Das Jagdkommando (JaKdo) ist die Spezialeinheit des österreichischen Bundesheers, die in Wiener Neustadt stationiert ist. Zu den Aufgaben gehören Geiselbefreiungen im Ausland, Terrorismusbekämpfung sowie Gebäudeschutz der österreichischen Botschaften und Einsätze in Kriegs- oder Krisengebieten.

Auftrag Das Jagdkommando stellt einen präsenten Einsatzverband der Spezialeinsatzkräfte, der rasch verfügbare Elemente für Einsätze im In- und Ausland bereithält. Jagdkommandokräfte werden im Regelfall in kleinen, unerkannten Einheiten eingesetzt und können dabei folgende Aufgaben wahrnehmen:

Spezialaufklärung zur Gewinnung von Informationen für die Führungsebene; Kommandounternehmen, wie die Festnahme von gesuchten Personen, beispielsweise Kriegsverbrechern, Vernichtung von Stellungen schwerer Waffen, oder die Gefangenen- und Geiselbefreiung von im Ausland festgehaltenen Personen. Militärische Unterstützung, welche das Ausbilden von Soldaten auf Ersuchen von Partnern oder befreundeten Nationen (auch im feindlichen Umfeld) enthält.

mini|Fallschirmspringer des Jagdkommandos mini|Kampftaucher des Jagdkommandos

Außerdem können Jagdkommandokräfte mitwirken bei:

der Absicherung von Such- und Rettungsoperationen Evakuierungen aus Krisen- und Kriegsgebieten Terrorismusbekämpfung Bei internationalen Einsätzen unterstützt das Jagdkommando konventionelle Kräfte, wenn es die besondere Gefährdungssituation eines Krisengebietes verlangt Objektsicherung österreichischer Einrichtungen im Ausland.

Der Personenschutz im Interesse der Republik wurde 2008 an das Kommando Militärstreife & Militärpolizei übergeben.

Organisation Stabsabteilung Grundlagenabteilung Abteilung Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation Einsatzbasis 1. Task Group 2. Task Group 3. Task Group (mob) Lehrabteilung

Einsätze Operationen des Jagdkommandos unterliegen grundsätzlich der Geheimhaltung, bisher bekannt gewordene Einsätze fanden unter anderem im Tschad, Mali, Afghanistan, im Mittelmeer, Libyen, Ägypten, Rep. Zentralafrika, Dem. Rep. Kongo, Kosovo, Bosnien, Albanien und Mazedonien sowie im Rahmen verschiedener internationaler Beobachtermissionen statt.

Darüber hinaus waren Soldaten des Jagdkommandos an Evakuierungen unter anderem in der Ukraine, in Israel, in Nordafrika, der Türkei, in Peru und im Zuge der COVID-19-Pandemie auch in zahlreichen europäischen Ländern beteiligt, werden zur Schlepper-Bekämpfung an der österreichischen Staatsgrenze eingesetzt und nehmen immer wieder an internationalen Übungen und Ausbildungen in verschiedenen Ländern teil, unter anderem in Norwegen, Dänemark, Deutschland, Kroatien, USA und südamerikanischen Staaten.

Einsatz im Tschad mini|Soldaten des Jagdkommando im Rahmen der EU-Mission EUFOR Tchad/RCA im Tschad

Im Dezember 2011 berichtete die Zeitschrift Profil von einem Gefecht zwischen Rebellen und Soldaten des Jagdkommandos, laut dem Bericht töteten die österreichischen Soldaten dabei mehrere Gegner nahe Guéréda.

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht des 18. August 2008 als eine Einheit des Jagdkommandos etwa 140 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Abéché ausrückte und gegen Mitternacht auf eine Gruppe von Einheimischen mit mehreren Verwundeten traf. Nachdem die Jagdkommandoeinheit wenig später bei der Erkundung der Gegend, unter anderem mit Panzerabwehrwaffen, angegriffen wurde, entwickelte sich ein massives Feuergefecht.

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Rekrutierung und Ausbildung Auswahl und Qualifizierung Jeder österreichische Staatsbürger ohne Vorstrafen kann sich zum Jagdkommando bewerben. Voraussetzung dafür ist ein abgeschlossener Grundwehrdienst mit absolvierter erweiterter Kaderausbildung, die Verpflichtung als Zeitsoldat. Zusätzlich ist für die Zulassung zum Jagdkommando-Grundkurs das Bestehen des dreiwöchigen Auswahlverfahrens Voraussetzung, das sich wie folgt zusammenstellt: 8 km Eilmarsch mit 20 kg Rückengepäck über welliges Gelände in höchstens 60 Minuten 30 m Seilklettern im schräg gespannten Seil 300 m Kleiderschwimmen (ohne Schuhe) in 11 Minuten Wassersprung aus 10 m Höhe auf Befehl ohne Zeitverzögerung Hindernisbahn unter 5:10 Minuten „A-E Testung“ (Zwischen den Übungen ist jeweils eine Minute Pause.): mind. 6 Klimmzüge in 60 Sekunden mind. 48 Kniebeugen in 120 Sekunden mind. 31 Liegestütze in 120 Sekunden mind. 25 Sit-Ups in 120 Sekunden mind. 19 Hock-Wechsel-Sprünge in 60 Sekunden 2400-m-Lauf in unter 12 Minuten

