Die Limmattalbahn (auch LTB oder Stadtbahn Limmattal) ist eine 13,9 km lange, meterspurige Strassenbahnstrecke im Limmattal von Zürich nach Killwangen-Spreitenbach. Sie trägt die Liniennummer 20 und fährt durch die Gemeinden Schlieren, Urdorf und Dietikon. Sie ist Teil des Zürcher Tramnetzes und teilt in Dietikon auf einer kurzen Strecke auch die Gleise mit der ebenfalls von Aargau Verkehr (AVA) betriebenen Bremgarten-Dietikon-Bahn.
Verantwortlich für die Infrastruktur ist die Limmattalbahn AG. Die offizielle Eröffnung erfolgte am 9. Dezember 2022, der fahrplanmässige Betrieb begann zwei Tage später. Die Kosten des Projektes lagen durch verschiedene Massnahmen letztendlich 21 % tiefer als geplant. In Planung ist eine Verlängerung nach Baden.
Das Limmattal gehört zusammen mit dem Glatttal und dem Zürcher Seebecken zu den am stärksten wachsenden Regionen im Raum Zürich. Aufgrund von steigendem Wohnraum und Arbeitsplätzen wird mehr Verkehr in der Region antizipiert, wovon die Limmattalbahn einen Grossteil übernehmen soll. Ausserdem soll sie, ähnlich wie die Glattalbahn im Norden Zürichs, der Region weiteren Aufschwung verleihen und die Standortattraktivität steigern.
Streckenverlauf Die Limmattalbahn verbindet den Bahnhof Zürich Altstetten mit dem Bahnhof Killwangen-Spreitenbach und übernimmt damit die Feinerschliessung im Limmattal.Nach 26 Minuten ist erstmals Landschaft zu sehen – wie sich das Limmattal im neuen Tram erfahren lässt. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Oktober 2022.
Ausgangsstrecke von Zürich nach Killwangen Die Limmattalbahn ist eine doppelgleisige Meterspurbahn, die einen nahtlosen Übergang zur Strassenbahn Zürich und zur Bremgarten-Dietikon-Bahn ermöglicht, welche die gleiche Spurweite besitzen. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt , die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit . Es gibt 27 Haltestellen, die in einem durchschnittlichen Abstand von 515 m voneinander entfernt liegen. Damit Bahn und Individualverkehr nebeneinander bestehen können und die Züge der Limmattalbahn nicht im Verkehrsstau steckenbleiben, fahren sie zu 92 % auf einem separaten Trassee.. Limmattalbahn AG, 2018.
Etappe 1: Bahnhof Altstetten – Schlieren Geissweid mini|links|Stadtplatz Schlieren (Dezember 2018) Ausgehend von der Südseite des Bahnhofs Altstetten, wo sich eine Stumpfendstelle für die Züge der Limmattalbahn befindet, folgt die Strecke der Hohlstrasse in Strassenmittellage. Über die Haltestelle Seidelhof wird der Farbhof erreicht, wo die Strecke mit der bestehenden Route der Tramlinie 2 in die Badenerstrasse einmündet.
Auf grösstenteils begrüntem Eigentrassee in Strassenmitte folgt die Strecke dieser Hauptachse, die ab der Stadtgrenze den Namen Zürcherstrasse trägt über die Haltestellen Micafil, Mülligen, Gasometerbrücke und Wagonsfabrik nach Schlieren. Einen Häuserblock südlich des Bahnhofs befindet sich auf dem im Zuge des Streckenbaus geschaffenen Stadtplatz mit der Haltestelle Zentrum/Bahnhof eine grosse Umsteigestation zwischen Limmattalbahn und Autobus. Eine Station weiter bei der Geissweid wurde zwei Jahre vorher schon eine Wendeschleife für die bis hier verlängerte Zürcher Tramlinie 2 angelegt.
Etappe 2: Schlieren Geissweid – Bahnhof Killwangen-Spreitenbach links|mini|Erstellte Gleise In der Luberzen (Oktober 2020) Die Limmattalbahn folgt ab hier weiter dem Verlauf der Badenerstrasse mit Haltestellen im Bereich Kesslerplatz und Reitmen. Kurz vor Erreichen der Kreuzung Schönenwerd zweigt die Strecke nach Süden ab, um mit einem 245 m langen Tunnel das Färberhüsli-Areal zu unterqueren.. In: mailing. Nr. 24, 2013, S. 19, Hrsg.: Gruner. Beim Spital Limmattal kommt die Strecke wieder an die Oberfläche, um durch Urdorf über Luberzen und vorbei an der Kantonsschule Limmattal zur Birmensdorferstrasse zu gelangen. Auf ihr wird der Knoten von Hauptstrasse 1 (Bernstrasse) und den Autobahnen A4 und A3 überquert und damit Dietikon erreicht.
