneider das Hofbräuhaus. Seit den 1760er-Jahren war das obergärige Weißbier nach und nach aus der Mode gekommen. Da technische Erfindungen wie die Lindesche Kältemaschine noch nicht gemacht waren, kann dies nur mit einer Änderung des Publikumsgeschmackes erklärt werden. Im Hofbräuhaus reagierte man auf die neue Situation: Die Weißbierproduktion wurde beständig zu Gunsten untergäriger Biersorten zurückgefahren und im Jahre 1872 schließlich ganz aufgegeben. Das Monopol der Wittelsbacher auf das Weißbierbrauen war bereits im Jahr 1798 aufgehoben worden, aber man benötigte immer noch ein Regal, um eine Weißbierbrauerei betreiben zu dürfen. Braumeister Schneider gelang es, das auf dem Hofbräuhaus liegende und nun nicht mehr benötigte Weißbierregal von König Ludwig II. zu erwerben, womit er die Brauerei G. Schneider & Sohn, eine bis heute bestehende bürgerliche Weißbierbrauerei, gründete.
Das Jahrbuch für Münchener Geschichte berichtete 1890 unvollständig:Das königliche Hofbräuhaus und der alte Hofbräuhauskeller, Jahrbuch für Münchener Geschichte, Band 4. München 1890. S. 448.
Mit dem zunehmenden Tourismus in München erfreute sich das Hofbräuhaus steigender Beliebtheit, so dass Prinzregent Luitpold 1896 beschloss, die Brauerei in die Innere Wiener Straße am Gasteig im Stadtteil Haidhausen zu verlegen (dort ist heute der Hofbräukeller untergebracht) und den Gastbereich des Hofbräuhauses stark vergrößern und im Stil der Neorenaissance umbauen zu lassen. Die Planung übernahm der Architekt Max Littmann und der Umbau wurde von der zusammen mit seinem Schwiegervater Jakob Heilmann gegründeten Firma Heilmann & Littmann in zwei Abschnitten durchgeführt: Am 22. Mai 1896 wurde das letzte Bier am Platzl gesotten, am 10. August 1896 nahm die neue Brauerei in Haidhausen ihren Betrieb auf, am 2. September 1896 begann man mit dem Abriss des alten Sudhauses, und ab dem 9. Februar 1897 war die dort neu errichtete Schwemme in Betrieb. Nun wurde das benachbarte Verwaltungsgebäude abgebrochen und durch einen großen Gaststättenbereich ersetzt. Am 22. September 1897 konnte das Hofbräuhaus in seiner neuen Form, die größtenteils der heutigen entspricht, feierlich eröffnet werden. Die Kosten für den Umbau beliefen sich auf 819.000 Goldmark.
In der Zeit der Münchner Räterepublik riefen am 13. April 1919 (Palmsonntag) Betriebs- und Soldatenräte im Hofbräuhaus die Kommunistische Räterepublik aus. Diese löste die von Ernst Toller, Erich Mühsam und Gustav Landauer am 7. April 1919 proklamierte Räterepublik Baiern ab. Die Ausrufung fand während eines Kampfes gegen die Republikanische Schutzwehr statt, die versuchte, die Räterepublik zu stürzen.
Am 24. Februar 1920 wurde im Hofbräuhaus vor etwa 2000 anwesenden Personen die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) gegründet. Sie ging durch Umbenennung aus der Deutschen Arbeiterpartei hervor. Im Rahmen der Gründung verkündete Adolf Hitler das 25-Punkte-Programm, das Parteiprogramm der NSDAP.
Am 14. Juni 1920 erfolgte auf Initiative des Alpenvereins im Hofbräuhaus die Gründung der bayerischen Bergwacht als Sitten und Naturschutzwacht.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hofbräuhaus 1945 bei dem Bombardement Münchens durch die Alliierten bis auf die Schwemme vollständig zerstört. Zur 800-Jahr-Feier Münchens 1958 konnte die Rekonstruktion mit der Wiedereröffnung des Festsaals abgeschlossen werden. Nach einem Pächterwechsel 2004 wurde die „Trinkstube“ mit Millionenaufwand umgebaut und als „Bräustüberl“ im Juli 2005 wiedereröffnet. Bis heute ist das Hofbräuhaus Attraktion für Touristen aus aller Welt. Es zählt täglich bis zu 35.000 Besucher und erwirtschaftet dem bayerischen Staat jährlich Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe.
Wirte des Hofbräuhauses 1885–1896: Martin Ammerloher, letzter Wirt vor der Neugestaltung 1897–1906: Joseph Wittmann, der erste Wirt des neugestalteten Hofbräuhauses 1906–1919: Karl Mittermüller, Wirt während der Mangelwirtschaft und des Ersten Weltkrieges 1919–1930: Johann Panzer, Wirt während der Zeit der Hochinflation 1930–1945: Hans Bacherl, Wirt während der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, Schwiegervater von Hermann Esser 1945–1950: Valentin Emmert, Wirt in den Mangeljahren der unmittelbaren Nachkriegszeit 1950–1960: Franz Trimborn; in seine Zeit als Wirt fielen wesentliche Wiederaufbauarbeiten mini|Persönliche Krüge1960–1970: Toni Steiner; zahlreiche Renovierungen und Neuerungen in dieser Zeit, u. a. der damals größte Herd der Welt mit 10 Metern Länge 1970–1980: Hans Glanegger; erstmaliger Ausschank aus Pappbechern nach Krawallen durch Fußballfans am 30. Mai 1979, bei denen Maßkrüge zertrümmert wurden 1980–2004: Familie Michael und Gerda SpergerPaul Brandt: Das Münchner Hofbräuhaus. Bayerland, Dachau 1997, ISBN 3-89251-232-9. seit 2004: Familien der Söhne Wolfgang und Michael Sperger
Heutiger Aufbau mini|Innenansicht des Hofbräuhauses mini|Festsaal im Obergeschoss
Die Schwemme im Parterre, eine große Bierhalle, ist der bekannteste Teil des Hofbräuhauses und bietet an Holztischen Platz für rund 1000 Personen. Für Stammgäste gibt es dort Regale, in denen sie ihre Bierkrüge einschließen können.
