Die Elztalbahn ist eine 19,3 Kilometer lange, eingleisige, elektrifizierte und normalspurige Nebenbahn, die im Bahnhof Denzlingen von der Bahnstrecke Mannheim–Basel abzweigt und im Elztal aufwärts in den Schwarzwald bis nach Elzach hineinführt.

Geschichte Eröffnung des Abschnitts Denzlingen–Waldkirch Weil sich keine privaten Kapitalgeber zur Finanzierung einer Anbindung des Elztales fanden, ergriff die Stadt Waldkirch selbst die Initiative und ließ auf eigene Kosten die 7,1 Kilometer lange Privatbahn von Denzlingen nach Waldkirch bauen. Am 30. März 1872 schuf der badische Staat die gesetzliche Grundlage für den Bau, am 29. August des gleichen Jahres wurde die Konzession erteilt.Deutsche Reichsbahn: Die Deutschen Eisenbahnen in ihrer Entwicklung 1835–1935. Berlin 1935, S. 109 Den Betrieb, der am 1. Januar 1875 eröffnet wurde, übertrug die Stadt Waldkirch 1887Gerhard Greß: Verkehrsknoten Freiburg und seine Umgebung in den fünfziger und sechziger Jahren. EK-Verlag, Freiburg 1997, ISBN 3-88255-263-8, S. 66 den Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen.

Verlängerung bis Elzach Zwar entwickelte sich der Verkehr – vor allem die Personenbeförderung – zufriedenstellend, jedoch war die finanzielle Belastung für die Stadt Waldkirch auf Dauer zu hoch. So nahm sie das Angebot des Staates dankbar an, die Bahn zum 1. April 1886 käuflich zu erwerben. Am 20. August 1901 wurde die Strecke um 12,2 Kilometer bis nach Elzach verlängert. Am Bahnhof Gutach bestand Verbindung zu einer elektrifizierten Schmalspurbahn mit 750 Millimeter Spurweite zur Nähseidenfabrik Gütermann.

Nicht umgesetzte Projekte Verschiedene Varianten einer Verlängerung über Oberprechtal nach Hausach wurden oft – zuletzt in den 1950er Jahren – geplant, aber nie realisiert. Hierdurch hätte sich die kürzeste Verbindung von Freiburg nach Stuttgart und weiter in Richtung Nürnberg ergeben.140 Jahre Eisenbahn in Freiburg – Nebenstrecken. Freiburg 1985.

Außerdem gab es eine Planung, durch einen Abzweig in Bleibach das Simonswälder Tal zu erschließen mit Weiterführung über Gütenbach nach Furtwangen, wo ein Anschluss an die 1893 vollendete Bregtalbahn entstanden wäre. Geldmangel und später der Erste Weltkrieg ließen das Projekt scheitern. Die Pläne dazu liegen im Gemeindearchiv von Simonswald.

Bahnpostverkehr Nachdem 1875 die Strecke Denzlingen–Waldkirch fertig gestellt war, verkehrte eine dem Postamt Waldkirch unterstellte Bahnpost Waldkirch–Denzlingen und zurück. Briefsendungen, die entweder in den Briefkasten des Postwagens am Zug oder in den Bahnhofsbriefkasten eingeworfen wurden, wurden im Zug mit einem ovalen Bahnpoststempel „Denzlingen–Waldkirch“ entwertet und nach Zielgebieten vorsortiert. Nach der Streckenverlängerung 1901 wurde auch die Bahnpost bis Elzach gefahren. Stempel-Abschläge der Bahnpost sind bekannt von 1897, 1902 („Denzlingen–Waldkirch“), 1902, 1915 („Denzlingen–Elzach“), 1932 und 1952 („Freiburg–Elzach“). Die Bahnpostbeförderung wurde auf der Elztalbahn bis 1957 durchgeführt.

Verlegung des Haltepunktes Batzenhäusle Um das Jahr 2002 wurde der Haltepunkt im Buchholzer Ortsteil Batzenhäusle vom km 5,3 westlich der St.-Margarethen-Straße zum km 5,6 bei der Fischermatte verlegt. Hintergrund war, dass dort größeres Fahrgastpotential erwartet wurde und die Lage am alten Ort sehr beengt und direkt an einem Bahnübergang gelegen war.

Pilotstrecke der Breisgau-S-Bahn

Im Jahr 1997 wurde die Elztalbahn vom Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) zusammen mit der Bahnstrecke Freiburg–Breisach als Pilotstrecke für das integrierte Regionalverkehrskonzept „Breisgau-S-Bahn 2005“ ausgewählt. (PDF-Datei; 108 kB) Presseerklärung des ZRF vom 2. Dezember 2005 In den folgenden Jahren wurde das Angebot im Personenverkehr ausgebaut, die Bahnanlagen umfassend saniert und erneuert. Als erster Schritt wurde im Jahr 1997 die Betriebsruhe an Sonntagen aufgehoben. Zwei Jahre später erfolgte die Einführung eines Integralen Taktfahrplanes (ITF) mit Stundentakt bis Elzach und zusätzlichen Zügen zwischen Freiburg und Waldkirch. Im Dezember 2001 waren die geplanten Angebotsverbesserungen mit werktäglichem Halbstundentakt bis Waldkirch und Stundentakt bis Elzach auch in den Abendstunden sowie Stundentakt bis Elzach auch an Sonn- und Feiertagen verwirklicht.

