Mühlberg/Elbe ist eine an der Elbe gelegene Stadt im südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Sie ist Teil der Verbandsgemeinde Liebenwerda.

Geografische Lage Mühlberg liegt an der Elbe im südwestlichsten Teil des Landes Brandenburg, auf halber Strecke zwischen Riesa im Süden und Torgau im Norden. Die zu Mühlberg gehörende etwa 1,2 km² große Flur um die Fähranlegestelle an der Mündung der Dahle westlich der Elbe samt einem Teilstück der Bundesstraße 182 ist das einzige linkselbische Gebiet Brandenburgs.

Stadtgliederung Nach der Hauptsatzung der Stadt hat Mühlberg/Elbe folgende Orts- und Gemeindeteile: Altenau mit dem Gemeindeteil Wendisch-Borschütz Brottewitz Fichtenberg mit den Gemeindeteilen Borschütz, Gaitzsch und Schweditz Koßdorf mit dem Gemeindeteil Lönnewitz Martinskirchen mit dem Gemeindeteil Altbelgern Mühlberg/Elbe mit den Gemeindeteilen Köttlitz und Weinberge

Hinzu kommt der Wohnplatz Alte Ziegelei.

Geschichte Mühlberg wurde 1230 erstmals urkundlich erwähnt. Bereits lange vorher lassen sich durch archäologische Grabungen und Grabfunde seit etwa 600 nach Christus slawische Siedlungen nachweisen. Die Stadt wurde auf einer Talsandinsel am Elbübergang im Schutz einer Wasserburg gegründet. Herren der Burg waren zunächst die Ministerialen von Ileburg (Eilenburg), die 1228 hier auch das Kloster Marienstern stifteten. Stadt und Herrschaft standen unter wechselndem Einfluss böhmischer und meißnischer Herren. 1397 fiel Mühlberg an Meißen, wurde jedoch 1443 gegen die Herrschaft Hohnstein an Hincko Birke von der Duba vertauscht. Nach dem Tod seiner Nachkommen gelangte Mühlberg 1520 abermals an Meißen, und wurde nach dem Schmalkaldischen Krieg in das nun albertinische Kursachsen integriert. Während des Krieges war es am 24. April 1547 in der Nähe von Mühlberg zur entscheidenden Schlacht gekommen. Im Kurstaat gehörte das Amt Mühlberg zum 1547 gebildeten Meißnischen Kreis.

1815 ging Mühlberg als Ergebnis des Wiener Kongresses zusammen mit anderen sächsischen Gebieten an Preußen und wurde Teil des neu gegründeten Landkreises Liebenwerda. 1854 führte eine Elbbegradigung dazu, dass Mühlberg heute nicht mehr unmittelbar an der Elbe liegt. Ein erhalten gebliebener Elbarm wurde 1883 zum Hafen ausgebaut.

mini|Gedenkstätte für die Opfer des sowjetischen Speziallagers Nr. 1 Mühlberg 1939 wurde bei Neuburxdorf das Kriegsgefangenenlager Stammlager IV B eingerichtet, in dem bis Kriegsende etwa 3000 Gefangene starben. Von September 1945 bis November 1948 wurde dieses Lager als Speziallager Nr. 1 Mühlberg des NKWD betrieben, in dem von insgesamt 22000 Menschen etwa 7000 an Hunger und Folgekrankheiten verstarben und in Massengräbern in der Nähe eines nördlich gelegenen Schießstandes ruhen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Mühlberg, das zuvor dem preußischen Regierungsbezirk Merseburg angehörte, Teil des neu gegründeten Landes Sachsen-Anhalt. In der DDR folgte im Rahmen der Verwaltungsreform von 1952 die Zuordnung zu dem Bezirk Cottbus. Der amtliche Name der Stadt lautete bis 1990 Mühlberg (Elbe). Als mit der Wiedervereinigung 1990 die Grenzen der neuen Bundesländer festgelegt wurden, kam Mühlberg mit einem großen Teil des Bezirks Cottbus zum Land Brandenburg. 1992 wurde Mühlberg in die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg aufgenommen.