Weiters sind noch folgende Überprüfungen zu bestehen: Psychologische und sensomotorische Eignungsfeststellung Eine Belastungsübung zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit und des Leistungswillens Bestehen des Vollkontakt-Kampfes

Das Bestehen des Auswahlverfahrens garantiert jedoch noch keine Aufnahme in den Jagdkommando-Grundkurs, sondern die Bewerber werden nach ihren individuellen Ergebnissen gereiht und nur die tatsächlich benötigte Anzahl an Soldaten zum Kurs zugelassen.

Ausbildung Nach dem positiven Abschluss des Auswahlverfahrens gliedert sich die Ausbildung zum Jagdkommando-Soldaten in folgende Bereiche:

Allgemeine Jagdkommando Grundausbildung Dauer 1 Monat: Hier wird das Wissen und Können der einzelnen Teilnehmer auf ein einheitliches Niveau gebracht um sie auf die bevorstehenden Kurse vorzubereiten. Ausbildungsinhalte sind unter anderem Gefechtsdienst, Scharfschießen und Sanitätsausbildung.

Jagdkommando Grundkurs Dauer 5 Monate: Das Schwergewicht dieser Ausbildung liegt in der individuellen Ausbildung zur Herstellung der Überlebensfähigkeit im Gefechtsfeld der Spezialeinsatzkräfte. Ausbildungen im Bereich Sprengen, Gefechtstechniken, Nahkampf, Scharfschießen, Fernmeldewesen und Sanitätswesen für Spezialeinsatzkräfte sind Teil des Grundkurses. Am Ende des Kurses wird jedem Absolventen das begehrte schlammgrüne Jagdkommando-Barett überreicht.

Einsatzausbildung 1 „EA1“ Dauer 12 Monate: Diese Ausbildung dient der Erreichung der ersten Einsatzbereitschaft. Mit Beginn der Einsatzausbildung startet auch die Teamausbildung sowie die Spezialisierung der Jagdkommandosoldaten. Typisch sind Spezialisierungen in den Bereichen Waffentechnik, Sanitätswesen, Kommunikation sowie der Technik des Pionierwesens. Um in schwierigen Einsätzen erfolgreich zu sein, müssen die Jagdkommandosoldaten ein perfektes Team bilden. Außerdem ist ein hohes Maß an Fachwissen und Können erforderlich. Inhalte sind die international genormte und anspruchsvolle Überlebensausbildung (SERE), Ausbildungen zu Lande, zu Wasser und aus der Luft (Fallschirmsprungausbildung Rundkappe, Fast-Roping usw.). Schwergewicht sind jedoch die Einsatzarten Spezialaufklärung und Kommandounternehmen. Diese stellen die Schwerpunkte in dieser Phase dar. Am Ende dieses Abschnittes mit Erreichung der ersten Einsatzbereitschaft erfolgt die Verleihung des Jagdkommandoabzeichens sowie die Übernahme in die Einsatzorganisation des Jagdkommandos.

Einsatzausbildung 2 und 3 „EA2, EA3“ Individuelle Dauer: Die Einsatzausbildung 2 und 3 wird in Folge modulartig durchgeführt und dient der Erreichung der vollen Einsatzbereitschaft sowie der Spezialisierung. In diesen Abschnitten der Ausbildung erfolgen weiterführende Spezialisierungen im Verband Jagdkommando. Dazu gehören unter anderem:

Erweiterte Gebirgsausbildung (Heereshochgebirgsspezialist, Heeresbergführer) Einsatztechnische Sonderlagen (Schiff, Bahn, Bus etc.) Militärische Fallschirmsprungausbildung (Freifallausbildung, Sprung auf spezielle Landezonen) Heereslenkberechtigungen für geschützte Kfz (HUSAR, DINGO) und Sonderfahrzeuge Umfeldausbildungen (Subarktis, Wüste, Dschungel) Ausbildung zum Kampfschwimmer Sondersprengbefugnisse Weiterbildung in den Spezialfunktionen des Kommunikations-, Sanitäts-, Pionier- oder Waffenwesens Spezialausbildung zum Scharfschützen, SOTAC oder Hundeführer Spezialisierung für teilstreitkräfteübergreifende Waffenmittel (JTAC)

Aufgrund der körperlichen und geistigen Anforderungen schließen nur etwa 15 % der Bewerber den Kurs ab.