Von Mai bis Juni 2009 wurden die Gleise zwischen Waldkirch und Elzach erneuert. Die ursprünglichen trogförmigen Stahlschwellen wurden dabei durch Y-Stahlschwellen ersetzt. Der Oberbau lässt eine Achslast von 22,4 Tonnen zu, die Liegezeit soll 70 bis 80 Jahre betragen.Frank Berno Timm: Millionenprojekt: Die Gleise der Elztalbahn werden komplett erneuert. In: Badische Zeitung. 3. Juni 2009, abgerufen am 16. Januar 2011

Elektrifizierung und Modernisierung mini|232x232px|Ausbau der Station Gutach zum Kreuzungsbahnhof mini|232x232px|Talent 3 auf der Elzbrücke zwischen Kollnau und Waldkirch

In der Kooperationsvereinbarung zwischen Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) und Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) vom 11. März 2009 war auch ein weiterer Ausbau der Elztalbahn vorgesehen. Geplant war eine Elektrifizierung der Strecke, der Bau einer Ausweiche für Zugkreuzungen in Gutach und die Modernisierung der Signaltechnik durch ein elektronisches Stellwerk in Waldkirch bis zum Jahr 2018. Elektrifizierung und Kreuzungsbahnhof waren im Elztal umstritten; es gab Bürgerinitiativen dagegenElztalbahn Bürgerinitiative und dafür.Bürgerbündnis Elztalbahn JETZT Vom 1. März 2020 bis 14. November 2021 wurde die Elztalbahn im Rahmen des Projektes „Breisgau-S-Bahn 2020“ elektrifiziert und modernisiert. Anfänglich war die Wiederinbetriebnahme der Elztalbahn im Dezember 2020 vorgesehen. Dieser Zeitplan konnte aber aufgrund von Lieferverzögerungen von Bombardier für die elektrischen Talent-3-Triebzüge und wegen absehbarer Verzögerungen bei den Bauarbeiten nicht gehalten werden. Daher wurde die Wiederinbetriebnahme zuerst auf Juni 2021 verschoben, jedoch aufgrund von Verzögerungen am Kreuzungsbahnhof Gutach erneut auf Mitte November 2021 verschoben. Seit 28. Januar 2021 fand ein Probebetrieb zwischen Denzlingen und Waldkirch statt. Der Streckenabschnitt wurde am 14. Februar 2021 wieder freigegeben. Bombardier konnte die neuen Triebwagen nicht bis zur Wiederinbetriebnahme des Streckenabschnitts bereitstellen, daher kamen vorerst Dieseltriebwagen zum Einsatz. Von Waldkirch aus bestand ein Schienenersatzverkehr bis nach Elzach, der von der SWEG organisiert und durchgeführt wurde. Auf der 19,3 Kilometer langen Strecke zwischen Denzlingen und Elzach wurden ungefähr 23 Kilometer an Oberleitungen gebaut; hierfür wurden 320 neue Oberleitungsmasten benötigt. Im Zuge des Ausbaus wurden insgesamt sieben Bahnübergänge modernisiert, einige Brücken erneuert und die Stellwerkstechnik wurde an die modernisierte Strecke angepasst, wobei elektronische Stellwerke in Waldkirch sowie Gutach entstanden, welche vom Zentralstellwerk in Freiburg-Wiehre gesteuert werden. Der Haltepunkt Gutach wurde zu einem zweigleisigen Kreuzungsbahnhof ausgebaut, um die Realisierung eines ganztägigen Halbstundentakts bis nach Bleibach, in der Hauptverkehrszeit bis zum Endbahnhof in Elzach, zu ermöglichen. Damit die neuen Züge ihr ganzes Potenzial ausschöpfen können, wurde der Oberbau zum Teil im Gebiet der Stadt Waldkirch erneuert, wodurch eine Geschwindigkeit von 80 km/h möglich ist.

Die Kosten von 53,4 Millionen Euro für den Ausbau der Elztalbahn wurden vom Bund, dem Land Baden-Württemberg sowie dem Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) getragen.

Der elektrische Betrieb wurde Anfang August 2021 bis Waldkirch aufgenommen, zunächst mit geliehenen Wagenzügen, ab Oktober mit den nun ausreichend verfügbaren Talent-Triebwagen. Am 11. Oktober 2021 wurde die Strecke auch oberhalb Waldkirch unter Strom gesetzt und am 14. November 2021 begann der fahrplanmäßige Betrieb. Die Züge verkehren wie in der folgenden Tabelle dargestellt. Die S2 wird von der SWEG betrieben.

