Die Muskete war eine humoristische Wochenzeitschrift, die ab dem 5. Oktober 1905 in Wien jeden Donnerstag herausgegeben wurdeanno.onb.ac.at und bis zum Jahre 1941 erschien. Als Herausgeber und verantwortlicher Redakteur zeichnete Adolf Moßbäck. Er beschrieb die Programmrichtung der neuen Wochenschrift folgendermaßen: „Und wir wollen österreichisch sein. Heimische Zeichner, heimische Autoren. Österreichisch werden wir auch in unserer Stellung zur Armee bleiben, der ein Teil des Inhaltes besonders gewidmet ist…“Reichspost. XII. Jg., Nr. 228, 6. Januar 1905, S. 4.
„Die Muskete“ verband, wie andere zu dieser Zeit gegründete humoristische Zeitschriften, die Werke junger, heimischer Künstler und Zeichner mit dem Schaffen junger österreichischer Literaten. Gleichzeitig legte die Zeitschrift großen Wert auf die künstlerische Gestaltung und die hohe Qualität der Inhalte. Die Zeitschrift war ursprünglich für Offizierskreise bestimmt und erlangte rasch große Bedeutung, da man sich das Ziel gesetzt hatte, sie zu einem österreichischen Pendant des Simplicissimus zu gestalten, wodurch sie später weitere Verbreitung fand und sehr populär wurde. Sie kämpfte gegen Auswüchse im politischen, bürokratischen, klerikalen, militärischen und sozialen Bereich. Während des Ersten Weltkriegs entwickelte sie sich zu einem „lustigen Soldatenblatt“. 1919 verschwand der Untertitel „Humoristische Wochenschrift“ und die Zeitschrift wandelte sich vom Witzblatt zur illustrierten Herrenzeitschrift.Murray G. Hall u. a.: Die Muskete. Kultur- und Sozialgeschichte im Spiegel einer satirisch-humoristischen Zeitschrift 1905–1941. Edition Tusch, Wien 1983, ISBN 3-85063-137-0.
Die Zeitschrift im Ersten Weltkrieg Während des Ersten Weltkriegs verhielt sich das Blatt loyal gegenüber Kaiser, Staat und den Behörden und stimmte in den Text- und Bildbeiträgen in einen sehr überzeugten Patriotismus ein, wobei das Hauptaugenmerk auf dem „äußeren“ Feind lag. Auf dem Titelblatt der Ausgabe vom 6. August 1914 wurde der auferstandene Prinz Eugen an der Spitze der österreichisch-ungarischen Soldaten gezeigt, wie er als Reichsmarschall seine Truppen gegen Belgrad anführt. Das Titelblatt trägt anstatt einen Titel lediglich das Datum der österreichisch-ungarischen Kriegserklärung an Serbien. Ab Juli 1914 dominierte somit eine patriotische Linie, die alle anderen Themen in den Hintergrund drängte. Feindbilder wurden kreiert und ausgestaltet, um die Gegner lächerlich und bestialisch darzustellen. Dadurch wurde das Blatt immer leserspezifischer und verwandelte sich während des Ersten Weltkrieges von der „humoristischen Wochenschrift“ zum „lustigen Soldatenblatt“, und es wurde für neue Feldpostabos, wie zum Beispiel am 7. Oktober 1915 geworben: „Senden Sie Ihren lieben Helden das lustige Soldatenblatt ‚Die Muskete‘ ins Feld!“ Mit humoristischen Artikeln gegen die Feinde und Fotografien von heimischen Soldaten im Felde die Muskete lesend wurde die Kriegspropaganda aufrechterhalten. Autorenabende, die im Dienste der patriotischen Sache standen, wurden veranstaltet und deren Erlöse unter anderem dem „Kriegsfürsorgeamt des k.k. Kriegs-Ministeriums“ zur Verfügung gestellt. Die Muskete setzte sich bis zum Ende des Ersten Weltkrieges für die Zeichnung von Kriegsanleihen ein und verteidigte seine Kriegsbefürwortung zunehmend gegen pazifistische Kreise.Murray G. Hall u. a.: Die Muskete. Kultur- und Sozialgeschichte im Spiegel einer satirisch-humoristischen Zeitschrift 1905–1941. Edition Tusch, Wien 1983, S. 13.