Zum 21. Juli 1992 wurde das Amt Mühlberg/Elbe gebildet. In diesem Verwaltungsverbund waren die Gemeinden Altenau, Brottewitz, Fichtenberg, Koßdorf, Martinskirchen und die Stadt Mühlberg/Elbe aus dem damaligen Kreis Bad Liebenwerda zusammengefasst. Zum 31. August 2001 wurde die neue amtsfreie Stadt Mühlberg/Elbe aus den amtsangehörigen Gemeinden Altenau, Brottewitz, Fichtenberg, Koßdorf, Martinskirchen und der Stadt Mühlberg/Elbe des Amtes Mühlberg/Elbe mit Wirkung vom 31. August 2001 genehmigt. Das Amt Mühlberg/Elbe wurde mit selben Datum aufgelöst.

Der hohe Wasserstand der Elbe während des Hochwassers im August 2002 zwang die Kreis- und Landesverwaltung zur vollständigen Evakuierung von Mühlberg. Doch die Deiche hielten, von den Einheimischen als „Wunder von Mühlberg“ gefeiert.

Eine weitere schwere Naturkatastrophe erfasste die Stadt am 24. Mai 2010. Nach einem Hagelregen folgte ein Tornado, bei dem über 300 Häuser zum Teil schwer zerstört wurden, darunter auch der Turm der Klosterkirche. Mühlberg war mehrere Stunden von der Außenwelt abgeschnitten.

Beim Elbehochwasser 2013 wurden bis zum 8. Juni drei Viertel der Einwohner evakuiert und die Deiche erhöht und verstärkt, die – wie schon 2002 – hielten. Der Elbepegel erreichte 9,62 m.

Im März 2019 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, dass sich Mühlberg/Elbe zum 1. Januar 2020 mit Bad Liebenwerda, Falkenberg/Elster und Uebigau-Wahrenbrück (alle Landkreis Elbe-Elster) zur Verbandsgemeinde Liebenwerda zusammenschließt.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 3 318 1890 3 443 1910 3 345 1925 3 549 1933 3 600 1939 3 370 Jahr Einwohner 1946 4 466 1950 4 451 1964 3 517 1971 3 595 1981 3 477 1985 3 447 Jahr Einwohner 1990 3 274 1995 2 960 2000 2 734 2005 4 698 2010 4 244 2015 3 856 Jahr Einwohner 2020 3 630 2021 3 534 2022 3 408 2023 3 376 2024 3 309 2025 3 253

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991),Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Elbe-Elster (PDF), S. 22–25.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7.Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Religion Das ursprünglich zum Archidiakonat des Domdechanten des Bistum Meißen gehörende Mühlberg wurde durch die 1540 von Heinrich dem Frommen durchgeführte Reformation lutherisch.

Am 12. Januar 2012 wurde in Mühlberg das Ökumenische Haus der Begegnung und Stille (ÖHBS) eröffnet,Eckhard Pohl: Ein Ort, der gut tun soll. In: Tag des Herrn. Ausgabe 3/2012 vom 22. Januar 2012, S. 13. das gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Gemeinde getragen wird.

Evangelisch-lutherische Gemeinde Zur Kirchengemeinde Mühlberg gehört die Frauenkirche. Die nach der Aufhebung des Klosters Marienstern als evangelische Pfarrkirche genutzte Klosterkirche wurde in den 1960er Jahren von der evangelischen Kirchengemeinde aufgegeben. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Bad Liebenwerda der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Römisch-katholische Gemeinde mini|Katholische St.-Marien-Kapelle Nach der Reformation siedelten sich erst wieder gegen Mitte des 19. Jahrhunderts einige Katholiken in Mühlberg an. Nachdem Torgau 1850 einen katholischen Geistlichen erhalten hatte, fanden bis 1856 für die in Mühlberg stationierten katholischen Soldaten gelegentlich katholische Gottesdienste in der ehemaligen Klosterkirche von Mühlberg statt, an denen auch Zivilisten aus Mühlberg teilnahmen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen in Mühlberg gelegentliche katholische Gottesdienste in der Schloßkapelle, die 1897 dafür gepachtet worden war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen durch die Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa ab 1945 wieder Katholiken in größerer Zahl nach Mühlberg und in die umliegenden Ortschaften. Am 22. August 1945 bekam Mühlberg daher mit Heinrich Kimmel einen eigenen katholischen Geistlichen, er wurde zum außenplanmäßigen Vikar von Bad Liebenwerda mit Sitz in Mühlberg ernannt. Damit wurde in Mühlberg eine katholische Gemeinde gegründet. Da die Schloßkapelle für die nun größere Zahl der Gottesdienstbesucher nicht mehr ausreichte, wurde die evangelische Hospital- oder Friedhofskapelle, später die ehemalige Klosterkirche, mitgenutzt. Zum 1. November 1947 wurde die Seelsorgstelle Mühlberg zur Kuratie erhoben.