Linie Strecke Takt HVZ-Takt Freiburg im Breisgau – Gundelfingen – Denzlingen – Buchholz – Waldkirch – Kollnau – Bleibach 30 min 30 min Freiburg im Breisgau – Gundelfingen – Denzlingen – Buchholz – Waldkirch – Kollnau – Bleibach – Elzach 60 min 30 min

Die symbolische Inbetriebnahme wurde am 13. Juni 2021 gefeiert.

Bahnhöfe und Haltepunkte Denzlingen mini|Bahnhof Denzlingen

Der Bahnhof Denzlingen ist der Ausgangspunkt der Elztalbahn, wobei die meisten Züge bereits ab Freiburg (Breisgau) Hbf verkehren. Hier bestehen Anschlüsse an die Regional-Express-Züge Richtung Basel Badischer Bahnhof und Offenburg. Auf Gleis 1, dem Hausbahnsteig, halten die Züge nach Offenburg, auf Gleis 2 die Züge nach Basel und die SWEG-Züge nach Freiburg. Das am Mittelbahnsteig zu Gleis 2 liegende Gleis 3 dient lediglich als Ausweichgleis. Auf dem von Gleis 1 abzweigenden Gleis 5 halten die SWEG-Züge Richtung Waldkirch und Elzach. Die Gleise 6 und 7 für den Güterverkehr sind heute noch vorhanden und werden von der Deutschen Bahn als Abstellgleise für Bauzüge verwendet. Die Gemeinde Denzlingen plant, diese Gleise zurückzubauen und die Fläche für ein P+R-Parkhaus zu verwenden.Feilschen ums Bahngelände In: Badische Zeitung vom 26. Juni 2014, abgerufen am 15. September 2016 Von Denzlingen verkehren Busse in die umliegenden Orte sowie ins Glottertal, nach St. Peter und auf den Kandel.

Waldkirch mini|Bahnhof Waldkirch

Der Bahnhof Waldkirch war bis 1901 Endpunkt der Elztalbahn und blieb bis heute die wichtigste Unterwegsstation. Für den Güterverkehr bestanden umfangreiche Gleisanlagen sowie eine Gleiswaage (35 Tonnen), eine Kopf- und Seitenrampe und ein Überladekran.Stationsverzeichnis der Eisenbahnen Europas. Barthol & Co, Berlin 1939 Hier wurden insbesondere Holz, Altmetall und Fahrzeuge verladen. Über viele Jahre weg wurden Güterwagen per Straßenroller mit Kaelble-Zugmaschine zur Spinnweberei Uhingen in Batzenhäusle zugestellt, später wurde stattdessen ein Anschlussgleis gebaut. Die Firma Peguform verlud Fahrzeugteile noch bis in die 1990er Jahre im Bahnhof Waldkirch.

Am Standort des Güterbahnhofs wurde mit der Einführung des S-Bahn-Betriebes eine Abstellanlage für die Triebwagen errichtet. In Waldkirch sind Zugkreuzungen möglich; im Empfangsgebäude war bis 2020 ein mechanisches Stellwerk der Einheitsbauart untergebracht,Liste Deutscher Stellwerke: W. auf: www.stellwerke.de, abgerufen am 15. Januar 2010 das als letztes seiner Art in Baden mit vereinfachten Lichtsignalen ausgestattet war. Die Abstellanlage für Triebwagen entfiel mit der Modernisierung 2020/2021.

Waldkirch ist ein Bahnhof der Preisklasse 6 und Verknüpfungspunkt zu mehreren Buslinien in der Region, die nach Emmendingen, Elzach, Freiburg, Siensbach und Furtwangen führen.

Kollnau mini|232x232px|Bahnhof Kollnau

Der Haltepunkt Kollnau ging mit der Verlängerung der Elztalbahn 1901 in Betrieb. Die Stationseinrichtung bestand ursprünglich aus einem zweistöckigen Stationsgebäude mit seitlichen Anbauten (Wartehalle und Güterschuppen) und einem freistehenden Toilettengebäude. Bahnhofsgebäude in nahezu identischer Form gibt es auch in Gutach, Bleibach und Oberwinden, teilweise ist die Anordnung von Wartehalle und Güterschuppen getauscht. In Kollnau gab es ein Ladegleis, über das der örtliche Brennstoffhändler Kohle zugestellt bekam, sowie ein Anschlussgleis zur nahe gelegenen Kollnauer Baumwollspinnerei und -weberei.

Nach 1993 wurden alle Nebengleise rückgebaut und so ist Kollnau heute ein Haltepunkt und dementsprechend in die Preisklasse 6 eingeordnet, das Bahnhofsgebäude ist heute in Privatbesitz. An der Bushaltestelle Kollnau Bahnhof halten Busse der Südbadenbus nach Freiburg, Elzach, Siegelau, Furtwangen und Waldkirch.

Gutach mini|232x232px|Zugkreuzung im Bahnhof Gutach