Nationale Stereotype während des Ersten Weltkriegs Serbien Da Serbien seit Beginn des Ersten Weltkrieges als Hauptgegner Österreich-Ungarns ausgemacht wird, sind von Anfang an in der Zeitschrift „Die Muskete“ Karikaturen zu Serbien vertreten. „Serbisches Regierungs-Prinzip“ im Beiblatt der „Muskete“ am 9. Juli 1914 mit dem Untertitel: „Merkt euch Kinder: Am besten schützt man sich vor Attentaten, indem man selber welche veranlaßt!“ „Sarajewo“, Titelblatt Zeichnung von Fritz Schönpflug am 16. Juli 1914 mit dem Untertitel: „Wir waschen unsere Hände in Unschuld!“ Über die gesamte Kriegsdauer finden sich knapp 100 Karikaturen mit serbischem Bezug, wobei diese in der ersten Kriegshälfte stärker vertreten sind als in der zweiten. Dies hängt damit zusammen, dass Ende 1915/Anfang 1916 der Feldzug gegen Serbien als erfolgreich abgeschlossen galt. Im Kriegsverlauf wandelt sich auch die Darstellungsform dieses Feindes, vom verschlagenen, hinterhältigen Attentäter zur verwahrlosten Person ohne Land. Serbien wird oft in Form einer Porträtkarikatur, am Häufigsten in Person des serbischen Königs Peter I., dargestellt. Weitere serbische Persönlichkeiten in der Karikatur sind Kronprinz Alexander, Premierminister Nikola Pašić und der ältere Sohn Peters, Prinz Georg von Serbien.Christian Markus Köhler: Feindbilder. Nationale Stereotype in Karikaturen zur Zeit des Ersten Weltkrieges am Beispiel der humoristischen Wochenschrift Die Muskete. Diplomarbeit. Universität Wien, 2008, S. 133.
Montenegro Als enger Verbündeter Serbiens tritt Montenegro von Beginn des Ersten Weltkriegs in den Karikaturen auf. Die Montenegriner und deren König Nikola werden als verschlagenes Balkanvolk dargestellt, welches nur bei Schönwetter kämpft und sich absetzt, wenn die Situation kritisch wird. Dies hat seinen historischen Hintergrund in König Nikolas Flucht vor dem Feinde. Im Gegensatz zu seinem serbischen Verbündeten Peter I. soll König Nikola Anfang 1916 sein Heer im Stich gelassen haben und mit seinen Regierungsmitgliedern ins italienische Exil geflüchtet sein. „Montenegrinische Volkswirtschaft“, Zeichnung von Willy Stieborsky am 17. September 1914 mit dem Untertitel: Wenn das Volk schon keinen Unterhalt hat, soll’s wenigstens eine Unterhaltung haben. „König Ohneland III“, Zeichnung von Willy Stieborsky am 20. Jänner 1916 mit dem Untertitel: Alle montenegrinischen Ortsnamen in meinen Siegesberichten versieht der Höfer mit dem Vermerk: „Auf der Karte nicht auffindbar“. Bald wird mein ganzes Landl auf der Karte nicht auffindbar sein! Serbiens Verbündeter Montenegro wird auch auf Grund seiner wirtschaftlich miserablen Lage nicht ernst genommen. „Ein Vorschlag“, Zeichnung von Fritz Schönpflug am 13. August 1915 mit dem Untertitel: Montenegro ist durch einen einzigen Österreicher zu überwinden: nämlich durch einen gut ausgerüsteten Geldbriefträger.Christian Markus Köhler: Feindbilder. Nationale Stereotype in Karikaturen zur Zeit des Ersten Weltkrieges am Beispiel der humoristischen Wochenschrift Die Muskete. Diplomarbeit. Universität Wien, 2008, S. 144.
Russland Russland gilt als einer der wichtigsten Feindbilder, da es als panslawische Großmacht und als großer Bruder Serbiens angesehen wird. Im Vergleich zu anderen Hauptfeinden der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde Russland während des Krieges am zweithäufigsten, mit knapp 300 Abbildungen, dargestellt. Die Zahl nimmt ab 1918 stark ab, da Russland aus dem Krieg ausscheidet und mit eigenen revolutionären Ereignissen konfrontiert ist. Russland wird als ein Land dargestellt, das man auf Grund seiner Größe nicht unterschätzen darf. Jedoch in Bezug auf Kultur, Bildung, Technologie und Wirtschaft fühlt man sich dem Zarenreich qualitativ überlegen und so wird die herrschende Klasse als weltfremd und naiv, aber auch als skrupellos und machtbesessen dargestellt. Das gemeine Volk und die Soldaten werden als dumm und unkultiviert, mit einem starken Hang zu Aberglaube und Alkoholismus gezeichnet. Eine beliebte Darstellungsform ist hierbei der „Iwan“, ein Bauer, der in eine Uniform gezwungen wurde.Christian Markus Köhler: Feindbilder. Nationale Stereotype in Karikaturen zur Zeit des Ersten Weltkrieges am Beispiel der humoristischen Wochenschrift Die Muskete. Diplomarbeit. Universität Wien, 2008, S. 162. „Bleigießen in St. Petersburg“, Zeichnung von Rudolf Herrmann am 31. Dezember 1914 mit dem Untertitel: Zu ebener Erde und im ersten Stock. „Russische Entdeckungen“, Zeichnung von Willy Stieborsky am 8. April 1915 mit dem Untertitel: So sehn also bei diesen Schweinehunden die Hemden aus.