Am damaligen Thälmannplatz, neben der ehemaligen Klosterkirche, konnte für die Kuratie ein bebautes Grundstück erworben werden, auf dem unter anderem ein Wohnhaus und eine ehemalige Schmiede stand. 1969 erfolgte der Abriss der vorhandenen Gebäude, und bis 1971 der Neubau des Pfarrhauses, dahinter entstanden anstelle der Schmiede der Gemeindesaal und die Kapelle. Am 20. November 1971 nahm Weihbischof Johannes Braun die Benediktion der Kapelle vor, die das Patrozinium der heiligen Maria bekam. Die Anmietung der Schloßkapelle wurde 1971 beendet.Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 31, Teil 11, Die Zeit von der Potsdamer Konferenz bis zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1945–1949. St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 99–104.

Am 8. Juli 1994 wurde das Bistum Magdeburg gegründet, dem Mühlberg seitdem angehört. Seit dem 14. Mai 2000 sind in Mühlberg Claretiner-Patres tätig.Gemeinde Mühlberg - St. Marien. Katholische Pfarrei St. Franziskus, abgerufen am 7. September 2025. Im Jahr 2000 übernahm das Bistum Magdeburg von der Stadt Mühlberg die ehemalige Klosterkirche des Klosters Marienstern.Klosterkirche Mühlberg. Tourismusverband Elbe-Elster-Land e.V., abgerufen am 7. September 2025.

Am 1. November 2006 wurde der Gemeindeverbund Bad Liebenwerda – Falkenberg – Herzberg – Mühlberg – Schlieben – Uebigau errichtet,Neuer Gemeindeverbund. In: Tag des Herrn. Ausgabe 46/2006 vom 19. November 2006, S. 13. aus dem am 2. Mai 2010 die heutige Pfarrei St. Franziskus Bad Liebenwerda gebildet wurde.Pfarrei St. Franziskus. Abgerufen am 28. Juli 2025. Im Zuge der Auflösung der Dekanatsstrukturen im Bistum Magdeburg zum 1. September 2023 wurde das Dekanat Torgau, dem Mühlberg angehörte, aufgelöst und die Pastoralregion Elbe-Elster gebildet, der Mühlberg zugeordnet wurde.

Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Mühlberg besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 16 Stadtverordneten und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 67,4 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Wählergemeinschaft für Wirtschaftsraum Mühlberg 39,5 % 6 20,4 % 3 Einzelbewerber Maximilian Schöne – – 15,7 % – CDU 20,1 % 3 12,9 % 2 Wählergemeinschaft Koßdorf-Lönnewitz 14,5 % 2 12,2 % 2 Wählergemeinschaft „Für Altenau“ 10,1 % 2 11,8 % 2 Einzelbewerber Andy Selig – – 8,7 % 1 Bürgerbund Für Fichtenberg 9,3 % 2 7,8 % 1 Einzelbewerber Christoph Nawroth – – 5,8 % 1 Zukunft gestalten – für eine lebenswerte Heimat – – 3,4 % 1 Einzelbewerber Benedikt Teubel – – 1,4 % – Einzelbewerber Dieter Jähnichen 6,4 % 1 – – Insgesamt 100 % 16 100 % 13

Der Stimmenanteil des Einzelbewerbers Maximilian Schöne entspricht drei Sitzen. Er kandidierte sowohl als Gemeindevertreter als auch als Bürgermeister. Da er die Wahl zum Bürgermeister annahm, bleiben nach § 60 (3) des Brandenburgischen KommunalwahlgesetzesBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz § 60 diese Sitze unbesetzt.

Bürgermeister 1993–2003: Hannelore Brendel (parteilos)Karsten Bär: Hannelore Brendel hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Lausitzer Rundschau, 5. Juni 2023, abgerufen am 23. November 2025. 2003–2008: Dieter Jähnichen (parteilos)Mühlberg wählt einen neuen Bürgermeister. In: Lausitzer Rundschau. 10. Januar 2008. 2008–2020: Hannelore Brendel (parteilos)Sieg für Hannelore Brendel. In: Lausitzer Rundschau. 14. April 2008. 2020–2024: Dieter Jähnichen (parteilos)Das sind die ehrenamtlichen Bürgermeister. In: Lausitzer Rundschau. 22. Januar 2020. seit 2024: Maximilian Schöne (parteilos)