Zusätzlich trainiert das Jagdkommando auch Spezialisten für andere Teile der Armee. Dafür ist die Abteilung Sondereinsätze zuständig. Diese Abteilung gliedert sich in verschiedene Lehrgruppen.

Lehrgruppe 1: Das Herzstück des Jagdkommandos, hier werden Kommandounternehmen, Spezialaufklärung, spezialisiertes Schießen und Sprengen sowie der militärische Nahkampf gelehrt. Lehrgruppe 2: Fallschirmspringerausbildung. Diese Gruppe leitet auch Kurse für die Luftlandetruppen des Jägerbataillons 25, Militärakademiker und Unteroffiziere. Lehrgruppe 3: Kampfschwimmer- und Kampftaucherausbildung. Diese Lehrgruppe bildet auch die Pioniertaucher der Pioniertruppe des Bundesheeres aus. Lehrgruppe 4: Umfeldausbildung in Dschungel, Wüste und Gebirge. Außerdem wird hier das Überlebenstraining für Spezialeinsatzkräfte und Luftfahrzeug-Besatzungen des Bundesheeres gelehrt.

Ausrüstung mini|STEYR AUG A3 SF Bei Informationen über die Ausrüstung hält sich das Jagdkommando in der Regel sehr bedeckt.

Neben der beim Bundesheer eingeführten Ausrüstung verwendet es eine ganze Reihe von zusätzlichen Waffen und Ausrüstungsgegenständen, die anderen Einheiten nicht zur Verfügung stehen, wie zum Beispiel das Steyr AUG A3 SF, das HK417, die FN P90 oder eine speziell für das Jagdkommando konfigurierte Glock 17 Gen 5 FDE.

Weiters verfügt das Jagdkommando über Ausrüstung, wie sie auch bei anderen Spezialeinheiten üblich ist, wie z. B. moderne digitale Kommunikationsmittel, Empfänger zur Satellitennavigation, Nachtsichtbrillen und -zielgeräte der neuesten Generation sowie Sonderausrüstung für Fallschirmspringer, Kampftaucher, Personenschützer und Einsätze im Gebirge oder im verbauten Gebiet. Unter anderem wurde auch eine eigene, in Tagesportionen verpackte Verpflegung, eingeführt.

Uniform und Abzeichen mini|Das Jagdkommandoabzeichen wird auf der Uniform und dem Barett getragen. Für die Uniform gibt es zusätzlich Abzeichen aus Stoff (siehe unteres Bild). mini|Kampfschwimmerabzeichen (oben) und Grundkursabzeichen des Jagdkommando aus Stoff.

Ursprünglich trugen Angehörige des Jagdkommandos nach dem Abschluss des Grundkurses das bei Luftlandeeinheiten übliche weinrote Barett, seit 2003 ist die Farbe des Baretts schlammgrün.

Nach dem positiven Abschluss des Jagdkommandogrundkurses tragen Soldaten (auch nach dem Verlassen der Einheit) das Kommandoabzeichen auf der Uniform über der linken Brusttasche und zusätzlich anstelle des üblichen Bundesadlers auf dem Barett.

Zwischen- und Todesfälle

Todesfall bei Tauchübung, 2006 Im August 2006 galt nach einer militärischen Tauchübung ein Jagdkommando-Soldat als vermisst. In den darauffolgenden Tagen konnte die Leiche des 23-Jährigen nach einer Suchaktion, an welcher rund 550 Soldaten beteiligt waren, in der Donau bei Rossatz (Bezirk Krems, Niederösterreich) gefunden werden. Der Soldat war bei einem Manöver vermutlich durch die Strömung unter einen Schwimmkörper gezogen worden.

Todesfall bei Fallschirmsprung, 2010 Im März 2010 stürzte ein Unteroffizier des Jagdkommandos bei einer Bundesheerübung beim Fallschirmspringen in den Tod. Laut der Kommission, welche den Fall untersuchte, dürfte der Soldat nicht jene Fluglage eingenommen haben, welche für das exakte Öffnen des Fallschirms notwendig ist. Der Hauptschirm wurde somit nicht vollständig aus seiner Verpackung herausgezogen und wickelte sich um den Soldaten. Vor dem Öffnen des Reserveschirms ist es dem Soldaten auch nicht mehr gelungen, den Hauptschirm vollständig abzutrennen, weshalb sich auch der Notschirm verwickelte.

Todesfall bei Fallschirmsprung, 2017