Frankreich Als Kernmitglied der Entente wird Frankreich ebenfalls von Beginn an als einer der Hauptfeinde dargestellt, wobei verschiedenste Darstellungsformen gewählt werden: die Porträt- und Typenkarikatur, vertreten durch Staatspräsident Raymond Poincaré und Marschall Joseph Joffre; als Bestie und Kriegsverbrecher, der wehrlose und verwundete Gegner ermordet oder als Lügner und Geschichtsfälscher in Zusammenhang mit Pressedarstellungen. Der Soldat wird meist als ein in Uniform gesteckter Zivilist dargestellt, der ein genussreiches, ziviles Leben dem entbehrungsreichen Kriegsalltag vorzieht. Die Figur der „Marianne“ wird oft als typische Vertreterin Frankreichs eingesetzt.Christian Markus Köhler: Feindbilder. Nationale Stereotype in Karikaturen zur Zeit des Ersten Weltkrieges am Beispiel der humoristischen Wochenschrift Die Muskete. Diplomarbeit. Universität Wien, 2008, S. 182. „Mutter Marianne.“, Zeichnung von Karl Alexander Wilke am 2. Juli 1914 mit dem Untertitel: „Diese Fratze sollte ich schon einmal wo gesehen haben.“ „Im Namen der Zivilisation“, Zeichnung von Franz Wacik am 3. September 1914 mit dem Untertitel: Au nom de la civilisation! „Vision“, Zeichnung von Hans Strohofer am 22. Oktober 1914 mit dem Untertitel: „Nur nicht den Kopf verlieren, Poincaré.“ „Das entschleierte Bild zu Paris“, Zeichnung von Josef v. Divéky am 30. März 1916 mit dem Untertitel: „Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld! Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein.“ "Die Lage in Frankreich, Zeichnung von Fritz Schönpflug am 28. Dezember 1916 mit dem Untertitel: „Goddam, wenn das Tempo noch langsamer wird, läuft uns nicht nur der glorreiche Sieg, sondern auch der ehrenvolle Frieden davon!“ Da Frankreich auch eine bedeutende Kolonialmacht war, werden auch rassistische Stereotype, mittels Darstellung von Schwarzafrikanern, entweder halbnackt oder in französischer Uniform, aber auch als Nachwuchs, bedient.Christian Markus Köhler: Feindbilder. Nationale Stereotype in Karikaturen zur Zeit des Ersten Weltkrieges am Beispiel der humoristischen Wochenschrift Die Muskete. Diplomarbeit. Universität Wien, 2008, S. 183. „Paris 1915.“, Zeichnung von Hans Strohofer am 8. Oktober 1914 mit dem Untertitel: „Ein Gutes hat der Krieg doch gehabt. Er hat die grande nation vor dem Aussterben bewahrt.“ Großer Kriegsrat in Paris., Zeichnung von K. A. Wilke am 16. Dezember 1915 mit dem Untertitel: „Aber Kamerad, Sie bohren doch in der Nase!“ „Da kommt wenigstens was heraus.“
Großbritannien Großbritannien, seit August 1914 in den Krieg involviert, wird am Häufigsten zum Zielpunkt des Spottes und der Karikatur und somit zum Hauptfeind der Mittelmächte. England wird in Österreich als militärisch, politisch und wirtschaftlich überlegen gesehen, aber moralisch als weit unterlegen, was zum Sieg verhelfen wird. Der Feind wird wegen seiner Stärke bewundert und gefürchtet und so wird versucht mittels moralischen und ideologischen Werten die Unterlegenheit zu verbergen. Der aufrichtige und ehrliche Charakter wird siegen. England wird im Gegensatz dazu als lügnerisch und heuchlerisch gezeigt. Ihre Machtposition erhalten sie, indem sie die Nationen mit Zuckerbrot und Peitsche dominieren.Christian Markus Köhler: Feindbilder. Nationale Stereotype in Karikaturen zur Zeit des Ersten Weltkrieges am Beispiel der humoristischen Wochenschrift Die Muskete. Diplomarbeit. Universität Wien, 2008, S. 193. „Der Dresseur in Nöten“, Zeichnung von Willy Stieborsky am 20. Jänner 1916 mit dem Untertitel: „Damned! Je mehr Hunde ich an die Leine kriege, desto weniger Respekt hat die Meute vor mir!“ „Dresseur Loyd Georg“, Zeichnung von Rudolf Herrmann am 28. Dezember 1916 mit dem Untertitel: „Brav sind ja die Viecher. Aber man darf doch keinen Augenblick die Peitsche aus der Hand legen.“