In den Obergeschossen befindet sich ein Festsaal mit einem neun Meter hohen Gewölbe für etwa 1500 Personen sowie weitere Räumlichkeiten für insgesamt nochmals über 1000 Personen (Wappensaal, Münchner Zimmer, Erkerzimmer, Bräustüberl, die ehemalige „Trinkstube“). Der Innenhof mit dem Löwenbrunnen dient im Sommer als Wirtsgarten.
Die Vorbereitung der Speisen wurde automatisiert und weitgehend ins 20 km entfernte Brunnthal ausgelagert.
Maibock-Anstich Seit 1614 wird das untergärige Starkbier mit 7,2 % Alkohol gebraut, ursprünglich diente der höhere Alkoholgehalt der besseren Lagerbarkeit im Sommer.
Seit Jahren wird zum Maibock-Anstich ein Politikerderblecken wie beim Mitbewerb am Nockherberg geboten. Seit 2008 tritt hier Django Asül auf.
Hofbräuhaus-Lied Das 1935 entstandene Lied In München steht ein Hofbräuhaus zählt heute weltweit zu den beliebtesten Stimmungsliedern und gehört zum Repertoire vieler Blaskapellen. Es wurde von Wilhelm „Wiga“ Gabriel aus Berlin komponiert.
Lenin im Hofbräuhaus mini|hochkant|HB-Symbol an der Fassade
Lenin hielt sich während seiner Emigration einige Jahre in München auf. In den Memoiren seiner Ehefrau Nadeschda Krupskaja findet sich der Satz:
Sie spielte darauf an, dass die lateinischen Buchstaben „HB“ genauso aussehen wie die kyrillische Abkürzung für die in den 1870er Jahren gegründete sozialrevolutionäre Geheimgesellschaft „Narodnaja Wolja“ („Volkswille“), die das Mordattentat auf Zar Alexander II. 1881 organisiert hatte. Krupskaja ergänzt, ihr Mann habe das Hofbräu-Bier mit dem Blick eines Kenners und Liebhabers gelobt.
Siehe auch Hofbräu-Festzelt Hofbräuhaus-Kunstmühle
Trivia Im Jahr 2004 wurde in Las Vegas in den Vereinigten Staaten unter Lizenz eine an das Original angelehnte Nachbildung des Hofbräuhauses errichtet.
Literatur Egon Dheus, Bernd H. D. Kirchner (Hrsg.): Das Hofbräuhaus am Platzl in München 1897–1997 – 100 Jahre in seiner heutigen weltberühmten Gestalt. Verlag für Zielgruppen-Information, Pöcking/Starnberg 1997, ISBN 3-9802432-6-5. Bernd H. D. Kirchner (Hrsg.): Staatliches Hofbräuhaus in München: Unternehmens-Portrait 1990–1996. Verlag für Zielgruppen-Information, Pöcking/Starnberg 1996, ISBN 3-9802432-3-0. Andreas Richter (Verf.), Staatliches Hofbräuhaus (Hrsg.): Hofbräuhaus München 1589–1989: 400 Jahre Tradition. Festschrift. Gerber, München 1989, ISBN 3-87249-132-6. Heinrich Letzing: Das Weißbierprivileg Herzog Wilhelms IV. von Bayern für Hans VI. von Degenberg. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte und Bibliographie des Brauwesens 1994/95, S. 343–346. Heinrich Letzing: Die Geschichte des Bierbrauwesens der Wittelsbacher: die Gründung des Hofbräuhauses München und die Entstehung des herzoglichen Weißbiermonopoles in der Auseinandersetzung mit den Landständen bis zum Landtag von 1612 sowie die Grundlagen des Bierzwanges. Studien zum Staatshaushalt, zur Verwaltungspraxis, zur Wirtschafts-, Sozial- und Agrargeschichte des alten Bayern. Wißner, Augsburg 1995, ISBN 3-928898-88-4 (Zugleich Dissertation, Universität Augsburg 1994) Birgit und Rainer Stock: Der Biercomic. Die Geschichte vom Hofbräuhaus in München [der offizielle HB-Comic]. Stock, Rottach-Egern 1994, ISBN 3-00-013742-4. Es gibt auch eine „boarische“ ISBN 3-9810530-0-1 und englische ISBN 3-9810530-2-8 Ausgabe. Friedrich Hitzer: Der Mord im Hofbräuhaus: Unbekanntes und Vergessenes aus der Baierischen Räterepublik. Röderberg-Verlag, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-87682-731-0.
Weblinks
hofbraeuhaus.de Die Deutsche Welle über das Hofbräuhaus Heiner Wember: 27.09.1589 - Der Baubeginn am Münchner Hofbräuhaus. WDR ZeitZeichen vom 27. September 2014 (Podcast). Sammlung von Geschichten, Fotoalben und Fotobüchern
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