Westlich der S-Bahn-Haltestelle Glanzenberg wird wieder auf die Zürcherstrasse eingeschwenkt, der die Strecke ins Zentrum von Dietikon folgt. Mittels einer Führung über die Poststrasse wird der Bahnhof Dietikon erreicht, wo ein Umsteigeknoten mit der S-Bahn Zürich und der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BD) besteht. Bis zum Kirchplatz nutzen die Limmattalbahn und BD den gleichen Bahnkörper, dann zweigt die Strecke wieder von der bereits bestehenden BD-Meterspurlinie ab. Der Hauptachse Zürcher-/ Badenerstrasse weiter folgend wird dann im Nordwesten Dietikons die Hauptstrasse 3 (Überlandstrasse) überquert. Durch das Niderfeld wird die Kantonsgrenze erreicht, wo parallel zum Rangierbahnhof Limmattal auch das Depotareal für die Limmattalbahn entstand.
Auf der Industriestrasse verläuft die Strecke weiter durch ein Gewerbegebiet, das mit den Halten Kreuzäcker und Grabäcker erschlossen wird. Vorbei an IKEA und Shoppi Tivoli wird Spreitenbach erreicht, wo die Strecke ein weiteres Mal auf die Hauptstrasse 3 verschwenkt, um den Ort zu durchqueren. Unmittelbar vor dem Bahnhof Killwangen-Spreitenbach liegt die vorläufige nordwestliche Endstelle der Limmattalbahn.
Fortführung von Killwangen nach Baden Im August 2018 stellte der Kanton Aargau eine mögliche Fortführung der Limmattalbahn vor und startete ein entsprechendes Richtplanverfahren. Die Strecke soll über den Bahnhof Killwangen-Spreitenbach hinaus nach Neuenhof führen, die Limmat parallel zur Autobahn A1 überbrücken, quer durch Wettingen verlaufen und die Stadt Baden erreichen. Angestrebt wird eine Inbetriebnahme im Jahr 2032.
In Killwangen soll die Strecke über die Bahnhofstrasse fortgeführt werden, bis die Hauptstrasse 3 wieder erreicht wird. Im Bereich der heutigen Bushaltestelle Mühlehalde soll eine neue Haltestelle entstehen. Über freies Feld soll die Strecke der Hauptstrasse 3 nach Neuenhof führen, wo Halte im Bereich Kirchfeld, Posthorn, Landhaus und Eich vorgesehen sind. Die Strecke soll anschliessend nach Norden auf die Limmatstrasse abzweigen und die Bahnstrecke Zürich–Baden queren. Im Bereich der Industrie soll eine weitere Station entstehen, bevor die Strecke neben der Autobahnbrücke der A1 über die Limmat führen soll.
Am Bahnhof Tägerhard soll die Bahnstrecke Wettingen–Effretikon gequert werden und eine Umsteigestation zur Eisenbahn entstehen, die auch das unmittelbar angrenzende Tägi-Bad und die Tägi-Eisbahn erschliesst. Auf einer noch genauer zu bestimmenden Route soll das Baugebiet auf der Unteren Geisswies am östlichen Rand von Wettingen durchquert werden, bevor an einer weiteren Haltestelle im Bereich der Brücke über den Lugibach die Landstrasse erreicht wird. Dieser soll die Limmattalbahn im Verlauf der RVBW-Autobuslinie 1 geradlinig durch Wettingen folgen, mit Stationen im Bereich Kreuzkapelle, Neufeld, Sonne, Zentrumsplatz, Winkelried, Langenstein und Kantonsschule. Nach Überquerung der Limmat auf oder parallel zur Hochbrücke soll der Schulhausplatz in Baden erreicht werden, gefolgt von einer Durchquerung des Schlossbergs in einem Tunnel. Der Endpunkt ist am Bahnhof Baden vorgesehen.
Geschichte Öffentlicher Verkehr im Limmattal mini|hochkant=1.3|«Lisebethli» in Schlieren an der damaligen Haltestelle Linde in der Badenerstrasse. In Zukunft sollen hier wieder Trams verkehren. Das Limmattal hegt eine lange und bedeutende ÖV-Tradition. 1847 fuhr die Spanisch-Brötli-Bahn als erste Bahnlinie der Schweiz von Zürich nach Baden. 1899 wurde die Limmattal-Strassenbahn (LSB) gegründet, im Volksmund «Lisebethli» genannt. Ein Jahr später nahm sie ihren Betrieb auf der Strecke zwischen dem Letzigraben und Dietikon auf, ein Jahr später auf der Zweigstrecke von Schlieren nach Weiningen. 1928 stellte die LSB den Betrieb auf dem Abschnitt Schlieren–Dietikon ein, die Aufgabe der Strecke nach Weiningen folgte 1930. Die Strecke zwischen dem Letzigraben und Schlieren ging daraufhin in den Besitz der Städtischen Strassenbahn Zürich über. Diese legte 1955 auch den Abschnitt Farbhof–Schlieren still.
In der Abstimmung über die U-Bahn Zürich war 1973 ein fast gleicher Streckenverlauf von Dietikon über Schlieren zum Flughafen Zürich in Kloten vorgesehen, jedoch lehnte das Volk dieses Projekt ab.
Erste Studien, Richtplaneintrag Im Jahr 2000 begann die Planung für die künftige Limmattalbahn. Die kantonale Plattform Aargau/Zürich (PAZ) vergab den Auftrag, erste Korridor- und Trasseestudien im Limmattal durchzuführen. Fünf Jahre später folgte die Präsentation des regionalen Verkehrskonzepts Limmattal, das die Limmattalbahn als eine der Kernmassnahmen enthielt. 2006 wurde die Linienführung im Aargauer Richtplan eingetragen, 2007 folgte die Festsetzung im Richtplan des Kantons Zürich. Im selben Jahr bestärkten die Exekutiven der Limmattaler Gemeinden ihren Wunsch nach der Limmattalbahn mit einer Absichtserklärung, die sie bei den zuständigen Zürcher und Aargauer Regierungsräten einreichten. 2015 bekräftigten die Limmattaler Gemeinden ihren Wunsch nach der Limmattalbahn mit der Unterzeichnung eines Manifests.. Gemeinde Schlieren, 3. November 2015.
Projektorganisation
Ursprünglich hatte der Zürcher Verkehrsverbund die Federführung im Projekt Limmattalbahn inne. Im Juni 2010 gründeten die beiden Kantone Zürich und Aargau eine Aktiengesellschaft mit dem Zweck, die Limmattalbahn zu planen und anschliessend die Infrastruktur zu erstellen.. Limmattalbahn AG, 2018. Der Kanton Zürich hält 75 % und der Kanton Aargau 25 % des Aktienkapitals.. Limmattalbahn AG, 2018. Dies entspricht dem Verhältnis der Streckenlängen in den beiden Kantonen. Im Verwaltungsrat waren Hans Egloff (Kanton Zürich, Präsident), Matthias Adelsbach (Kanton Aargau, Vizepräsident), Dominik Brühwiler (Kanton Zürich) und Roland Kobel (Kanton Zürich).. Limmattalbahn AG, 2018. Gesamtprojektleiter und Geschäftsführer der Limmattalbahn AG war Daniel Issler. Für die Projektierung und Realisierung der Limmattalbahn erhielt die Gesamtprojektleitung Unterstützung von externen Firmen.. Limmattalbahn AG, 2018.
Planung Im Juli 2010 startete die Limmattalbahn AG mit der Projektierung. Die erste Phase, das sogenannte Vorprojekt, lief bis Ende 2011. Während dieser Zeit definierten die Planer die genaue Linienführung, die Lage der Haltestellen und die voraussichtlichen Kosten. Im Anschluss erarbeiteten sie bis Ende 2013 das Bau- und Auflageprojekt. In dieser Phase verfeinerten und überprüften sie die Planungen. Schliesslich wurde die Vorlage öffentlich aufgelegt, und das Bundesamt für Verkehr (BAV) erteilte im April 2017 die Plangenehmigungsverfügung (Baubewilligung).
Im Februar 2012 reichte die Limmattalbahn AG ein Konzessionsgesuch für den Betrieb der Strecke zwischen Zürich-Altstetten und Killwangen-Spreitenbach beim Bund ein. Der Bundesrat hiess das entsprechende Gesuch am 9. Oktober 2013 gut und erteilte die Infrastrukturkonzession.
Im Zusammenhang mit dem Bau der Limmattalbahn sind auch diverse Anpassungen am Strassennetz geplant.. In: Limmattaler Zeitung. 2. Dezember 2017. Einerseits gehören dazu die Strassen im direkten Perimeter der Bahn, andererseits auch Projekte, die eine Verlagerung des Verkehrs zum Ziel haben. So soll der Verkehr beispielsweise aus den Zentren von Schlieren und Dietikon geführt werden. Eines der grössten Projekte ist der Umbau der Engstringerkreuzung in Schlieren.. Tiefbauamt des Kantons Zürich, 15. Januar 2015.
Finanzierung